Interview Erin Lenaris

Zu Besuch bei: Erin Lenaris

Ich freue mich immer sehr, wenn ich mit dem Skoutzi Kollegen besuchen darf, die ich noch gar nicht kenne. Das hat immer was von Blind Dates, ein kalkuliertes Abenteuer, denn der Grund für den Besuch ist ja meist ein Buch, also hat man einen ersten Eindruck.

Heute sind wir also bei Erin Lenaris, die mit den Ring-Chroniken von Fantasy-Jurorin J.K. Bloom für die Midlist Fantasy des diesjährigen Skoutz-Awards nominiert wurde und von dort den Sprung auf die Shortlist 2021 und ins Finale geschafft hat. Mal sehen, was uns da so erwartet …

Fantasy

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Kay zu Besuch bei Erin Lenaris, die zu ihren Adjektiven steht.

Autorenbild Erin Lenaris Skoutz-Award 2021Hallo Erin, wie schön, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Diese Kombination aus Wissenschaft und Fantasy klingt ja zuallererst mal zeitlich fordernd, zumal du dich als treue Seele bezeichnest, die Romanfiguren wie Studenten durch alle Höhen und Tiefen auf ihrem Weg zum ersehnten Happy-End begleitet.

Da freut es mich umso mehr, dass wir kommen durften. Lass uns gleich mal anfangen …

 

Welches ist die größte Herausforderung, der man sich als Autor stellen muss?

Man braucht auf jeden Fall Geduld, bis eine Geschichte bei den Lesern landet – VIEL Geduld!

Oh ja. Da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus. Wofür geht denn deine Geduld dabei drauf?

Plotten, Figurenentwicklung, Worldbuilding, Schreiben, Überarbeiten, Ausfeilen, Exposés, Agentursuche, Verlagssuche, Ablehnungen, Ablehnungen, Ablehnungen, Lektorat, Produktionszeit …

Hui! Ich sehe schon, du hast da auch schon deine Erfahrungen gemacht.

Der große Michael Ende meinte mal in einem Interview, literarischer Erfolg sei in hohem Maße eine Frage des Portos. Das hat sich heute ein bisschen überholt, gilt aber im Grundsatz immer noch. Jetzt hab ich schon gefragt, wofür du Geduld brauchst. Aber wie viel Geduld war denn schlussendlich erforderlich?

Von der ersten Idee zu meinen Ring-Chroniken vergingen viereinhalb Jahre bis zur Erstauflage und sechseinhalb Jahre, bis mein Debüt seine endgültige Verlagsheimat gefunden hat. Aber Ringbrecher geben niemals auf.

Da ist der Erfolg dann auch verdient. Keine FrageDer Skoutz-Kauz und ich sind wirklich froh, dass du so beharrlich warst, wir wollen die Ring-Chroniken jedenfalls nicht mehr in unserem Buchregal missen.

Aber es sind ja nicht nur die Autoren, die Geduld brauchen.

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Hast du Lieblingsworte in deinen Skripten, die vom Lektorat regelmäßig angestrichen werden?

Meine Figuren strecken oft den Rücken, zucken mit den Schultern oder kommunizieren mit Blicken. Vor Füllwörtern bin ich auch nicht gefeit – aber meine geniale Lektorin Veronika Carver/Serwotka putzt das zuverlässig aus!

Dann stellvertretend für all die tollen Lektoren, die unsere Rohdiamanten zum Funkeln bringen: Ein dickes Dankeschön!

Bleiben wir mal noch kurz beim Schreiben …

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Was ist deine präferierte Erzählform?

Meine Jugendromane habe ich bisher in der Ich-Form im Präsens geschrieben, da ich die Geschichte gerne unmittelbar durch die Augen meiner Heldin erlebe, mich mit ihr identifiziere und mit ihr Rätseln auf den Grund gehe.

Das ließe sich ja technisch auch in der 3. Person machen, wenn man halt streng die Perspektive der Figur einhält. Ich persönlich kann mich weniger mit der Ich-Form identifizieren, weil ich da nicht miterlebe, sondern es von der Figur erzählt bekomme. Aber weil du die Jugendromane so betonst, schreibst du sonst noch anders?

Seit ich jedoch auch Kurzgeschichten verfasse, finde ich zunehmend Gefallen an der erweiterten Perspektive eines Er-Erzählers. Mal sehen, was als nächstes kommt!

Vielleicht die Erzählung im Präteritum? Ich finde, auch die Vergangenheitsform hat ihren Reiz.

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Bist du im Team Adjektiv oder bevorzugst du eher einen schnörkellosen Stil?

Die Schmetterlinge tanzten wie lebendige Scherenschnitte vor dem flammenden Abendrot. Die größeren bewegten ihre durchscheinenden Flügel ruhig und elegant, während ihre kleineren Artgenossen ungestüm um sie herumflatterten. Ein Schmetterling löste sich aus dem Schwarm, glitt auf Eero zu und landete auf dessen ausgestrecktem Zeigefinger. Eero musterte ihn für einen Moment, bevor er behutsam den Draht zurechtbog, der den linken Flügel des Schmetterlings mit seinem dünnen Kunststoffkörper verband. Das Insekt vibrierte kurz, dann erhob es sich wieder anmutig in die Luft.“

So beginnt meine erste Kurzgeschichte. Man sieht: Ich liiiebe Adjektive!

Du sagst das mit so einem Leuchten in den Augen und diesem leicht rebellischen Unterton. Das klingt, als hättest du durchaus auch Berührung mit einem eher reduzierten Schreibstil gehabt …?

Ja, in meinen literaturwissenschaftlichen Seminaren wurde ich mit Hemingway traktiert und ich bewundere „Papas“ trockenen Stil. Aber hat ihn das glücklich gemacht? Offenbar nicht.

Wir hätten ihm ein paar Schreibtipps statt Whiskey gegeben*Lach*

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Hast du einen speziellen Trick, um aus deinen Figuren echte Persönlichkeiten zu machen?

Ich mache sie unperfekt, gebe auch meinen Helden ihre Schwächen, Ängste, nervige Macken.

Das finde ich gut. Ich mag diese satirisch überhöhten Helden nicht, die einfach alles und das auch noch besser können. Es ist ja durchaus spannend, wenn eine Figur nicht nur die von mir ersonnenen Hürden zu bewältigen hat, sondern eben auch sich selbst überwinden muss. Habe ich schon gesagt, dass ich deine Bücher mag? Wie kommst du denn auf diese „nervigen Macken“?

Ganz einfach: Ich beobachte ständig die Leute um mich herum und schaue mir optische Details, Spleens und kleine Ticks ab.

Das ist mutig. Macht dich das nicht mittelfristig ziemlich einsam? *gg*

Nein! Es ist schon gut, dass die wenigsten um mich herum von meiner „geheimen Identität“ als Autorin wissen.

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Welches Buch liegt gerade auf dem Nachttisch?

Ich will ja nicht angeben (okay, doch, will ich), aber ich darf gerade Caroline Brinkmanns neuen Roman testlesen – und er ist unglaublich! So gerne ich euch jetzt davon vorschwärmen würde: Ich darf kein Wort darüber sagen!

Das ist jetzt aber schon unfair, oder? Uns erst anfixen und dann hungern lassen. Komm, irgendeine kleine Info rückst du jetzt raus. Sonst verraten wir Caro, dass du uns hier so quälst, als hochskoutzige Autorin wird sie das nicht wollen (hoffentlich). 

Nur so viel: Fans der „Clans von Tokito“ werden hier wieder voll auf ihre Kosten kommen!

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Welche 3 Dinge im Leben sind dir aktuell am wichtigsten?

Dürfen es auch drei Menschen sein?

Okay.

Oder sogar vier?

Okay …

Dann beinhaltet das „Ranking“ meinen Sohn, meinen Mann und meine Eltern!

Ja, da braucht man vier. Das verstehe ich. 

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Wenn du wählen könntest, wärst du lieber extrem intelligent oder gut im Umgang mit Menschen?

Extrem intelligent bin ich ja schon (und bescheiden!), also nehme ich das andere.

Und ein großer Stratege bist du auch …

Nein, Quatsch!

Ich halte die sogenannte „emotionale Intelligenz“ für sehr wichtig.

Vor allem, weil er dir beides erlaubt und die Entscheidung erspart. Sehr clever.

Der Begriff beschreibt die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle richtig einzuschätzen und einfühlsam darauf zu reagieren. Wer diese Art der Intelligenz nicht hat, wird immer wieder schmerzhaft anecken.

Nicht unbedingt, fürchte ich. Merkt der Hammer, dass er alles kaputt schlägt, stört es ihn? Die Literatur ist ja durchaus voll von Figuren, die überhaupt nicht bemerken, was ihnen an Gefühl entgeht, weil sie nichts fühlen. Oder erst zu spät, was ihnen entgangen ist.

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Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Als mein Mann vor Corona noch viel auf Dienstreisen war, stand ich nachts oft auf, um ihn nach einem späten Heimflug willkommen zu heißen. Während der Stillzeit knurrte mir oft so laut der Magen, dass ich mich nachts zum Kühlschrank geschlichen habe. Und jetzt?

Ja? Was machst du jetzt? So ganz fernab von Mutter- und Gattinnenjob.

Greife ich oft um Mitternacht zu meinem Kindle, wenn eine heiß ersehnte Neuerscheinung endlich als Ebook geladen wurde!

Tröste dich! Da bist du nicht allein!

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Was ist deine größte Stärke?

Soll das hier ein Bewerbungsgespräch werden?

In gewisser Weise ja, denn wir empfehlen dich ja für den Skoutz-Award. Außerdem kannst du einen Platz in unserem Herzen bekommen.

Dann bin ich gewissenhaft, loyal und natürlich ein gaaanz großer Teamplayer. Ach ja und ich führe mit transparenter Kommunikation und gegenseitigem Respekt.

Äh … gut zu wissen. Wir kommen gern darauf zurück …

Was, ihr habt gar keinen Job für mich? Äh … dann denke ich, dass ich meine Ungeduld recht gut zügeln kann. Siehe Punkt 1.

Wir auch. Sobald wir uns dich leisten können, kommt unser Scout-Skoutz auf dich zu!

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Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das es tun würde?

Ein Jumboglas Nutella kaufen und mit dem Esslöffel rausfuttern! (Macht mein fast vierzigjähriges Selbst übrigens auch manchmal. The perks of being a „grown-up“.)

Das beruhigt mich, dass du das so siehst, denn ich sehe das im selben Alter auch durchaus nicht als Privileg der Kurzen!

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Welcher fiktionale Charakter ist unglaublich, wäre aber in banalen alltäglichen Situationen unerträglich?

Ich verehre den „Dark Knight“ Batman und auch sein alter Ego Bruce Wayne mag mit seinem Vermögen und seinem Look (Christian Bale, Mädels!) wie eine gute Partie wirken.

Optisch stimme ich zu …

Aber möchtet ihr jeden Tag einen humorlosen, verbitterten Asketen mit fragwürdigen Moralvorstellungen an eurer Seite? Näh, danke.

Wohl wahr! Da reichen mir schon die ganzen Menschen in den Sozialen Netzwerken.

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Stell dir vor, du würdest einen Geheimbund gründen, wie würde er heißen und was wäre eure Mission?

Die „Schwertfeen“ würden sich in die Träume lieber Menschen einklinken, in gute wie böse. In Alpträumen würden wir Stürzende auffangen, Fliehenden Flügel verleihen und Monster zur Strecke bringen. In Wunschträumen hingegen würden wir still zuhören, um den Träumern dann im realen Leben eine Freude zu machen.

Oh das ist wunderschön! Da wäre ich gerne dabei. Vielleicht mutiert das doch noch zum Bewerbungsgespräch.

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Gibt es was, das du besser als die meisten kannst, was ist deine Superkraft?

Die Superkräfte überlasse ich lieber meinen Romanhelden – wobei, es gibt tatsächlich eine Sache, die bisher keinem Menschen außer mir gelungen ist …

Und die wäre …

Meinen Sohn zum Einschlafen bringen!

Das ist eine für eine Autoren-Mama aber wirklich wichtige Eigenschaft! Ich bin mir sicher, viele Kollegen mit kleinen Kindern werden dich glühend um diese Superkraft beneiden.

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Was wolltest du der Welt schon immer sagen? Raus damit!

Liebe Büchermenschen, ihr seid so wunderbar kreativ, verrückt und lieb! Ich bin glücklich, Teil eurer Community zu sein.

Liebe Erin, es war uns ein Fest, hier mit dir plaudern zu dürfen und wir freuen uns ganz narrisch, dass wir dich im Skoutz-Nest willkommen heißen dürfen. Dein Bewerbungsgespräch hast du mit Auszeichnung bestanden und wir hoffen sehr, noch ganz viel von dir zu hören. Mit und ohne Nutella!

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Liebe Erin, es war wie erwartet ein großes Vergnügen, mit dir zu plaudern und ich hoffe wirklich sehr, dass wir uns noch oft sprechen können. Sehr gerne auch anlässlich von neuen Erin Lenaris -Büchern.

Dankeschön!

 

Hier könnt ihr Erin Lenaris treffen

 

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Skoutz-Lesetipp

Ring-Chroniken 1 - Berufen - Erin LenarisDie Ring-Chroniken 1: Begabt – Dystopische Fantasy von Erin Lenaris

Wie schmerzhaft sind Lügen?
Was, wenn du sie fühlen könntest?
Von ihnen umringt wärst?

Die 16-jährige Emony verfügt über eine Gabe: Sie kann Lügen erkennen. Doch diese Fähigkeit bringt sie in Gefahr, als sie ihre Heimat, die lebensfeindliche Rauring-Wüste, verlässt. Denn es gibt nur eine Möglichkeit, der mörderischen Hitze und dem quälenden Durst zu entkommen – Emony muss eine Ausbildung bei dem Unternehmen beginnen, das die weltweite Wasserversorgung kontrolliert.

Rasch kommt sie dahinter, dass ihr Arbeitgeber die Wüstenbewohner betrügt. Der einzig ehrliche Mensch scheint ihr Ausbilder Kohen zu sein, für den sie bald mehr empfindet. Kann sie ihm im Kampf gegen den übermächtigen Gegner vertrauen? Und sind die Lügen noch viel größer als vermutet?

Skoutz meint: Jugenddystopie ist nun nicht gerade ein Schlagwort, das mich hibbelig macht, wenn ich ein Buch aus dem SuB ziehe. Eine Empfehlung von J.K. Bloom schon eher. Und was soll ich sagen? Obwohl es eine Jugenddystopie ist, obwohl das Buch in 1. Person Präsens geschrieben ist, obwohl es der erste Teil einer Trilogie ist … habe ich das Buch auf einen Sitz gelesen. Weil es richtig, richtig gut ist. Weil Erin Lenaris mit Worten Bilder malt und aus diesen Bildern Geschichten spinnt. Ihr Figuren sind logisch, ihre Erklärungen griffig. Ich mag ihren Weltenbau. Ich mag die Ring-Chroniken und da der dritte Teil im Award ist, muss ich mir jetzt noch Teil 2 besorgen (kn)

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[Werbung] Wenn ihr wie geplant neugierig geworden seid, könnt ihr die Leseprobe über unseren Affiliate-Link* auf Amazon anschauen oder – besser noch – das Buch gleich kaufen.

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Die Ring-Chroniken - Fantasy Shortlist 2021 Skoutz-AwardMehr Info

Der dritte Band der Ring-Chroniken (Berufen) ist für die Midlist Fantasy des Skoutz-Awards nominiert und steht nun im Finale. Das Buch wurde in diesem Zusammenhang bereits von uns besprochen (weiterlesen).

Wir hoffen natürlich, dass auch dieses Interview von Erin Lenaris dazu bei trägt, dass die Ring-Chroniken im Wettbewerb weiterkommen und drücken fest die Daumen.

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Hinweis:
Wenn ihr die Ring-Chroniken schon kennt, würdet ihr uns, dem Autor und allen lektüresuchenden Lesern einen großen Gefallen, wenn ihr das Buch in der Skoutz-Buchdatenbank mit einer  Skoutz-Buchfieberkurve bewerten würdet. 5 Klicks statt 5 Sterne. Einfacher lässt sich eine Rezension nicht schreiben, bequemer kann man sein nächstes Buch-Date nicht finden. Und so helft ihr, dass unsere Buchfindemaschine weiter wächst.

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