Interview Sara Wolf

Zu Besuch bei Sara Wolf

Ich bin mal wieder mit dem Skoutz-Kauz on Tour – diesmal sind wir in Portland, Oregon, wo wir Sara Wolf treffen, die uns mit ihren zauberhaften Geschichten in fantastische Welten entführt.

Natürlich war ich neugierig, wen wir da treffen und habe vorab ein wenig recherchiert. Dabei habe ich herausgefunden, dass sie nicht nur tolle Bücher schreibt, sondern auch viel liest, gerne backt (und hofft, dass sie nicht aus versehen das Haus dabei abbrennt) oder ihren Katzen gerne verrückte Grimassen schneidet. Ich bin schon sehr gespannt auf sie. Sie scheint nicht nur viel Fantasie, sondern auch einen tollen Humor zu haben. Mal sehen, was wir alles erleben werden und vielleicht kann ich ihr noch das ein oder andere Geheimnis entlocken.

Fantasy

 

Martina zu Besuch bei Sara Wolf, die von Plotholes und zwei verrückten Katzen geplagt wird …

Liebe Sara, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, uns zu treffen. Dann legen wir am besten direkt los …

 

Wie würdest du dich in einem Wort beschreiben?

Unermüdlich!

🙂

 

Was ist die größte Herausforderung, der du dich als Autor stellen musst?

Für einen Autor  ist das eigene Gehirn gleichzeitig gleichzeitig bester Freund und schlimmster Feind.

Das klingt spannend. Kannst du mir das genauer erläutern?

Es spinnt für dich Geschichten, kann aber gleichzeitig auch große Schreibblockaden auslösen! Ich lerne immer noch, meinen kreativen Prozess zu verstehen, somit ist das meine größte Herausforderung.

Das kann ich gut nachvollziehen. 

Ich habe erkannt, je mehr ich auf mich selbst achte, also viel Wasser trinken, Sport mache, gesund ernähren, desto erstaunlichere Ergebnisse sehe ich auf dem Papier.

 

Wann hast du dein erstes Buch veröffentlicht und wie viel Zeit hast du damit verbracht, es zu schreiben?

Wenn wir über mein allererstes Buch sprechen, das jemals veröffentlicht wurde …

Ja, genau.

Das wurde 2015 veröffentlicht und ich habe vom ersten Entwurf bis zum fertigen Produkt ungefähr einen Monat gebraucht.

Wow, das nenn ich wirklich schnell 🙂

Es war ein sehr stromlinienförmiges Buch. Mein Verstand wusste also genau, was passieren musste, und wenn es einfach so aus einem herausfließt, ist es super schön.

Definitiv. Die Idealvorstellung. Geht dir das Schreiben immer so leicht von der Hand?

In den meisten Fällen läuft es nicht so, aber ich zehre noch immer von den Erinnerungen. Der Schreibprozess lief nach dem Motto: Friss oder stirb! In Nachhinein würde ich sagen, ich habe unter dem Druck ziemlich gut abgeliefert!

Das würde ich doch auch sagen! 🙂

 

Beschreibe bitte einen typischen Tag in deinem Leben als Autor? Hast du eine gewisse Routine oder bevorzugst du kreatives Chaos?

Früher war ich eine totale Chaos-Kreatur!

Oh, was hat sich geändert?

Die Pandemie kam und in der Nähe meines Wohnortes in Oregon gab es mehrere Waldbrände.

Das war sicher beängstigend.

Ja, es hat etwas in mir wachgerüttelt. Ich musste für mich eine Art Routine entwickeln, um nicht über all meine negativen Emotionen und Gedanken zu stolpern, verstehst du was ich meine?

Absolut. 

Und so habe ich mich in den letzten anderthalb Jahren an einen geordneten Tagesablauf gewöhnt. Ich wache auf, trinke eine Tasse Tee und starre aus dem Fenster ins Nichts – perfekt um Stress abzubauen und die Gedanken schweifen zu lassen! Vor dem Frühstück mache ich eine Stunde Yoga, um meinen Körper zu dehnen. Für jemanden, der im Sitzen arbeitet, der perfekte Ausgleich. Nachdem ich mich gestärkt habe, geht es an den Schreibtisch, um ungefähr 5 Stunden lang zu schreiben.

Klingt wirklich gut.

Es hat mir wirklich geholfen, Worte zu Papier zu bringen, was das Wichtigste ist – Schreibtalent wird überbewertet. Etwas zu beenden, was man beginnt, egal wo, das ist wirklich wichtig.

 

Hast du Lieblingsworte in deinen Skripten, die vom Lektorat regelmäßig angestrichen werden?

Nicht allzu viele, aber es kam schon vor, dass ich Wörter erfunden habe und sie mir sagten, dass diese Wörter nicht echt sind.

*Lach* Und wie hast du darauf reagiert?

Ich argumentiere dann immer, dass die Sprache fließend ist und sich ständig ändert! 🙂  Aber nein, so richtige Lieblingswörter fallen mir keine ein.

 

Kreativ oder an Regeln gebunden? Entspringt deine Geschichte einem genialen Geist oder ist es das Ergebnis harter Arbeit und Handwerkskunst?

Ich glaube nicht, dass irgendein Schriftsteller ein Genie ist, und tatsächlich ist es ziemlich gefährlich, sie als „Genie“ zu definieren!

Warum?

Du kannst ein großartiger Schriftsteller sein, aber eine beschissene Persönlichkeit mit beschissenen Moralvorstellungen haben, und das war noch nie so weit verbreitet wie in diesen Tagen.

Da muss ich dir leider recht geben. 

Ich bin keineswegs außergewöhnlicher als irgendwer sonst, aber ich habe mich stets bemüht, mich in möglichst viele verschiedene Richtungen weiterzuentwickeln. Dementsprechend sind meine Geschichten auch immer das Ergebnis von Eindrücken, die ich von außen bekommen habe; einfach indem ich mir gestatte, mit „was wäre wenn“ darüber zu grübeln und mich von diesem Punkt aus in eine Geschichte hineinziehen zu lassen. Und nicht zuletzt bin ich absolut unerbittlich darin, dass meine Figuren ihren Platz in den Herzen meiner Leser finden. Das ist wohl das, was mich am meisten antreibt.

 

Hast du einen besonderen Trick, um deine Charaktere in „echte“ Persönlichkeiten zu verwandeln?

Ich wünschte, es gäbe einen besonderen Trick! Das würde es so viel einfacher machen, oder?

Absolut. Doch an Herausforderungen wächst man auch.  🙂 Wie gehst du den Entstehungsprozess deiner Figuren an?

Ehrlich gesagt versuche ich sie mir als Freunde vorzustellen, mit denen ich rede und abhänge, was dazu führt, dass ich ihnen meine eigenen Schwächen und Unsicherheiten aber auch meine eigenen Stärken verleihe! So kann ich mich während des Schreibprozesses relativ einfach in sie hineinversetzen.

Dadurch werden sie natürlich auch um einiges authentischer.

Am liebsten beschreibe ich Charaktere und wie sie miteinander interagieren, und am zweitliebsten Figuren, die mehr sind als die Summe ihrer Teile; ganz für sich, sich selbst widersprechend, sich selbst erforschend. Schwach und gleichzeitig stark, dazu „gut“, aber auch „böse“, so wirken sie real, weil echte Menschen all diese Fähigkeit in sich vereinen.

 

Stell dir vor, du könntest dich mit einer beliebigen Buchfigur zum Abendessen verabreden. Wen würdest du einladen (und warum?) und worüber würdet ihr sprechen?

Oh, das ist schwer!

🙂 Jetzt bin ich natürlich umso neugieriger …

Ich bin der größte Fan meiner eigenen Charaktere, also würde ich Zera sehr gerne zum Abendessen einladen – ich denke, wir würden eine sehr lustige Zeit haben.

Wieso? Was macht dich so sicher?

Sie ist ein Partytier durch und durch. Es gäbe aber noch eine andere, neue Figur, die ich gern einladen würde. Sie stammt aus meinem aktuellen Science-Fiction-YA-Manuskript.

Oh, also was ganz Neues und Exklusives. Jetzt bin ich gespannt. Wie heißt sie?

Synali und sie hat eine schwere Zeit hinter sich. Ich möchte sie nur füttern und ihr sagen, dass es gut wird, weißt du?

🙂

 

Welche 3 Dinge sind dir aktuell im Leben am wichtigsten?

Nummer eins ist Gesundheit! Mit der Pandemie und der Erkrankung eines Familienmitglieds beschäftigte ich mich in letzter Zeit häufig.

Das kann ich gut verstehen. Corona hält die ganze Welt in Atem 🙁

Nummer zwei sind definitiv Beziehungen – ob zu Freunden, zur Familie oder Dates – ich bin von Natur aus eine Einzelgängerin, die sich für immer wegschließen würde, wenn sie könnte, aber ich lerne langsam, wie wichtig Menschen für mich sind.

Sehr spannend. Und als Drittes?

Die dritte Sache ist, offen zu sein – den aktuellen Ereignissen zuzuhören, den Stimmen von Minderheiten zuzuhören und sie hervorzuheben. Ich möchte die Welt so gut es geht verbessern, und das beginnt damit, zuzuhören, zu verstehen und Platz für Menschen zu schaffen, die die koloniale weiße Vorherrschaft auszuschließen versucht. Die Welt ist eigentlich sehr klein, und unser Fortschritt als Spezies kann nur daran gemessen werden, wie wir die Schwächsten behandeln, nicht daran, welche technischen Fortschritte wir machen oder wie viel Geld einige Milliardäre verdienen.

 

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Die Idee zu einer guten Story! Ich habe manchmal großartige Träume, die schreibe ich dann auf – obwohl sie meistens gruselig sind! Allerdings hat auch Gruseliges seinen Nutzen.

 

Was ist deine größte Stärke?

Meine größte Stärke sind zweifellos Dialoge.

Echt? Das musst du mir bitte erläutern.

Ich liebe es, mit mir selbst zu reden, ich liebe die Bedeutung von Worten, bin absolut besessen von Worten.

So eine Art Wortfetischist 🙂

Ja, ich liebe es, in den Gesprächsfluss einzutauchen – das gehört zu den Sachen, bei denen ich mich wirklich bremsen muss. Wenn ich mich beim Schreiben entspannen möchte, schreibe ich einfach Dialoge, bis mir die Worte ausgehen!

 

Welche fiktive Figur ist in einem Buch/einer Serie/einem Film unglaublich, aber in banalen Alltagssituationen unerträglich?

Ich weiß nicht genau, ich denke, alle Figuren sind wertvoll.

 

Zeitreisen –  immer wieder ein spannender Gedanke. Gibt es eine historische Veranstaltung, an der du teilnehmen möchtest (und warum)?

Nein, absolut nicht!

Damit habe ich jetzt ehrlich gesagt nicht gerechnet … 🙂

Frauen haben gerade erst begonnen, sich in der modernen Welt zumindest den Anschein von Gleichberechtigung zu erarbeiten – da möchte ich doch nicht in eine Zeit zurückreisen, in der ich als Eigentum angesehen werde oder Gefahr laufe, an meiner dritten Geburt mit 17 zu sterben, nein, vielen Dank!

Von der Seite her gesehen, hast du natürlich recht.

 

Gibt es etwas, was du tun kannst, was die meisten anderen Leute nicht können?

In einer neuen Umgebung mit neuen Leuten werde ich zum großen Overthinker. Ich gehe dann imaginär eine Liste mit Dutzenden von Gründen durch, warum jemand etwas tut oder warum er jemanden auf eine bestimmte Weise betrachtet usw. Ich mag es, all dies auf den logischsten Grund einzugrenzen, basierend auf dem, was ich über diese Person weiß.

Dann bist du also eher ruhig und zurückhaltend.

Man könnte es sicher auch als ängstliche Reaktion werten, aber es hilft mir, die Absichten der Leute einzuschätzen und so gründlich wie möglich abzuwägen, was sie tun werden.

 

Gibt es etwas in deinem Leben, das du gerne ändern würdest, wenn du die Gelegenheit dazu hättest?

Ich versuche, mein Leben zu leben, indem ich Dinge tue, von denen ich weiß, dass ich sie bereuen würde, wenn ich sie nicht täte, wenn das Sinn macht.

Absolut. Ist doch ein toller Vorsatz.

Ich würde wirklich gerne mehr reisen – und ich bin besessen von Café. Ich glaube, ich schreibe nirgendwo häufiger.

 

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Für meine Zukunft? Ich hoffe, ich bin glücklich. Ich hoffe, dass ich genug wundervolle Bücher veröffentlichen kann, um vielen, vielen Menschen zu helfen – um sie von ihrem gegenwärtigen Schmerz abzulenken oder ihnen zu helfen, ihn durchzustehen. Das ist wirklich alles.

Dann wünsche ich dir von Herzen, dass deine Wünsche wahr werden. Tausend Dank, liebe Sara, dass du dir die Zeit genommen hast, uns zu treffen. Es war wirklich schön bei dir und ich hoffe, wir können das vielleicht noch einmal wiederholen. Deiner Zera aus der Heartless-Reihe drücken wir  für den weiteren Wettbewerb natürlich die Daumen. 

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Mehr über Sara Wolf und ihre Geschichten erfahrt ihr auf:

 

Skoutz-Lesetipp:

Heartless 3 – Die Seele der Magie – Romantic-Fantasy von Sara Wolf

Eine Diebin ohne Herz
Ein Prinz ohne Zukunft
Eine Liebe ohne Hoffnung

Jahrelang hatte Zera nur ein Ziel: endlich wieder ein Mensch zu sein. Als Herzlose ist sie nicht nur unsterblich und überaus stark, sondern auch eine Gefangene, denn wer ihr Herz in seiner Gewalt hat, kann sie kontrollieren. Doch seit ihr Herz Prinz Lucien gehört, wünscht sie sich zum ersten Mal, herzlos zu bleiben. Nur so kann sie ihn beschützen: vor seiner Schwester, der mächtigsten und grausamsten Hexe des Landes. Vor dem unbarmherzigen Krieg, der das Königreich in Schutt und Asche legt. Und vor sich selbst. Denn in Lucien lauert eine dunkle Kraft, die nicht nur ihm zum Verhängnis werden könnte, sondern auch allen, die er liebt …

Skoutz meint: Das wirklich überwältigende Finale einer grandiosen Reihe. Auch im letzten Teil der Reihe überzeugt Sara Wolf wieder mit einer spannenden Handlung, lebendigen Figuren und frechen Dialogen. Gerade Protagonistin Zera ist mit ihrer wortgewandten Art und ihrer starken Persönlichkeit der Eye-Catcher und man kann gar nicht anders, als sie ins Herz zu schließen. Wer spannende Geschichten voller Gefühl und Magie mag, sollte sich diese Bücher definitiv nicht entgehen lassen.

 

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Hinweis:

Bücher sind die Tore zu fremden Welten – und so war Vorjahres-Siegerin J.K. Bloom fleißig auf Weltentour, um die fantastischsten Geschichten des letzten Jahres zu suchen. Sie war im Märchenland, in geheimnisvollen fremden Welten voller Magie und gefährlicher Abenteuer ebenso wie tief in den Schatten unserer Welt, wo sich allerlei vor unseren Augen verbirgt …

Eines der 12 Bücher, die sie aus über 300 vorgeschlagenen Titeln auf der Longlist Fantasy 2021 für die Midlist Fantasy ausgewählt hat, ist “Heartless – Das Herz der Verräterin“, der zweite Teil der romantischen High Fantasy-Saga von Sara Wolf, das im April 2020 bei Ravensburger erschienen ist.

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Mehr Infos und eine ausführliche Besprechung findet ihr wie immer in der Buchvorstellung des Titels (weiterlesen).

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