Interview Friedrich Kalpenstein

Zu Besuch bei Friedrich Kalpenstein

Mit dem Skoutz-Kauz im Gepäck habe ich mich auf den Weg ins schöne Ampertal gemacht, um Friedrich Kalpenstein zu treffen. Ich freu mich schon sehr auf dieses Treffen, denn ich hatte in der Vergangenheit bereits das Vergnügen, mit ihm zu plaudern, und bin natürlich gespannt, wie es ihm seit unserem letzten Treffen ergangen ist und was er so zu erzählen hat.

 

Martina zu Besuch bei Friedrich Kalpenstein, dem Tausendsassa mit der Lächel-Garantie …

Lieber Friedrich, schön, dass du die Zeit gefunden hast, uns zu empfangen. Ich kann mir vorstellen, dass war bei all deinen Projekten gar nicht so einfach, weswegen ich auch direkt mit meiner ersten Frage starten würde …

 

Welches ist die größte Herausforderung, der man sich als Autor stellen muss?

Noch vor Jahren hätte ich gesagt: Disziplin oder die Angst vor einer Schreibblockade.

Und jetzt?

Heute rate ich jedem, der ein Buch veröffentlichen möchte sich folgende Frage zu stellen: Kann ich es aushalten, mit meinem Roman an die Öffentlichkeit zu gehen?

Was hat sich geändert?

Der Ton in den Rezensionsforen ist rauer geworden und in meinen Anfängen blieb mir ehrlich gesagt manchmal die Luft weg. Ich habe nicht verstanden, warum ich vereinzelt derart böswillige und persönliche Anfeindungen bekommen habe. Oft bin ich vor dem Bildschirm gesessen und habe mir gedacht: Leute, ich wollte euch doch nur unterhalten und euch zum Lachen bringen?

Da fällt es einem sicher schwer, cool zu bleiben und drüberzustehen, oder?

Einmal hatte man sich gewünscht, dass ich nie geboren worden wäre. Dann hätte ich der Welt meinen Roman erspart. Es hat wirklich lange gedauert, bis ich mit solchen Zeilen umgehen konnte.

Kann ich verstehen.

Glücklicherweise kommen solche persönlichen Tiefschläge selten vor und die meisten Rezensionen sind nett, wunderbar und wenn kritisch, dann zumindest fair. Heute weiß ich damit umzugehen und es kommt nicht mehr nah an mich heran. Um also nochmals auf die Frage zurückzukommen: Das war wirklich die größte Herausforderung in meinem Autorenleben.

 

Hast du Lieblingsworte in deinen Skripten, die vom Lektorat regelmäßig angestrichen werden?

Als bayrischer Autor lebe ich quasi mit einer Vielzahl an Worten, die für Lektoren eine große Herausforderung darstellen *lacht*. Semmel, das ist wurscht oder Pfiat Di sind hier noch die harmlosen Exemplare. Aber, wir einigen uns stets und gehen friedlich auseinander. *lacht*

Ich persönlich mag ja ein solches Lokalkolorit sehr gern und finde das auch in den Büchern sehr charmant.

 

Was ist deine präferierte Erzählform?

Die Herbert-Reihe habe ich bewusst aus der Ich-Perspektive geschrieben, da es mir wichtig war, dass der Leser ganz nah bei ihm ist.

Verständlich. Wer will Herbert nicht nah sein? *grins*

Das hat jedoch den Nachteil, dass es nicht möglich ist, Szenen zu schreiben, in denen Herbert selbst nicht erscheint. In meinen Provinzkrimis ist dies natürlich nicht möglich. Dann wäre es schnell vorbei und der Fall gelöst. *lacht*

 

Bist du im Team Adjektiv oder bevorzugst du eher einen „schnörkellosen“ Stil?

Mein Schreibstil ist locker und meist so, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Für manche mag das als „einfache Kost“ gelten.

Ich finde das eher charmant 🙂

Ich habe diesen Stiel jedoch bewusst gewählt, weil meine Protagonisten „Typ Normalo“ sind und alles andere nicht authentisch wirken würde.

 

Hast du einen speziellen Trick, um aus deinen Figuren echte Persönlichkeiten zu machen?

Da kann ich nur eine Kerze anzünden und hoffen *lacht*.

Meinst, der hat bei all dem, was grad los ist, dafür Zeit? Entschuldige, mein Schnabel ist manchmal auch zu schnell dabei. Aber zurück zur Frage, was denkst du ist das Geheimnis?

Ich denke, dass erst meine Leser*innen meine Protagonisten zu echten Persönlichkeiten auferstehen lassen. Das kann eine Person sein, die man gerne sein möchte oder auch eine, die man bereits ist. Dann entwickeln sich echte Persönlichkeiten und werden entweder gemocht oder vielleicht auch nicht. Beide fallen jedoch auf und man spricht über sie.

 

Welchen Fehler darf man beim Schreiben keinesfalls machen?

Zu sehr den Markt beobachten und denken, dass man einen Trend erkennt und dann dieses Genre bedient.

Aber liegt es nicht schon auch im Sinne des Autors, Bücher zu verkaufen? Äh, ich frag für einen Freund *leicht rotwerd*

Ich kann nur raten, immer das zu schreiben, für das man brennt. Leser*innen haben ein Gespür dafür, ob sich der Autor in seiner Geschichte zuhause fühlt.

 

Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Startup DNA von Frank Thelen. Sehr interessant, doch ich eigne mich sehr schlecht als Im-Bett-Leser.

Warum?

Ich Schlafe sehr schnell ein, da zieht sich ein Buch bei mir ein bisserl … *lacht*

 

Welche 3 Dinge sind dir aktuell am wichtigsten im Leben?

Gesundheit für meine Liebsten und mich.

*schaut ihn abwartend an*

Alles andere ist in diesen Zeiten nebensächlich und ergibt sich aus diesem einen Wunsch. Ohne Gesundheit kann ich nicht arbeiten, nicht für andere da sein, nicht reisen (wenn wieder möglich) … Aus diesem Grund wähle ich hier nur diese eine Sache.

*schaut ihn noch ein wenig intensiver an*

Okay, da du nicht locker lässt …, die Schoki sollte nicht ausgehen.

Na geht doch 🙂

 

Wenn du wählen könntest, wärst du lieber extrem intelligent oder gut im Umgang mit Menschen?

Immer gut im Umgang mit Menschen.

Kannst du mir das ein wenig näher ausführen?

Was nützt die höchste Intelligenz, wenn niemand mit mir zusammen sein möchte. Gut mit seinen Mitmenschen umzugehen und sich immer fragen, wie ich selbst behandelt werden möchte, zeugt sicher von mehr Intelligenz als jede mathematische Formel lösen zu können.

Das hat wahrlich etwas Philosophisches *seufz* … aber ich kann dir nur zustimmen.

 

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Um einem Freund zu helfen, für einen guten Film oder, um einen tollen Traum zu skizzieren, den ich in einem Roman verwenden möchte. Ach ja und … hatte ich schon erwähnt, dass ich Schoki mag?

Ich hab den Hinweis verstanden, das nächste Mal bringe ich dir welche mit, versprochen 😉

 

Was ist deine größte Stärke?

Disziplin.

*überlegt, ob er das immer noch antworten würde, wenn sie Schokolade dabei hätte* 

Und, ich kann ziemlich gut den Klassenclown geben. *lacht*

 

Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das dein fünf-jähriges Selbst tun würde?

Laufen gehen, um ein paar Pfunde loszuwerden.

Ob sich das halten würde? … Entschuldige, der Schnabel. *wieder leicht errötet* Ich werde garantiert ein ernstes Wörtchen mit ihm reden. Also weiter im Text …

 

Welcher fiktionale Charakter ist in Buch/Serie/Film unglaublich, wäre aber in banalen alltäglichen Situationen unerträglich? 

Darth Vader.

Hmmm?

Oder möchtest du abends neben jemandem auf der Couch sitzen, der einen Helm aufhat?

Der Gedanke, er könnte mein Vater sein, wäre allerdings noch erschreckender … Wobei, ich heiße ja nicht Luke *lacht*

 

Stell dir vor, du würdest einen Geheimbund gründen, wie würdest du ihn benennen und was wäre eure Mission?

Wir wären die CHEESELESS!

Also ein paar mehr Informationen bräuchte ich schon …

Da ich ein absoluter Käseverweigerer bin, wird es immer schwieriger etwas zu bekommen, über das nicht meterdick Parmesan gehobelt wurde. Wurstsemmel immer mit Käse, Salate mit Käse, Nudeln mit Käse … ich leide! *lacht*

*nickt verstehend*

Ich schwöre, wenn die erste Vollmilchschokolade mit Gauda im Regal liegt … bin ich weg!

Sollte dieser Club jemals zustande kommen, ich bin dabei!

 

Gibt es etwas, das du kannst, die meisten anderen Menschen aber nicht?

Ich kann super gut mit meinen Nasenflügeln wackeln und warte immer noch auf Situationen in meinem Leben, in denen ich diese Fähigkeit gewinnbringend einsetzen kann.

 

Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Es gibt soviel Leid und Elend, Naturkatastrophen usw., … seid ein bisserl netter zueinander. Besonders im Netz. Ein bisschen mehr Empathie wäre schön. Und … SCHOKI FÜR ALLE!

Da stimme ich dir absolut zu! Vielen Dank, lieber Friedrich Kalpenstein, dass du dir die Zeit genommen hast, uns zu empfangen und all meine Fragen zu beantworten. Es war wie immer eine Freude und wir drücken Kommissar Tischler für den weiteren Wettbewerb die Daumen.

 

Mehr über Friedrich Kalpenstein und seine Bücher erfahrt ihr auf:

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Skoutz-Lesetipp:

Prost, auf die Erben: Kommissar Tischlers zweiter Fall von Friedrich Kalpenstein

»Sind wir jetzt schon zuständig, wenn die Leut’ im Bad ausrutschen?«

Ludwig Holzinger, ein erfolgreicher Bauunternehmer, wird in seiner Villa in Brunngries tot in seiner Badewanne vorgefunden. Was zunächst wie ein Unfall aussieht, entpuppt sich schnell als Mord. Hauptkommissar Tischler gerät unter Druck. Denn ein Ferienort wie Brunngries kann diese Publicity überhaupt nicht gebrauchen. Zumal das neu gebaute Chaletdorf kurz vor der Eröffnung steht.

Nur, wer hat den Baulöwen umgebracht? Und … warum wundert sich keiner darüber?

Skoutz meint: Und wieder einmal bringt ein Mord die Dorfidylle durcheinander und Kommissar Tischler wird gezwungen, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Dass dies gar nicht so einfach ist, haben wir beim Lesen gemerkt, denn am Schluss wurden wir ziemlich überrascht. Wer bayerische Provinzkrimis voll Humor und Charme mag, wird diesen Roman lieben.

 

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Hinweis:

Unsere Vorjahres-Siegerin Catherine Shepherd hat sich mit detektivischen Eifer der Aufgabe gewidmet, aus über 350 Vorschlägen der Longlist Crime die Verdächtigen für den Crime-Skoutz zu ermitteln.

Einer davon ist Prost, auf die Wirtin von Friedrich Kalpenstein, das im Juli 2020 bei Edition M erschienen ist. In dem ebenso spannenden wie humorvollen Provinz-Krimi begleiten wir Kommissar Tuchler bei seinen spannenden Ermittlungen und erleben, welche Abgründe sich hinter der vermeintlichen Idylle eines kleinen bayerischen Dorfes verbergen … Mal sehen, wie weit er es mit seinem Spürsinn auf dem Weg zum Skoutz-Award 2021 bringen wird.

Mehr Infos und eine ausführliche Besprechung findet ihr wie immer in der Buchvorstellung des Titels (weiterlesen).

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