Interview LIlly R. Weinberg

Zu Besuch bei Lilly R. Weinberg

Heute sind der Skoutz-Kauz und ich bei einer Autorin zu Gast, die im besten Wortsinne eine fähige Reise(ent)führerin ist, denn ob sie nun von ihren Sardinien-Romanzen erzählt oder von fremden Welten, immer weckt sie im Leser das Gefühl, mittendrin zu sein, man hört das Meer rauschen und meint den Zitrusduft zu riechen… 

Kein Wunder also, dass Juror Elvira Zeißler ihren Sardinien-Roman „Tausendmal vielleicht“ auf die Midlist Romance des Skoutz-Awards 2021 gepackt hat.  Und das ist ein ganz hervorragender Grund, Lilly R. Weinberg endlich mal persönlich zu treffen. 

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Kay zu Besuch bei Lilly R. Weinberg, die Schwächen als Geschenk empfindet

Portrait Lilly R. WeinbergLiebe Lilly, eigentlich ist es ja unerhört, dass wir uns nicht auf Sardinien, sondern hier im gar nicht so sommerlichen Deutschland treffen.

Andererseits ist es dort, wo man Menschen begegnet, die dieselben Leidenschaften haben, immer schön.

Von daher vielen Dank, dass der Skoutzi und ich kommen durften. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch. 

Lass uns gleich anfangen. 

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Welches ist die größte Herausforderung, der man sich als Autor stellen muss?

Das ist eine interessante Frage.

Das freut uns, denn wir geben uns große Mühe, euch spannende Fragen zu stellen, die zu unterhaltsamen Gesprächen führen. Und, wie siehst du es?

Ich glaube eine große Herausforderung ist es, den – immer mal wieder aufkommenden – Zweifeln keinen Raum zu geben.

Wie meinst du das?

Ich kenne viele Autoren, die sich dadurch ausbremsen lassen und eventuell sogar gar nicht beginnen aufzuschreiben, was ihre Kreativität gern fabrizieren möchte. Aus Angst, nicht gut genug zu sein.

Ja, das höre ich auch öfter. Sprüche wie „Ich würde ja gern schreiben, aber ich trau mir das nicht zu. Das ist schade, denn zu einem großen Teil ist Schreiben ja Handwerk, das sich lernen lässt. Man bekommt ja auch von Lesern sehr schnell sehr direktes Feedback.

Das ist dann die nächste Hürde, denn es fällt vielen nicht leicht, Kritik anzunehmen 😉

Wohl wahr. Kritik richtig verarbeiten, empfinden auch viele Autoren als Herausforderung, XXX zum Beispiel. Aber weil wir gerade schon über Schreib-Arbeit sprachen …

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Hast du Lieblingsworte in deinen Skripten, die vom Lektorat regelmäßig angestrichen werden?

Bestimmte Wort nicht, aber ich werde immer wieder dabei ertappt, Umgangssprache zu nutzen.

Das ist auch ein spannendes Thema. Ein Stück weit macht Umgangssprache einen Text ja erst spannend, authentisch. Allerdings nur gezielt und in den Dialogen. Außer, man schreibt in der ersten Person, dann können so sprachliche Besonderheiten auch stilbildend sein.

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Was ist denn deine präferierte Erzählform?

Tatsächlich die Ich-Perspektive. Allerdings auch erst seit etwa einem Jahr. Ich lese sie auch gern.

Ich bin da ambivalent. Tatsächlich komme ich oft in der dritten Person besser in die Geschichte, aber es gibt viele Plots, die sich tatsächlich aus der Ich-Perspektive besser erzählen lassen. XXX hat dazu sehr schön gesagt, man sollte die Perspektive einnehmen, die es beim Lesen möglichst lange geheimnisvoll hält.

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Bist du im Team Adjektiv oder bevorzugst du eher einen „schnörkellosen“ Stil?

Weder noch.

Ah ja? Wie das?

Ich bin der Meinung, dass beides seine Daseinsberechtigung hat. Es gibt Adjektive, die durchaus an der richtigen Stelle das richtige bewirken. Andersherum betrachtet, darf man sie gern auch mal weglassen, um unnötige Beschreibungen zu meiden. Ich fürchte, das war jetzt nicht die Aussage, die du dir gewünscht hast, oder? 🙂

Oh doch, durchaus. Wir haben da im Rahmen der diesjährigen Interviews viele schöne Vergleiche gehört. Am besten hat mir der Vergleich mit Salz gefallen. Adjektive seien für einen Text wie das Salz beim Kochen. Es kann ein Gericht ungemein aufwerten, aber auch sehr schnell ungenießbar machen.

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Hast du einen speziellen Trick, um aus deinen Figuren echte Persönlichkeiten zu machen?

Ob das ein Trick ist, weiß ich nicht.

Lassen wir uns überraschen.

Mir ist es wichtig, Figuren realistisch handeln zu lassen, ihnen Fehler, Ecken, Kanten und Macken zu schenken.

Schenken?

Ja, ich sage schenken, denn niemand ist perfekt. Und das ist gut so! 🙂

Das ist richtig und Figuren werden tatsächlich viel liebenswerter, wenn sie nicht perfekt sind. Ganz ehrlich, wer mag den schon den satirisch überhöhten Helden, der alles und zwar sofort am besten kann.

Aber mal von überperfektionierten Figuren abgesehen …

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Welchen Fehler darf man beim Schreiben keinesfalls machen?

Beim Schreiben kann man ganz viele Fehler machen.

Hahaha! Oh ja!

Das ist manchmal sogar sehr gut, denn aus Fehlern lernt man. Ich glaube, danach ist es wichtig, nicht zu glauben, dass das Buch fertig ist, wenn ENDE darunter steht. Danach geht die Arbeit erst richtig los.

Das ist eine sehr schmerzhafte Erfahrung. Ich würde sogar so weit gehen, dass man bestenfalls die Hälfte erledigt hat, gerade im Self-Publishing. Erstaunlich ist, dass – zumindest in meinem Fall – ich immer wieder aufs Neue überrascht werde. Das ist aber auch etwas, das sich die meisten Leser nicht vorstellen können.

Wo wir aber schon beim Lesen sind …

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Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Auf welchem der vielen Nachttische?

Äh was? Du triffst mich unvorbereitet …

Zählt die Couchlehne und die Ablage im Wohnwagen dazu?

Aber natürlich!

Dann sind es MISS Verständnis von Mari März,

Ein sehr unterhaltsames Buch von einer sehr skoutzigen Autorin. Wobei mir Psycho Pat fast noch besser gefallen hat. Und weiter?

Banshee Livie von Miriam Rademacher

Ha! Wir sollten dich in die Skoutz-Redaktion aufnehmen. Du liest genau unser Beuteschema! Also weiter … ein Buch geht noch.

Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne und Brigitte Jakobeit

Na also! Das kenne ich jetzt noch nicht.

Weil das mit dem Dreisatz gerade so gut geklappt hat …

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Welche 3 Dinge sind dir aktuell am wichtigsten im Leben?

Meine Familie (das ist aber grundlegend so, nicht nur aktuell), mein neuer Brotjob und das Lektorat meines neuen Buches.

Das klingt alles sehr spannend, vor allem in der Koordination. Da passt dann auch gleich die nächste Frage …

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Wenn du wählen könntest, wärst du lieber extrem intelligent oder gut im Umgang mit Menschen?

Ich verstehe die Frage nicht. Ich bin doch schon beides 🙂

Da bist du nicht allein. Jens Bühler sieht das genauso, der war richtiggehend beleidigt. 🙂 Ich hoffe, du jetzt nicht auch?

Nein, Spaß! Wenn ich näher darüber nachdenke, ist die Frage gar nicht so leicht zu beantworten.

Nein, sie ist genau genommen sogar ziemlich philosophisch. Wir hatten da schon ganz tolle Gedankengänge. Also?

Wenn ich ehrlich bin, möchte ich nicht dumm sein. Andererseits gibt es leider sehr viele intelligente Menschen, die keinerlei Empathie besitzen und somit im Umgang mit anderen ganz furchtbar sind.

Daraus erwächst dann auch die hochspannende Frage, wie herum man das jeweils andere Defizit besser kompensieren kann.

Ich glaube ein gutes Mittelmaß wäre meine Wahl.

Wie so vieles im Leben.

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Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Wenn mich eine Buchidee so sehr packt, dass es in den Fingern kribbelt und ich nicht warten kann. Und wenn ich auf ein Buch warten muss, das nachts geliefert würde. So wie Harry Potter damals 🙂

Nostalgisches Seufzen

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Was ist deine größte Stärke?

Spontan würde ich sagen, es ist mein Ehrgeiz.

Inwiefern?

Wenn ich etwas schaffen will, gebe ich nicht so schnell auf. Das ist übrigens auch meine Schwäche.

Es ist ja oft so, dass die Frage, ob eine Eigenschaft nun eine Stärke oder Schwäche ist, sehr stark vom Biotop abhängt. Was auch wieder ein guter Grund gegen Perfektionierung ist. Ich denke mir das auch oft bei meinen Figuren. Da wachsen gerade die, die sich eingangs schwertun in dem Moment über sich hinaus, in dem sich die Situation ändert und das, was vorhin verspottet wurde oder hinderlich war, plötzlich zur Stärke wird.

Warum soll das also nicht im realen Leben bei uns genauso sein?

Aber machen wir mal weiter …

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Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das dein fünf-jähriges Selbst tun würde?

Sich fragen, warum alles so faltig und schwer geworden ist 😀

Da bist du nicht allein! Das fragen sich viele Autoren-Selbste … und anschließend?

Schwimmen gehen!

Guter Plan, da fällt dann auch das schwer nicht auf. Hahaha!

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Welcher fiktionale Charakter ist in Buch/Serie/Film unglaublich, wäre aber in banalen alltäglichen Situationen unerträglich?

Tony Stark aus Marvel, denn wenn er spricht, versteht man nur die Hälfte von dem was er sagt. Oder auch Lucifer. Der würde mich ständig nerven mit seiner Selbstverliebtheit.

Die wurden beide schon genannt. Kann ich auch bei beiden absolut gut verstehen, wobei die ja genaugenommen beide auch schon innerhalb ihres Sets ihr Umfeld an der eigenen Selbstbeherrschung zweifeln lassen.

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Stell dir vor, du würdest einen Geheimbund gründen, wie würdest du ihn benennen und was wäre eure Mission?

Silence Possible,

Das klingt spannend! Was wäre dann eure Mission?

Nicht mit Idioten sprechen, stur lächeln und winken. Gelegentlich mit den Augen rollen.

Oh, daraus sollten wir ganz ungeheim eine Massenbewegung machen. Ich glaube, das würde unmittelbar die Lebensqualität enorm verbessern. Andererseits – wenn der Klügere nachgibt, zementiert das irgendwo auch die Weltherrschaft der Dummen. Vielleicht sollten wir uns die Statuten nochmals genauer ansehen.

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Gibt es etwas, das du kannst, die meisten anderen Menschen aber nicht?

Ich glaube nicht und ich glaube auch, dass das eher andere feststellen könnten.

Als wir die Frage aufgenommen haben, dachten wir tatsächlich, dass es spannend ist, wenn man zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung agiert. Aber inzwischen habe ich gelernt, dass tatsächlich die Frage nur von einem selbst beantwortet werden kann, denn wer geht schon mit all seinen Fähigkeiten hausieren? Gar nicht so selten ist die Leistung auch eine unscheinbare. Und oft besteht die Leistung auch in ganz skurrilen Dingen. Myriam Halberstam zum Beispiel kann wie ein Krokodil ihre Nasenlöcher verschließen, ohne die Hand zu Hilfe zu nehmen.

Also, was meinst du?

Was ich weiß, ist, dass ich mich oft selbst reflektiere und mich gut in andere hineinversetzen kann. Aber das ist nichts, was andere nicht können.

Aber mal mehr, mal weniger gut. Und sehr oft weniger gut, in diesen Tagen, in denen Narzissmus nicht mehr eine Psychose, sondern ein Life-Style ist.

Aber … was klingt da aus dem Nebenraum?

O-Ton Ehemann: Dich zu sehr um andere kümmern, statt um dich selbst.

Haha! Dann haben wir jetzt auch gleich die Drittmeinung! Super, und bevor wir deinen Ehemann jetzt zu unserer Kaffeetafel hinzuholen, habe ich noch eine Schlussbitte:

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Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Hört auf zu jammern und packt das Leben an.

Wie meinst du das „anpacken“?

Genießt jeden Moment, denn es könnte der letzte sein. Freut euch über die kleinen Dinge im Leben und lehnt euch des Öfteren mal zurück. Stress und Unruhe und Neid bringen euch nicht weiter. Und falls ihr Kinder habt: erzieht sie mit Liebe und Konsequenz und genießt es. Die Zeit ist schneller vorbei als ihr gucken könnt und niemand bringt sie euch zurück. Lacht, tanzt, springt in Pfützen, spielt und tobt, singt schmutzige Lieder…tut einfach alles, was euch Spaß macht, solange ihr könnt.

Oder mit anderen Worten: seid skoutzig!

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Liebe Lilly, wie erwartet war das ein ausgesprochen schönes, philosophisches, informatives und unterhaltsames Gespräch. Ich würde mich sehr, sehr freuen, wenn du dich öfter bei uns Skoutzen sehen lassen würdest, mit deinen Büchern, deinen Ideen, deinen Lesetipps … Wir haben zum Beispiel zugeflüstert bekommen, dass du demnächst im Federtraum-Verlag ein Fantasy-Buch veröffentlichst? Das wäre doch eine Gelegenheit für eine Fortsetzung!

Du würdest wirklich gut zu uns passen. Nicht nur deshalb, aber auch deswegen drücken wir dir natürlich für den weiteren Wettbewerb alle Daumen!

 

Dankeschön!

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Hier könnt ihr Lilly Weinberg treffen

Hier könnt ihr Lilly R. Weinberg erreichen

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Skoutz-Lesetipp

Tausend bunte Sonnenstrahlen – Eine Geschichte über die Liebe, das Leben und Sardinien von Lilly R. Weinberg

Tausend bunte Sonnenstrahlen - Lilly R. Weinberg„Manche Dinge geschehen, ohne dass wir sie beeinflussen können. Bei anderen können wir sehr wohl wählen. Überlege dir also ganz genau, was du mit deinem Leben anfangen willst.“

Emma entflieht ihrem täglichen Trott als Stationsschwester einer Bochumer Klinik und begibt sich auf die Reise, von der sie schon lange träumt.  


Mit dem VW Camper nach Sardinien.  Dort ist alles anders. Die Menschen, die Natur, die Lebenseinstellung.

Als Emma die vielseitige Familie Esposito kennenlernt, wird ihr Wunsch, auf der Insel zu bleiben und ihre Vergangenheit ruhen zu lassen, immer größer. Doch hält sich die Liebe an solche Pläne? 

Skoutz meint:  Lilly R. Weinberg erzählt eine Geschichte über das Leben und die Kraft der Wünsche. Sie entführt uns nach Sardinien und beschreibt das Leben dort so bildhaft und wortgekonnt, dass man wirklich das Gefühl hat, dort zu sein. Was – und das ist bei so heiteren Liebesgeschichten an sonnigen Orten ja durchaus nicht die Regel – einen sehr kritischen Blick auf uns selbst, unser Leben und das erlaubt, was uns so furchtbar wichtig scheint. Ein wundervolles, herzenswarmes Buch, das mir einen sehr schönen Lesenachmittag beschert hat und dem man – wie einem guten Urlaub – noch ein wenig hinterherdenken kann.  (kn)

Mehr über das Buch inkl. Leseprobe erfahrt ihr über unseren Affiliate-Link auf Amazon*

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Mehr Info

Tasuendmal Vielleicht - Midlist Romance 2021

Tausendmal vielleicht„. So entführt uns Lilly R. Weinberg nach Sardinien, wo sie eine zauberhafte Geschichte über das Lieben und das Leben erzählt. Und das, was eigentlich wichtig ist. Und damit ist sie keineswegs vielleicht ein heißer Anwärter auf den Romance Skoutz.
Den ersten Schritt hat sie jedenfalls schon geschafft, denn das Buch steht auf Elvira Zeißlers Midlist Romance des Skoutz-Awards 2021.

Grund genug, selbst mal nach Sardinien zu reisen und in das Buch hineinzulesen. Wie uns das Liebesabenteuer gefallen hat, erfahrt ihr hier …  (weiterlesen).

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Hinweis:

Wenn ihr die Bücher schon kennt, würdet ihr uns, dem Autor und allen lektüresuchenden Lesern einen großen Gefallen, wenn ihr das Buch in der Skoutz-Buchdatenbank mit einer  Skoutz-Buchfieberkurve bewerten würdet. 5 Klicks statt 5 Sterne. Einfacher lässt sich eine Rezension nicht schreiben, bequemer kann man sein nächstes Buch-Date nicht finden. Und so helft ihr, dass unsere Buchfindemaschine weiter wächst.

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