Interview Astrid Töpfner

zu Besuch bei Astrid Töpfner

Heute besuchen der Skoutz-Kauz und ich die Exil-Schweizerin Astrid Töpfner, die ich für ihre wunderbare Spanien-Saga „Wir sind für die Ewigkeit“ auch gerne gesprochen hätte, wenn sie nicht auf der Midlist History des Skoutz Awards 2021 stünde und von dort ins Finale eingezogen wäre.

In meiner Eigenschaft als History-Jurorin  jedenfalls musste ich diese  großartige Familien-Saga nominieren, die vor dem Spanischen Bürgerkrieg spielt und auf deren Fortsetzung ich mich jetzt schon freue .

Kay zu Besuch bei Astrid Töpfner, die sich Zucker löffelweise wünscht

Portrait Astrid TöpfnerLiebe Astrid, vielen Dank, dass es geklappt hat mit dem Besuchen. Ich freue mich sehr, dich persönlich zu treffen, schon wegen deiner Spanien-Saga, die mich sehr beeindruckt hat. Vielleicht, weil ich das Buch in einer Zeit des coronabedingten Eingesperrtseins in die Hände bekommen habe und Astrid mir so einen Spanienurlaub geschenkt hat.

Lass uns anfangen.

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Welches ist die größte Herausforderung, der man sich als Autor stellen muss?

Puh, ich glaube nicht, dass man das auf eine einizge beschränken kann 😊.

Aber was ist deiner Meinung nach die Größte.

Geduld zu haben, gehört aber bestimmt dazu. Erfolg kommt selten von heute auf morgen.

Einer meiner Lieblingssprüche ist von Michael Ende: Literarischer Erfolg ist in erster Linie eine Frage des Portos. Das hat sich heute etwas überholt, aber im Kern nichts von seiner Wahrheit eingebüßt.

Bleiben wir mal beim Schreiben …

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Hast du Lieblingsworte in deinen Skripten, die vom Lektorat regelmäßig angestrichen werden?

Nein, eigentlich nicht.

Echt? Respekt! Das wird die Lektoren freuen.

Da ich aber in der Schweiz aufgewachsen bin, schleichen sich gern mal schweizerdeutsche Wörter ins Manuskript, ohne, dass ich es merke. Parkieren statt parken ist so ein Klassiker, Rahm statt Sahne oder zügeln statt umziehen.

Ich liebe sowas ja! Wir haben heuer – in diesem Jahr – einige Midlist-Titel aus der Schweiz dabei, die erzählen das alle. Sarah Malhus zum Beispiel. Aber ich finde solche Unterschiede eigentlich schön. Wer hat denn was gegen Rahm? Das sagt man bei uns auch und parkieren sollte sich erschließen. Aber unter Zügeln würden wir tatsächlich Deutschland „zurückhalten“ verstehen und nicht an einen Umzug denken. In Österreich „siedelt“ man dazu übrigens.

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Was ist deine präferierte Erzählform?

Ich schreibe am liebsten in der 3. Person, also als Er-/Sie-Erzähler, und in der Vergangenheitsform.

So geht es mir auch, aber viele Kollegen präferieren tatsächlich die 1. Person. Hast du es mal versucht?

Einmal wollte ich aus der 1. Person schreiben, um näher am Charakter zu sein, aber lustigerweise empfand ich diese Form als distanzierter und habe dann alles umgeschrieben.

Faszinierend.

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Bist du im Team Adjektiv oder bevorzugst du eher einen „schnörkellosen“ Stil?

Ich mag Adjektive, aber mit Maß. Ich schreibe zwar recht bildhaft, versuche aber, die Atmosphäre mehr über Sinneseindrücke zu beschreiben als mit Adjektiven.

Das ist eine weise Ansicht. Ich empfehle dir den Gruber’schen Komparativ. In seinem Interview hat Andreas Gruber erzählt, wie er adjektivfrei Bilder malt und ich gebe zu, das ist wirklich einen Versuch wert.

Bleiben wir mal noch bei Schreibtipps…

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Hast du einen speziellen Trick, um aus deinen Figuren echte Persönlichkeiten zu machen?

Alle meine Figuren haben Ecken und Kanten und tun auch Dinge, die nicht immer korrekt sind.

Alles Schurken? Echt jetzt? Mein Weltbild gerät ins Wanken!

Nein, so schlimm ist es nicht. Einfach, weil wir das alle machen. Es ist menschlich. Und auch ein Antagonist darf (soll!) wiederum eine verletzliche Seite haben.

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Welchen Fehler darf man beim Schreiben keinesfalls machen?

Zu denken, dass die Leser es bestimmt nicht merken werden, wenn man mal irgendwo nicht ganz genau arbeitet.

Das ist wohl wahr! Ich diskutiere das auch immer wieder in unseren Coachings, wenn es heißt, so genau müsse man nicht sein und sich hinter der dichterischen Freiheit versteckt. Aber wer sich auskennt, ist schnell genervt und wer es nicht weiß, glaubt das am Ende. Wenn etwa Notfallmaßnahmen beschrieben werden oder so. Andererseits soll es auch kein Fachbuch über Pferdefütterung oder ein Reiseführer über Wisconsin sein.

Ich sage immer als Faustregel muss man mindestens die Recherchetiefe von Wikipedia erreichen. Wie handhabst du das?

Für meine historischen Romane tauche ich in sehr viel tiefere Gewässer als Wikipedia ein. Da ich sehr häufig tatsächliche Gegebenheiten in meine Romane einbaue, möchte ich die so korrekt wie möglich wiedergeben, und lese von alten Zeitungsberichten über Bücher bis hin zu Zeitzeugenberichten so viel wie möglich. Für mich geht es dabei auch darum, die Geschehnisse zu verstehen und zu erspüren. Ich liebe Geschichte!

Ja, das merkt man! Kommen wir noch zum Lesen allgemein ….

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Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Morgan’s Hall Ascheland von Emilia Flynn und Alte Sorten von Ewald Arenz

Da bin ich gespannt, wie du „Alte Sorten“ findest.

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Welche 3 Dinge sind dir aktuell am wichtigsten im Leben?

Meine Familie, meine Gesundheit, Spaß an meiner Arbeit zu haben

Das ist die Standard-Antwort – also die, die ich am häufigsten höre. Es ist schön, dass wir Autoren doch irgendwie alle ähnlich ticken.

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Wenn du wählen könntest, wärst du lieber extrem intelligent oder gut im Umgang mit Menschen?

Was für eine gemeine Frage 😊.

Danke, wir bemühen uns. So ein bisschen außerhalb der Komfortzone wird es einfach spannender. Also?

Extrem intelligent zu sein hat seinen Reiz, aber ich würde die Empathie wählen.

 

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Für meine Kinder und für Eiscreme

Hahaha! Ich nehme an, für Eiscreme könntet ihr auch gemeinsam aufstehen!

 

Was ist deine größte Stärke?

Huh. Geduld wird’s nicht sein, davon besitze ich herzlich wenig.

Deshalb auch oben die Herausforderung, gell?

Mein Pragmatismus, vielleicht.

Das ist auch viel wert

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Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das dein fünf-jähriges Selbst tun würde?

Zucker löffelweise essen.

Äh, was?

Durfte ich damals nicht (heute verstehe ich auch, warum 😊).

Okay, da schlummern kindliche Traumata. Mir ging es als Kind immer so, dass ich so gern den Butterlöffel in die Zuckerdose gesteckt und dann abgeschleckt hatte, aber auch da gab es ein mütterliches Veto. 

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Welcher fiktionale Charakter ist in Buch/Serie/Film unglaublich, wäre aber in banalen alltäglichen Situationen unerträglich?

Iron Man

Ja! Auf den bin ich jetzt noch nicht gekommen, aber hey! Du hast Recht, ich frag mich so schon im Film immer, wie die arme Gwyneth das aushält…

Bleiben wir mal noch bei Superhelden-Settings …

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Stell dir vor, du würdest einen Geheimbund gründen, wie würdest du ihn benennen und was wäre eure Mission?

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ernst die Frage gemeint ist.

Total ernst, wie alles, was wir tun. Skoutz ist förmlich das Synonym für Ernst. Ich schwöre feierlich!

Da der Weltfriede wahrscheinlich etwas außerhalb meiner Reichweite liegt, entscheide ich mich für eine weniger ernsthafte Mission: jeden Tag mindestens einen Menschen zum Lachen zu bringen. Und der Name würde lauten: Lache, lebe, liebe.

Womit du – davon bin ich ganz im Ernst überzeugt – weit mehr für den Weltfrieden tust, als viele andere hochoffizielle und stocksteifernste Organisationen. Ich bin überzeugt, dass wir viele Dinge viel besser ertragen würden, wenn wir wieder lernten, zu lachen, frei und ohne Angst vor Political Correctness und mit Selbstironie.

Darf ich eintreten?

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Gibt es etwas, das du kannst, die meisten anderen Menschen aber nicht?

Ich kann tatsächlich sehr vieles, aber etwas so dermaßen Außergewöhnliches ist nicht darunter

Dann würde ich sagen, ist es deine Vielseitigkeit!

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Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Seid mutig, jeden Tag

Weise Worte, denen ich mich gerne anschließe. Speziell in diesen Tagen. 

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Liebe Astrid, wie erwartet, war das ein wunderbares Interview, das ich gerne wiederholen werde. Bleib also skoutzig, lass uns Menschen lachen lassen und noch viel über Bücher sprechen. Oder deinen Skoutz-Award, ich drücke dir die Daumen!

 

Dankeschön!

 

Hier könnt ihr Astrid Töpfner erreichen:

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Skoutz-Lesetipp

Wir sind für die Ewigkeit 2: Erinnerungen – die Fortsetzung der grandiosen Spanien-Saga von Astrid Töpfner

Wir sind für die Ewigkeit 2 - Astrid TöpfnerZwei Frauen. Zwei Schicksale. Ein Land in Aufruhr.

Lucía hat im beschaulichen Cadaqués Heimat, Familie und Berufung gefunden. Aber die Fehde zwischen Carmencita und ihr erreicht schließlich einen Höhepunkt, der Lucías Glück ins Wanken bringen könnte.

Am anderen Ende Spaniens, in Bilbao, sucht währenddessen eine junge Frau nach ihren Wurzeln und gerät dabei an die falschen Freunde – aber nur dank dieser fatalen Begegnung, die sie ihr Leben lang bereuen wird, trifft sie auf ihre große Liebe. Wird sie irgendwann auch ihre Eltern finden?

Atmosphärisch dicht erzählt und voller unvorhersehbarer Wendungen entführt die Fortsetzung der Spanien-Saga den Leser in die tumultreichen Jahre zwischen 1956 und 1975.

Skoutz meint:  Wenn der erste Band nicht schon auf der Romance-Liste gestanden hätte, wäre er auch ein Kandidat für meine Midlist History gewesen. Auch im zweiten Teil der großen Spanien-Saga wirft Astrid Töpfner viele bunte Mosaiksteine vor den Leser. Mit faszinierenden Personen, liebevoll gezeichneten Szenen, großen Gefühlen und kleinen Gesten beschwört sie ein präzise gezeichnetes Bild des historischen Spaniens der Nachkriegszeit und bringt dem Leser so auch dieses wunderbare Land näher. Beeindruckend, wie angenehm lesbar all diese Elemente wieder zu einem großen Ganzen geführt werden, das so richtig Lust auf Spanien macht. Und auf Band 3 und 4.  (kn)

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Wir sind für die Ewigkeit - History Shortlist 2021 - Skoutz-AwardMehr Info

Wir sind für die Ewigkeit 1 – Hoffnung„. Ein bewegender Roman über Menschen und die Liebe inmitten der Wirrungen in Spanien während des 2. Weltkriegs hat einen der begehrten Plätze auf der  Midlist History des Skoutz-Awards 2021 ergattert und sich von dort aus trotz der starken Konkurrenz auf die Shortlist 2021 vorgekämpft.

Grund genug, selbst mal literarisch nach Barcelona zu reisen und in die Geschichte einzutauchen . Wie uns das Liebesabenteuer gefallen hat, erfahrt ihr hier …  (weiterlesen).

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Hinweis:

Wenn ihr die Bücher schon kennt, würdet ihr uns, dem Autor und allen lektüresuchenden Lesern einen großen Gefallen, wenn ihr das Buch in der Skoutz-Buchdatenbank mit einer  Skoutz-Buchfieberkurve bewerten würdet. 5 Klicks statt 5 Sterne. Einfacher lässt sich eine Rezension nicht schreiben, bequemer kann man sein nächstes Buch-Date nicht finden. Und so helft ihr, dass unsere Buchfindemaschine weiter wächst.

 

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