Zu Besuch bei Ann-Kathrin Wasle

Auch Ann-Kathrin Wasle kannten wir bei Skoutz noch nicht, als   sich in ihr Lied des Gaukelspielers verliebt hat und den fantastischen Historienroman in ihre Auswahl für die Midlist History des Skoutz-Awards 2021 aufgenommen hat.

Und auch wenn bei uns nur die Geschichte zählt, sind wir doch immer sehr gespannt auch die Menschen hinter, vor und rund ums Buch. Der Skoutz-Kauz und ich freuen uns also sehr auf unser heutiges Interview, das uns ins malerische Rheinstetten verschlägt.

Kay zu Besuch bei Ann-Kathrin Wasle, die nicht nur in Geschichten abtaucht

Liebe Ann-Kathrin, wie schön, dass du dir Zeit für uns genommen hast, zwischen Schreibtisch und Krabbelstube bleibt ja nicht mehr so viel. Noch dazu, weil du bei deinen wundervollen Geschichten sicherlich auch reichlich Recherchearbeit hast, so detailbesessen wie einzelne Szenen ausgestaltet sind.

Also lass uns doch gleich mal anfangen …

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Welches ist die größte Herausforderung, der man sich als Autor stellen muss?

Für mich besteht die größte Hürde darin, mein Manuskript in jeder Phase – Planen, Schreiben, Überarbeiten – wieder und wieder durchzugehen, so lange, bis ich wirklich damit zufrieden bin.

Das klingt jetzt zunächst vor allem nach Fleiß. Ich kenne das aus der eigenen Arbeit. Aber wo ist da für dich die Challenge?

Das ist vor allem eine mentale Herausforderung, der ich mich erst in den letzten Jahren konsequent stelle.

Okay, so gesehen. Verstehe ich dich. Ich frage mich ab und an beim Überarbeiten auch, wer bitte das geschrieben hat. Und warum? 🙂 Bleiben wir gleich mal noch beim Texte-Feilen mit der nächsten Frage.

Hast du Lieblingsworte in deinen Skripten, die vom Lektorat regelmäßig angestrichen werden?

Mehr noch: Ich habe eine Liste mit bösen Wörtern, nach denen ich beim Überarbeiten immer zuerst selbst speziell suche.

Hihi, eine Liste habe ich nicht, aber ich jage immer noch mal „dann“ und „doch“. Und neuerdings auch „ja“, das ist gerade mein Trendwortl. Welche sind es bei dir?

Mit … Miene‘ gehört dazu (das Adjektiv ist beliebig wählbar) und ‚es schien, als …‘ oder auch ‚drohend‘.

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Was ist deine präferierte Erzählform?

Ich lese am liebsten auktoriale Beschreibungen. Aber nur, wenn sie wirklich gut gemacht sind.

Da du auch lektorierst, nehme ich an, dass du da streng bist. Wer wäre hier für dich ein Vorbild?

Isabel Allende zum Beispiel oder John Steinbeck.

Schreibst du auch so? 

Das ist aber ein Stil, den ich mir persönlich nur selten zutraue. In meinen eigenen historischen Romanen bevorzuge ich die Sicht aus der dritten Person, aber am einfachsten fällt mir die Ich-Perspektive.

Ich denke, das hat alles Vor- und Nachteile und versuche dann, anhand der Geschichte und meinem Erzähl-Anliegen zu entscheiden. Bleiben wir noch kurz beim Schreiben …

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Bist du im Team Adjektiv oder bevorzugst du eher einen „schnörkellosen“ Stil?

Beim Schreiben erlaube ich mir gerne ein paar Adjektive, aber die meisten fallen am Ende der Überarbeitung zum Opfer.

Nach welchen Kriterien entscheidest du dann über Wohl und Wehe? 

Ich bin der Meinung, wenn ein Adjektiv die Beschreibung nicht fundamental stärker macht, dann sollte es besser weichen.

Auf die nächste Frage bin ich gespannt, denn mich haben beim Lied des Gauklers die Personenbeschreibungen so gepackt, dass ich nach der Lektüre wirklich einen kleinen Book-Blues hatte. 

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Hast du einen speziellen Trick, um aus deinen Figuren echte Persönlichkeiten zu machen?

Ich habe festgestellt, dass meine Figuren erst dann wirklich lebendig werden, wenn ich irgendetwas von mir in ihnen wiederfinde.

Ah, Team autobiografisches Herantasten. 🙂 Was kann das sein?

Das kann von grundlegenden Wesenszügen bis zu kleinen Details wie einer gemeinsamen Erfahrung gehen.

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Welchen Fehler darf man beim Schreiben keinesfalls machen?

Ich halte die Überarbeitung für den unterschätztesten Teil am Schreiben.

Wohl wahr, ich kenne Kollegen, die das von Herzen hassen. 

Den meisten Autoren (einschließlich mir) fällt es tödlich schwer, den ersten Entwurf des Manuskripts selbst zu lesen.

Ich mach das eigentlich ganz gern. Auch wenn ich mich manchmal dann vor mir selbst schäme. Wie ist das bei dir? 

Habe ich mich einmal überwunden, geht für mich die eigentliche Arbeit erst richtig los – so lange, bis ich mit dem fertigen Text rundum zufrieden bin.

Das Ergebnis lohnt. Vielleicht, weil es ein bisschen leichter ist, beim Überarbeiten. So, als würde man die Geschichte vor sich ausbreiten und mit Übersicht sortiert es sich eben leichter. 

Gehen wir mal vom Schreiben zum Lesen.

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Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Dantes Göttliche Komödie.

Echt jetzt? Der Göttlichen Komödie sagt man ja nach, sie sei der am wenigsten wirklich gelesene Bestseller der Literaturgeschichte. Und jetzt sitze ich hier beim Kaffee neben einer ganz harmlos aussehenden jungen Mutter, die mir erzählt, das sei ihre Nachtlektüre?

Nein, im Ernst! Auch wenn ich zugeben muss, dass ich das Werk vor allem zu Recherchezwecken lese.

Jetzt bin ich neugierig.

Mein nächster Roman spielt stark mit Themen wie dem Teufel und der Unterwelt, da möchte ich mir die großen Klassiker doch näher anschauen.

Wohl wahr. Ich vermute mal, Dante hat unsere Idee von Hölle, Fegefeuer und Himmel mehr geprägt als die Bibel selbst. 

Aber – bevor wir uns hier festreden – Buch beiseite …

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Welche 3 Dinge sind dir aktuell am wichtigsten im Leben?

Die ersten beiden Plätze nehmen klar mein einjähriger Sohn und mein Ehemann Tobias ein.

Und dann?

Und dann kommt auch schon das Schreiben – oder vielmehr die Bücher, die dabei entstehen.

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Wenn du wählen könntest, wärst du lieber extrem intelligent oder gut im Umgang mit Menschen?

Eine spannende Frage.

Danke, wir bemühen uns. 

Ich brauche meine Intelligenz, um Kunst zu schaffen, und den Umgang mit Menschen, um sie dann zu verbreiten …

Das Kreuz des Self-Publishers. Wobei das auch Verlagsautoren trifft. Wie entscheidest du dich also? 

Allerdings hilft mir Sozialkompetenz wenig, wenn ich dann nichts Eigenes vorzuweisen habe. Daher würde ich wohl die Intelligenz wählen.

Ich glaube auch, dass man Marketingleistungen eher als Ghostwriter kaufen kann. 🙂

 

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Für alles, was es zu erleben lohnt – ich habe kein Problem mit Schlafunterbrechung.

Sehr sympathisch. Wobei unter Autoren schon eindeutig mehr Nachtmenschen als im Bundesdurchschnitt versammelt sind. Und was lohnt sich für dich?

Zurzeit vor allem mein Wölfchen, wenn es um vier Uhr morgens noch ein paar Kuscheleinheiten braucht.

Jetzt sollten unsere Skoutze dich lächeln sehen …

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Was ist deine größte Stärke?

Ich kann eine besondere Sturheit entwickeln, wenn ich mir einmal ein Vorhaben in den Kopf gesetzt habe.

Sturheit wird jetzt gemeinhin nicht als Stärke ausgewiesen?

Hin und wieder ist das tatsächlich eher hinderlich, aber oft genug erreiche ich auf diese Weise Dinge, bei denen die meisten längst aufgegeben hätten.

So gesehen, hast du natürlich recht. Lisa Skydla meinte letztens, dass gerade beim Schreiben Beharrlichkeit nicht hoch genug geschätzt werden kann.

Kommen wir zu meiner Lieblingsfrage.

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Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das es tun würde?

Mein fünfjähriges Ich würde sich wohl als erstes mein Baby packen und begeistert mit ihm spielen. Dann würde es zusammen mit dem Kleinen draußen in den Pool springen. Oh weh, ob das mal gutgeht …

Du bist die Erste, bei der die Frage in eine ernste Gefahrenlage umschlägt. Ups. 

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Welcher fiktionale Charakter ist in Buch/Serie/Film unglaublich, wäre aber in banalen alltäglichen Situationen unerträglich?

Balthasar, die Hauptfigur meines Buchs ‚Das Lied des Gaukelspielers‘, ist ein ziemlich ungeselliger Genosse – wortkarg, eigenbrötlerisch und unwillig, sich anderen gegenüber zu öffnen. Es würde sicher wenig Spaß machen, Zeit mit ihm zu verbringen, aber als Romanfigur ist er einer meiner Favoriten.

Also da muss ich ihm jetzt echt eine Lanze brechen! Es hat ja Gründe, warum er so schroffelig ist. Ich habe ihn jedenfalls wirklich sehr, sehr gern durch sein Abenteuer begleitet und glaube, dass ich mich auch im Alltag mit ihm arrangieren könnte.  

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Stell dir vor, du würdest einen Geheimbund gründen, wie würdest du ihn benennen und was wäre eure Mission?

Aber darüber darf ich doch nichts erzählen – das ist doch alles streng geheim!

Mist! Noch eine, der das auffällt. Du kannst dich mit Mike Stone verbünden, der hat den Braten auch gerochen. 

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Gibt es etwas, das du kannst, die meisten anderen Menschen aber nicht?

Ich kann ziemlich tief tauchen, wenn ich es mir in den Kopf gesetzt habe.

Okay, das finde ich beeindruckend. Ich kann das auch, aber eher nach dem Modell Bleiente, nicht freiwillig. Wie tief tauchst du denn?

20 Meter waren bislang der Rekord.

Wow! Da wäre Cliff Allister gewiss beeindruckt, der ist vor seiner Autorenkarriere professionell getaucht. Wie macht man sowas, also ich meine, wie schafft man das?

Dabei helfen meine große Lunge und die vorhin erwähnte Sturheit.

Kommen wir zur finalen Frage …

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Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Wenn das so einfach in zwei Zeilen passen würde, dann müsste ich keine Bücher schreiben.

Obwohl niemand gesagt hat, dass du dich auf zwei Zeilen beschränken musst, wollen wir es dann gar nicht wissen, weil wir auf jeden Fall weitere Wasle-Bücher wollen. 

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Liebe Ann-Kathrin, es war wie erwartet wundervoll, mit dir zu plaudern, vielen Dank für diese Einblicke in dein Leben und Arbeiten. Ich freue mich schon sehr auf unser nächstes Gespräch, völlig einerlei, ob das jetzt für den Award oder eine Neuerscheinung ist. Wenn du magst, sei auch zwischendrin skoutzig und besuch uns im Netz, wir freuen uns. 

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Hier könnt ihr Ann-Kathrin Wasle erreichen:

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Skoutz-Lesetipp

Bittersüßer Nachtschatten (Nachtschattengewächse 1) – von Ann-Kathrin Wasle

Fantasy

Bittersüßer Nachtschatten - Ann-Kathrin WasleTief unter der altehrwürdigen Metropole Prag liegt eine andere Stadt verborgen; ein Ort voll dunkler Geheimnisse und uralter Legenden. Es heißt, dass der Teufel selbst in diesen Gemäuern sein Lager aufgeschlagen hat – und wehe dem Sterblichen, der sich ihm in den Weg stellt.

»Was würdest du vom Teufel verlangen, wenn er dir einen Wunsch gewährt?«
In einer vergessenen Basilika unter der Prager Altstadt stellt sich Rita diese Frage. Und sie muss nicht lange über eine Antwort nachdenken: Wie einfach könnte doch ihr Leben sein, wäre sie nur ein wenig selbstsicherer, ein wenig durchsetzungsfähiger im Umgang mit den Männern. Keine Probleme auf der Arbeit mehr, keine dummen Anmachen, kein Gepfeife auf der Straße – es klingt beinahe zu schön, um wahr zu sein.
Und so spricht Rita ihre Bitte aus. Was sollte so ein unschuldiger Wunsch denn schon für Folgen nach sich ziehen?

Skoutz meint: Es ist schwer, ein Buch vorzustellen, dass man nicht kennt. Mein Respekt für Kinokritiker, die öfter vor diesem Problem stehen.
Bittersüßer Nachtschatten ist sehr vielversprechend. Ann-Kathrin Wasle beweist, dass sie ein bemerkenswertes Gespür für Setting und Figuren hat und schon die Geschichte selbst weckt Neugier. Jeder kennt es, so wie Rita mal schnell (Ver)Wünsch(ungen) aussprechen, um seinem Unmut Luft zu machen. Aber wir wissen, dass man beim Wünschen vorsichtig sein muss, denn sie neigen dazu, in Erfüllung zu gehen.
Ich gehe voll auf Risiko und wünsche mir trotzdem, dass das Buch bald erscheint, weil ich mich wirklich darauf freue, es zu Ende zu lesen.  
(kn)
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[Werbung] Wenn ihr wie geplant neugierig geworden seid, könnt ihr euch über die Homepage* der Autorin über dieses am 20. Oktober 2021 erscheinende Buch schon einmal informieren, in die Leseprobe linsen (auch wenn ihr dann noch warten müsst!) und auf eure Wunschliste packen.

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Mehr Info

Ann-Kathrin Wasle liefert in „Das Lied des Gaukelspielers“  nicht nur einen Einblick in die dunklen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges, sondern erzählt auch die ebenso emotionale wie spannende Geschichte eines Mannes, der auf der Suche nach sich selbst ist.

Wir haben das Buch die Midlist History  näher untersucht und euch vorgestellt (weiterlesen).

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Hinweis:

Wenn ihr die Bücher schon kennt, würdet ihr uns, dem Autor und allen lektüresuchenden Lesern einen großen Gefallen, wenn ihr das Buch in der Skoutz-Buchdatenbank mit einer  Skoutz-Buchfieberkurve bewerten würdet. 5 Klicks statt 5 Sterne. Einfacher lässt sich eine Rezensionnicht schreiben, bequemer kann man sein nächstes Buch-Date nicht finden. Und so helft ihr, dass unsere Buchfindemaschine weiter wächst.

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