Zu Besuch bei André Wegmann (Juror „Horror“ beim Skoutz-Award 2021)

Skoutzi und ich besuchen heute André Wegmann. 2011 schlitterte er von seinem Brotjob als Texter in die Welt des Schreibens. Dort machte er es sich bei Horror und Thriller gemütlich. Beim Skoutz-Award 2021 hat er netterweise die Aufgabe des Jurors im Genre „Horror“ übernommen. Wir ziehen uns die Clownsmasken über und machen uns gespannt auf den Weg.

 

Sabrina zu Besuch bei André Wegmann, der gerne mal Seemannsgarn spinnt

Hallo, lieber André, vielen Dank dass wir dich besuchen dürfen. Der hibbelige Skoutz hier neben mir und ich sind ziemlich aufgeregt, denn wir haben ein paar Fragen mitgebracht, auf deren Antworten wir sehr gespannt sind. Bereit? Dann los.

 

Wie oft hast du es schon bereut, dass du in der Jury für den Skoutz-Award mitmachst?

Noch gar nicht, hat wirklich Spaß gemacht soweit.

Der Zusatz „soweit“ lässt vermuten, dass du doch ein wenig zu kauen hattest. *schmunzelt*

 

Welches ist die größte Herausforderung, der man sich als Autor stellen muss?

Hm, es gibt sicher so einige Herausforderungen, die beim Schreiben auftreten.

Naja, wenn es zu einfach wäre, wäre es ja auch nicht so furchtbar aufregend. Welche denkst du also, ist die größte?

Vielleicht immer wieder die Disziplin zum Weitermachen aufzubringen. Ein Roman ist schließlich wie eine lange Reise, zwischendurch weiß man womöglich nicht, wie es weitergehen soll oder die Sorgen des Alltags hindern einen am Vorankommen. Nicht wenige fangen ein Buch an und werden nie fertig.

Das hast du gut beschrieben. Man befindet sich auf einem langen Weg und das Ziel zu erreichen ist oft hart.

Und wenn das Buchbaby dann irgendwann das Licht der Welt erblickt hat, geht der Spaß von vorne los, die Leserschaft möchte schließlich alsbald Nachschub haben. Also man muss schon für das Schreiben brennen und den inneren Drang dazu verspüren, um wirklich dauerhaft ein Autor zu sein.

Der ewige Kreis… Ich bin sehr froh, dass sich viele Autoren immer wieder auf diesen Weg begeben 🙂

 

Was ist deine präferierte Erzählform?

Die personale Erzählperspektive, bei der ich das Geschehen aus der Sicht einer bestimmten Figur erzähle. Im Laufe eines Romans sind das meist wechselnde Figuren. Ich habe übrigens noch nie aus der Ich-Perspektive geschrieben. Nicht, dass ich mir das nicht zutrauen würde, aber ich mag die personale oder auch die auktoriale Perspektive irgendwie lieber.

Ich finde die Antworten auf diese Frage immer besonders interessant, weil es da echt spannende Unterschiede gibt. Ich bin gespannt, ob es dich trotzdem irgendwann mal zur Ich-Perspektive zieht.

 

Welchen Fehler darf man beim Schreiben keinesfalls machen?

Zu perfektionistisch sein. Manche schmeißen ihre Texte immer wieder um, bis sie sie vor lauter Frust ganz löschen.

Ja, das ist jammerschade. Ich persönlich kann aber nachvollziehen dass man gerne vorher schon herumschleift, damit es gleich gut wird.

Ich habe durchaus auch einen hohen Anspruch an mich selbst, aber ich will auch irgendwann fertig werden. Deswegen habe ich mir angewöhnt, dass ich an meiner ersten Fassung überhaupt nichts verbessere, bis sie fertig ist.

Ich bewundere ehrlich deine Disziplin. Wie machst du dann nach der Rohfassung weiter?

Dann kommen zwei Überarbeitungsgänge, bei denen ich viel verbessere und gegebenenfalls gefällig ausformuliere. Und dann bin ich fertig, wenngleich man sicher auch noch im vierten oder zehnten Durchgang etwas anders oder schöner schreiben könnte. Aber irgendwann passt es halt so, zumal das Ding ja auch noch ein Lektorat kriegt.

Vor allem letzteres sollte man sich immer wieder vor Augen halten. Ich finde es wirklich wichtig, dass man sich erinnert dass das Ende des Buches auf dem eigenen PC, nicht das Endprodukt ist.

 

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Ein spannender Plot und handwerklich saubere Arbeit mit ausreichend ausgearbeiteten Figuren und einer guten Dramaturgie. Als Autor sollte man auch ein Gespür dafür haben, was zu viel und was zu wenig ist. Ich lese manchmal Geschichten, die durchaus spannend und gut geschrieben sind, bei denen der Autor sich aber in Übertreibungen oder ausufernden Nebensächlichkeiten verliert.

Bei solch treffenden Aussagen erwähne ich gerne das Buch mit der seitenweise beschriebenen Tapete *schmunzelt* Zum Glück gibt es für jeden Topf den passenden Deckel und so geht uns noch ein Weilchen der Lesestoff nicht aus.

 

Lass uns nach vorne schauen … 😊 Was macht für dich eine gute Laudatio aus?

Kurz und knapp auf die besonderen Vorzüge eines Werkes und die Leistung seines Urhebers einzugehen. Da ich aber noch nie eine Laudatio gehalten habe, werde ich mich damit noch zu gegebener Zeit näher befassen. 😉

Vorbereitung ist alles *grinst* Mal sehen womit du dich aktuell befasst…

 

Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

„Sieben Pfeifer“ von Amber Benson und Christopher Golden. Sogar schon ziemlich lange. Das bedeutet aber nicht, dass es schlecht ist. Ich bin nur zwischendurch davon weggekommen und werde es beizeiten noch gemütlich fertig lesen. Wahrscheinlich zumindest, vielleicht bleibt es auch eine ewige Nachttisch-Deko, ist ja auch was.

*schaut erschrocken* Es gibt durchaus schlechtere Deko, aber sowas kannst du doch nicht einfach so sagen! Ich hoffe, du findest bald die passende Stimmung für das Buch und kannst es beenden. Es hat das sicher verdient *lächelt*

 

Nach welchem System hast du die Vorauswahl für deine Midlist getroffen?

Ich habe mir zunächst jedes Buch angeguckt und auf Cover, Klappentext und Rezensionen geachtet. Hat soweit alles einen guten Eindruck hinterlassen, kam das Buch eine interne Runde weiter. Später habe ich in die Bücher, die in der engeren Auswahl waren, rein gelesen und zudem eine Bloggerin meines Vertrauens nach ihren Einschätzungen gefragt. Letztlich blieben dann rund 15 Bücher übrig, aus denen ich die Auswahl traf.

Mir gefällt bei deinem Vorgehen besonders, dass du reingelesen hast. Das war sicher interessant Passagen so aus dem Kontext heraus zu bewerten. Für meinen SuB und mich wär das ja nix *lacht*

 

Welche 3 Dinge sind dir aktuell am wichtigsten im Leben?

Gesundheit, Familie, berufliches Vorankommen.

Das lasse ich nahezu unkommentiert und wünsche alles Gute in diesen „Bereichen“.

 

Worüber wunderst du dich am häufigsten?

Über die Dummheit und den Egoismus vieler Menschen.

Das nenne ich mal treffend direkt. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir uns weiterentwickeln.

 

Wenn du wählen könntest, wärst du lieber extrem intelligent oder gut im Umgang mit Menschen?

Man muss mit den Karten spielen, die man hat. Ich bin eher introvertiert und daher gibt es beim Umgang mit Menschen sicher Verbesserungspotential, andererseits muss man ja auch nicht mit jedem klarkommen.

Das ist richtig. Wichtig ist in diesem Punkt wohl nur: Leben und Leben lassen. 

 

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Für Plot-Ideen, wenn mein Notizheft im Wohnzimmer liegt. Das kommt auch öfter vor. Ansonsten natürlich auch dann, wenn mir nahestehende Menschen in Notlagen sind oder so.

Eventuell lohnt sich ja die Anschaffung eines zweiten Notizbuchs das unterm Kopfkissen liegt? *schmunzel* Aber der zweite Grund ist sehr nobel und nicht selbstverständlich. Auch wenn er es sein sollte.

 

Welcher fiktionale Charakter ist in Buch/Serie/Film unglaublich, wäre aber in banalen alltäglichen Situationen unerträglich?

Die meisten berühmten fiktionalen Charaktere sind ziemlich over the top. Wenn sie vollkommen durchschnittlich und normal wären, würde sich vermutlich kaum jemand für sie interessieren.

Und sie würden sich nicht so sehr einprägen, dass man überhaupt darüber nachdenken könnte, wen man davon am nervigsten findet 😉

Aber du hast ja nach einem Namen gefragt … spontan fällt mir Aloysius Pendergast aus dem Preston & Child-Universum ein. In den Büchern cool und unterhaltsam, in alltäglichen Situationen wäre seine neunmalkluge Art sicher oft nervig, auch wenn er über hervorragende Umgangsformen verfügt.

Das klingt trotz des nervigen Faktors aber nach einer irre interessanten Kombination. Hiermit habe ich mich dann auch direkt geoutet: Ich kenne ihn gar nicht. Werde das aber definitiv bald ändern.

 

Stell dir vor, du würdest einen Geheimbund gründen, wie würdest du ihn benennen und was wäre eure Mission?

Puh, du stellst Fragen.

Na sicher, dafür bin ich ja hier *lach*

Es wäre der BSB-Bund, Bücher statt Bomben, für mehr Lesestoff und weniger Waffen auf der Welt. Das wäre doch eine edle Mission und da du so schöne Fragen stellst, erkläre ich dich jetzt zur Präsidentin dieses Geheimbunds.

Mich? *wächst ca. 5cm* Hmm ok, haben wir Kekse, Schokolade? Als erste Amtshandlung werde ich direkt ein paar neue Bücher ordern. Berufspflicht oder so *kicher*

 

Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Vielen Dank für eure Votes, die mir den Skoutz-Award 2020 eingebracht haben. Und bleibt gesund und lest meine Bücher!

Als Präsidentin des BSB kann ich nur sagen: Und zwar schnell!

Lieber André, es war sehr schön hier bei dir und ich danke für deine Zeit und Geduld. Ich wünsche dir und deinen Lieben alles Gute, dass deine Wünsche in Erfüllung gehen und weiterhin viel Erfolg mit deinen Werken.

Dankeschön!

 

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Skoutz-Lesetipp

Ardennen (Christian Harms-Thriller 2) – blutiger Horror von André Wegmann

Privatermittler Christian Harms wird von seiner Nichte gebeten, einen verschwundenen Freund aufzuspüren.
Die Suche nach dem jungen Mann führt Harms in die belgischen Ardennen, eine mystisch anmutende Naturlandschaft mit ausgedehnten Wäldern, schrulligen Einheimischen und abgelegenen Höfen, die tiefe menschliche Abgründe bergen. Bald verschwinden weitere Menschen und die Zeit tickt, denn ihnen allen droht ein schreckliches Schicksal.
Doch das ist noch nicht das Schlimmste, denn in den Nächten streift jemand oder etwas mit einem unersättlichen Appetit nach Fleisch und Blut durch die urtümlichen Wälder …

Skoutz meint: Die Ardennen besucht man, um sich zu erholen. In diesem Thriller kann davon aber nicht die Rede sein. Christian Harms, den man schon im Vorgängerband „Dschinn“ kennenlernen durfte, hat auch hier wieder eine knifflige Aufgabe vor sich. Auf oft ziemlich detaillierte Weise reißt dieses Buch den Leser aus seiner gewohnten Schutzblase. Die Geschichte der Ardennen steckt voll ausgefallener und dadurch nie kurzweiliger Szenen und Ideen. Mit einem Hauch Mystik leitet der Spannungsbogen den Leser von einem Ereignis zum Nächsten und man kommt nicht umhin sich zu fragen: Kommt da noch mehr? Lasst euch überraschen.  Nicht alles wird sich euch sofort offenbaren, dafür ist der Schauerregen danach umso intensiver.

 

Unser Skoutz Martina war bereits zu Besuch bei André Wegmann und hat bei ihrem Interview auch ein paar interessante Antworten bekommen.

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Mit der Skoutz-Buchfieberkurve bewertet ihr mit fünf einfachen Klicks ein Buch anhand von fünf Kriterien statt fünf Sternen. So seht ihr auf einen Blick, wie das Buch wirklich ist. So schön kann Bücher suchen sein.
Natürlich gibt es dort auch noch andere Bücher, Rezensionen und vieles mehr.

Wer das Buch schon kennt, kann (und soll!) es bei uns natürlich auch bewerten, damit unsere Buchsuche weiter wächst.

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