Skoutz-Wiki: Liebesroman (Romance)

Wenn man überprüft, welche Bücher die Menschen berühren, über welche man spricht und welche vor allem gekauft werden, dann ist mit weitem Abstand Romance führend. Der Liebesroman in all seinen Facetten hat einen Marktanteil von mindestens 50%. Betrachtet man die Geschichte der Geschichten, die Entwicklung der Bücher genauer und dabei auch jene Werke, die uns bis heute berühren, so spielt die Liebe darin seit jeher eine zentrale Rolle. Trotzdem ist die Liebesgeschichte wohl eine der umstrittensten Gattungen der Literatur: Voller Begierde verschlungen und zu Bestsellern erkoren und doch als Trivialliteratur verachtet.

Es ist schier unmöglich, eine vernünftige literaturwissenschaftliche Darstellung der Geschichte der Liebe in der Literatur zu finden. Eine, die nicht albern zwischen Literaturgattungen wie Drama (Theater), Lyrik und Prosa trennt und alles, was auch nur trivial sein könnte, ausgrenzt sondern sich, verdammt noch mal, dem Thema widmet, das uns Menschen seit jeher fasziniert und bewegt.

Darum haben wir uns ihr im Skoutz-Wiki gewidmet:

 

Romance und Liebesroman in Kürze

Um es kurz zu halten: Als Liebesroman (oder eben Liebesdrama oder Liebesgedicht etc.) kann jedes Werk bezeichnet werden, dessen zentrales Thema die Liebe ist. Dabei ist in der Regel die Liebe zwischen Paaren und weniger die zwischen Eltern und Kindern oder Geschwistern gemeint, die dann eher dem allgemeiner gehaltenen Beziehungsroman zuzuordnen sind.

Minimal ausführlicher wird es mit der Einschränkung, dass solche Titel ungeachtet vieler, vieler Beispiele aus der Hoch- und Weltliteratur gerne verächtlich der Trivialliteratur zugerechnet werden. Weshalb man sich z.B. hüten sollte, vor verstaubten Ohren Faust als Liebesgeschichte zu bezeichnen, ungeachtet der Rolle, die Fausts Beziehung zu Gretchen einnimmt.

Teilweise spricht man inzwischen von einem Liebesroman, wenn er nicht trivial ist und kein Happy-End hat, während man das Gegenteil für Romance hält.

Das ist sprachlich verwirrend, weil damit das englische Wort im Deutschen eine andere (engere) Bedeutung als im Englischen hat. So entsteht in einer immer stärker internationalisierten Sprache nur Verwirrung . Davon unabhängig bleiben bei dieser Begriffsbildung viel zu viele Bereiche ungeklärt, denn die Liebe in Liebesgeschichten ist so vielfältig wie das Leben selbst. Sie kann glücklich oder tragisch enden oder irgendwie zu gar keinem richtigen Ende finden. Sie kann Gutes und Böses erschaffen und uns träumen oder verzweifeln lassen. Ob das trivial ist oder nicht, hängt davon ab, wie sie erzählt wird, und ist für sich in vielen Fällen schwer zu beurteilen.

Seht selbst, wir haben die berühmtesten Liebesgeschichten aller Zeiten in unserer ultimativen Skoutz-Classics-Liste Romance zusammengestellt.

 

Romance und Liebesroman ausführlich

Liebesgeschichten werden gerne als Frauenliteratur abgetan, was gleich in doppelter Hinsicht frech ist. Denn einmal wertet das die lesende Frau als monothematisch ab, als würde sie sich für nichts anderes interessieren, und zum anderen beleidigt es den Liebesroman, und die Liebe, als sei diese kein eigenes Genre wert …

Der Anspruch von Liebesromanen

Wie man es auch dreht und wendet – ignorieren lässt sich das Genre einfach nicht. Und das nicht nur, weil es bis heute unangefochten sämtliche Charts dominiert, die sich mit Geschichten befassen. Völlig einerlei, ob es dabei um hehre Literatur oder Groschenhefte, um Film, Funk oder Fernsehen geht.

Dabei ist die Frage nach der Qualität einer Liebesgeschichte so sinnvoll wie die nach dem Wetter. Es gibt gutes und schlechtes. Mögt ihr Wetter? Kommt darauf an, wie es ist, nicht wahr? Und dann kann das noch wechseln, denn während ich mich nach dem Einpflanzen über Regen freue, hält sich beim Grillfest meine Begeisterung in Grenzen. Und genauso ist es mit dem Anspruch. Wer unterhalten will, schreibt anders, als einer der sprachwissenschaftlich glänzen möchte.  Wer Millionen begeistert, hat irgendwas richtig gemacht. Nicht, wegen des damit hoffentlich verbundenen Reichtums, sondern weil diese Geschichte bewegt – und das ist es letztlich, was sie will.

Trivial

Es ist traurig, dass es v.a. der deutschen Literaturwissenschaft so schwer fällt, sich außerhalb ihres engen Kanons zu bewegen. Dabei ist der Einfluss der Trivialliteratur als kultur- und gesellschaftsprägendes und -beschreibendes Element nicht zu leugnen. Es ist ja nicht so, dass Shakespeare und Goethe zu ihrer Zeit nicht genauso gefeiert worden wären, wie heutzutage Nikolas Sparks und Stephanie Meyers.

Der Widerwille gegen Trivialliteratur und eben auch explizit der Liebesromane ist mancherorts so ausgeprägt, dass liberalere Professoren hier schon von einem Trivialproblem sprechen, das die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Liebe in der Literatur belastet, ja regelrecht lähmt (vgl. Helmut Kreutzer (1975) – externer Link). Doch das soll uns nicht belasten. Etwas, das “trivial” ist, ist im ursprünglichen Wortsinn einfach verständlich und leicht zugänglich. Das ist nicht schlecht und auch nicht banal.

Die Liebe ist Luhmann (Liebe als Passion, 1982) zufolge ein Code, der innerhalb der Kommunikation „die Interpretation der Anzeichen und die Mitteilung kleiner Zeichen für große Gefühle ermöglicht“ und so Liebe überhaupt erst erlebbar macht. Dabei überwindet die Liebe alle Grenzen und gesellschaftlichen Konventionen. Und das seit jeher bis in die heutige Zeit. Für eine Liebesgeschichte ist es daher unerheblich, ob sie zu einer wird, weil der Autor das will,oder ob der Leser sie zu einer macht, weil es das ist, was an der vielschichtigeren Geschichte für ihn von Interesse ist.

In unserer Classics-Liste sind daher auch triviale (aber keinesfalls banale) Werke enthalten, die entweder

  • das Genre “Romance” weiterbringen, indem sie es neu, weiter, anders definierten,
  • ihre Zeit nachhaltig beeinflussten, oder
  • nachfolgende Autoren geprägt haben.

Das schließt sich oft auch gar nicht aus, aber uns ist es wichtig, dass eben nicht nur Bücher, die ein enger Kreis von Professoren gut findet, in unsere Liste dürfen, sondern eben die Liebe in der Literatur, so wie sie uns begegnet und begeistert (oder unsere Großeltern. 🙂 ).

Das Thema von Liebesgeschichten

Das ist vermeintlich einfach: Es geht um die Liebe. Den wohl mächtigsten Motor, der uns Menschen antreiben kann, der uns groß und klein macht, zu Meisterleistungen und kapitalen Eseleien verleitet. Doch die Liebesgeschichten sind nicht einfach nur Geschichten über die Liebe. Sie sind vielfältig: fesselndes Geschriebenes, wendet sich an unsere eigenen Erinnerungen und Träume. Solange dabei nicht romantisch geschmachtet wird, ist das auch für die härtesten Männer akzeptabel (denn natürlich können auch sie sich der Macht dieses Motivs nicht entziehen).

Die größten Dichter aller Länder haben mit Geschichten von der Liebe ihren Weltruhm besiegelt, ob das Goethe mit Werther war, oder Shakespeare mit Romeo und Julia. Auch Die Geschichte des Prinzen Genji, der erste Roman überhaupt, ist ein Liebesroman und so ist unserer Meinung nach Romance ein Genre, das mit all seinen Subgenres und Schattierungen allergrößte Ehrfurcht verdient hat.

Da Liebe seit jeher das größte Abenteuer überhaupt ist, finden sich oft auch Elemente des Abenteuerromans in ihm, ebenso wie zu Krimi und Thriller, die ohne die Verbrechen aus Leidenschaft auch nur halb so gut wären. Liebe verlangt oft eine Entwicklung der Helden, die sich Konventionen anpassen oder sie überwinden müssen, wenn sie sich nicht erst einmal selbst im Wege stehen.

Romance und Liebe

Man liest gelegentlich, Romance sei mit garantiertem Happy-End, der Liebesroman dagegen nicht. Das ist eine willkürliche Unterscheidung, finden wir. Denn sie erweist sich schon mit Blick auf die zunehmende Internationalisierung und den damit verbundenen Begriffsüberschneidungen als sehr unglücklich.

Andere (auch das Bücherwiki) unterstellen, dass ein Liebesroman mit glücklichem Ende automatisch in die Trivialliteratur abrutscht. Dem würden wir jetzt mit Verweis auf Daphnis und Chloe oder auch den Sommernachtstraum widersprechen wollen.

Das deutsche Schriftstellerforum (DSFo) behauptet beim Versuch einer Abgrenzung, nichts, was in einem Liebesroman geschehhe, dürfe anders motiviert sein als durch die Beziehung der beiden Hauptpersonen zueinander. Dabei seien die Leser zumeist weiblich, “und so” sei es ausgesprochen wichtig, weibliche Identifikationsfiguren, männliche Love Interests zu bieten, auf Abweichungen weitestgehend zu verzichten und ein Happy-End zu garantieren. Solche Aussagen sollten vielleicht gendertechnisch nochmals überdacht werden. Statistisch bestätigen lassen sie sich jedenfalls in Bezug auf das Happy-End (Ein ganzes halbes Jahr, P.S. Ich liebe dich) oder auf die Bedienung fester Schemata (Agnes oder Die Frau und der Affe) auch in neuerer Zeit nicht.

Die Subgenres der Romance

Nachdem wir uns nicht mit der Idee angefreundet haben, Liebesromane auf die von der weiblichen Heldin gewünschte Ehe als glückliches Ende und den Weg dorthin zu reduzieren, sondern eben Liebe in all ihren Facetten als bestimmendes Thema zuzulassen, ist eine gewisse Unterteilung unvermeidbar, um die Übersicht zu behalten und Leseenttäuschungen  zu vermeiden.

Cross-Genre ist bei Romance stark

Romance verträgt sich als Themen-Genre gut mit Set-Genres (wie Fantasy, History oder SF, die sich eben über den Ort/Zeit der Handlung charakterisieren) . Doch auch Stimmungs-Genres wie Humor und sogar Horror kann man Liebe erstaunlich gut mixen.

Daneben gibt es nach der Art der Liebe eben auch einige grundlegende Muster nach Art der Liebe. So etwa nach dem “Besitzstand” (Kriegen oder Behalten), nach dem erwarteten Ende und nach der Geschlechtlichkeit der Partner:

  • klassische Liebesgeschichte (zwei Menschen suchen und finden sich)
  • Liebesdrama (nicht weniger klassisch – zwei Menschen kriegen sich nicht)
  • Humorvolle Liebe (inkl. Chick-Lit, der sich nicht notwendig immer, aber eben doch meistens um die Liebe dreht)
  • Erotische Liebe (wenn die Anziehung eher hormoneller Natur ist).
    Wenn es hinegen tatsächlich um die handwerkliche Beschreibung des Aktes an sich geht, verweisen wir auf Erotik.

Oder nach dem Lebenszeitpunkt, in dem einem die Liebe begegnet

  • Erste Liebe
  • Liebe zur Unzeit (wenn gerade im Leben ganz andere Dinge im Fokus stehen)
  • Reife Liebe (oft als Wiedererwecken)

Oder nach der Konstellation, unter der man ihr begegnet

  • Verbotene und gefährliche Liebe (wenn die Gegenwart der Liebe im Weg steht)
  • Belastete Liebe (Wenn die Vergangenheit das Happy End behindert)
  • Aussichtslose Liebe (wenn eine Zukunftsperspektive fehlt)

Und das kann theoretisch mit allen verschiedenen Geschlechter-Kombinationen beschrieben werden, denn dann ist da noch die

  • LGBT-Liebe

Hinweis:

Die gerne getroffene Aussage, erotische (Liebes-)Literatur sei erst in den 60er und 70er-Jahren möglich geworden, liest man oft,was sie aber nicht richtiger macht. Wer sich die Mühe macht, unsere Romance- oder auch Erotik-Classics genauer anzusehen, wird erstaunt feststellen, dass wir auch in Bezug auf eher weniger mainstreamtaugliche Erotikmodelle eindeutig in einer der prüderen Zeiten leben.

Die Geschichte der Romance

Der Umstand, dass wir nicht ausgestorben sind, belegt, dass schon immer geliebt wurde. Wer Menschen kennt, ahnt, dass auch schon immer geklatscht wurde. Es spricht also viel dafür, dass Liebesgeschichten auch bei der Entwicklung der Sprache aus Stöhn- und Grunzlauten heraus bereits eine gewisse Rolle gespielt haben.

Aus der Antike sind uns bereits großartige Liebesgeschichten überliefert. Auch wenn sie uns vielleicht in ihrer Sprache und ihrem Erzählstil heute Schwierigkeiten bereiten, so nicht in ihrem Inhalt. Der ist so zeitlos wie die biblischen Geschichten von Adam und Eva oder Samson und Deliah. Oder auch „Daphnis und Chloe“ von Longos, der im 3. Jahrhundert auf der Insel Lesbos die Liebe zweier Findelkinder beschrieb, die erstaunlich wie Harry und Sally unter Teenagern klingt.

Das Mittelalter stand stark im Zeichen des Minnesangs, bei der sich alles um die Liebe drehte. Begnadete Dichter wie Walter von der Vogelweide haben dabei in erheblichem Maße dazu beigetragen, wie wir uns heute Liebe vorstellen. Und was wir von ihr erwarten.

Die nachfolgenden Epochen forderten zunehmend weniger verklausuliert, dass dem Sehnen gefälligst auch konkrete Freuden zu folgen hätten. Shakespeare verfasste großartige Liebesgeschichten, Abaelard berichtete von seiner bewegenden Liebe zu Heloise und schuf dabei nebenbei auch die erste Autobiografie. Neben dem barocken Schäferroman und den großartigen Werken aus der Zeit des Sturm und Drang entwickelte sich in dieser Epoche auch eine sehr explizit erotische Literatur, die auch heute noch skandalträchtig wäre.

Mit dem aufstrebenden Bürgertum veränderte sich die Gesellschaft grundlegend und mit ihr auch die Leseerwartungen. Insbesondere in Fragen der Moral und Lebensführung, aber auch grundsätzlichen Wertbegriffen wurde auch die Romance grundlegend überarbeitet. Neben der empfindsamkeitszentrierten Romantik behandeln viele Werke dieser Zeit gerade auch die gesellschaftlichen Konventionen, denen man sich unterzuordnen hat – oder eben nicht. Werke wie die von Jane Austen stellen nunmehr die weibliche Figur wieder mehr in den Fokus. Zudem bringen sie humoristische Töne in die Texte, wo sie sich bis heute gehalten haben.

Die Moderne erlebt einen drastischen Bruch innerhalb des Genres, der durch den oben erwähnten Versuch einer Unterscheidung zwischen Romance und Liebesroman zum Ausdruck gebracht werden soll. Grund hierfür dürfte sein, dass die Liebe an sich so überhöht wurde, dass die aufgebaute Erwartungshaltung an der Realität zerbrechen muss. Daraus folgt, dass man entweder auf ein Happy-End verzichtet, die Liebe entmystifizieren oder aber die Realität verlassen. Wir wissen nicht, ob nun die Aufklärung über die “wahre Natur” der Liebe der anspruchsvollere Weg ist, oder der Trost des vom Leben gebeutelten Lesers mit Träumen von einer “übergroßen” Liebe. Vielleicht ist die derzeit mit Besorgnis betrachtete Romantisierung der dunklen Liebe (Rape Romance) auch nur eine Reaktion darauf, sich in der unvermeidlichen Ernüchterung einen Funken Hoffnung zu erhalten? Auch eine Liebe, die sich gegenwärtig nicht gut anfühlt, kann irgendwann triumphieren?

 

Bonuswissen Liebesroman (“Klugscheiß-Modus”)

Nachdem “Trivialliteratur” eigentlich kein Schimpfwort sein sollte und dringend einer Rehabilitierung bedarf, bieten wir euch andere Begriffe an. Denn natürlich will Skoutz niemand sprachlos machen.

Kitsch

Kitsch steht zumeist abwertend für einen aus Sicht des Betrachters minderwertigen Appell an zu einfache Gefühle. Damit wird entweder dem Appell selbst oder dem angesprochenen Gefühl eine hochnäsige Absage erteilt. Oft auch beidem. Wikipedia mutmaßt, der Begriff sei um 1870 herum im Münchner Kunsthandel entstandenen, weiß es aber auch nicht genau.

Schnulze

Als Schnulze wird meist wenig schmeichlerisch ein künstlerisch nicht gerade nach Höhen strebendes Werk bezeichnet. Neben der erzählenden Kunst, trifft man den Begriff vor allem auch im Bereich der Musik. Der Begriff erschien in den 50er Jahren erstmals und wurde im deutschen Sprachraum willig aufgenommen. Er beinhaltet neben einer großen Nähe zum Kitsch auch eine Sentimentalität und Rührseligkeit, die durchaus zu den massenhaft geschriebenen Romance-Geschichten passen würde und oft gewollt ist. Schön ist, dass “Schnulze” nicht zwingend negativ sein muss, sondern auch ironisch, auch liebevoll-annehmend oder selbstkritisch verwendet wird. Darum gibt es ja auch Edel-Schnulzen. 🙂 Die “Schnulze der Woche” promotet gezielt unterhaltsame Liebesliteratur ohne dass irgendwer beleidigt wäre.

Schmonzette

Gelegentlich liest man auch den Begriff Schmonzette. Das beschreibt ein rührseliges, dramatisch wertloses Stück. Der Begriff kommt von jiddisch Schmonzes, was minderwertigen Schmuck, Modeschmuck etc. bezeichnet.

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