Tommy Herzsprung - Skoutz-Award 2022

Zu Besuch bei Tommy Herzsprung (Juror Erotik 2022)

Die Besuche bei Tommy Herzsprung sind immer was Besonderes, einfach, weil es immer so herzlich, menschlich und einfach schön ist. Und weil Tommy natürlich ein Buchmensch durch und durch ist und uns deshalb garantiert niemals die Themen ausgehen werden. Anlass heute ist, dass er als Vorjahressieger die ehrenvolle Aufgabe übernommen hat, in diesem Jahr den Erotik-Skoutz zu betreuen.

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Skoutz zu Besuch bei Tommy Herzsprung, dessen inneres Tier vom Koffein abhängig ist.

Thomas Herzsprung, Tommy HerzsprungLieber Tommy, schön, dass es geklappt hat und schöner noch, dass wir den Erotik-Skoutz in deinen treuen Händen wissen. Bevor wir zum gemütlichen Teil übergehen, möchte ich dir unsere neuen Fragen präsentieren, damit wir dich den Skoutzen vorstellen können, die dich noch nicht kennen.

Wenn du ein Tier wärst, wärst du ein …? (Und warum?)

Das hängt unter anderem von meinem Koffeinpegel ab.

Ach? Inwiefern?

Morgens, vor meiner ersten Tasse Kaffee, bin ich mal eine Schildkröte, mal ein Schlechte-Laune-Bär. Spätestens mittags aber dreh ich wüstenrennmausmäßig auf. Und abends lasse ich es, wenn ich auf Konzerte geh, gern mal wie der Pistolenkrebs so richtig krachen. Ey, wusstet ihr, dass der mit seinen Greifarmen einen bis zu 200 Dezibel lauten Knall erzeugen kann?

Nein, das wusste ich bis eben nicht. Aber dafür weiß ich jetzt, was du für ein Bannerbild bekommst. Aber wenn du uns schon an deinem Alltag teilhaben lässt, passt ja die nächste Frage: 

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Womit kann man dich im Alltag glücklich machen?

Hmm, das ist situationsabhängig.

In gewisser Hinsicht natürlich. Aber tasten wir uns doch voran … 

Nehmen wir mal doch exemplarisch meinen Besuch im Fitnessstudio. Da braucht’s nicht viel, um mich freudig grinsen zu lassen. Ein kurzer Blick auf den  sexy Bobbes von Dragan reicht, und ich bin selig.

Ich kenne ihn nicht, aber ich würde dir vermutlich zustimmen. Grins.

Außerdem bin ich voll der Bananen-Junkie – und die machen wegen ihrer Glückshormone ja bekanntlich happy (wenn sie keine Verdauungsprobleme verursachen; aber lassen wir das besser).

Das ist ja nett! Mein Mandelross liebt Bananen auch über alles, seit er weiß, dass die dicken weißen Dinger im Trog keine Monstermaden sind. Von daher haben wir immer ein paar Bananen im Haus. Du kannst also jederzeit spontan vorbeikommen.

Bleiben wir doch noch bei den Wünschen.

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Wir alle haben Wünsche, für uns, für die Welt. Was sind deine und was tust du, damit deine Wünsche in Erfüllung gehen?

Och, eigentlich bin ich nicht so der Wünsche-Typ. Nicht mal zum Geburtstag oder Weihnachten wünsche ich mir was. Denn mal ehrlich: Eigentlich haben wir doch alles, und das meiste, was wir nicht haben, brauchen wir auch nicht.

Absolut. Ich bin seit ungefähr 3 Jahren auf dem Trip, dass ich mir wirklich nur noch kaufe, was ich aktiv brauche – meist also Dinge, die ich ersetzen muss, weil sie irreparabel kaputt sind (oder ich  nicht mehr reinpasse). Aber Wünsche sind ja mehr als eine Einkaufsliste.

Für den Fall, dass ihr mit „Wünschen“ so etwas wie „Ziele“ meint …

Durchaus auch! Wünsche an sich sozusagen.

Die nehm ich meistens schnell in Angriff. Einfach mal machen, ausprobieren. Mehr als schiefgehen kann es nicht.

Meine Parole. Führt zu einem prall gefüllten Pannenregister und jeder Menge Spaß. 

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Welches Buch hat dich am meisten geprägt?

Ich weiß gar nicht, ob mich Bücher – oder Filme oder Musikalben oder so was – prägen.

Wie würdest du die Wirkung eines Buches dann ausdrücken?

Eher beeindrucken, beschäftigen, und da würde ich heute ganz spontan Thomas Hardys „Tess von den d’Urbervilles“* nennen.

Oh, einer der großen englischen Klassiker. Jane Austen in düster. Mich hat das damals sehr aufgewühlt, weil ich Tess so sehr ein glücklicheres Leben gewünscht hätte. Was hat dich so beschäftigt?

Die neben anderen Themen darin thematisierte sexuelle Doppelmoral hat mich schon in der Jugend wie ein Teekesselchen dampfen lassen.

Klar. Das ist ja auch in deinen Werken immer wieder ein Thema, womit wir dich dann gleich mit dem großen Thomas Hardy vergleichen können. Er halt über viktorianische Zeiten und du über unsere. Verbesserungspotential gab und gibt es immer. 

 

Bleiben wir noch kurz beim Buchregal. Welcher Klassiker liegt allen Vorsätzen zum Trotz immer noch auf deinem SuB?

Ich habe keinen SuB.

Noch einer! Wahnsinn. Wir arbeiten hart an der SuB-freien Jury. (Lach). E.F. von Hainwald und Jenny Völker haben auch schon keinen. Wobei für mich auch geplante Buchkäufe irgendwie zum SuB gehören. Aber wie gehst du dann vor? 

Ich kaufe mir ein Buch – und lese es. So wie ich mir eine Kinokarte hole und dann den Film ansehe. Aber schwer hat bei mir alles, was mit Fantasy und Science-Fiction zu tun hat. Ich gestehe (Asche auf mein Haupt): Selbst um „Harry Potter“ hab ich einen Bogen gemacht.

Das ist allerdings wirklich ungewöhnlich. Lass uns über deine Bücher reden. 

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Themen finden ist oft einfacher als aus den vielen Ideen, die richtige Auswahl zu treffen. Wie entscheidest du, welches Projekt du als nächstes verwirklichst?

Erst, wenn ich ein Projekt beendet habe, mache ich mir Gedanken über das nächste. Bzw. meist ist der neue Plot – zumindest die Hauptstory – irgendwann einfach da. Der Rest ergibt sich bei mir dann während des Schreibens.

Und wie schreibst du dann? Mit anderen Worten …

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Wo stehst du beim Schreiben einer Szene?

Am Schreibtisch (oh Gott, der war platt, ich weiß, sorry).

Gar nicht. 🙂  Immerhin weiß ich jetzt, dass du im Stehen schreibst. Ich bevorzuge die altmodische Variante mit Stuhl. Aber lass uns über deinen Schreibtisch reden. 

Wusstet ihr, dass ich mir neulich meinen allerersten Schreibtisch zugelegt hab?

Natürlich nicht. Wir waren bisher immer an normalen Tischen gesessen, wenn wir uns gesehen haben. Wie kommt’s?

Jimmy (das ist mein Mann) meinte, dass es höchste Zeit sei, und er drängte mich auch dazu, einen zum Hoch- und Runterfahren zu nehmen, sodass ich in der Tat nun ab und an beim Schreiben stehe. Krass, wie modern ich bin, oder? (lach!)

Moderner als ich jedenfalls. Ich hab immer noch das Studententeil von IKEA zum Nurdransitzen, allerdings mit einem bequemeren Stuhl inzwischen. Aber zurück zum Schreiben … 

Bist du eher der aufmerksame Beobachter und Dirigent oder mittendrin in allen Höhen und Tiefen mit Blut, Schweiß und Tränen?

Ich weiß gar nicht, wie ich’s sagen soll.

Versuch’s einfach! 

Also, es ist so: Meine Figuren tun Dinge und entwickeln sich; ich schreibe es nur auf und ordne das Chaos ihres Lebens.

Also bist du der Typ, der hinter ihnen aufräumt. Ja, das kann ich verstehen. So ähnlich geht es mir auch oft bei meinen Geschichten. 

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Welche Szenen fallen dir beim Schreiben am schwersten und wie meisterst du sie trotzdem?

Doof, doof, doof und noch mal doof finde ich, wenn Jimmy mir nach dem Testlesen eine Szene wiedergibt und daran rumnörgelt. Überarbeiten ist nicht wirklich meins; eher schreibe ich die Szene völlig neu – oder springe Jimmy an die Kehle.

Na! Das ist aber nicht die feine Englische! 

Ja, ich geb’s zu: Ich bin ein kleines Korrektur-Rumpelstilzchen.

Jeder hat so seine Fehler. Ich finde es eher faszinierend, wie man mit einem Satz mehr oder weniger, einem anderen Wort an einer klugen Stelle, einen Text eine ganz andere Wirkung geben kann. Wobei ich jetzt auch weit von einem Überarbeitungsfan entfernt bin. Da ist Astrid Töpfner, unsere History-Frau eher der Typ. Sie hackt erstmal in den Rechner und feilt dann nach. Aber wenn du so fest in den Ansichten zu deinen Geschichten bist, passt ja die nächste Frage:

Was ist dir beim Schreiben deiner Geschichten am wichtigsten, worauf achtest du besonders?

Ach, es gibt vieles, was ich für wichtig halte: eine lebendige und für mein Empfinden gute Sprache, Bildhaftigkeit, authentische Figuren, die Story muss einen – warum auch immer – packen und und und.

Lauter gute Ansätze und wie löst du das? Mit einer Monster-Checkliste?

Unterm Strich denke ich, ich achte vor allem darauf, dass ich 100% zufrieden mit der Geschichte bin. Ich bin schrecklich perfektionistisch, das sagt zumindest immer Jimmy.

Ich neige dazu, ihm zuzustimmen. Das klang ja auch vorhin an. Sonst könntest du dich nicht so über Korrekturbedarf ärgern.

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 Es heißt, jeder Künstler muss auch ein bisschen wahnsinnig sein. Was ist dein Schuss „Wahnsinn“?

Ein Schuss Wahnsinn? Ich bin komplett gaga.

Ja! Fraglos! Aber auf eine außerordentlich liebenswerte Art! 

Aber ich glaube, genau das muss man auch sein, wenn man sich dafür entscheidet, vom Schreiben leben zu wollen.

Oh ja! Seufz. 

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Beschreibe dein aktuelles Buch in 3 Sätzen

 Hart. Überraschend. Emotional.

Noch so ein Freund von ein-Wort-Sätzen! 

Genau! Wobei ich da plötzlich Grönemeyer „Wann ist ein Satz ein Satz?“ singen höre … oder so ähnlich …

Ich singe nicht mit! Und ich ahne trotzdem, was uns erwartet. 

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Was würdest du noch gerne lernen und wozu?

Wenn ich etwas lernen will, dann mach ich es.

Darum beneide ich dich. Mein Leben ist so vollgepackt, dass ich da leider manchmal erst umorganisieren muss. Das ist eine tolle Eigenschaft. 

Aber sehr zum Leidwesen von Jimmy, denn manchmal nötige ich ihn dazu, mitzumachen.

Der Arme! Was musste er denn schon alles erleide… erleben?

Ich will hier nicht zu viel verraten, aber wir haben schon die lustigsten Dinge gemacht. Ganz oben auf der Jimmy-lass-uns-das-mal-ausprobieren-Liste: hula hoop tanzen (in einer reinen Männergruppe).

Koooopfkino! Mir passieren die seltsamsten Dinge immer dann, wenn ich nachts beim Schreiben eine Szene ausprobiere. Ob und ggf. wie das funktionieren könnte, was ich mir im Koffein-Overkill so überlege. Das hat mir schon ein paar sehr irritierte Blicke meiner Haustiere eingebracht.

Welcher Moment im Leben hat die besonders geprägt?

Das war 1985, als „Modern Talking“ ihre erste Platte rausbrachten (wehe, das glaubt mir jemand!)

Wenn du das sagst? Ich würde niemals annehmen, dass du mich so dreist anlügst. Es hat jedenfalls unser aller Musikverständnis nachhaltig verändert. 

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Was sollen deine letzten Worte sein?

„Ich liebe dich“, denn Liebe ist der Größte.

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Und mit welchen Worten soll dieses Interview enden?

Wir sind ja noch gar nicht fertig!

Richtig! Hier sind die Spezialfragen zur Jury.

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Tommy und der Erotik-Skoutz

Was hat dich bewogen, den Jury-Job zu machen? (Vielen Dank dafür!)

Ganz einfach: Wann sonst darf man sich schon mal in offizieller Mission durch fast 200 Erotikgeschichten lesen? Mehr Sex geht nicht 🙂

Außerdem ist der Skoutz-Award ein cooler, wichtiger deutscher Buchpreis, da er das Selfpublishing mit den Veröffentlichungen des klassischen Buchmarktes verbindet.

Danke, das sehe ich auch so. Und wir sind wirklich verdammt froh, so eine motivierte Jury an unserer Seite zu haben.

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Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Es muss das gewisse Etwas haben. Auf seine Art besonders sein. Und vor allem müssen die Charakter überzeugen. Wir Menschen sind komplexe Wesen, und genau so sollten auch die Figuren eines Romans sein.

Oh, da bin ich auf deine Auswahl schon sehr gespannt. Mir sind auch beim Lesen wie beim Schreiben die Figuren und ihre Entwicklung immer am Wichtigsten. Ich möchten den Figuren nahe sein. 

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Worauf achtest du bei deiner Auswahl besonders?

Auf die Länge der darin vorkommenden Penisse, schließlich heißt es immer: Auf die Länge kommt es an.

Zumindest in Erotik kann das sogar funktionieren (Stirnrunzel!) 

NEIN, natürlich nicht. Vielmehr muss sie Erotik stimmig sein. In der Regel sollten sich die Sexszenen immer aus der Handlung ergeben, nie reiner Selbstzweck sein.

Ja, das finde ich auch. Sonst ist es Porno. Was für mich nicht nur bei Sexszenen, sondern z.B. auch bei Actionszenen gilt. 

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Lieber Tommy, wie immer war es ein Fest, mit dir zu plaudern. Wie wäre es, wenn wir uns jetzt noch einen Kaffee gönnen und Jimmy dazuholen und weiterplaudern?

 

Hier gibt es mehr von Tommy Herzsprung:

Als erstes einmal: Tommys Midlist Erotik 2022

Wir haben uns wie gesagt schon öfter mit Tommy unterhalten, zum Beispiel über Männer in Strumpfhosen und wirksame Kopfschmerztherapien … (Weiterlesen)

Skoutz-Lesetipp:

Der Behandler – Beinharter Medizin-Thriller von Thomas Herzsprung

Er will dir helfen? Dann renn um dein Leben!
Die Morgendämmerung taucht den See im Stadtwald in ein unwirkliches Licht. Am Ufer liegt eine tote junge Frau. Bis auf ein Leinentuch um die Hüften ist sie nackt. Wohl platzierte Schnitte ziehen sich entlang der Venen über Arme und Beine. Ihr Mund ist eine blutige, zahnlose Höhle, der Schädel kahl rasiert. Hauptkommissar Falk Bachmann ist müde, und solange es ihm gelingt, sein eigenes düsteres Familiengeheimnis zu verdrängen, lässt ihn alles kalt. Doch die Brutalität, mit der die Frau vor ihrem Tod misshandelt wurde, setzt selbst ihm zu. 

Polizeipsychologin Dr. Juliane Klawitter vermutet die Tat eines Psychopathen, der wieder zuschlagen wird. Und tatsächlich taucht schon bald eine zweite Leiche auf. Falk und Juliane verfolgen einen Serienmörder, der seinen Opfern in einer rituellen Behandlung die Weiblichkeit raubt. Doch je mehr Falk und Juliane das Tatmuster des Killers entschlüsseln, desto unklarer ist: Wer ist der Jäger, wer der Gejagte?

Skoutz meint: Als Tommy unter seriösem Namen Thomas Herzsprung ins Thrillerfach wechselte, waren wir natürlich sehr gespannt, ob ihm das gelingen würde – oder vielmehr: wie (weil wir ihm natürlich einfach alles zutrauen). Und ja! Wer wie er einen so untrüglichen Blick auf das Zwischenmenschliche hat, der kann die Abgründe der Seele so mitreißend beschreiben wie ihre Höhenflüge.

Wir haben das Buch bereits hier ausführlich vorgestellt.

Ihr selbst könnt es aber auch direkt bei Amazon* anschauen und vor allem auch reinlesen.

 

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