Interview Tommy Herzsprung

Zu Besuch bei Tommy Herzsprung

Autoren zu besuchen ist immer eine spannende Angelegenheit. Im schönen Baden-Württemberg werden wir uns dieses Mal niederlassen. Man sagt den Schwaben ja so einiges nach. Was davon stimmt, und was nicht, versuchen wir zu ergründen.
Skoutzi und ich sind heute zu Besuch bei
Tommy Herzsprung, dessen gefühlvolle Gay-Romance „Rescue Me – Bis wir uns verzeihen“ von Juror Amanda Frost auf die Midlist Erotik des Skoutz-Award 2021 gesetzt wurde und von dort den Einzug auf die Shortlist 2021 und damit ins Finale geschafft hat. Wir sind sehr gespannt!

Sabrina zu Besuch bei Tommy Herzsprung, der gerne Regeln bricht wie Pumuckl

Portrait Tommy HerzsprungHallo, lieber Tommy, vielen Dank dass wir dich besuchen dürfen. Der hibbelige Skoutz hier neben mir und ich sind ziemlich aufgeregt, denn wir haben ein paar Fragen mitgebracht, auf deren Antworten wir sehr gespannt sind. Bereit? Dann los.

Welches ist die größte Herausforderung, der man sich als Autor stellen muss?

Hmm, spontan würde ich sagen: seinen eigenen Weg zu finden. Man selbst zu sein. Was ja gar nicht so einfach ist; ständig liest man: „Mach das!“, „Tu dies auf keinen Fall!“, „Das geht gar nicht!“ …

Das hören ja auch Kinder schon sehr oft. Und, hälst du dich daran?

Natürlich gibt es einige Grundsätze, die man beim Schreiben beachten und beherzigen sollte, aber manchmal sind Regeln einfach dazu da, gebrochen zu werden. Doch das erfordert natürlich Mut und Durchhaltevermögen. Ja, ich glaube in der Tat, dass es eine große Herausforderung ist, an sich selbst zu glauben.

Hast du Lieblingsworte in deinen Skripten, die vom Lektorat regelmäßig angestrichen werden?

Flitzpiepe, Ratzefummel, Schmackes, verkasematuckeln und Watschelente. Kicher. Die sind gut, die Worte, oder?

Hach ja, wer kennt es nicht, das gute alte Ratzefummel?

Nein, mal Spaß beiseite … Um ehrlich zu sein, nicht so wirklich. Ich finde ja, dass fast jedes Wort in einem ganz speziellen Zusammenhang und / oder aus dem Mund einer gut gezeichneten Figur gut (im Sinn von passend) sein kann. Also ich liebe ja Worte, Sprache. Man kann so viel damit anstellen. Deshalb achte ich immer arg darauf, dass die Begriffe, die ich benutze, für mich gut klingen. Und wenn sie das tun, kann ich – drei Mal klopf auf Holz – auch meistens die anderen davon überzeugen. Wobei, jetzt fällt mir tatsächlich doch eins ein: Tatsächlich kam tatsächlich in letzter Zeit recht häufig vor und ist dann tatsächlich oft rausgeflogen.

Kann ich tatsächlich nicht nachvollziehen!

Was ist deine präferierte Erzählform?

Auch da kann ich leider keine präzise Antwort geben. Weil ich keine Erzählform hab, die ich bevorzuge. Für welche ich mich entscheide, ist auch nicht immer ein rationales Ding.

Die verlässlichste Quelle ist doch eh das Bauchgefühl, oder?

Meist sagt mir mein Gefühl, was passend ist. Bzw. mein Gefühl befiehlt mir: »Tommy, das machst du so und nicht anders! Klar?« Im Grunde geht’s auch hier darum, dass es sich richtig für mich anfühlt. Dass ich beim Schreiben ein gutes Gefühl hab.

Meine Rede 🙂

Bist du im Team Adjektiv oder bevorzugst du eher einen „schnörkellosen“ Stil?

»Wenn Sie ein Adjektiv verwenden wollen, so kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob es nötig ist«, das hat ja mal irgendeine schlaue Stimme gesagt. Und klar, zu viel ist halt zu viel. Trotzdem würde ich niemals jemandem raten: »Benutz nur wenig Adjektive!« Denn vielleicht ist gerade er oder sie so richtig gut darin, mit Adjektiven zu jonglieren.

Nun, entweder warst du oft im dritten Stock, oder bist einfach talentiert. *schmunzelt* Ich bin ja wirklich für Adjektive, aber es ist wie bei allem: Die Dosierung macht das Gift.

Hast du einen speziellen Trick, um aus deinen Figuren echte Persönlichkeiten zu machen?

Nee, die Figuren sind einfach eines Tages da, und dann wollen sie, dass ich sie so rüberbringe, wie sie sind. Jeder hat seine Eigenarten, seine Art zu sprechen, sein ganz persönliches Ich. Wie im normalen Leben auch. Man muss nur hinsehen, hinhören – sie sein lassen, wie sie sind –, dann läuft das automatisch.

Wie ich finde, auch ein weiser Tipp für das Leben außerhalb von Buchseiten.

Welchen Fehler darf man beim Schreiben keinesfalls machen?

Zu viel auf die Ratschläge anderer hören.

Und jetzt bin ich verwirrt. Ist das ein Ratschlag auf den man hören sollte, oder nicht? *kichert*

Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

»Walden«. Henry David Thoreau fragt sich darin: Wie soll und will ich leben? Er zieht sich, um eine Antwort zu finden, in eine Blockhütte am Walden-See zurück und bietet am Ende Wege zur Entschleunigung. Es geht also um Ruhe, Gelassenheit und bewusstes Nichtstun. Ist übrigens ein alter Schinken, äh, ein Klassiker aus dem 19. Jahrhundert. Nix Hippes

Manchmal darf es eben doch lieber ein bisschen weniger sein. Klassiker werden von Zeit zu Zeit immer mal wieder „hipp“. Finde ich gut!

Welche 3 Dinge sind dir aktuell am wichtigsten im Leben?

Meint ihr wirklich explizit Dinge, also Gegenstände? Dann lautet die Antwort: Bügeleisen, Trockener und Fritteuse (nichts davon hab ich wirklich; ich veräppel euch, ich Schelm).

Meine Augen öffnen sich weit, ob dieser Dreistigkeit – während ich schmunzle. Ich persönlich hätte ja den Kühlschrank genommen.

Nein, schon kapiert, was ihr wissen wollt. Ich sag mal: Jimmy (mein Mann), Herr König (mein Hund), meine Eltern und meine Freunde. Dazu das Gefühl von Freiheit, das tun zu können und zu dürfen, was mich glücklich macht. Also zum Beispiel in einem Interview fünf bis sechs Glücklich-Macher aufzuzählen statt wie gefragt nur drei 🙂

Da hast du mich doch schon wieder reingelegt, du Schelm.

Wenn du wählen könntest, wärst du lieber extrem intelligent oder gut im Umgang mit Menschen?

Also dumm wie Doofbrot – nee, das wäre nichts für mich. Aber gut mit Menschen zu können, ist auch was Feines. Normalerweise bin ich ja ein Zur-Wahl-Geher, schließlich ist es wichtig, für seine Meinung und das Gute einzustehen. In diesem Fall aber bleib ich jetzt einfach mal ganz faul auf dem Sofa liegen, statt zur Wahlurne zu tappen. Irgendwie fehlt mir da die Mitte.

Das bietet doch Potenzial eben genau diese Mitte zu suchen. Also runter vom Sofa mit dir!

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Da gibt’s viele Anlässe. Ich zähl jetzt einfach mal einige auf: Volle Blase, Jimmy schnarcht, Annie Lennox kommt auf den Trichter, nachts um 3 Uhr ein neues Album vorzustellen, juckendes neues Tattoo (ey, der Heilungsprozess ist oft die Hölle), Bettwäsche aus Synthetikfasern (ich bin ein Baumwoll-Junkie), mein Hund hat Blähungen …

Da frage ich mich doch tatsächlich: Wieso ziehst du die Bettwäsche dann auf? Gegen alles andere ist man machtlos, ich kenne das.

Was ist deine größte Stärke?

Das müsst ihr andere fragen. Wir haben ja meistens ein doch recht verzerrtes Selbstbild. Aber ich sag’s mal so: Hin und wieder sagt man mir Hartnäckigkeit und Empathie nach. Also fragt doch einfach mal den Jimmy, was er für meine Stärke hält. Ganz sicher sagt er: Gaga-Sein, Anderen-auf-die-Nerven-Gehen oder so was. Hach, Komplimente kann er.

Ein Seitenblick zu Jimmy. Ob er diese Komplimente noch übertreffen kann?

Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das es tun würde?

Noch mal in den Kindergarten? Noch mal Sandkasten, Bauklotz-Ecke und Wachsmalstifte? Ihr kommt auf Ideen…

Wir wären nicht Skoutz, wenn das nicht so wäre 😉

Ich glaube, ich sollte einen Roman daraus machen: »Plötzlich wieder Kindergarten«. Ich seh schon die Verfilmung vor mir 🙂

Und wir sitzen ganz sicher im Kinosaal.

Welcher fiktionale Charakter ist in Buch/Serie/Film unglaublich, wäre aber in banalen alltäglichen Situationen unerträglich?

Ich steh ja voll auf Pumuckl und singe auf der Stelle: »Schwupp schon ist die Feile weg, wer hat die wohl wegversteckt? Hurra, Hurra der Kobold mit dem roten Haar …«. Pippi Langstrumpf ist auch echt cool. Aber unerträglich? Papperlapapp! Die Dosis macht das Gift. Wer 24 Stunden lang mit mir abhängen muss, rauft sich anschließend sicher auch mal die Haare.

Selbstreflektion ist ja heutzutage echt In. Du machst das gut. *kichert und summt „Ich mach´ mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt“*

Stell dir vor, du würdest einen Geheimbund gründen, wie würdest du ihn benennen und was wäre eure Mission?

Oh, heikle Frage. Geheimbund? Verschwörungen? Nee, lasst mal stecken. Verschwörungstheorien hatten wir genug in letzter Zeit

Nana, von Verschwörungen hat ja keiner gesprochen. Aber da lässt sich auch was daraus machen. „Der Geheimbund der Verschwörungstheoriengegner“. Gibt beim Scrabble dann auch drölfzig Punkte *lach*

Gibt es etwas, das du kannst, die meisten anderen Menschen aber nicht?

Ja, im Gegensatz zu anderen Menschen bin ich ein Grottenschlecht-Pfeifer. Das kann nicht jeder.

Wie wäre es mit einer Darbietung? Nur so, damit ich das bestätigen oder widerlegen kann?

Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Habt euch gegenseitig lieb!

Lieber Tommy, dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Ich danke dir für die tolle Zeit mit dir. Ich hoffe du bleibst so wie du bist und streckst weiter deine Autorententakel in verschiedene Genre aus. Es war mir ein Vergnügen. Nur das Beste für dich und deine Lieben und ich freue mich schon auf ein Wiedersehen.

Dankeschön!

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Skoutz-Lesetipp

Der Behandler - Tommy HerzsprungDer Behandler – Aufreibender Thriller von Thomas Herzsprung

Er will dir helfen? Dann renn um dein Leben!

Die Morgendämmerung taucht den See im Stadtwald in ein unwirkliches Licht. Am Ufer liegt eine tote junge Frau. Bis auf ein Leinentuch um die Hüften ist sie nackt. Wohl platzierte Schnitte ziehen sich entlang der Venen über Arme und Beine. Ihr Mund ist eine blutige, zahnlose Höhle, der Schädel kahl rasiert. Hauptkommissar Falk Bachmann ist müde, und solange es ihm gelingt, sein eigenes düsteres Familiengeheimnis zu verdrängen, lässt ihn alles kalt. Doch die Brutalität, mit der die Frau vor ihrem Tod misshandelt wurde, setzt selbst ihm zu.
Polizeipsychologin Dr. Juliane Klawitter vermutet die Tat eines Psychopathen, der wieder zuschlagen wird. Und tatsächlich taucht schon bald eine zweite Leiche auf. Falk und Juliane verfolgen einen Serienmörder, der seinen Opfern in einer rituellen Behandlung die Weiblichkeit raubt. Doch je mehr Falk und Juliane das Tatmuster des Killers entschlüsseln, desto unklarer ist: Wer ist der Jäger, wer der Gejagte?

Der erste Fall für Polizeipsychologin Dr. Juliane Klawitter und Hauptkommissar Falk Bachmann, der nicht nur gegen einen Psychopathen, sondern auch gegen seine eigene Vergangenheit ankämpft.

Skoutz meint: Tommy Herzsprung ist als Thomas Herzsprung nun auch im Thriller Genre unterwegs. Auch wenn die Charaktere mit ein paar Klischees kämpfen müssen, haben sie für mich genug Tiefe um mich in sie hineinversetzen zu können. Sie waren für mich greifbar und lebhaft. Auch der Psychopath verfolgt nicht nur stumpf sein Ziel. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass es noch perfider wird, dass es noch mehr Situationen und Handlungen gibt, die man scheinbar vorausgesehen hat und die einen doch immer wieder auf schockierende Weise Überraschen. Es sind aber genau diese atemlosen Gänsehautmomente, die einen an die Seiten fesseln und man sich nach „nur noch einem Kapitel“ fragt, wieso klingelt schon der Wecker? (se)

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Mehr Info

Rescue me - Erotik Shortlist 2021 - Skoutz-AwardRescue Me _ Bis wir uns verzeihen„. Weder gewaltverherrlichend noch zu aufgesetzt begegnet uns diese Gay Romance. Und doch ist es gerade diese leicht explosive Mischung aus Frust und Leidenschaft die uns fesselt und das Buch damit zu Recht auf die Midlist Erotik des Skoutz-Award 2021 befördert hat. Und nun steht es sogar im Finale!

Wir haben das bei seiner Emo Media GmbH erschienene Buch von Tommy Herzsprung für Euch hier auch schon etwas genauer vorgestellt (weiterlesen).

Hinweis:

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