Interview Astrid Töpfner 2022

Zu Besuch bei Astrid Töpfner (Jury History 2022)

Heute sind der Skoutz-Kauz und ich bei der lieben Astrid Töpfner eingeladen, um uns mit der sympathischen Autorin zu unterhalten. Über ihre Schreibprojekte und ihre anspruchsvolle Aufgabe, die Kategorie History des Skoutz-Awards zu betreuen. Da die Longlist 2022 wirklich prall gefüllt ist, eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.

Auf jeden Fall freuen wir uns auch ein anregendes Gespräch!

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Skoutz zu Besuch bei Astrid Töpfner, die ganz pragmatisch ist

Portrait Astrid Töpfner (Autor)Liebe Astrid, wie schön, dass es geklappt hat. Wir wissen ja, dass du zur Zeit schon mit den Award-Listen viel zu tun hast, und wollen dich daher gar nicht von der Arbeit abhalten.

Lass uns daher gleich anfangen.

Wenn du ein Tier wärst, wärst du ein …? (Und warum?)

Meine Katze. Ein paar Tage lang, zumindest. Streicheleinheiten ohne Ende, gutes Essen, viel Schlaf und Spaziergänge. Klingt nach der perfekten Erholung!

Stimmt, ich beneide meinen Tierpark auch gelegentlich um seinen braven Pfleger. 🙂

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Womit kann man dich im Alltag glücklich machen?

Siehe oben 😊. Dazu natürlich gute Bücher – et voilà!

Dann nehme ich an, du meinst das Service-Angebot, nicht die Katzenverwandlung.

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Wir alle haben Wünsche, für uns, für die Welt. Was sind deine und was tust du, damit deine Wünsche in Erfüllung gehen?

Wäre das eine Misswahl, würde ich quäken: Der Weltfrieden!

Ach, gerade in diesen Tagen sind solche Wünsche leider viel realer geworden. Allerdings auch unwahrscheinlicher.

Aber um etwas realistisch zu bleiben: Ich würde mir einen respektvolleren Umgang wünschen, mit anderen Menschen, Tieren und der Umwelt.

Das ist ein guter Ansatz und ein erster Schritt, würde ich sagen.

Genau. Das bildet für mich die Basis (auch für den Weltfrieden, by the way!). In dem Sinne versuche ich natürlich, mich dementsprechend zu verhalten und lehre das auch meine Kinder.

Ja, das würde ich sofort unterschreiben. Darum bemühe ich mich persönlich auch täglich, gerade, wenn es schwerfällt, weil ein kleiner Amoklauf sich so verdammt verlockend anfühlt.

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Welches Buch hat dich am meisten geprägt?

Ich habe so viele gelesen, das vermag ich wirklich nicht zu sagen.

Bleiben wir noch kurz beim Buchregal. 

Welcher Klassiker liegt allen Vorsätzen zum Trotz immer noch auf deinem SuB? Und welches Buch ist hätte deiner Meinung nach deutlich mehr Leser verdient und warum?

„Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen.

Das ist lustig. Das habe ich auch erst gelesen, als ich die Adaption „Stolz und Vorurteil und Zombies“ geschenkt bekommen habe und der Anspielungen wegen das Original brauchte.

Das Buch gibt es wirklich?

Aber ja! Es ist sogar ziemlich lustig. Und wofür willst du mehr Aufmerksamkeit?

Für alle meine Bücher, natürlich.

Natürlich. Warum?

Weil sie gut sind. Und nun ernsthaft …

Ach, ich hätte das, soweit ich deine Bücher kenne, sogar unterschrieben. Und weil ich nicht alle kenne, das mit der Aufmerksamkeit auch. Aber ja, welche anderen Bücher sind unterschätzt?

Die Frage kann ich auch nicht beantworten, siehe oben. Es gibt so wahnsinnig viele Bücher, die ein Millionenpublikum verdient hätten, einfach, weil sie wunderschön geschrieben sind oder weil sie wertvoll sind in ihrer Aussage oder einfach nur so wunderbar unterhaltsam; wie könnte ich da eins herauspicken?

Um wenigstens diesem einen eine Chance zu geben. Aber ich verstehe das Dilemma. Lass uns übers Schreiben sprechen.

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Themen finden ist oft einfacher als aus den vielen Ideen, die richtige Auswahl zu treffen. Wie entscheidest du, welches Projekt du als nächstes verwirklichst?

Die Idee, die sich zwischen allen anderen am stärksten in den Vordergrund drängelt, weil sich die Charaktere herauskristallisieren, sich Szenen in meinem Kopf bilden, ich Bilder sehe. Am Ende ist es ein Bauchgefühl.

In deinem Kopf geht es also ziemlich rabiat zu. Ich stell mir gerade vor, wie sich die Ideen drängen wie beim Roller Derby, um zum Zug zu kommen.

Ja, wer in meinen Kopf eindringt, begibt sich in Lebensgefahr … Merke ich selbst auch immer wieder 🙂

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Wo stehst du beim Schreiben einer Szene? Bist du eher der aufmerksame Beobachter und Dirigent oder mittendrin in allen Höhen und Tiefen mit Blut, Schweiß und Tränen?

Mittendrin, mitleidend.

Wie darf ich mir das vorstellen?

Ich bin immer sehr nah dran an meinen Charakteren, stelle mir alles sehr bildlich vor, mit allen Sinneseindrücken und der ganzen Gefühlspalette.

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Welche Szenen fallen dir beim Schreiben am schwersten und wie meisterst du sie trotzdem?

WeinglasDie inneren Monologe, bei denen es darum geht, moralische Beweggründe zu verdeutlichen. Sie müssen aussagekräftig und nachvollziehbar sein, Sinn ergeben und sollten dennoch nicht zu komplex oder ausufernd oder moralinsauer sein.

Und wie meisterst du das?

Ich schreibe. Und erlaube mir, dass ich nicht ganz so schnell vorankomme wie bei einer dialoglastigeren oder emotionalen Szene.

Hast du noch Geheimtipps?

Manchmal hilft auch einfach ein gutes Glas Wein und nächtliches Schreiben. Dann ist der innere Zensor schon mattig müde, die Wörter fließen besser. Einmal draußen, lassen sie sich am nächsten Tag auch leichter in Form biegen!

Wohl wahr. Das habe ich auch erst lernen müssen. Erst einmal eine Passage wie es kommt runterschreiben, statt gleich um die perfekte Formulierung zu ringen. Aber wenn wir schon bei Perfektion sind …

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Was ist dir beim Schreiben deiner Geschichten am wichtigsten, worauf achtest du besonders?

Ich möchte bei meinen Lesern das Gefühl erwecken, dass die Geschichten sich tatsächlich so zugetragen haben könnte. Dafür müssen sie authentisch geschrieben werden, nachvollziehbar sein, die äußeren wie die inneren Entwicklungen. Und ich wünsche mir, dass die Leser fühlen, was ich schreibe, was die Charaktere mitmachen. Dass sie das Gefühl haben, mittendrin zu stehen.

Das ist dir zumindest bei „Wir sind für die Ewigkeit“ und mir gelungen. Gerade, weil ich von dieser Epoche – oder vielmehr, wie es in Spanien war – nur wenig wusste, habe ich gelernt und erlebt. Darum hab ich mich auch so gefreut, dass das Buch dann den History-Skoutz 2021 gewonnen hat.

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Es heißt, jeder Künstler muss auch ein bisschen wahnsinnig sein. Was ist dein Schuss „Wahnsinn“?

Dass ich mich hauptsächlich von Schokolade ernähre?

Das ist jetzt zwar irre, aber auf der Skala noch nicht so richtig oben …

Dass ich mir in den Kopf gesetzt habe, vom Schreiben leben zu wollen? Das ist wahrscheinlich, was dem Wahnsinn am nächsten kommt 😊.

Wahrscheinlich. Aber eine sympathische Variante.

Sonst bin ich ein sehr pragmatischer Mensch. Sorry, falls ich gerade einen Mythos zerstört habe.

Nö, Schokolade reicht. Aber wenn du vom Schreiben leben willst, lass uns über deine Projekte sprechen:

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Beschreibe dein aktuelles Buch in 3 Sätzen.

a. Packend
b. Emotional
c. Informativ

Damit hast du zumindest den Ehrenpreis Effizienz gewonnen. 3 Worte statt 3 Sätze.

Ich sagte es ja. Ich bin pragmatisch.

Und ich bin trotzdem neugierig.

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Was würdest du noch gerne lernen und wozu?

Mich anmutig zu Musik bewegen zu können. Gitarre spielen. Japanisch. Arabisch. Russisch. Norwegisch. Reis kochen, ohne dass er matschig wird.

Also beim Sprachen lernen kann ich mich anschließen. Und beim Reis sogar helfen. Aber lass uns erst das Interview beenden, bevor wir kochen. Ein paar Fragen habe ich noch.

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Welcher Moment im Leben hat dich besonders geprägt?

Der Tod meiner Mutter.

Oh, mein Beileid. Ich hoffe, unsere nächste Frage wirkt jetzt nicht unsensibel.

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Was sollen deine letzten Worte sein?

Ich hatte ein gutes Leben.

Das wünsche ich dir von Herzen!

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Und mit welchen Worten soll dieses Interview enden?

Danke, dass ich dabei sein durfte!

Liebe Astrid, wir haben zu danken. Für das Interview ebenso wie für deinen Einsatz beim Skoutz-Award. Als Herrin über unsere Zeitmaschine hast du wirklich einen verantwortungsvollen Job.

Und dazu haben wir noch ein paar klitzekleine Spezialfragen …

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Astrid und der History-Skoutz 2022

Was hat dich bewogen, den Jury-Job zu machen? (Vielen Dank dafür!)

Ich wollte gern den Veranstaltern des Skoutz-Awards etwas zurückgeben; ich konnte mir nur vorstellen, was es für ein Riesenaufwand sein muss, im Hintergrund alle Fäden zu ziehen, damit dieser Award Jahr für Jahr organisiert werden konnte. Je mehr mithelfen, desto besser.

Wir hoffen, dass wir den Aufwand für die Jury einigermaßen erträglich halten können, aber in der Tat freuen wir uns über jede motivierte Unterstützung. Einfach, damit möglichst viele Geschichte so gefeiert werden können.

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Die meisten Geschichten wurden irgendwann schon einmal erzählt, in ihrer Basis ähneln sich die Plots. Es kommt also auf die Ausarbeitung drauf an. Mich interessieren Bücher, die sprachlich hervorstechen oder bei denen ich beim Klappentext denke, hu, das ist eine außergewöhnliche Weise, an diese Art von Plot heranzugehen. Charaktere, die nicht eindimensional sind, sondern Ecken und Kanten haben. Und schließlich, wenn ein Buch in mir nachhallt, nachdem ich es zugeschlagen habe. Weil es emotional etwas mit mir macht oder weil es mich dazu gebracht hat, über etwas nachzudenken oder darüber nachzulesen.

Worauf achtest du bei deiner Auswahl besonders?

Ich habe versucht, verschiedene Epochen in meine Auswahl aufzunehmen sowie diverse Subgenres. History gemischt mit Urban Fantasy, Crime, verschiedene Länder, verschiedene Themen, es sollte von allem ein bisschen was dabeihaben.

Das Genre in seiner ganzen Vielfalt! So soll es sein. Ich bin schon sehr gespannt auf deine Auswahl!

 

Interview Astrid TöpfnerHier könnt ihr Astrid Töpfner treffen:

Als erstes ist hier die Midlist History 2022 von Astrid

Wir haben Astrid übrigens schon einmal besucht und uns mit ihr über um über Zucker, die Macht des Lächelns, fehlende Geduld und Deutsch in Variation zu plaudern (weiterlesen).

Skoutz-Lesetipp: 

Wir sind für die Ewigkeit 2: Erinnerung – Historischer Schicksalsroman von Astrid Töpfner

Zwei Frauen. Zwei Schicksale. Ein Land in Aufruhr.

Lucía hat im beschaulichen Cadaqués Heimat, Familie und Berufung gefunden. Aber die Fehde zwischen Carmencita und ihr erreicht schließlich einen Höhepunkt, der Lucías Glück ins Wanken bringen könnte.

Am anderen Ende Spaniens, in Bilbao, sucht währenddessen eine junge Frau nach ihren Wurzeln und gerät dabei an die falschen Freunde – aber nur dank dieser fatalen Begegnung, die sie ihr Leben lang bereuen wird, trifft sie auf ihre große Liebe. Wird sie irgendwann auch ihre Eltern finden?

Atmosphärisch dicht erzählt und voller unvorhersehbarer Wendungen entführt die Fortsetzung der Spanien-Saga den Leser in die tumultreichen Jahre zwischen 1956 und 1975.

Skoutz meint: Nachdem Astrid Töpfner mit dem ersten Teil (Hoffnung) dank viel historischer Detailkenntnis und Spanienflair den Skoutz-Award History gewonnen hat, waren wir gespannt auf Teil 2. Auch im zweiten Teil der großen Spanien-Saga wirft Astrid Töpfner viele bunte Mosaiksteine vor den Leser. Mit faszinierenden Personen, liebevoll gezeichneten Szenen, großen Gefühlen und kleinen Gesten beschwört sie ein präzise gezeichnetes Bild des historischen Spaniens der Nachkriegszeit bis in die 70er Jahre und bringt dem Leser so auch dieses wunderbare Land und seiner bei uns leider relativ unbekannten Geschichte näher.

Wenn ihr neugierig geworden seid, könnt ihr Band 1 („Hoffnung„*) und Band 2 („Erinnerung„*) jeweils über unseren Affiliate-Link auf Amazon anschauen und lesen, bevor am 26. Mai 2022 der dritte Band der Saga („Berührung„*) erscheint.

 

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