zu Besuch bei Kathrin Eß

Heute bin ich in Berlin und zu Besuch bei Autorin und Illustratorin Kathrin Eß. Viel konnte ich im vorherein nicht über die Ex-Weltenbummlerin finden, nur, dass sie ein kreativer Tausendsassa ist und gerne singt. Ich bin schon ziemlich gespannt darauf, was mich alles erwartet und ob mein Bestechungs-Körbchen zum Einsatz kommt. Viel Spaß!

 

zu Besuch bei Kathrin Eß, die ihre Kreativität vielseitig auslebt …

 

Beschreibe dich in einem Wort!

Tagträumerin

Das macht mich jetzt neugierig 🙂 Ich bin mal gespannt, ob ich noch herausfinden werde, wie sich das äußert …

 

Strukturierter Planschreiber, Bandenmitglied oder kreativer Chaot – was ist dein Schreib-Erfolgs-Konzept? 

Beim Schreiben lasse ich mich eigentlich nur von meiner Intuition leiten.

Also nicht planen, sondern der Kreativität freien Lauf lassen …

Meistens fliegen die Ideen und Worte bereits irgendwo im Raum herum, in meinem Kopf sortiere ich sie dann, webe daraus ein Konstrukt. Und das fange ich dann so schnell es geht ein – per Notizen-App auf meinem Handy oder schnell in einem der diversen Notizbücher, die überall im Haus verteilt liegen.

Zumindest bist du auf diese Kreativschübe vorbereitet. Finde ich sehr spannend …

Manchmal setze ich mich auch gleich an den Laptop und schreibe einfach herunter, was in mir herumschwirrt. So sind auch zwei der Geschichten in „Die Geduldigen“ entstanden. Für meine Werke in längerer Form schreibe ich meist erst einen kleinen Ablauf, an den ich mich allerdings nur insofern halte, dass er mir hilft mich nicht in der Geschichte zu verlieren.

Eine Art Gerüst als Gedankenstütze … 

Meine Hauptcharaktere „führen“ mich nämlich durch die Geschichte, und ich kann mich eigentlich darauf verlassen, das sie wissen, wohin sie wollen.

Dann könnte man ja beinahe behaupten, dass das deine Schreib-Buddies sind, auch wenn die ursprüngliche Auslegung damit sehr stark gedehnt werden würde. Ich schweife schon wieder ab, bitte entschuldige 🙂

Wenn ich dann einmal schreibe, recherchiere ich auch manchmal oder erzähle meinem Mann, wohin die Reise geht. Generell bin ich aber eine Einzelgängerin mit gutem inneren Kompass.

 

 

Welche Taste ist die am meisten abgenutzte auf deinem PC?

Die Leertaste.

Bei mir auch 😉

Ich streichele sie immer liebevoll in Denkpausen.

Das scheint mir eine ganz besondere Beziehung zu sein 😉

 

 

Wenn eine Fee dir einen perfekten Autorentag anböte, wie sähe der aus?

Einfach nur 24 Stunden zur freien Verfügung.

Okay, lass uns das mal durchspielen. *Zauberstab schwingt* So, jetzt hast du 24 Stunden extra. Was bräuchtest du noch?

Genug Ruhe und ein Sofa zum Schreiben. Kaffee und Mahlzeiten, die man mir vorbeibringt. Vielleicht an einem schönen Ort, an dem ich zwischendurch mal einen Spaziergang machen kann. Und mit einem Glas Wein für den krönenden Abschluss.

Das klingt so schön, ich hoffe du bist nicht enttäuscht, wenn ich dir jetzt sage, ich bin gar keine Fee *seufz* Ich hätte dir das sehr gerne erfüllt!

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Wenig.

Das ist relativ 🙂 Kannst du mir das etwas genauer ausführen?

Ich lasse gerne eigene Gefühle und Gedanken mit einfließen, aber mit meinem tatsächlichen Leben hat das zum Glück nichts zu tun. (lacht)

*grübelt* Deine Gedanken und Gefühle fließen mit ein und es hat nichts mit deinem tatsächlichen Leben zu tun? Hmmm, das spricht wohl für die Tagträumerin 🙂

 

Was ist dein Geheimrezept, um die Muse anzulocken und Schreibblockaden (große und kleine) zu überwinden?

Ich habe tatsächlich noch nie Probleme gehabt, auf Ideen zu kommen.

Bei einem Kreativ-Tausendsassa hätte mich das auch gewundert …

Die Inspiration ist überall. Am kreativsten werde ich allerdings, wenn ich Zeit zum Nachdenken habe, also beim Spazieren, bei Garten- und Hausarbeit etc.

 

Welchen Anteil hat das reine Schreiben im Autorenjob und was gehört noch dazu?

Das ist eine schwierige Frage.

Ach komm, ich geb mir schon Mühe, es so angenehm wie möglich zu gestalten. Leider bin ich neugierig 🙂

Ich wünschte, das reine Schreiben wäre der Hauptbestandteil, aber daneben fallen noch so viele Sachen an.

Jetzt wird es interessant, weil man geht ja eigentlich bei einem Autoren davon aus, dass der Hauptbestandteil dessen das Schreiben ist. Was kommt bei dir da alles zusammen?

Erstmal natürlich viel Denkarbeit, das kreative Ersinnen quasi. Dann das Schreiben und danach die Überarbeitung, die fast genauso viel Zeit einnimmt. Ich arbeite außerdem immer parallel an mehreren Projekten.

Also Multitasking … Respekt!

Und dann bin ich ja auch noch als Texterin und Illustratorin unterwegs … Deshalb erstelle ich meine Cover auch bisher selbst und illustriere derzeit sogar noch ein eigenes Bilderbuch.

Da bin ich schon gespannt … Gibt es noch weitere Dinge, die zu deinem Schreib-Alltag gehören?

On Top kommt dann noch ein wenig Selbstdarstellung und Leserkontakt via Social Media. Und die administrative Arbeit, die der Job mit sich bringt, darf man auch nicht vergessen. Schließlich mache ich derzeit ALLES selbst. Puh! Alles in allem, eine Menge, die man zu tun hat. Zum Glück denkt man darüber normalerweise nicht nach. (lacht)

Außer es kommt so eine neugierige Trulla und fragt einem Löcher in den Bauch … Mea culpa 😉

 

 

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Das ist wirklich sehr relativ zu betrachten und kommt meiner Meinung nach total aufs Genre an. Ich glaube, das allerwichtigste ist es, dass der Leser das Gefühl hat, mit dem letzten Wort des Buches auch einen guten Freund zu verlieren. Das ist für mich die Kunst des Schreibens.

Ich musste eben über das, was du mit dem Freund gesagt hast, nachdenken. Da hast du recht, wobei dein Einwand, dass es auch immer aufs Genre ankommt, stimmt. Manche Bücher hinterlassen eine größere Leere als andere, obwohl man beide extrem gut fand.

Darüber hinaus mag ich es gerne, wenn Texte surreal sind und ein wenig tragisch, aber auch lustig. Auf jeden Fall, finde ich eine kunstvolle und intelligente „Schreibe“ und eine gute Idee unabdingbar. Nur dann schafft es der Autor den Leser in seinen Bann und damit in die Lebenswelt des Buches zu ziehen.

 

 

Welche Gefahren lauern im Alltag auf deine Manuskripte, was kann dich von deiner Geschichte trennen?

Meine Tochter, Alltagspflichten, die Notwendigkeit zwischendurch auch mal Geld zu verdienen.

Das hört sich nach einer Menge Gefahren an 🙂

Manchmal stehlen sich die verschiedenen Ideen aber auch gegenseitig ihre Präsenz …

 

 

Und wenn du mal den Kopf freibekommen willst, womit beschäftigst du dich dann am Liebsten? 

Mit meiner Tochter, mit Musik, mit Zeichnen, mit meinem Garten, mit Science-Fiction Filmen – ich finde wirklich immer etwas zu tun. (lacht)

Kein Wunder, dass du dir Zeit von der Fee wünschst … Ich hab übrigens immer noch ein schlechtes Gewissen … 

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Bei allen (lacht).

Wenn schon, denn schon 🙂 Einfach können andere? Oder gehört das zum Künstler-Dasein? *lach*

Meine Charaktere haben alle ein Eigenleben. Jeder von ihnen ist manchmal ein bisschen zickig und will nicht in die Richtung, in die ich will. Tatsächlich hilft es, auf sie bzw. auf meine Intuition zu hören, statt den eigenen Kopf durchzusetzen. Wie in einer richtigen Partnerschaft eben auch.

Das klingt ja fast nach: Prota knows best 🙂 Wer ist da nur Chef im Ring … 😉

 

 

Wie groß ist dein SUM (Stapel ungeschriebener Manuskripte) und wie gehst du mit ihm um?

Uff… Also ich habe mehrere Stapel.

… und Notizblöcke … Guck nicht so streng, ich bin schon ruhig 🙂

Auf dem ersten liegt ein fertiges Manuskript, das ich erstmal ad acta gelegt habe, bis ich es noch einmal überarbeiten mag. Aus diesem stammt auch „Der Prospekt“, die zweite Geschichte in „Die Geduldigen“. Dann ist da der zweite Stapel mit begonnenen Manuskripten: Gerade schreibe an meinem zweiten Roman, dessen Rohversion etwa zur Hälfte fertig ist, und hausiere nebenbei bei Verlagen mit meinem ersten Bilderbuch.

“Hausieren” klingt aber irgendwie hart … Es ist sicher hübsch geworden 🙂 Aber zurück zum SUM …

Und dann ist da der eigentliche SUM-Stapel. Darauf liegen ein Science-Fiction Roman, eine Novelle und zwei Kinderbücher.

Wie weit bist du mit denen? Nur eine grobe Idee oder schon mehr?

Alle sind schon mehr oder weniger fertig konzipiert, müssen sich aber in die Schlange einreihen. Mehr als EINEN Roman und EIN Kinderbuch gleichzeitig schaffe ich einfach nicht, auch wenn ich es kaum erwarten kann, mit ihnen loszulegen. Ansonsten versuche ich mir keinen Druck zu machen. Bücher müssen reifen und sind eben erst dann fertig, wenn sie fertig sind.

Weise Worte …

 

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Im Januar 2017 habe ich ganz plötzlich beschlossen, dass ich an meinem ersten Roman nicht mehr weiterarbeiten möchte.

Warum? Was war der Auslöser?

Nach vier Jahren Arbeit hatte ich einfach nicht mehr das Gefühl, dass er mein Können repräsentiert. Abends habe ich den Beschluss gefasst und ernsthaft überlegt, das Schreiben ganz an den Nagel zu hängen. Als ich eingeschlafen bin, war ich tottraurig. Und dann bin ich mitten in der Nacht aufgewacht und hatte die Idee zu meinem aktuellen Romanprojekt und habe gleich einen groben Plot in ein Notizbuch gekritzelt.

Deine kreative Ader war wohl nicht bereit, dein Talent ungenutzt zu lassen 🙂

Ich war so euphorisch und glücklich, hatte plötzlich wieder so viel Energie. Ab da wusste ich, dass ich ohne das Schreiben nicht leben kann.

 

 

Wie definierst du Erfolg?

Erfolg ist für mich, wenn andere das, was und wie ich schreibe gut finden, wenn es sie zum Nachdenken anregt, wenn sie mir das auch sagen. Das müssen keine Kritiker sein, sondern einfach Menschen, die viel und gerne lesen.

Im Prinzip also das Leserfeedback. Aber was ist mit Verkaufszahlen und Buch-Charts oder Preisen?

Man schaut immer auf Rankings, und Likes und so weiter, aber ich versuche mich eigentlich davon freizumachen. Natürlich ist es mein Ziel und größter Wunsch, irgendwann einmal vom Schreiben zu leben, aber ich lebe gerade auch vor allem um zu Schreiben. Ich will das andere meinen Schreibstil mögen, sich in meinen Welten wiederfinden, sich über das, was darin geschieht noch lange nachher den Kopf zerbrechen. Wenn ich so tolle Bewertungen bekomme, wie die von der Skoutz-Jury und Oliver Kyr, dann habe ich Erfolg.

*stolz guckt* Ja, wir haben schon einen tollen Juroren 🙂

 

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Freust du dich hammermäßig darüber, dass du auf der Midlist des Skoutz-Awards bist?

Wir uns auch, liebe Kathrin Eß. Tausend Dank, dass du dir die Zeit genommen hast mich zu treffen und mir geduldig all meine Fragen beantwortet hast. Ich würde mich riesig freuen, wenn wir mal wieder die Chance auf einen kleinen Plausch hätten, vielleicht sogar in Frankfurt auf der Preisverleihung. Deinen Kurzgeschichten wünsche ich für den restlichen Wettbewerb ganz viel Erfolg.

 

Mehr spannende Informationen, tolle Illustrationen und News zu ihren Projekten findet ihr auf:

 

Hinweis:

Das im Dezember 2017 über neobooks verlegte “Die Geduldigen” ist definitiv das kürzeste Buch in der Midlist des Skoutz-Awards 2018. Auf unter 30 Seiten gelingt es Kathrin Eß jedoch, den Leser einzufangen. Drei ungewöhnliche Geschichten über die Geduld, die von Fabulierfreude und Unverbrauchtem zeugen und daher völlig zu Recht von Skoutz-Juror Oliver Kyr  aus knapp 200 Titeln der Longlist Contemporary in die Midlist Contemporary gewählt wurde und sich damit eine Chance auf den Skoutz 2018 gesichert. (weiterlesen)

 

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