Autorin Meike Eggers - Skoutz Interview

Zu Besuch bei Meike Eggers

Heute sind der Skoutz-Kauz und ich unterwegs zu Meike Eggers, weil sie mit ihrem Titel „Cibionic: Der unabwendbare Anfang“ auf der Midlist Science Fiction steht. Das heißt, sie konnte unseren Juror E.F. v. Hainwald überzeugen, diesem Buch aus einer Auswahl von über 200 Titeln eine Chance zu geben. Und weil wir Meike noch nicht kennen, haben wir einen Termin mit ihr gemacht, um ihr ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

Zu Besuch bei Meike Eggers, die auch schlechten Emotionen Gutes abgewinnt

Hallo liebe Meike, wir freuen uns sehr, dass wir dich heute besuchen dürfen. Schön, dass es geklappt hat. Wir sind schon sehr neugierig auf unsere gemeinsame Zeit und auf deine Antworten. Lass uns einfach beginnen, OK?

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Wenn du ein Tier wärst, wärst du ein …? 

Ich wäre lieber kein Landtier.

Das ist jetzt auch nicht die Bedingung. Aber so wie du das sagst, zwingt sich ein Warum förmlich auf!

Bei Landtieren denke ich an die Erdanziehungskraft, die einen bremst und auf den Boden herunterzieht. An Staub und Gedrängel, dem man nicht entkommen kann.

Ja, das ist ein Ansatz. Was also ist die Alternative?

In der Luft oder im Wasser würde ich mich auf jeden Fall wohler fühlen. Ein fliegender Fisch oder ein schwimmender Vogel wäre ich lieber .

😀

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Womit kann man dich im Alltag glücklich machen?

Ich bin tatsächlich sehr gerne alleine.

Manchmal mag ich das auch sehr gerne. Aber das klingt doch nach einem sehr umsetzbaren Wunsch, oder?

Meistens habe ich ziemlich viel um die Ohren und viele Leute um mich herum, daher versuche ich immer mal wieder Fluchtmomente für mich einzuplanen, in denen ich ungestört meine Gedanken sortieren kann.

Das finde ich auch sehr wichtig. Und was machst du sonst noch gerne?

Außerdem koche ich gerne und entdecke gerne neue Dinge: Neue Länder, neue Städte, Kunst, neue Ansichten…

Bleiben wir doch noch einen Moment bei dem Wünschen, dieses Mal den Großen … 

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Wir alle haben Wünsche, für uns, für die Welt. Was sind deine und was tust du, damit deine Wünsche in Erfüllung gehen?

Ich versuche dem alltäglichen Wahnsinn so gut es geht zu entkommen und mich stattdessen auf die kleinen Dinge und das wirklich Wichtige, zu konzentrieren.

Die Rettung im Detail, das ist sicher ein schlauer Ansatz. Wie machst du das konkret? 

Einfacher Leben, weniger konsumieren, gesund essen, so gut es geht im Einklang mit der Natur leben. Gute Freundschaften und Arbeitsbeziehungen pflegen und alles Negative, so gut es geht, hinter sich lassen.

Ja das klingt perfekt! Da sind aus meiner Sicht Bücher sicher hervorragende Hilfsmittel. Lass uns also über Bücher reden.

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Welches Buch hat dich am meisten geprägt?

Bild 1 - Friedhof der Kuscheltiere | Buch | 9783453435797In Laufe der Jahre waren das einige Bücher.

Sicherlich. Welches fällt dir spontan ein? 

Das erste Buch, das ich verschlungen habe, und das ich bis heute vor meinem inneren Auge sehe, war „Friedhof der Kuscheltiere“ von Stephen King. Da war ich ungefähr 14/15 Jahre alt.

Ja das habe ich damals auch so gerne gelesen!

Später habe ich vor allem Milan Kundera geliebt und Haruki Murakami.

Haruki Murakami hat aber auch wirklich mit vielen Büchern seine Genres neu definiert oder jedenfalls erweitert. Das ist tatsächlich ein extrem spannender Autor, den wir sehr gern mal interviewen würden (träum). Einige seiner Titel sind heute schon Klassiker! Ha, welch gutes Stichwort …

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Welcher Klassiker liegt allen Vorsätzen zum Trotz immer noch auf deinem SuB? 

„Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoi wartet noch immer in meinem Bücherregal. Ein paar Mal habe ich angefangen, und dann kam doch immer irgendetwas dazwischen.

Ja manchmal geht es einfach nicht und es kommt immer etwas. Krieg und Frieden ist halt auch nichts, was man so nebenbei liest. Allein die vielen Personen. Was liest du denn statt dessen?

Gerade lese ich auf Niederländisch „Een systeem zo magnifiek dat het verblindt“ von der schwedischen Autorin Amanda Svensson. Bisher gibt es noch keine deutsche Übersetzung. Die Leichtigkeit mit der sie ihre Geschichte erzählt, gefällt mir wirklich sehr gut.

Oh Schade, auf niederländisch kann ich nicht lesen. Englisch ginge. Aber eigentlich wollen wir ja mehr von dir als Autorin erfahren. Lass uns doch mal über deine Schreiberei sprechen. 

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Themen finden ist oft einfacher als aus den vielen Ideen, die richtige Auswahl zu treffen. Wie entscheidest du, welches Projekt du als nächstes verwirklichst?

Das ist eine reine Gefühlssache.

Wie darf ich das verstehen?

Eine Idee oder eine Hauptperson drängt sich in meinen Kopf und wenn ich versuche, das zu ignorieren, blockiert das meine Schaffenskraft.

Hups?! So gleich?  

Genau. Ich muss diesem Drang also nachgeben. Eigentlich arbeite ich aber immer an mehreren Projekten zugleich und die Guten bringe ich zu Ende.

Und die weniger guten? Die müssen dann nochmal Anlauf nehmen beim Lästig werden? 🙂

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Wo stehst du beim Schreiben einer Szene? Bist du eher der aufmerksame Beobachter und Dirigent oder mittendrin in allen Höhen und Tiefen mit Blut, Schweiß und Tränen?

Das hängt davon ab, in welcher Erzählperspektive ich schreibe.

Ja?

In der ersten Person bin ich mittendrin, in der dritten Person beobachte ich etwas mehr und beschreibe dafür auch oft genauer, was, wo und warum etwas passiert.

Bei der ersten Person steckte ich so tief in der subjektiven Wahrnehmung und der intensiven Gefühlswelt, dass die großen Zusammenhänge meistens etwas untergehen.

Und was liegt dir mehr?

Grundsätzlich mag ich beides, aber zurzeit schreibe ich mehr in der dritten Person.

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Welche Szenen fallen dir beim Schreiben am schwersten und wie meisterst du sie trotzdem?

Wenn ich eine Szene schreiben will, die ich in dem Moment gar nicht fühle, geht das nur schwer bis gar nicht. Wenn ich mich z.B. gerade grade total gut und ausgelassen fühle und in der Szene geht es um Hass oder Verzweiflung, dann wollen meine Finger nicht tippen.

Verständlich, irgendwie, aber wie gehst du dann damit um?

Meistens warte ich mit der Szene dann, bis ich in einer Stimmung bin, die passt. Dann hat es auch noch etwas Nützliches, wenn ich mich gerade über etwas ärgere oder nicht gut drauf bin. 😉

Wohl wahr! Kein Schaden ohne Nutzen!

😀

Was ist dir beim Schreiben deiner Geschichten am wichtigsten, worauf achtest du besonders?

Die Hauptperson muss mich faszinieren. Im Guten oder Schlechten.

So kommt es dann auch gut beim Lesen an.

Ich hoffe, es ist OK wenn ich jetzt ein klein wenig persönlicher werde.

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Es heißt, jeder Künstler muss auch ein bisschen wahnsinnig sein. Was ist dein Schuss „Wahnsinn“?

Ich habe mich schon immer als Fremdkörper in dieser Welt gefühlt.

Oh wirklich? Das klang schon bei der ersten Frage durch, aber woher kommt das? 

Ich wundere mich oft, wie alle so ernsthaft mitmachen können, während ich vergeblich nach dem Sinn des Ganzen suche.

Bist du also immer der distanzierte Beobachter oder gehst du auch mal mit Leidenschaft in ein Thema rein?

Für Dinge, die mir wichtig sind, kann ich allerdings einen großen Enthusiasmus entwickeln – das erschreckt wieder andere Leute. Schreiben gehört auf jeden Fall zu den wichtigen Dingen. Eigentlich schreibe ich 24h am Tag, meistens natürlich nur im Kopf. Nachts träume ich meine Geschichten weiter. Wenn man mich beim Schreiben stört, kann ich grantig werden.

😀  – das kannst du dann gleich bei den passenden Szenen verwenden und niemand muss ein schlechtes Gewissen haben.

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Beschreibe dein aktuelles Buch in 3 Sätzen

Es geht um ein sehr altes Thema: Die Suche nach dem verlorenen Paradies. So wie es im Moment aussieht, findet meine Hauptperson dieses Paradies tatsächlich. Allerdings wird es durch eine nicht biologische Intelligenz erschaffen und irgendwie gibt das dem Ganzen einen seltsamen, bitteren Beigeschmack.

Oh das klingt spannend! Jetzt würde ich gern noch weiter fragen, aber ich habe auch noch so viele andere Fragen. Die hier zum Beispiel:

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Was würdest du noch gerne lernen und wozu?

Ich liebe es zu lernen, für mich ist Lernen eine große Erfüllung und ich nehme regelmäßig an Workshops oder Seminaren teil.

Jetzt bezogen aufs Schreiben? Na, da treffen wir uns ja vielleicht mal. Einmal, weil ich mich auch gern weiterbilde und natürlich, weil wir auf Skoutz auch viele Angebote haben. Und neben dem Schreiben?

Außerdem lerne ich gerne Sprachen.

Oh ja, ich mag ja neue Sprachen immer sehr gerne lernen. Vielleicht sollte ich mir mal Niederländisch vornehmen? Schon wegen Amanda Svensson (oder dann doch Schwedisch?). Woher kommt diese Faszination bei dir?

Eine neue Sprache öffnet die Tür zu anderen Kulturen und Lebensweisen.  Mich fasziniert immer, wie unterschiedlich in verschiedenen Ländern gelebt wird. Wie die Kultur, das Denken, die Geschichte und die kleinen Alltäglichkeiten unsere Identität und Gefühlsleben beeinflussen.

Ja, das stimmt natürlich. Marie von Ebner-Eschenbach sagt, dass man am meisten über eine Nation erfährt, wenn man sich die Worte ansieht, die nicht übersetzbar sind. Darin liegt viel Wahrheit. 

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Welcher Moment im Leben hat dich besonders geprägt?

Als ich Anfang zwanzig war, stand ich im Tresor (ein Club) in Berlin und habe mich mit einem Künstler unterhalten, der in England lebte und dort auch studiert hatte. Durch dieses Gespräch bin ich letztendlich auch an einer englischen Kunsthochschule zurechtgekommen, nicht ahnend, dass ich 25 Jahre später noch immer nicht wieder nach Deutschland zurückgekehrt sein würde.

Ja das klingt in der Tat sehr prägend. Spannend, wie oft so vermeintlich zufällige Ereignisse im Leben ebenjenem eine völlig neue Richtung geben. Wenn man das mal immer vorher wüsste. 

Was sollen deine letzten Worte sein?

Die letzten Worte meines Lebens? Bis es soweit ist, habe ich hoffentlich noch genug Zeit um die Weisheit, die sich in ein paar Worte fassen lässt, zu entdecken.

Mit Sicherheit! Wir wollten da auch auf gar keinen Fall drängeln. Aber eine letzte Frage habe ich noch: 

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Und mit welchen Worten soll dieses Interview enden?

Mit einer Frage, denn Fragen motivieren mich am meisten.

OK gerne

Ich halte es da bei einem Zitat aus „Die unaufhaltsame Einheit“: „Warum sind die konstruktiven Wege so viel schwerer zu begehen als die destruktiven?“

Darüber lohnt es sich, speziell in diesen Tagen auf alle Fälle nachzudenken. Ich würde sogar Workshops annehmen. Vielleicht treffen wir uns da dann?

Liebe Meike, wir möchten uns ganz herzlich bedanken. Für deine Zeit, die Antworten und das wirklich schöne Gespräch mit dir. Wir haben uns bei dir sehr wohl gefühlt aber jetzt wird es Zeit für uns den Heimweg anzutreten. 

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Mehr über Meike Eggers erfahrt ihr hier:

 

 

Skoutz – Lesetipp:

Cybionic 2: Die unaufhaltsame Einheit – Die Fortsetzung von Meike Eggers Cybertech-Thriller 

Die künstliche Intelligenz wurde gelöscht, doch ist sie wirklich tot?

Die junge Genetikerin Fleur van Hevinga entdeckt eine Reihe ungewöhnlicher Genmutationen bei ihren Patienten an der Rotterdamer Universitätsklinik. Gleichzeitig kommt es in der Stadt zu unerklärlichen Computerproblemen und tödlichen Unfällen. Gibt es eine gemeinsame Ursache und wenn ja, wer steckt dahinter?

Eines Nachts steht ein fremder Mann vor Fleurs Tür und behauptet, sie würde eine Schlüsselfunktion in den mysteriösen Geschehnissen einnehmen. Er will mit ihr zusammenarbeiten, um den Auslöser der Mutationen zu finden, aber Fleur zögert. Kann sie dem Fremden vertrauen?

Skoutz meint: Wir haben den ersten Band verschlungen und entsprechend groß war auch das Gedrängel, wer Band 2 lesen darf. Ich freue mich, dass ich mich durchsetzen konnte, denn Genmanipulation als Weg zum „besseren Menschen“ finde ich persönlich hochspannend. Was Meike Eggers daraus macht, ist es jedenfalls. Denn was entsteht, wenn man das Menschsein an Algorithmen bindet? Was fehlt, wenn Intelligenz „nur“ künstlich ist?  Mir hat Band 2 besser noch als der Auftakt gefallen und ich freue mich schon auf die Lektüre von Band 3. Speziell nach diesem Interview, das mich einige Dinge im Buch aus Autorensicht persönlicher wahrnehmen lässt. (kn)

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Hinweis:

Skoutz-Award - Cybionic 1 Alienzähmer, Chef-Ufologe und Vorjahressieger E.F. von Hainwald hat den Blick in die Zukunft gewagt und 9 Titel aus den über 160 Bewerbern für seine Midlist Science Fiction 2022 herausgesucht, die für ihn besonders gelungen das Genre repräsentieren und es verdient hätten, in naher Zukunft als Science Fiction-Skoutz 2022 gefeiert zu werden.

Mit Cybionic 1 ist Meike Eggers nicht nur ein faszinierender Blick auf Chancen und Risiken der schönen neuen Technik gelungen, sondern auch der Sprung auf die Midlist, weshalb wir dieses Buch hier auch schon ausführlich besprochen haben.

Wir drücken Meike Eggert die Daumen und hoffen, dass für sie die Reise weitergeht.

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