zu Besuch bei Jörg Olbrich

Heute bin ich im schönen Mittelhessen unterwegs, wo ich Autor Jörg Olbrich treffe. Ich bin schon gespannt, was mich so erwartet, denn bisher habe ich nur herausfinden können, dass er das Schreiben als Ausgleich zu seinem Arbeitsalltag als Controller im Gesundheitswesen nutzt und er schon seit über 20 Jahren bei der freiwilligen Feuerwehr tätig ist. Mal sehen, welche Geheimnisse ich ihm heute entlocken kann und mit welch spannenden Antworten er mich überrascht.

 

zu Besuch bei Jörg Olbrich, dessen Autorenkarriere mit einem Kinderkalender begann …

 

Beschreibe dich in einem Wort!

Begeisterungsfähig

Gute Voraussetzung für unser Gespräch. mal sehen, ob ich dich mit meinen Fragen auch begeistern kann 🙂

 

Strukturierter Planschreiber, Bandenmitglied oder kreativer Chaot – was ist dein Schreib-Erfolgs-Konzept?

In der Regel schreibe ich einfach drauf los und weiß selbst nicht genau, was bis zum Ende des Romans alles passiert.

Ohne Plan, Gerüst oder anderem doppeltem Boden???

Durch die historischen Eckdaten habe ich zwar einen roten Faden, bei der Rahmenhandlung plane ich aber nicht und lasse mich selbst überraschen.

… und wahrscheinlich begeistern 🙂

Die besten Ideen kommen wir immer dann, wenn ich mich eigentlich gar nicht mit den Geschichten beschäftige.

Das wäre zum Beispiel?

Das passiert oft im Auto oder, wenn ich mit den Hunden unterwegs bin. In der Regel habe ich immer ein paar Szenen im Kopf, die ich dann, wenn ich Zeit finde, heruntertippe. Manchmal schreibe ich mir auch Ideen auf, die ich im späteren Verlauf der Geschichte brauche.

Kommt das häufig vor?

Das ist eher selten. Wenn sich ein neues Projekt „in den Vordergrund drängt“, kommt es in Stichpunkten auf eine Liste und ich versuche, mich nicht weiter damit zu befassen. Das gelingt allerdings nicht immer.

Und hast du Schreibbuddies oder bist du eher der Typ Einzelkämpfer?

In der Regel schreibe ich alleine in meinem Büro.

 

Welche Taste ist die am meisten abgenutzte auf deinem PC?

Die „Leertaste“.

Der Klassiker, bei mir übrigens auch 🙂 Das wollte ich immer schon mal loswerden 🙂

 

Wenn eine Fee dir einen perfekten Autorentag anböte, wie sähe der aus?

Vormittags ein paar Stunden Schreiben, danach alles was mit Marketing zu tun hat und nachmittags Recherche.

Und abends nach einem arbeitsreichen Tag wohlverdient entspannen 🙂

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

 In meinen Geschichten verwende ich keine Autobiografischen Elemente, zumindest nicht bewusst oder gewollt.

Bei historischen Romanen zumindest in der Handlung auch eher schwierig 🙂

 

Was ist dein Geheimrezept, um die Muse anzulocken und Schreibblockaden (große und kleine) zu überwinden?

Mit Schreibblockaden hatte ich bisher nie Probleme.

Zum Glück!

Wenn ich mich wirklich zum Scheiben an meinen Rechner setze, habe ich auch Lust dazu und komme dann gut voran.

 

Welchen Anteil hat das reine Schreiben im Autorenjob und was gehört noch dazu?

Ich schätze, dass der Anteil des reinen Schreibens bei etwa 40% liegt. Dann noch einmal etwa 10 % für Überarbeiten und Lektorat. Ein Viertel der Zeit brauche ich für Recherchearbeiten. Ich besuche historische Archive oder Gebäude, suche im Internet nach Quellen oder lese in Sachbüchern.

Ich kann mir gut vorstellen, dass beim Schreiben historischer Romane sehr viel Zeit für die Recherche aufgewendet wird. Was machst du mit den restlichen 25%?

In der restlichen Zeit besuche ich Cons, halte Lesungen und  beschäftige mich in sozialen Netzwerken mit allem, was mit dem Schreiben zu tun hat.

 

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Für mich muss ein guter Roman spannend und fesselnd sein. Wenn ich mich ärgere, wenn ich das Buch aus irgendeinem Grund weglegen muss, ist das ein Zeichen, dass es mir wirklich gut gefällt.

Das klingt wirklich nicht nach guter Unterhaltung …

Den Anspruch habe ich auch an meine eigenen Geschichten. Es gibt kein größeres Lob, als wenn ein Leser sagt „wegen dir habe ich die halbe Nacht durchgelesen und bin müde zur Arbeit gekommen“.

Stimmt 🙂 Aber hat sich dein Leseverhalten durch dein Autoren-Dasein geändert?

Als ich vor 15 Jahren mit dem Schreiben begonnen habe, war es öfters mal so, dass ich beim Lesen darüber nachgedacht habe, ob ich die oder andere Stelle anders geschrieben hätte. Das hat sich aber schnell gelegt. Wenn ich lese, mache ich das aus Spaß und lasse mich in die Geschichte ziehen. Es gelingt mir bis auf sehr wenige Ausnahmen das Lesen und das Schreiben gedanklich zu trennen.

 

Welche Gefahren lauern im Alltag auf deine Manuskripte, was kann dich von deiner Geschichte trennen?

Wenn ich an einer Szene schreibe, die ich selbst spannend finde, vergesse ich gerne mal die Zeit und versuche „dranzubleiben“. Wenn nicht gerade jemand zu mir kommt, oder anruft funktioniert das auch recht gut.

Das bedeutet, wenn du richtig vertieft schreibst, kann dich kaum was davon abhalten … In welchem Bereich lauern dann die “Ablenkungsgefahren”?

Beim Überarbeiten ist das völlig anders. Das ist manchmal „echte Arbeit“ und mir ist jede Ablenkung recht. Dann passiert es häufiger, dass ich mal „kurz“ durch die sozialen Netzwerke surfe oder irgendetwas recherchiere, was in dem Moment noch nicht unbedingt sein müsste.

😉 Verständlich 

 

Und wenn du mal den Kopf freibekommen willst, womit beschäftigst du dich dann am Liebsten?

Mit Lesen, Musik hören oder etwas mit Freunden unternehmen. Ich fahre auf zwei Heavy-Metal-Festivals im Jahr und danach ist der Kopf immer für einige Wochen frei.

Heavy-Metal-Festivals 🙂 Das hätte ich nun nicht erwartet … Du verstehst es, mich zu überraschen 🙂

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Ferdinand II., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nationen

Da musstest du nicht sonderlich lang nachdenken 🙂 Das scheint ja ein Kaliber zu sein 🙂

 

Wie groß ist dein SUM (Stapel ungeschriebener Manuskripte) und wie gehst du mit ihm um?

 Ich habe eine Liste mit etwa 12 Projekten, mit denen ich sofort beginnen könnte, und weiß, dass ich die wohl nicht alle realisieren werde, weil immer neue Ideen dazu kommen.

Du brauchst mehr Zeit! Ist doch schade, wenn du so viele Ideen hast, die auch schon so weit ausgereift sind und es nur an der Zeit scheitert … Wir sollten doch die Fee noch einmal zu Rate ziehen und schauen, ob da was zu drehen ist … Aber zurück zum Thema …

Derzeit schreibe ich an einer Romanreihe über den Dreißigjährigen Krieg, die mich wohl noch ein paar Jahre beschäftigen wird. Deshalb muss ich mich manchmal zwingen, alles andere Ruhen zu lassen, was nicht immer leicht ist.

Die Ideen brennen unter deinen Nägeln. Das ist ja fast Folter 🙂 Wie lange brauchst du denn im Schnitt für ein Buch?

An einem Roman mit fünfhundert Manuskriptseiten schreibe ich 6-8 Monate. Hinzu kommen das Überarbeiten und später das Lektorat. Im Moment plane ich die Veröffentlichung von einem Roman im Jahr. Dazwischen schreibe ich immer wieder mal eine Kurzgeschichte, wenn mich das Thema interessiert.

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Ich hatte bei Facebook einmal eine Nachricht „Jörg Olbrich hat Dir eine Freundschaftsanfrage geschickt“. Zunächst dachte ich, ich wäre gehackt worden.

Ja, das habe ich jetzt auch angenommen …

Später stellte sich heraus, dass ich einen Namensvetter in Österreich habe. Der hat von Freunden ein Buch von mir auf den Geburtstag bekommen und hat sich dann bei mir gemeldet.

Ein lustiger Zufall 🙂 

Ich werde zunehmend unerwartet und von mir unbekannten Personen auf das Schreiben angesprochen. Das ist ein komisches Gefühl, freut mich aber, weil es zeigt, das meine Geschichten gelesen werden.

 

Wie definierst du Erfolg?

In den letzten 15 Jahren habe ich als Autor viele Ziele erreicht, mit denen ich so nicht gerechnet habe. Die erste veröffentlichte Kurzgeschichte habe ich genauso als Erfolg angesehen wie meinen ersten Roman. Als Erfolg sehe ich es vor allem aber an, wenn den Lesern meine Geschichten gefallen und ich bei Lesungen oder auf anderen Wegen positive Rückmeldungen bekomme.

Den Lesern bieten zu können, was sie wollen, ist sicher ein tolles Gefühl. Wie sieht es aber mit Verkaufsrankings oder Buch-Charts oder gar Bestsellerlisten aus?

Natürlich freue ich mich darüber, wenn mein Roman einen guten Verkaufsrang erreicht. Der finanzielle Aspekt ist aber für mich beim Schreiben nicht der Wichtigste. Ich habe einen Beruf, den ich gerne ausübe und der mir meinen Lebensunterhalt sichert.

Somit hast du nicht den Druck, dass du davon leben musst …

Das Schreiben hat für mich in den letzten Jahren einen immer größeren Stellenwert eingenommen … Wenn ich längere Zeit nicht dazu komme, merke ich, dass mir etwas fehlt.

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Ist das Schreiben mehr als ein Hobby für Dich?

Ein wundervolles Hobby, mit dem du viele Menschen erreichst und begeisterst. Vielen Dank, lieber Jörg Olbrich, dass du dir die Zeit genommen hast, mich zu treffen und mir all die Fragen zu beantworten. Es war wirklich schön und ich hoffe, dass wir das bald mal wiederholen können – vielleicht sogar in Frankfurt auf der Gala. Für den weiteren Wettbewerb wünsche ich deinem Buch viel Erfolg.

 

Mehr über Jörg Olbrich erfahrt auf: 

 

 

Skoutz-Lesetipp:

Das Geheimnis der Ronneburg – historischer Krimi von Jörg Olbrich

Nach dem Tod seiner Mutter macht sich Julius Meyer auf die Suche nach seinem Vater. Diese führt ihn zur Ronneburg, die ein furchtbares Geheimnis birgt. Menschen werden bestialisch ermordet. Julius wird schnell in die beängstigenden Geschehnisse hineingezogen. Doch was haben die mit dem Verschwinden seines Vaters zu tun? Kann es ihm gelingen die dunklen Geheimnisse seiner Vergangenheit zu lüften?

Stück für Stück wird das tödliche Puzzle zusammengesetzt und Julius gerät in einen Abgrund von Leidenschaft, Gewalt und Hass.
Und dann erkennt er die Wahrheit.

Skoutz meint: Ein spannender Reihen-Auftakt, der seine Leser in den Bann zieht. Tolle Sprache, angenehmer und leicht zu lesender Stil ohne Längen. Stimmungsvoll und bildreich nimmt uns der Autor mit auf eine mysteriöse Reise in die Vergangenheit. Bis zur letzten Seite fiebert man mit und erlebt, wie sich Stück für Stück das Puzzle zusammensetzt und ein unglaubliches Geheimnis zu Tage fördert. Lesespaß garantiert für Historien- ebenso wie für Krimifans!

 

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Hinweis:

“Der Winterkönig – Geschichten des dreißigjährigen Krieges” von Jörg Olbrich ist ein 469 Seiten langer, im Oktober 2017 im Acabus Verlag erschienener Historienroman. Der Auftakt einer sechsteiligen Reihe über die Leiden, die der Dreißigjährige Krieg zwischen 1618 und 1648 über die Menschen in Deutschland brachte und etwa sechs Millionen Menschen das Leben kostete.

Jörg Olbrich konnte nicht nur mit einer spannenden Handlung, sondern auch mit gut recherchierten Fakten in “Der Winterkönig – Geschichten des dreißigjährigen Krieges” unsere Skoutz Jurorin Laura Gambrinus überzeugen. Aus über 200 Titeln der History-Longlist ergatterte er einen der begehrten Midlist-Plätze und damit vielleicht die Chance auf den Skoutz Award 2018.

Wir haben uns das Buch schon genauer angesehen und hier vorgestellt.

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