zu Besuch bei Gitta Edelmann

Heute bin ich in Bonn, um Gitta Edelmann zu besuchen. Ich muss zugeben, dass ich schon ziemlich neugierig auf die sprachtalentierte History-Autorin bin, denn wie ich im Vornherein erfahren habe, hat sie schon ziemlich viele spannende Dinge in ihrem Leben gemacht. Sie war Übersetzerin, hat Sprachen unterrichtet und Stadtführungen geleitet. Ihre Leidenschaft fürs Malen und die Arbeit mit Kindern hat sie für ihr neues Buch”Zendoodle für Kinder” inspiriert.  Mal sehen, welche verborgenen Talente, Hobbies oder gar Geheimnisse ich ihr in unserem Interview entlocken kann …

 

zu Besuch bei Gitta Edelmann, die Musik liebt und gerne singt, zum Schreiben aber absolute Ruhe braucht …

 

©Sarah Koska

Beschreibe dich in einem Wort!

 wissbegierig

Interessant, mal sehen in welchen Bereichen ich das heute wiederfinde 🙂

 

 

Strukturierter Planschreiber, Bandenmitglied oder kreativer Chaot – was ist dein Schreib-Erfolgs-Konzept?

Ich recherchiere und plotte ziemlich genau, dann erst beginne ich zu schreiben, wobei ich oft schon recherchiere und plotte, wenn ich noch etwas ganz anderes schreibe.

Das klingt sehr strukturiert und wohldurchdacht 🙂

Notizen, Tabellen der Ereignisse, inspirierende Fotos o.ä. wandern alle in meinen Laptop, sonst verlege ich sie ja doch nur 😉

Und wie schreibst du am liebsten? Einzelkämpfer oder hast du Schreibbuddies?

Ich habe befreundete Kolleginnen, mit denen ich mich während des Schreibens über eine geheime Facebook-Gruppe oder auch per Mail austauschen kann (allerdings mehr darüber, wie es vorangeht, nicht inhaltlich, da bin ich verschwiegen), oft bin ich auch beim NaNo-Camp dabei.

Also eher eine Mischung. Wie sieht der Schreibprozess bei dir an sich aus. Was ist für dich unumgänglich?

Zum Schreiben selbst brauche ich Stille und muss allein sein. Und ich trinke literweise Tee.

 

 

Welche Taste ist die am meisten abgenutzte auf deinem PC?

 Das N, darauf sieht man nur noch eine leichte Kuhle.

Interessant, denn statistisch gesehen liegt das N nur auf dem zweiten Platz (9,78%) hinter dem E (17,40%) in der deutschen Sprache. Ich wollte jetzt mal mit meinem unnützen Wissen glänzen 🙂

Vom E und vom C ist auch nicht mehr viel übrig, das ist aber egal, weil ich sowieso blind schreibe.

Blind? Das nenne ich mal wirklich eine Leistung, aber wahrscheinlich normal, wenn man sehr viel schreibt … Das C liegt statistisch gesehen nur auf Platz 12 (3,06%), aber ich will deine Wissbegier nicht überstrapazieren 🙂

 

 

Wenn eine Fee dir einen perfekten Autorentag anböte, wie sähe der aus?

Ich wache von alleine auf und jemand bringt mir einen Tee ans Bett.

Das könnte die Fee machen … 

Später frühstücke ich in Ruhe, setze mich an meinen Laptop und arbeite etwa vier Stunden ohne Zeitdruck. Nach einem leckeren Mittagsimbiss gehe ich eine Weile spazieren (am liebsten am Meer, aber Wald geht auch), um meine Gedanken zu klären, dann geht es ich mich mit einem frischen Tee wieder an die Arbeit.

Und wie belohnst du dich für all deinen Fleiß?

Abends treffe ich mich mit Freunden oder einer Kollegin zum Essen und wir sprechen über schöne, inspirierende Dinge. Vor dem Schlafen lese ich im Bett noch ein Weilchen. Ja, ich glaube, das wäre ziemlich perfekt.

Nur ziemlich?

Zwischendurch dürfte dann noch der nächste Buchvertrag vom Verlag eintrudeln und vielleicht eine Anfrage für ein neues Projekt. 😉

 

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

So gut wie keine.

Nicht mal ein bisschen?

Natürlich vertritt manchmal eine meiner Figuren meine Meinung, aber die Geschichten selbst sind völlig frei erfunden, egal ob Kindergeschichte, Krimi oder historischer Roman. Dort stimmen nur die historischen Ereignisse.

 

 

Was ist dein Geheimrezept, um die Muse anzulocken und Schreibblockaden (große und kleine) zu überwinden?

Schreiben ist mein Beruf. Also sitze ich jeden Tag möglichst pünktlich um 8 am Schreibtisch oder auf das Schreibsofa und fange an. Ich glaube, meine Muse ist das so gewohnt, dass sie einfach nicht anders kann, als sich bei mir auf die Schulter zu setzen. Vielleicht liebt sie auch meinen Tee?

Entweder ist sie nach all den Jahren schon sehr gut eingespielt oder dein Tee lockt sie immer wieder an. Ich habe schon öfter gehört, sie soll sehr empfänglich für sinnliche Genüsse sein … Aber um zur Frage zurückzukommen, wie sieht es mit den sogenannten Schreibblockaden aus? Hast du da Tricks? 

Schreibblockaden kenne ich nicht. Wenn es bei einem Manuskript an einem Tag mal wirklich nicht gut läuft, setze ich mich an ein anderes. Ich habe meistens mehrere in petto.

 

 

Welchen Anteil hat das reine Schreiben im Autorenjob und was gehört noch dazu?

Ich schätze, dass das tatsächliche Schreiben höchstens etwa 50% meiner Tätigkeit ausmacht. Allerdings kann das phasenweise deutlich mehr oder weniger sein.

Was beinhaltet die anderen 50%?

Die restliche Zeit brauche ich für Recherche, Plotten/Figurenentwicklung, Korrespondenz mit den Verlagen (einschließlich Klappentexte, Werbetexte o.ä., lektorierte Texte überarbeiten, Druckdatei kontrollieren, Marketingfragen absprechen usw.)

Und deine Cover? Bist du da aktiv dran beteiligt oder lässt du dich überraschen?

Für meine Cover sorgen jeweils die Verlage (ich arbeite mit mehreren zusammen), oft nach einer Anregung von mir.

Wie eng ist dein Kontakt zu den Lesern?

Ich habe natürlich eine Homepage, bin privat und mit einer Autorinnen-Seite bei Facebook und bei Instagram, habe einige sehr gute Kontakte zu Bloggerinnen und habe schon Leserunden begleitet. Meinen Leserinnen und Lesern begegne ich meistens bei Lesungen, die müssen auch organisiert, vor- und nachbereitet werden.

Also alles in allem doch noch sehr viel Arbeit unabhängig vom eigentlichen Schreibprozess …

Außerdem bin ich Mitglied in mehreren Autorenvereinigungen (z.B. Mörderische Schwestern, Syndikat, Mystery People) und ehrenamtlich auch stellvertretende Vorsitzende im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in NRW. Ich nutze die Treffen nicht nur zum regelmäßigen Austausch mit anderen Schreibenden, sondern auch, um mich für die Belange der Autorinnen und Autoren einzusetzen, z.B. für das Urheberrecht oder für faire Verlage.

Das Schreiben ist wirklich ein großer Bestandteil deines Lebens …

 

 

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Beim Schreiben ist für mich wichtig, dass die Figuren lebendig werden, dass bei historischen Romanen die geschichtlichen Abläufe stimmen, dass die Sprache klar und stilistisch passend ist, dass die Grundstimmung positiv bis humorvoll ist – ja, und dass ich selbst Spaß daran habe, das Manuskript zu schreiben.

Klingt wirklich nach einem guten Buch, aber wenn du selbst eines liest, welche Kritierien sind in dem Fall für dich wichtig?

Es ist für mich nicht einfach, ein gutes Buch zum Lesen zu finden.

Weswegen?

Ich arbeite zeitweise auch noch als Lektorin, den kritischen Teil des Gehirns auszuschalten, fällt mir in solchen Phasen extrem schwer. Da hilft dann nur noch, in einer anderen Sprache zu lesen. Obwohl ich im Englischen auch immer wieder Fehler finde!

Das schränkt die Auswahl ziemlich ein …

Das Genre ist mir übrigens egal, ich lese fast alles und schreibe auch sehr Unterschiedliches. Womit ich am meisten Schwierigkeiten habe, sind Bücher mit vielen Fehlern (egal ob Rechtschreibung oder Sachfehler) und Geschichten, die sich für mein Empfinden zu lange hinziehen und in denen zu viel wiederholt wird. Schließlich sind Leserinnen und Leser normalerweise nicht blöde.

 

 

Welche Gefahren lauern im Alltag auf deine Manuskripte, was kann dich von deiner Geschichte trennen?

Ich bin sehr diszipliniert, aber natürlich kommt mir bei meiner Schreibplanung auch immer wieder etwas dazwischen. Krankheit (eigene oder in der Familie), persönliche Dinge, manchmal auch so Notwendiges wie die Steuererklärung oder ein Fragebogen von einem Leseportal 😉

Und dann kommt auch noch so eine, die einen mit Fragen löchert 🙂 tztztz

Oder auch so Banales wie der Haushalt. Ich versuche allerdings, das Geschirrspülen als meditative Tätigkeit zu betrachten und nicht als Prokrastination.

Eigentlich ziemlich clever. Einfach die Perspektive wechseln …

 

 

Und wenn du mal den Kopf freibekommen willst, womit beschäftigst du dich dann am Liebsten?

 Ich singe im Chor, ich stricke, häkle und nähe und ich arbeite auch noch einige Stunden pro Woche in einer Offenen Ganztagsgrundschule. Die Arbeit mit den Kindern ist die beste Möglichkeit, an ganz andere Dinge zu denken!

Bei all dem, was ich bereits von dir so gehört habe, wundere ich mich gerade, wie viele Stunden dein Tag hat 🙂 Aber wir machen lieber weiter im Text 🙂 

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

 Schwierig gibt’s nicht.

Sondern?

Wer mich ärgert, fliegt aus dem Manuskript oder wird zur Nebenfigur degradiert.

Puh, du bist ja mal strikt. Da überlegen sie es sich wahrscheinlich zweimal, ob sie dich ärgern 🙂

 

 

Wie groß ist dein SUM (Stapel ungeschriebener Manuskripte) und wie gehst du mit ihm um?

Mein SUM ist ein Ordner auf meinem Laptop und umfasst derzeit: drei historische Romane, einen alternativ-historischen Roman, ein Kinderbuch, ein Jugendbuch, einen Krimi, einen Fantasy-Roman und zig Kurzgeschichten.

Eine ordentliche Anzahl neuer Manuskripte warten in dem Fall schon auf dich …

Ich habe immer wieder neue Ideen, die ich notiere und so weit ausarbeite, wie sie mir spontan einfallen, dann lasse ich sie liegen. Manchmal wird tatsächlich irgendwann etwas gesucht, zu dem ich die Idee schon vor Jahren hatte. Oder die Idee wird so hartnäckig, dass ich sie bei nächster Gelegenheit weiterverfolge.

Wie geht es dann damit weiter?

Meistens schreibe ich das Manuskript erst, wenn ich einen Verlag dafür gefunden habe. Allerdings kommen immer mal kleine Aufträge z.B. für Kurzkrimis oder Kurzgeschichten dazwischen oder auch mal was Größeres wie kürzlich ein Kinderbuch, das ich mit einer Freundin/Kollegin geschrieben habe, so dass ich durchaus zeitweise an mehreren Manuskripten arbeite. Dabei hat normalerweise das Vorrang, das den frühesten Abgabetermin hat.

Verständlich. Und wie lange dauert ein Projekt bei dir in etwa?

Wie lange ich für ein Manuskript brauche, hängt natürlich von der Seitenzahl ab. Meistens ist vier Monate reine Schreibzeit (Recherche und Plotten ist dann schon fertig) eine gute Durchschnittszeit für einen Roman, sicherheitshalber versuche ich, sechs Monate einzuplanen. Echte Pausen lege ich zwischen den Projekten selten ein.

Fleißig, fleißig. Wenn man das ganze jetzt in Veröffentlichungen pro Jahr übersetzt, auf wie viele kommst du dann in etwa?

In den letzten Jahren sind meistens zwei bis drei Romane im Jahr und dazu einige Kurzgeschichten erschienen.

 

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Gelegentlich bin ich so tief in meiner Buchwelt, dass ich beim Schreiben laut lache oder auch mal weine. Und völlig überrascht bin über manche Wendungen, die die Handlung nimmt.

Du lässt dich also mitreißen. Gibt es ein direktes Beispiel, an dem du uns das verdeutlichen kannst?

In „Himmelsliebe“ hat sich bei einer Figur auch ein dunkles Geheimnis herausgestellt, das all meine Planungen überraschend vervollständigt hat. Wunderbar, wenn Bewusstsein und Unterbewusstsein zusammenarbeiten.

*verkneift sich einen Kommentar zu Freud oder Jung und macht weiter*

 

 

Wie definierst du Erfolg?

Ich halte nicht viel von Bestsellerlisten, ich glaube nicht, dass die anzeigen, wie viele Menschen ein Buch tatsächlich mögen.

Aber was ist mit Auszeichnungen oder anderen Ehrungen?

Natürlich freue ich mich über einen Preis – wer will nicht mit seiner Arbeit wahrgenommen werden? Noch mehr habe ich mich aber über die Leserinnen gefreut, die bei der Frankfurter Buchmesse zu meinem Meet&Greet kamen, um mich kennenzulernen oder zu interviewen. Manche hatten sogar extra Bücher von mir zum Signieren mitgebracht.

Und was ist für dich das schönste Feedback?

Das größte Kompliment ist für mich, wenn jemand sagt, er habe das Buch beim Lesen kaum aus der Hand legen können und nach einer Fortsetzung oder anderen Büchern von mir fragt. Oder mich zu einer Lesung einlädt.

 

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Liebst du deinen Beruf? 🙂

Das merkt man sofort. Liebe Gitta Edelmann, tausend Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mir all meine Fragen so geduldig und ausführlich zu beantworten. Es war wirklich unglaublich interessant und ich hoffe, wir können das irgendwann mal wiederholen – vielleicht sogar in Frankfurt. Deinem Roman wünsche ich für den weiteren Wettbewerb viel Erfolg.

 

Wenn ihr mehr über Gitta Edelmann und ihre Bücher erfahren wollt, schaut doch mal auf:

ihre Homepage

oder bei Instagram

 

 

Skoutz-Lesetipp:

Himmelsliebe – alternativ-historischer Kriminalroman von Gitta Edelmann

1880: Mit Kapitänin Alberta Lefort bricht das modernste Luftschiff Frankoallemanniens, die »Himmelsliebe«, auf, um die versunkene Insel Rungholt in der Nordsee zu finden, die reiche Schätze bergen soll. Doch zunehmend belasten Spannungen zwischen den Reisenden die Atmosphäre und technische Probleme lassen nur einen Schluss zu: Es gibt einen Saboteur an Bord. Als schließlich einer der Mitreisenden tot aufgefunden wird, muss Kapitänin Lefort nicht nur den Mord aufklären, sondern auch entscheiden, wem sie trauen kann …

Skoutz meint: Was wäre wenn … die Badische Revolution tatsächlich erfolgreich verlaufen wäre? Genau dieses Szenario spinnt die Autorin in ihrem spannenden Roman weiter und entwirft damit ein fiktionals Gesellschaftskonstrukt, das den folgenden Generationen viel Leid erspart hätte. Neben vielen technologischen Raffinessen  sorgen vor allem Spionage, Sabotage und ein Mord für die nötige Würze in dieser historischen Utopie. 

 

Wenn ihr diesen spannenden alternativ-historischen Krimi selbst entdecken wollt, könnt ihr euch den Roman in einem der diversen Buchshops oder direkt über diesen Affiliate-Link bei Amazon informieren.

Wer das Buch schon kennt, kann (und soll!) es auf Skoutz.net bewerten, damit  unsere Buchsuche besser werden kann (weiter).
Mit der Skoutz-Buchfieberkurve bewertet ihr mit fünf einfachen Klicks ein Buch anhand von fünf Kriterien statt fünf Sternen. Auf einen Blick seht ihr dann, wie das Buch wirklich ist. So schön kann Bücher suchen sein.

 

 

Hinweis:

“Badisches Wiegenlied” von Gitta Edelmann ist ein 378 Seiten langer, im Februar 2017 beim GMEINER Verlag erschienener Historienroman über Gefühle, einen “Radikalmörder” und all das vor revolutionärer Kulisse.

Gitta Edelmann konnte mit ihrem unglaublich eindrücklichen Historienroman “Badisches Wiegenlied” unsere Skoutz Jurorin Laura Gambrinus direkt überzeugen. Aus über 200 Titeln der History-Longlistergatterte sie sich einen der begehrten Midlist-Plätze und damit vielleicht die Chance auf den Skoutz Award 2018.

Die ausführliche Buchvorstellung zu diesem Midlist-Titel findet ihr hier.

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