zu Besuch bei Faye Hell

Auch die liebe Faye Hell ist eine der Autoren, die ich bereits besuchen durfte. Wer es noch nicht kennt, kann unser erstes Interview gern nachlesen. (Weiterlesen) Ich freu mich sehr, dass sie sich heute erneut Zeit nimmt, um mir wieder all meine Fragen zu beantworten … Was bin ich auch so neugierig 🙂 *tztztz*  Mal sehen, was ich diesmal alles aus ihr herauskitzeln kann und ob ich dabei vielleicht ein Geheimnis lüften kann. Es wird sicher sehr spannend …

 

zu Besuch bei Faye Hell, die sich nach einem erfolgreichen Schreibtag gern mal mit einem Gin belohnt …

 

In einem Wort: Was bedeutet für dich „Schreiben“?

Hingabe.

Ja, diese Leidenschaft merkt man deutlich …

 

 

Was ist der seltsamste Ort, an dem du je geschrieben hast?

Würdest du nach dem schönsten Ort fragen, würde ich antworten: am Fuße eines Gletschers in Alaska.

Wirklich beeindruckend. Das war sicher ein genialer Anblick … Und dennoch 🙂 Ich will das Ungewöhnliche aus dir herauskitzeln …

Der seltsamste … hmmm … okay, mir fällt doch was ein. Der seltsamste Schreibort war wohl das heruntergekommene Foyer eines wirklich abgewrackten Kinos in Whitehorse (Yukon Territory). Wenn jemand in Alaska nervt, sagen die Leute häufig: „Ah, take the bus to Whitehorse.“ Dann kannst du dir das Kino sicher vorstellen. *lach*

Ja, ich glaube, ich hab ein Bild vor Augen 🙂

 

 

Wie entstehen deine Geschichten?

Ich recherchiere sehr gern und auch immer sehr intensiv.

Wie sieht das aus?

Meine Romane spielen nicht nur genrebedingt zumindest teilweise in Amerika und die Ideen dazu nehme ich ebenso von meinen Amerikareisen mit nach Hause wie haufenweise Sekundärliteratur. Zum Beispiel habe ich mich für RIGOR MORTIS vor Ort mit Büchern über den Goldrausch eingedeckt. Außerdem habe ich etliche Bergwerke besucht und in Fairbanks eine Geisterjägerin getroffen, die mir sehr viel über die Legenden Alaskas erzählt hat. Versatzstücke dieser Legenden finden sich ebenso im Roman wie die Geisterjägerin selbst.

Klingt überaus spannend. Da verstehe ich, warum du von Spaß sprichst. Bist du ein Plotter oder legst du einfach los?

Ich arbeite sehr strukturiert. Da ich immer verschachtelte Geschichten erzähle – RIGOR MORTIS hat drei zeitliche Ebenen und vier Erzählstränge, die alle ineinandergreifen –, ist es auch gar nicht anders möglich. Natürlich lasse ich mich vom Moment mitreißen. Du kannst mir glauben, ich fühle jedes Wort, das ich schreibe, aber genau diese exakte Plan ermöglicht es mir, mich dann in der Szene richtig fallenzulassen.

 

 

„Es wird immer weniger gelesen“ – Wie reagierst du auf diesen Satz?

Indem ich antworte, dass ich mir das kaum vorstellen kann und ich hoffe, dass nicht weniger, sondern nur anders gelesen wird.

Das kann sein …

Dennoch versetzen mir diese Worte richtiggehend einen Stich im Herzen, denn eine Gesellschaft, die weniger liest, ist eine traurige Gesellschaft. Und ich meine traurig im emotionalen Sinne, denn wer weniger liest, dem bleiben zur Flucht nur noch die Träume. Und wer weiß, vielleicht träumen Menschen, die weniger lesen, auch weniger.

 

 

Wie stehst du zu Schreibregeln, die bestimmen, was der 1. Satz auf keinen Fall enthalten darf, welche Worte man verwenden soll und welche zu vermeiden sind, wie lang ein Satz sein darf, etc.?

Ich denke, dass Schreiben Magie, aber eben auch Handwerk ist.

Ein tolles Bild und dennoch sehr schwammig 🙂 Wie darf ich mir das genau vorstellen?

Von sehr verknappten Schreibregeln halte ich dennoch nicht wirklich viel, aber ich für meinen Teil finde es wichtig, die Grundlagen der Erzähltheorie zu verstehen und auch anzuwenden. Man würde einem Tischler auch nicht sagen: „Ach, bau dieses wundervolle Möbelstück einfach so, wie es dir gerade einfällt und du es fühlst.“ Wissen ist für mich die Basis freier Entfaltung, denn durch Unwissen werden der Fantasie oft normative/dramaturgische Grenzen gesetzt. Die besten Ideen können am „nicht wissen wie“ scheitern. Wenn ich weiß, wie ich es theoretisch bewerkstelligen kann, hält mich praktisch nichts mehr auf.

Das war jetzt wirklich ausführlich 🙂 Um noch mal auf die ersten Sätze zurückzukommen …

Aber ja, erste Sätze sind verdammt wichtig!

 

 

Welches Buch hat dich am meisten geprägt und warum?

Am nachdrücklichsten geprägt hat mich wohl das erste Buch, das mich restlos fasziniert und begeistert hat

Jetzt bin ich neugierig 🙂

Das war Stephen Kings „The Stand“. Ich war und bin immer noch besonders von den böse Figuren der fiktionalen Welt angetan und Randall Flagg hat mich derart in seinen Bann gezogen, dass ich heute noch spüren kann, wie mein Herz während des Lesens für ihn geschlagen hat.

Verliebt in den Antagonisten 🙂 *Kopfkino aus, sonst schweifst du wieder ab* Gibt es auch neuere Titel, die dich aktuell bewegen?

In den letzten Jahren hat mich Dan Simmons‘ Science Fiction Epos „Hyperion/Endymion“ nahezu um den Schlaf gebracht. 2800 Seiten und keine davon zu viel. Die komplexe Welt, die Simmons erschaffen hat, und die teils extremen Bilder haben sich auch bis an mein Ende in mein Leserhirn gebrannt. Das Shrike, eine vernichtende „Klingengottheit“, übt auf mich eine ebensolche Faszination aus wie Randall Flagg.

 

 

Wenn du für einen Tag in ein Buch reisen könntest, in welches würde es dich ziehen?

Ich hol mir mal einen Gin … die Frage ist schwieriger, als du denkst!

Okay, ich warte hier. Kannst du mir noch eine Tasse Kaffee mitbringen? *wartet, bis Faye wieder zurückkommt*

*stellt die Getränke ab und setzt sich wieder*

So, ich würde das eben erwähnte Buch „Hyperion“ wählen, denn ich möchte den lapislazulifarbenen Himmel betrachten, möchte über das Grasmeer reisen, meinen Geist vom Körper befreien und die fremden Planeten und die fremde Welt erleben. Und ja, ich möchte in die Kirche des Shrike eintreten und ich fürchte, das kann ich nur auf Hyperion. *zwinker*

 

 

Bist du ein mutiger Mensch? Wann hast du das letzte Mal was zum ersten Mal gemacht und was war das?

Ich bin ein unfassbar mutiger Mensch und ich mache täglich unzählige neue Dinge.

Das passt zu dir …

Nein, nicht wahr. Genau genommen bin ich ein eher ängstlicher und bedachter Mensch, der mit vielen Neurosen zu kämpfen hat, diesen Kampf aber Tag für Tag gewinnt.

Okay, das überrascht mich nun doch. Hast du mir eventuell ein Beispiel dafür?

Meine Reisen fordern mich immer sehr heraus und ich genieße und liebe diese Herausforderungen. Wer weiß, vielleicht bringe ich deshalb meine Ideen immer von meinen Reisen mit?

Gut möglich 🙂 Und wann war dein letztes erstes Mal?

Tatsächlich habe ich erst gestern etwas zum ersten Mal gemacht, das mir wirklich viel abverlangt hat.

Du verstehst es, meine Neugier in ungeahnte Höhen zu treiben …

Ich habe mit dem Wiener Aktionisten und Fotografen Helmut Wolech Fotos gemacht, die als Werbung für mein nächstes VIRUS Sachbuch fungieren werden. Keine Autorenporträts, sondern wirklich krasse Bilder mit hohem Provokationsfaktor und künstlerischem Anspruch.

 

 

Für welches Produkt würdest du als Testimonial Werbung machen? Warum?

Richtig geile Frage!

Danke *rotwerd* Und?

Für Katzenfutter! Für richtig gutes und gesundes Katzenfutter, da ich selbst ein absoluter Katzennarr bin und das auch wirklich alle Leute wissen, die mich kennen.

Ich sag nur “Schnurr from Hell” 😉

 

 

Was machst du, wenn du eine Nacht im Kaufhaus eingeschlossen wärst?

Nicht an George R. Romero denken. *lach*

Was machst du dann?

Ich lasse mich bei Ikea einsperren und schlaf mich durch den Matratzenausstellungsbereich. Danach futtere ich alle Fleischbällchen, die nur irgendwie Platz haben. Zum Abschluss vergrabe ich mich zwischen den Plüschtieren und esse Mandelkuchen.

Ich dachte, du bist voll vor lauter Fleischbällchen?

Das Süße kommt ja in einen Extramagen, das hat immer noch Platz.

 

 

Was ist der erste Gedanke nach dem Aufstehen? Was machst du in der ersten Stunde nach dem Aufstehen?

Lilli! Ich muss Lilli kuscheln! Und noch wichtiger: Füttern!!!

*hebt fragend eine Augenbraue*

Zur Information: Lilli ist meine Katze. Wer eine Katze hat, der hat morgens sicher den gleichen ersten Gedanken wie ich, dafür sorgen unsere felligen Herrscher schon.

Wenn Lilli glücklich ist, wie geht es dann weiter?

Ich bin tatsächlich einer von diesen grauenvollen Morgenmenschen, die niemand leiden kann und ich stehe sogar dann gern früh auf, wenn ich eigentlich lange schlafen könnte. Ich lieb es, wenn es hell wird und ich morgens viel Zeit dazu habe, langsam ein ausgiebiges Frühstück zu essen und völlig entschleunigt ins Narrenkastl zu schauen. Falls man das in Deutschland nicht kennt: Luftschlösser bauen.

 

 

Welche Superkraft hättest du gerne?

Ich hab es nicht so sehr mit Superhelden. Das ist total Mister Hells Ding und man will sich ja nicht in die Quere kommen. *grins*

Du musst ja nichts mit denen haben 😉 Es geht ja nur um eine besondere Fähigkeit, die du dir aussuchen würdest …

Also, ich weiß nicht, ob Zeitreisen als Superkraft durchgehen, aber als Historikerin gäbe es für mich nichts Großartigeres.

 

 

Welcher Irrtum kursiert über dich?

Die deutsche Autorin … ich bin nicht aus Deutschland. Ich bin Österreicherin.

Stimmt 🙂

Und wenn ich schon dabei bin: Ja, ich achte IMMER auf starke Frauenrollen, aber meine Bücher sind keineswegs nur für Frauen geschrieben. Auch Männer sollten mit starken Frauen klarkommen, nicht nur im fiktionalen Bereich.

 

 

Was würdest du deinem 10 Jahre jüngeren Ich raten?

Nicht jeder, der behauptet ein Freund zu sein, ist auch tatsächlich ein Freund. Wähle deine Freunde mit Bedacht und widme deiner Familie mehr Zeit.

Und bevor ich dich wieder verlasse …

 

Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Wie jetzt? Ich soll einen Roman schreiben?! *grins*

Okay, zentral:

Bekommt es endlich in eure Köpfe, dass Frauen Menschen sind. Ich habe es satt, dass permanent mit zweierlei Maß gemessen wird und Frauen oftmals doppelt so viel leisten müssen wie Männer, um die gleiche Anerkennung zu erfahren.

Jap, deshalb ist meine Göttin auch weiblich.

Ein schönes Schlusswort 🙂

Danke, dass du dieses Interview mit mir geführt hast. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Und tausend Dank für die unverzichtbare Arbeit, die ihr für die Literaturszene leistet. Eulenpower!

Liebe Faye Hell, es hat mir auch sehr viel Freude gemacht, dich erneut zu treffen und ich wünsche deinem Buch viel Erfolg für den weiteren Wettbewerb. Es würde mich freuen, wenn wir uns bald wiedersehen – vielleicht ja sogar in Frankfurt zur Verleihung des Skoutz-Awards.

 

Mehr über Faye Hell und ihre Bücher findet ihr auf:

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Skoutz-Lesetipp: Rednecks – Horror-Spektakel von M.H. Steinmetz und Faye Hell

Aus meinen toten, leeren Augenhöhlen werden keine Skorpione kriechen …

Eine Bande knallharter Redneck-Biker plant den ganz großen Deal mit einem mexikanischen Kartell. Da kommt ihnen der verwahrloste Trailerpark ›Grab the Pussy‹ gerade recht. Abgelegen, inmitten der glühend heißen Wüste New Mexicos, schert sich kein Schwein darum, was dort geschieht. Abgesehen von den Freiern, die bei den Porno Pussys zum schnellen Schuss kommen.
Es dauert nicht lange, bis sich Pussys und Biker nicht nur in der Horizontalen in die Quere kommen. Doch da ist noch mehr, was zwischen den wurmstichigen Trailern lauert. Eine finstere Macht, uralt und göttlich, wartet darauf, entfesselt zu werden …

Wenn sich der Himmel über der Wüste New Mexicos verfinstert, ist sie nicht mehr weit…

Skoutz meint: Die beiden Autoren haben ein extrem krasses Buch geschrieben, wobei beide Stile sehr gut harmonieren. Wobei Harmonie in diesem Fall nicht wirklich zur Story passt, denn die ist mit den vielen detailreichen Tötungs-, Folter- und Sexszenen wirklich nichts für zartbesaitete Leser. Horror-Fans kommen bei den beiden aber absolut auf ihre Kosten und werden den geilen Ritt mit all seinen Facetten lieben. 

 

 

Hinweis:

Faye Hell war letztes Jahr zusammen mit Michael Barth, dem Dungeon-Master unserer Jury, im Finale um den Horror-Skoutz und auch in diesem Jahr will sie es wieder wissen.

Mit Rigor Mortis legt sie ein perfides Zeitreise-Rätsel vor, dass den tatsächlichen wie auch den paranormalen Horror aus dem Alaska der Goldrauschzeit in die Gegenwart holt und in mehr als einer Hinsicht den Leser überrascht. Kein Wunder, dass das beim Papierverzierer-Verlag erschienene Buch aus der Longlist Horror direkt auf die Midlist Horror 2019 geistert.

Mehr Details findet ihr wie immer in der ausführlichen Buchvorstellung. (Weiterlesen)

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