zu Besuch bei Michael Barth

Heute bin ich wieder on Tour, diesmal bei unserem diesjährigen Horror-Juroren Michael Barth. Nachdem ich bei unserem ersten Interview recht aufgeregt war, weil ich nicht wusste, was mich erwartet, freue ich mich heute umso mehr, ihn wiederzusehen. Mit neuen Fragen und einer Reihe Bestechungsleckereien “bewaffnet”, werde ich versuchen, ihm auf den Zahn zu fühlen und vielleicht sogar das ein oder andere Geheimnis herauslocken …

Doch seht selbst:

 

zu Besuch bei Michael Bart, der mit “GEIST” die Horror-Krone 2018 holte …

 

In einem Wort: Was bedeutet für dich „Schreiben“?

Selbstverwirklichung

Wahrlich eine schöne Bedeutung …

 

Was ist der seltsamste Ort, an dem du je geschrieben hast?

Ja also wie sage ich es am besten?

Frei raus? Direkt? Bitte nicht auf Chinesisch … 🙂

Tatsächlich war das auf dem Klo.

Sehr außergewöhnlich … wobei …

Ein Ort der Ruhe, ein Zuflucht und der Inbegriff der Entspannung! MUHAHAHA

*die Nackenhaare stellen sich auf und sie schaut dezent, ob die Verteidigungssalami dabei ist, falls Ethan Kink auftaucht*

 

 

Wie entstehen deine Geschichten?  

Zunächst mal im Kopf, ausgelöst von irgendwas, das ich sehe oder höre.

So eine Art Initialzündung …

Was da dann zum Leben erwacht, ist aber nur eine Grundidee, die Pfeiler eines Grundgerüstes. Sobald ich anfange zu schreiben, entwickeln die Charaktere ein manchmal geradezu unheimliches Eigenleben und machen mit mir was sie wollen.

*lacht* Tztztz, die tanzen dir also auf der Nase rum … Aber zurück zum Thema. Wann schreibst du am liebsten?

Am liebsten Morgens, wenn die Kinder in der Schule, bzw. auf der Arbeit sind.

Und wie läuft das ab? Strukturiert oder kreativ einfach drauf los?

Manchmal plotte ich, aber meistens habe ich nur besagte Grundpfeiler und lasse einfach alles geschehen. Ich finde es relativ langweilig, wenn ich vorher schon weiß, wie eine meiner Geschichten ausgeht. Kam auch erst zwei oder dreimal vor. Wenn ich durch bin, überarbeite ich das ganze noch einmal, dann geht es an meine Frau und Lektorin. Nach ihrem ersten Durchgang geht es an unsere Testleser, dann macht meine Frau noch zwei Durchgänge.

 

 

„Es wird immer weniger gelesen“  – Wie reagierst du auf diesen Satz?

Gar nicht.

Warum?

Höre ich zum ersten Mal.

 

 

Wie stehst du zu Schreibregeln, die bestimmen, was der 1. Satz auf keinen Fall enthalten darf, welche Worte man verwenden soll und welche zu vermeiden sind, wie lang ein Satz sein darf, etc.?

Ganz ehrlich?

Ja, bitte 🙂

Regeln und Normen haben mich schon immer in Kämpferlaune gebracht.

Ohhh, das klingt spannend. Was bedeutet das genau?

Ich bin ein Mensch, der gerne und oft gegen den Strom schwimmt. Also zumindest wenn mir Regeln dumm und/ oder nutzlos erscheinen. Sollen alle gleich schreiben? Schreiben ist eine Kunstform – Kunst und Regeln passen nicht wirklich gut zusammen. Da wäre uns in der Geschichte doch so einiges entgangen, wenn niemand gegen Regeln verstoßen würde.

Sehr wahrscheinlich 🙂

 

 

Welches Buch hat dich am meisten geprägt und warum?

Geprägt?

Ja, steht hier …

Na dann muss ich wohl auf meine spirituelle Phase zurückgreifen und sagen: »Gespräche mit Gott« von Neale Donald Walsch, denn danach hat sich mein Leben komplett verändert.

Interessant. Damit hätte ich wahrlich nicht gerechnet. Und inwiefern?

Es hat mich quasi aufgeweckt. Vielleicht noch »Die Prophezeiungen von Celstine«, auch spirituell – aber in eine spannende Story verpackt.

 

 

Wenn du für einen Tag in ein Buch reisen könntest, in welches würde es dich ziehen?

HARRY POTTER!!!

*grinst* Ein Potterhead, sehr sympathisch!

Magie ist einfach …

Na?

… ja magisch! 🙂

 

 

Bist du ein mutiger Mensch? Wann hast du das letzte Mal was zum ersten Mal gemacht und was war das?

Ich finde mich nicht besonders mutig. Aber im letzten Jahr habe ich mir mit 48 Jahren das erste Tattoo stechen lassen, obwohl ich etwas Fracksausen davor hatte.

Ziemlich cool und auch sehr mutig. Mut ist ja irgendwie immer relativ und kann ganz unterschiedlich sein.

 

 

Für welches Produkt würdest du als Testimonial Werbung machen? Warum?

Das würde ich nur für Dinge machen, bei denen ich auch 100% dahinterstehe.

Kann ich sehr gut verstehen. Bei dir wäre das?

Ich würde zum Beispiel Werbung für Papyrus machen, oder für Adobe. Solche Sachen. Oder für Wodka! Hahahaha

 

 

Was machst du, wenn du eine Nacht im Kaufhaus eingeschlossen wärst?

Kommt drauf an.

Auf was?

Gibt es hübsche Schaufensterpuppen? hehehe, nein im Ernst: Vermutlich würde ich eine Zock-Nacht machen und mir die neusten Games mal anschauen. Oder eine Party mit den teuersten Getränken veranstalten.

 

 

 

Was ist der erste Gedanke nach dem Aufstehen? Was machst du in der ersten Stunde nach dem Aufstehen?

Zu wirklichen Gedanken bin ich Morgen nicht fähig. Wenn überhaupt dann: »Kippe, Klo, Dusche, Frühstück«

Herrlich ehrlich 🙂

 

 

Welche Superkraft hättest du gerne?

Selbstheilungskräfte wie Wolverine

Ich dachte bei Wolverine zuerst an die Klingen … Aber egal 🙂

 

 

Welcher Irrtum kursiert über dich?

Woher soll ich das wissen?

Ja was weiß ich? Klatschpresse oder Internetforen … 

Mir ist eigentlich ziemlich egal, was man über mich denkt oder redet.

Das geht dir so komplett am … vorbei?

Mir ist wichtiger, was man über das sagt oder denkt, was ich tue, also meine Bücher.

 

 

Was würdest du deinem 10 Jahre jüngeren Ich raten?

»Hör auf, so viel zu fressen und bewege dich mehr!«

 

Als Horror- und Psychothriller-Autor spielst du mit den Ängsten deiner Leser. Bevor ich dir gleich die letzte Frage stelle, wüsste ich noch gern von dir, was war das verstörendste Erlebnis in deinem Leben?

Okay, da muss ich nicht lange überlegen. Und das ist leider wirklich keine schöne Erinnerung und eine sehr persönliche, aber ich erzähle sie trotzdem:
Es war der Moment, als mein Stiefvater auf der Straße umgekippt und vor meinen Augen gestorben ist. Ich hatte schon einige aus meiner Familie verloren, aber dem Tod noch nie direkt ins Antlitz geschaut. Und dieser Blick wärte ziemlich lange. Nachdem die Rettungssanitäter nichts mehr tun konnten, lag mein Stiefvater noch ewig lange auf dem Bürgersteig, schräg gegenüber meiner damaligen Wohnung. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Leichenwagen endlich kam. Neben der Anwesenheit des Todes, war es für mich wirklich schlimm, meine Mutter leiden zu sehen. Dieser Tag hatte sie so sehr mitgenommen, dass die Folgen uns noch Jahre zusetzten. Mir blieb nichts anderes übrig, als stark zu bleiben, denn außer mir hatte sie niemanden mehr und brauchte meine Hilfe. Das war eine wirklich schwere Zeit für mich.

Das kann ich mir gut vorstellen. Es tut mir unendlich leid, dass du das erleben musstest und danke dir, dass du mir davon erzählt hast.

 

Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Lasst euch nicht von Leuten, die das Träumen verlernt haben sagen, was ihr tun könnt, und was nicht. Tut im Leben, was immer ihr wollt, solange ihr keinem anderen Schaden damit zufügt!

Wirklich eine tolle Botschaft. Tausend Dank, lieber Michael Barth, dass du dir die Zeit genommen hast, mich zu empfangen und mit mir zu plaudern. Wir sind schon sehr neugierig, welche Titel du auf die diesjährige Horror-Midlist wählen wirst. 

 

Hier könnt ihr Michael Barth erreichen:

 

Skoutz-Lesetipp:

Jesper – emotionaler Psychothriller von Michael Barth

Manchmal ist die Wahrheit furchtbarer als die Legenden, die daraus entstehen. Eine dieser Legenden berichtet von Hans Ortmann, dessen Geist den beschaulichen Urlaubsort Schausende an der Ostsee nie verlassen haben soll. Im Laufe der Jahre verschwanden immer wieder Frauen auf unerklärliche Weise, nachdem sie sich seinem alten Haus am Waldrand genähert hatten.

Der Regisseur Gregor Rott verbringt mit seiner Frau Melanie und Hündin Luna seinen Winterurlaub in dem kleinen Ferienort. Er ist stets auf der Jagd nach besonders mysteriösen Drehorten und begibt sich, von Abenteuerlust und Neugierde gepackt und entgegen aller Warnungen, auf Ortmanns Spuren.
Was so harmlos beginnt, wird zum Albtraum, als seine Frau plötzlich verschwindet. Da ihm nicht einmal die Polizei glaubt, versucht er selbst, die dunkle Vergangenheit des unheimlichen Hauses zu ergründen. Schließlich offenbart sich ihm eine grausige Wahrheit, die nie ans Licht kommen sollte.

Skoutz meint: Auch mit diesem Psychothriller geht uns Michael Barth wieder unter die Haut. Sehr stimmungsvoll erzählt er eine Geschichte auf zwei Zeitebenen, wobei erst zum Schluss aufgelöst wird, wie das alles zusammengehört. Mit jeder Seite nimmt einen die Story mehr ein und man erlebt regelrecht eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Man fiebert mit, ist wütend, hat Mitgefühl. Sie viel geht einem beim Lesen durch den Kopf. Ein Buch, das auf jeden Fall unter die Haut geht und einem unglaublich intensive Lesestunden beschert.

 

 

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