zu Besuch bei Elena MacKenzie

Heute habe ich mich aufgemacht, um die charmante Thriller- und Romance-Autorin Elena MacKenzie zu treffen. Auch wenn ich sie schon ein paar Mal auf Buchmessen treffen und kennenlernen durfte, bin ich doch neugierig, was sie mir so alles erzählen wird. Vielleicht schaffe ich es ja, ihr ein paar neue Geheimnisse zu entlocken …

 

zu Besuch bei Elena MacKenzie, die sich mit Bücherschreiben einen Lebenstraum erfüllt …

 

Beschreibe dich in einem Wort!

Zielstrebig.

Oh, da bin ich ja mal gespannt, in welchen Bereichen sich das überall finden lässt 🙂

 

Strukturierter Planschreiber, Bandenmitglied oder kreativer Chaot – was ist dein Schreib-Erfolgs-Konzept?

Ich bin Planschreiber.

Was genau darf ich darunter verstehen?

Angefangen habe ich mit der Schneeflockenmethode.

Für alle, die diese Methode nicht kennen: Die Gesamtidee in einem Satz als roter Faden, aus dem man in einem 10-Punkte-Programm dann die gesamte Geschichte entwickelt.

Genau. Mittlerweile überspringe ich einige Stufen dieser Methode und habe meine eigenen Schritte entwickelt. Aber im Großen und Ganzen plane ich noch immer jede einzelne Szene im Voraus, arbeite die Figuren mit ihren Eigenschaften und Hintergründen aus und recherchiere im Vorfeld alles, was ich für die Story benötige.

Das nenne ich wirklich sehr strukturiert, klingt aber auch so, als wäre dieses Konzept sehr vielversprechend. 

Trotzdem habe ich auch einen Schreibbuddy, der mir hilft, wenn ich mal nicht weiterkomme. Dann hilft es mir schon, wenn ich mit meiner Freundin darüber rede. Und während ich über meine Probleme rede, fällt mir dann schon allein dadurch die Lösung ein.

 

Welche Taste ist die am meisten abgenutzte auf deinem PC?

 Ich habe mein Laptop jetzt schon ein paar Jahre, aber bisher ist noch keine Taste abgenutzt.

Du siehst mich beeindruckt. Schwebst du über die Tasten? Mein Laptop ist noch kein Jahr alt und … Okay, ich bin wohl eher keine Samtpfote 🙂

Aber wenn, dann müsste das wohl die Delete-Taste sein, weil ich mich oft vertippe oder mir überlege, einen Satz doch anders zu schreiben, als ursprünglich geplant.

 

Wenn eine Fee dir einen perfekten Autorentag anböte, wie sähe der aus?

Ich wäre in einer Blockhütte, irgendwo mitten in den Bergen. Um mich herum wilde Natur und ein Bergsee, der in der Frühlingssonne schimmert. Ich würde meinen Tag mit einer Tasse Kaffee auf der kleinen Terrasse beginnen, den Vögeln zuhören und die frische Bergluft genießen. Dann würde ich meine alte Schreibmaschine rausholen und schreiben.

Ich sehe das Bild förmlich vor mir *seufz*. Echt schön und ich kann das typische Schreibmaschinengeklapper auch schön hören …

Zwischendrin würde ich ein Buch lesen und dann wieder weiterschreiben.

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Ein wenig.

Jetzt bin ich aber neugierig 🙂

In Pretty Lies 1 z.B. leidet die Protagonistin an Panikattacken. Ich habe einige Jahre sehr stark mit Panikattacken zu kämpfen gehabt. So schlimm, dass ich nicht einmal mehr zum Einkaufen das Haus verlassen konnte.

Oh, das war sicher sehr belastend für dich …

Mittlerweile habe ich das gut im Griff, aber ich denke, ganz werden diese Ängste nie verschwinden. Sie sind immer da und lauern unter der Oberfläche. In The Air We Breathe leidet eine Figur an Schizophrenie, genau wie mein Bruder.

Du verarbeitest also deine eigenen Erfahrungen. Das macht eine Geschichte immer sehr authentisch und lebendig.

 

Was ist dein Geheimrezept, um die Muse anzulocken und Schreibblockaden (große und kleine) zu überwinden?

Eigentlich habe ich nicht wirklich ein Geheimrezept.

Sondern?

Manchmal ist es nur der innere Schweinehund, der mich davon abhält, zu arbeiten. Den gilt es zu überwinden. Das schaffe ich mal ganz gut und mal nicht so gut. Am besten hilft mir aber eine drohende Deadline.

 

Welchen Anteil hat das reine Schreiben im Autorenjob und was gehört noch dazu?

Das unterscheidet sich von Autor zu Autor und Buch zu Buch wahrscheinlich stark.

Das stimmt … Wie ist das bei dir?

Für Luxury habe ich sehr viel recherchieren müssen. Ich habe herausfinden müssen, welche Kleidung in den verschiedenen Jahrzehnten getragen wurde, wie die Frauen sich geschminkt haben und ihre Frisuren gemacht haben, die ja teilweise sehr aufwendig waren in den 20er und 30er Jahren. Bei einem Buch wie Luxury verschlingt die Recherche deutlich mehr Zeit als das Schreiben selbst. Geschrieben habe ich an Luxury etwa 2 Monate, recherchiert habe ich gut vier Monate. Ein Buch, in dem wenig Recherche steckt ist z.B. Highland Secrets 1. Hier musste ich nur die Schauplätze recherchieren. Mit Schreibzeit habe ich nur 2 Monate am Buch gearbeitet.

Also variiert das von Buch zu Buch …

Auch das Marketing fällt bei jedem Buch unterschiedlich aus. Hier war Luxury wieder das Buch mit dem aufwendigsten Marketing. Ich habe im Vorfeld verschiedene Karten drucken lassen, Kalender, Karten mit Losnummern und ein sehr großes und umfangreiches Gewinnspiel veranstaltet. Ich habe an 200 Stammleser Briefe geschickt, die gefüllt waren mit Stiften, Postkarten, Haarnetzen und einigem mehr, um die Leser auf das Thema Burlesque einzustimmen.

Wow, da hast du dir wirklich viele Gedanken zu gemacht. Ist das immer so?

Bei den meisten anderen Büchern mache ich so gut wie gar kein Marketing, außer auf Facebook.

Und wie sieht es mit Covern aus? Machst du die selbst oder lässt du sie machen?

Die meisten meiner Cover erstelle ich allein, ein paar hat meine Kollegin Nadine Kapp gezaubert.

 

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Ich muss das Gefühl haben, dass der Autor mich mitnimmt auf eine Reise. Ich liebe gut recherchierte Bücher, die dem Leser das Gefühl verleihen, sie wären an dem Ort, an dem die Geschichte spielt, zusammen mit Figuren, die gut ausgearbeitet sind und nicht nur oberflächlich. Die Figuren müssen interessant sein.

Versteh ich absolut … Sie müssen Ecken und Kanten haben, real wirken …

Ich finde es zum Beispiel toll, wenn eine Figur einen Beruf ausübt, über den ich im Vorfeld nicht viel weiß, aber wenn ich das Buch gelesen habe sehr viel über diesen Beruf erfahren habe.

Kurz gesagt, du magst es, wenn du noch etwas lernen und mitnehmen kannst …

Das gleiche gilt für Schauplätze. Wenn ein Buch gut geschrieben ist, dann gelingt es ihm auch meinen inneren Lektor auszuschalten, weil die Geschichte so spannend ist, dass ich über kleinere Fehler locker hinweglesen kann.

 

Welche Gefahren lauern im Alltag auf deine Manuskripte, was kann dich von deiner Geschichte trennen?

Das ist eindeutig Facebook.

Der Herr Zuckerberg wieder. Ja, Facebook ist ein wahrer Zeitkiller 🙂

Manchmal brauche ich enorm viel Kraft, um mich von Facebook zu trennen, selbst dann, wenn ich die meisten Beiträge in der Timeline schon gelesen habe. Ich nehme mir oft vor, erst ab einer bestimmten Uhrzeit Facebook einzuschalten und dann auch nur für ein paar Minuten, aber meistens halte ich mich nicht an meine eigenen Auflagen.

Das ist dein Zielstrebigkeits-Kryptonit 😉

 

Und wenn du mal den Kopf freibekommen willst, womit beschäftigst du dich dann am Liebsten?

Shoppen oder im Garten arbeiten. Shoppen endet meist damit, dass meine Tochter noch mehr Klamotten im Schrank hat, die sie gar nicht braucht. Und ich habe noch mehr Bücher auf meinen ohnehin schon enormen SUB.

*lach* Das kenne ich 🙂 Also lieber im Garten arbeiten …

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Eigentlich fällt mir da keine Figur ein, weil ich sie alle ganz gern mag.

So gar keine? Alles super?

Jede einzelne Figur hat etwas Besonderes an sich. Vielleicht bin ich da wie eine Erzieherin? Eine der ersten Regeln in meiner Ausbildung zur Kinderpflegerin war, wir sollten alle Kinder unserer Gruppe gleich behandeln und gleich lieben. Egal wie schwierig sie sind. Das war ein Punkt, der mir immer sehr wichtig war, solange ich im Kindergarten tätig war. Kinder sind Kinder, das eine ist so, das andere so, aber kein Kind ist ohne Grund schwieriger als das andere. Und so halte ich das wohl auch mit meinen Figuren.

Guter Tipp 🙂 Scheint zu funktionieren …

 

Wie groß ist dein SUM (Stapel ungeschriebener Manuskripte) und wie gehst du mit ihm um?

Der ist wirklich groß.

Groß ist relativ 😉 

Ich habe einen Ordner, der enthält derzeit 28 grob ausgearbeitete Plots. Wenn mir eine Idee zu einem Buch einfällt, dann kann ich nicht anders, ich schreibe dazu sofort einen groben Plot von ungefähr 3-5 A4-Seiten.

Nach dem Schneeflocken-Prinzip müsste doch ein Satz zu Beginn reichen … Aber ich schweife ab … Bitte entschuldige …

Wahrscheinlich werden einige dieser Ideen nie ein Buch werden, weil ständig neue dazukommen und ich so viel gar nicht schreiben kann.

Schreibst du aus Zeitgründen schon mal parallel oder immer eines nach dem anderen?

Ich schreibe ein Projekt nach dem anderen, meistens ist es dann aber doch so, dass ich zumindest mehrere Romananfänge auf dem Laptop offen habe, die darauf warten, weitergeschrieben zu werden. Diese Anfänge sind aber meist nur etwa 10 Seiten lang. Und viele dieser Anfänge werden auch ewig nur Anfänge bleiben.

Das klingt aber so, als würdest du sie, auch wenn es lange dauert, doch irgendwann forsetzen …

Wenn es nach meinen Wünschen gehen würde, würde ich im Monat 1 Buch veröffentlichen, aber das werde ich nie schaffen. Ich bin kein Schnellschreiber. Ich arbeite lieber länger an einem Projekt, weil ich denke, dass auch ein Buch eine gewisse Zeit braucht, um zu reifen.

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Das war bei Tesarenland, das ich unter dem Pseudonym Savannah Davis geschrieben habe. Ich habe dieses Buch in nur 3 Monaten geschrieben.

Das ist wirklich flott.

Damals war meine Mutter ganz plötzlich verstorben und ich brauchte etwas, das mich aus diesem Loch rausholt. Der plötzliche Tod meiner Mutter hat bei mir die Panikattacken wieder hochgeholt und irgendwie musste ich da wieder raus, für meine Kinder. Also habe ich mich hingesetzt und wie wahnsinnig an diesem Buch gearbeitet, nur um mich nicht mit dem Tod meiner Mutter beschäftigen zu müssen. Und dann kam ich an die Stelle im Buch, in der die Mutter der Protagonistin stirbt. Ich habe wochenlang den Tod meiner eigenen Mutter so sehr verdrängt, dass ich zusammengebrochen bin, als ich diese Szene geschrieben habe.

Das war sicher sehr emotional. Ein Buch als eine Art Therapie ist wirklich toll und es hat dir wohl geholfen. Danke, dass du diese Erinnerung mit uns teilst …

Wie definierst du Erfolg?

Für mich ist es Erfolg, wenn Leser mich anschreiben und mir erzählen, was mein Buch in ihnen ausgelöst hat. Was sie empfunden haben beim Lesen, dass sie ein Buch nicht mehr aus der Hand legen konnten und die ganze Nacht gelesen haben. Eine Leserin schrieb mir mal, sie hätte am nächsten Tag eigentlich eine Abschlussprüfung gehabt, konnte aber nicht aufhören zu lesen, um zu lernen.

Das Feedback der Leser ist bestimmt die schönste Form des Lobes. Was ist aber mit Verkaufsrankings, Bestsellerlisten?

Ich freue mich über ein gutes Ranking. Besonders bei Amazon ist ein gutes Ranking wichtig, um von Kunden gesehen zu werden. Aber ich habe auch ein gespaltenes Verhältnis zu Bestsellerlisten, weil es sehr viele Bücher gibt, die sehr gut sind, aber niemals auf einer solchen Liste landen werden, weil die Verlage ihr Marketingbudget lieber in andere nicht so gute Bücher stecken.

Das ist wirklich schade. Und wie stehst du zu Auszeichnungen und Preise?

Literaturpreise finde ich wichtig, sie können Autoren fördern und Literatur ins Bewusstsein des Publikums rücken. Wie jede Art von Kunst, sollte auch Literatur gefördert werden.

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Werden wir in Zukunft noch mehr Bücher von dir zu lesen bekommen?

Das hoffen wir doch sehr! Liebe Elena MacKenzie, es war mir ein Vergnügen, dich mal wiederzusehen und mit dir so nett zu plaudern. Vielen Dank für die Zeit, die du dir für mich genommen hast, um mir geduldig alle meine Fragen zu beantworten. Ich hoffe, dass wir ganz bald wieder treffen werden – vielleicht ja in Frankfurt zur Verleihung des Awards. Deinem Thriller wünsche ich für den weiteren Wettbewerb viel Erfolg.

 

Wenn ihr mehr über Elena MacKenzie lesen wollt, dann schaut doch mal:

 

 

Skoutz-Lesetipp:

The Air We Breathe – gefühlvolle New Adult Romane von Elena MacKenzie

Nach einer unschönen Ehe kauft sich Tessa Carmichael eine kleine Farm und lebt dort recht zurückgezogen am Rande einer Kleinstadt. Eines Abends steht ein Soldat vor ihrer Tür und behauptet, diese Farm würde ihm gehören. Liam Thompson hat nicht ganz Unrecht, Tessa kennt sein Gesicht aus dem Fernsehen. Er ist der Soldat, der fünf Jahre lang ein Gefangener von Terroristen war. Alle hatten ihn für tot gehalten und so wurde die Farm nach dem Tod seiner Großmutter an Tessa verkauft. Liam sieht so müde aus, dass Tessa ihn nicht einfach wegschicken will, sie lässt ihn in ihr Haus. Für eine Nacht. Doch aus einer Nacht werden viele und Tessa und Liam kommen sich langsam immer näher, bis sie beide von ihrer Vergangenheit eingeholt werden.

Skoutz meint: Eine spannende und sehr tiefgründige Story, die nicht nur direkt ins Herz geht, sondern auch zum Nachdenken anregt. Humorvolle und prickelnde Zwischentöne begeistern ihre ebenso wie die Rezepte, die sie immer wieder einstreut. Die Blogstory von einst zieht als Roman nun ihre Leser in den Bann. Einmal angefangen, kann man dieses Buch kaum aus der Hand legen.

 

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Hinweis:

“30 Stunden” von Elena MacKenzie ist ein 206 Seiten starker, im November 2017 bei Edition M erschienener Thriller, in dem eine FBI-Agentin versucht, ein kleines Mädchen zu retten. Doch nicht nur die Zeit ist dabei ein erbitterter Gegner, auch die eigenen Erinnerungen setzen ihr dabei enorm zu.

Elena MacKenzie konnte mit ihrem “30 Stunden” unsere Skoutz Jurorin May B. Aweley überzeugen. Aus über 300 Titeln der Crime-Longlist ergatterte sie einen der begehrten Midlist-Plätze und damit vielleicht die Chance auf den Skoutz Award 2018.

Wir waren natürlich neugierig, haben 30 Stunden längst gelesen und euch hier vorgestellt.

 

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