Wiki: Leserunde

Wer sich in Buchgruppen und anderweitig unter Lesern herumtreibt, begegnet früher oder später unweigerlich einer Leserunde. Während schnell klar ist, dass damit nicht ein gemütlicher Ausflug in ein Buch gemeint ist (so wie andere eine Runde Laufen gehen), bleibt die tatsächliche Bedeutung oft hinter genervtem Augenrollen der Eingeweihten verborgen.

Für alle, die sich fragen, was damit gemeint ist, das aber nicht laut zugeben wollen, haben wir uns das mal genauer angesehen.

Leserunde kompakt

Leserunden sind ein wichtiges Element des Social Reading. Für alle, die nur zu faul waren, auf den Link zu klicken, sei gesagt, dass damit alles gemeint ist, was das eher höchstpersönliche Vergnügen des Lesens zu einem Gruppenerlebnis macht. Zum Beispiel die Idee, gemeinsam ein Buch zu lesen und dann darüber zu sprechen. Das gab es schon immer. Freiwillig in sogenannten Bücherzirkeln, weniger freiwillig, aber nicht minder einprägsam im Deutschunterricht. Heute versteht man unter Leserunden in den allermeisten Fällen die Online-Version.

Bei einer Online-Leserunde wird auf einer entsprechenden Plattform ein Buch gemeinsam gelesen und zu bestimmten Terminen darüber gechattet. Das kann eine kapitelweise Besprechung des Buchs sein, aber eben auch bestimmte Themen, die das Buch behandelt. Es gibt dafür spezielle Buchportale wie Lovelybooks oder Lesejury, aber auch auf Facebook oder sogar Twitter werden Leserunden veranstaltet.

Skoutz-Leserunde

Auch auf Skoutz wollen wir künftig Leserunden anbieten und hier im Magazin und natürlich in der Buchsuche verlinken. Dazu haben wir uns auch extra ein schönes neues Icon zugelegt, von dem wir hoffen, dass es euch so gut gefällt, wie uns. Die erste Skoutz-Leserunde startet am 18.06.2018 mit einem Buch unserer Chefredakteurin Kay Noa, mit der wir das Format testen und euren Wünschen anpassen werden. Interessenten für eigene Leserunden, speziell Autoren, können sich gerne bei uns melden.

 

Leserunde ausführlich betrachtet

Eine Leserunde ist für den Leser eine Gelegenheit, sich über seine Leseerlebnisse mit Gleichgesinnten auszutauschen, und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem das Gelesene bei allen noch relativ frisch im Gedächtnis und im Herzen ist. Für Autoren bringt der Chat wichtige Erkenntnisse dazu, ob die Geschichte so funktioniert, wie sie sich der Autor gedacht hat. Ob die vorgestellten Emotionen den Leseerfahrungen entsprechen, ob die Botschaft so ankommt, wie man sie in den Text geschrieben hat. Darüber hinaus gehört es bei Leserunden dazu, dass die Teilnehmer am Schluss eine Rezension schreiben, die sie auch auf den einschlägigen Plattformen und über ihre eigene Kanäle veröffentlichen. Mundpropaganda eben.

Was passiert bei einer Leserunde?

Das hängt davon ab, wie und von wem sie organisiert wird. Es gibt da keine festen Regeln, wohl aber ein paar Grundsätze. Im Prinzip lässt sich das Spektakel in vier bzw. sechs Phasen einteilen.

  • (Vorbereitung)
  • Bewerbung
  • Lesen
  • Besprechung
  • Rezension
  • (Nachbereitung)

Für den Organisator und Gastgeber kommt natürlich noch die Vor- und Nachbereitung dazu.

Vorbereitung einer Leserunde

Die Vorbereitung betrifft die Planung der Leserunde, insbesondere der Besprechung, die Auswahl der Plattform und Einrichtung des “Veranstaltungsorts” sowie des Aufrufs an die potentiellen Leser, denen zumeist auch eine gewisse Anzahl an Leseexemplaren zur Verfügung gestellt wird. Wichtig ist, dass man da den richtigen Ton trifft und diejenigen Leser erreicht, in deren Beuteschema das Buch passt. Dann nämlich wird die Leserunde zu einem Lesevergnügen.

Prinzipiell ist es nicht erforderlich, Bücher zu verschenken/zu verlosen. Allerdings ist das ein guter Weg, Teilnehmer zu bekommen und Aufmerksamkeit zu geniereren. Für E-Books spricht dabei der geringe Preis, auch wenn man das Risiko hat, dass die Bücher nur dann auf einer Piratenseite landen. Das passiert bei Taschenbüchern nicht, die auch beim Leser etwas Besonderes sind, nicht nur weil sie eben auch viel teurer sind.

Dann muss man die Leserunde strukturieren, also überlegen, worüber man wann und wie mit seinen Lesern sprechen will. Das kann entlang der Kapitel oder Abschnitte im Text sein, aber auch zusätzlich oder alternativ bestimmte Fragen und Themen betreffen, die in diesem Buch besonders zentral behandelt werden und daher eine Diskussion auch über den reinen Text hinaus lohnen. Je unmittelbarer die Frage zu beantworten ist, desto einfacher kommt erfahrungsgemäß die Diskussion in Gang.

Eine denkbare Einteilung wäre:

  • Cover und Erwartung
  • Kapitel 1-5 (Und hättet ihr Gandalfs Wunsch erfüllt?)
  • Kapitel 6-10 (Was war euer erster Eindruck von Edward? Wie hättet ihr reagiert, als er gesagt hat, was er ist?)
  • Kapitel 11-15
  • Gesamteindruck

Bewerbung auf eine Leserunde

Wer Lust hat, sich auf eine Leserunde zu bewerben, sollte zunächst einmal auch Zeit haben, dann wirklich an ihr teilzunehmen. Es ist sehr frustrierend, wenn man sich die Mühe macht, eine zu organisieren und dann bei 20 Anmeldungen mit 3 versprengten Lesern im Chatroom steht, weil man vom Rest nach Versand des Leseexemplars nie wieder etwas hört. Das ist auch für die anderen Leser doof, denn um das Gemeinsame geht es ja gerade bei einer Leserunde. Wenn mehr Bewerber als Freiexemplare da sind, kann man natürlich auch sein eigenes Buch mitbringen. Oder eben auf das Losglück hoffen. Da oft aber auch anhand des Bewerbungsschreibens die Leseexemplare zugeteilt werden, lohnt es, sich als besonderer Leser zu empfehlen, weil man beruflich mit dem Thema zu tun hat, weil man andere Bücher kennt und mag, die dazu passen, weil …

Wer sich bei Skoutz für eine Leserunde bewirbt, kann auch gleich an unserem Bonus-Programm teilnehmen, das fleißiges Lesen mit einem VIP-Status belohnt, der viele Vorteille und Goodies bringt.

Das Lesen

Ist ziemlich unspektakulär. Manchmal kann man schon gleich im Vorfeld mit anderen Lesern ein bisschen zum Warmup plaudern, aber meist gibt es ein bisschen Vorlauf zum Lesen, bevor die eigentliche Besprechung startet. Das hat den Vorteil, dass langsamere Leser sich einen kleinen Vorsprung herausarbeiten können und auch schnelle Leser vielleicht einen Puffer brauchen, wenn man nicht an jedem Abend zum Lesen kommt.

Die Besprechung in der Leserunde

Dies ist das eigentliche Herzstück und kann wirklich total viel Spaß machen. Auch und gerade, wenn der Gastgeber sich noch ein paar Überraschungen wie z.B. Bilder zu den Locations oder ähnliches hat einfallen lassen.

Aber auch hier gilt: Man bekommt, was man mitbringt.

Oft wird mehr oder minder nur mit eigenen Worten zusammengefasst, um was es in dem jeweiligen Abschnitt ging. Aber viel spannender ist, wenn man von sich preis gibt, wie man das Buch erlebt hat.

Als das erste Mal die anderen Vampire auftauchten, bin ich so erschrocken … ich fand die so plastisch beschrieben. Aber die Rettung ging mir dann zu schnell. Da hätte ich erwartet, dass das schwieriger wird.

Darauf können die anderen nämlich erwidern.

Nein, fand ich gar nicht. Die waren so langweilig. Die Rettung war natürlich schnell. Der Trick war ja auch genial.

Vielleicht, aber dann hätte ich erwartet, dass der Trick besser beschrieben wird.

Ihr könnt auch Fragen zum Hintergrund stellen, oder auch selbst dazu was sagen, wenn ihr es wisst. Wertvoll ist auch immer eine Zusammenfassung eurer Eindrücke. Zum Beispiel anhand der Lesefieberkurve von Skoutz. Die funktioniert natürlich auch abschnittsweise. 🙂

Und auch wenn mal Kritik angezeigt ist, weil euch etwas nicht gefällt – fasst das nicht in beleidigende Worte. Das ist dumm für die anderen Leser, die diese Stelle vielleicht mochten. Das ist dumm für den Autor, dessen Herzblut in der Geschichte steckt und das vergiftet schnell auch die Gesprächsatmosphäre und mindert allgemein den Spaß an der Runde.

Die Rezension

Die Figuren in einer Geschichte brauchen Leser, um zum Leben zu erwachen. Das ist für sie so wichtig wie Sonne und Wasser für einen Samen. Um möglichst viele Leser zu erreichen, benötigen Bücher Aufmerksamkeit. Eine Rezension ist für einen Autor zudem das, was auf der Bühne der Applaus ist. Rezensionen sind der so genannte „Social Proof“.Sie beweisen zumindest, dass über das Buch gesprochen wird.

Besonders bequem könnt ihr eure Bücher bei Skoutz bewerten. 5 Klicks für euch, ein Riesenschritt zu einer fairen, ehrlichen und freundlichen Buchwelt. Wer einen Blog hat, kann sich da auch als Blogger registrieren und unmittelbar von Skoutz aus auf seine eigene Rezension auf seinem Blog linken, statt wie sonst nur den Text einzukopieren.

Die Nachbereitung der Leserunde

Der Gastgeber sollte sich auf jeden Fall bei den Teilnehmern bedanken und ggf. auch an zugesagte Rezensionen erinnern. Autoren haben erstklassiges Feedback zu ihren Geschichten bekommen, die sie vielleicht schon bei diesem Buch, auf jeden Fall aber für künftige Geschichten verwerten können.

 

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