Zu Besuch bei May B. Aweley

Im niemals schlafenden Berlin habe ich unsere diesjährige Crime-Expertin May B. Aweley getroffen, um ihr mit einigen Fragen auf den Zahn zu fühlen. Mit einer leckeren Torte bewaffnet, habe ich mich mit der charmanten Thriller-Autorin getroffen und sie für euch gelöchert. Wenn ihr wissen wollt, was May B. Aweley mit Bankräubern gemeinsam hat, wie sie den Kopf vom Schreiben frei bekommt und was ihre Tante Mays Sympathie zu Serienkillern zu tun hat, solltet ihr jetzt unbedingt weiterlesen. Viel Spaß!

 

zu Besuch bei May B. Aweley, unserer diesjährigen Skoutz-Award-Crime-Jurorin

 

Bild: Denver

Beschreibe dich in einem Wort!

 

(Ich bin einfach) genau. 🙂

Genau … mehr kann ich dazu jetzt auch nicht sagen 🙂

 

 

 

Strukturierter Planschreiber, Bandenmitglied oder kreativer Chaot – was ist dein Schreib-Erfolgs-Konzept?

Von der Idee zum Buch, wo findet man deine Gedankenschnippsel und Notizen überall? Wie hältst du es mit Recherchen, vorher Plotten oder einfach schreiben? Hast Du Schreibbuddies, kämpfst du allein oder brauchst du den NaNo, WordWars und Co.?

 

Ich bin verdammt strukturierter Schreiber. Ein ausgearbeiteter Plot in einem Notizblock pro Buch, daneben alles Wissen in anderen (beschrifteten, nummerierten) Notizheftern mit Covern, die ich mit etwas verbinde. Nennen wir es zwanghaft ordentlich.

Wenn ich schreibe, liegen  die Unterlagen auf meinem Schreibtisch im 90 Grad-Winkel, fein sauber angeordnet, dass ich sie nicht suchen muss. Reicht das für Wahnsinn? 😉

Ich glaube schon, zumindest für wahnsinnig ordentlich 🙂

Außerdem ist Plotten für mich eine Routine. Ich bin wie der gut strukturierte Bankräuber, der einen Überfall Jahre voraus plant.

Das ist bei einer Crime-Autorin ja ein guter Vergleich. Immerhin musst du dich ja in solche Leute hineindenken.

Aber unsere Motivation ist etwas unterschiedlich.

Interessant, aus welchem Grund planst du denn?

Der Grund? Vollkommene Faulheit.

Echt? Das hätte ich jetzt nicht von dir gedacht …

Da ich nicht zahlreiche Lektoratsdurchgänge über mich ergehen lassen möchte, in denen etliche Logikfehler “ausgebügelt” werden müssen, ist es nützlich, vorauszuplanen.

Perfide, ich bin geneigt, dich zu bewundern …

Im “normalen” Leben bin ich eher der Chaot. So als Ying-Yang 🙂

Gibt es etwas, das du gar nicht kannst?

Gemeinsam schreiben. Meine Werke entstehen in meinem Tempo, auch wenn ich in einer Gruppe aus Autoren bin, die sich gegenseitig motivieren. Druck vermindert bei mir die Kreativität. Motivation muss für mich in erster Linie von Innen kommen.

 

 

Welche Taste ist die am meisten abgenutzte auf deinem PC?

 

Meine meist genutzten Tasten? F1 für “»” und F2 für “«”, die ich für Dialoge in meinen Büchern benutze.

Häufiger als die Leertaste??? Die haben aber viel zu sagen …

Jup. Ich mag keine peinliche Stille zwischen zwei Menschen. Mal ernster, am liebsten lasse ich meine Protagonisten die Sachverhalte selbst erklären. Das können sie deutlich besser und spannender als ich.

Okay, das versteh ich, dennoch bin ich wirklich überrascht. Damit hätte ich nicht gerechnet.

Es gibt nichts Spannenderes im Leben – als zwischenmenschliche Kommunikation. Die entsteht nicht durch Leertasten.

Wem sagst du das …

 

 

Wenn eine Fee dir einen perfekten Autorentag anböte, wie sähe der aus?

 

Keinen Zeitdruck, gute Bezahlung und mega viel Werbung. Ich glaube nicht an Feen, sondern an meine Finger.

Das spricht die realistische Geschäftsfrau 🙂

Mein ursprünglicher Plan A im Leben – Kauffrau.

Und dennoch bin ich froh, dass du uns lieber mit deinen Bücher unterhältst. Was jetzt nicht heißen soll, dass ich dir da irgendein Talent abspreche. Ich bin besser ruhig und mache mit den Fragen weiter, bevor ich mich um Kopf und Kragen rede …

 

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

 

Bücher ohne persönlichen Bezug zu schreiben, geht gar nicht.

Das verstehe ich gut. Der Schreibprozess fördert immer etwas Subjektives zu Tage, doch gerade bei einer Thriller-Autorin ist ja spannend nachzuhaken, wie viel da wirklich mit reinschwappt …

Sicherlich kann der Leser die eine oder Eigenschaft von mir darin finden. Und im gleichen Zug zehn andere, die selbst mir unbekannt sind. Da ich mich unheimlich viel mit den Verhaltensmodellen für meine Protagonisten beschäftige, fällt es mir nicht schwer, in fremde Köpfe zu schlüpfen, ohne Mordgelüste zu entwickeln.

*schaut etwas verunsichert und ängstlich*

Es ist quasi wie dissoziative Persönlichkeitsspaltung, wenn ich schreibe (ohne diese schlimme Krankheit veralbern zu wollen), bei der ich aber immer Kontakt zu meinen Identitätsanteilen habe.

Da bin ich jetzt ehrlich gesagt ziemlich froh *unsicheres Räuspern*

Über die fehlende Mordgelüste?

Ja, sicher! Wärst du das an meiner Stelle nicht? Wir sind hier ganz alleine … Aber wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, hegst du keinerlei Ambitionen in diese Richtung …

Ganz im Gegenteil. Je mehr ich in den Köpfen meiner Schurken verweile, umso mehr freue ich mich, wieder in den Köpfen der Helden zu stecken. Wenn Du die Profile der Thrillerautoren bei FB studierst, wirst Du lachen. Die meisten von uns erscheinen darin mit Kätzchen, Hundewelpen oder viel Sonne, was man eher von den Liebesromanautoren erwarten würde. Wieder mein Ying & Yang.

Das sollte ich vielleicht wirklich mal machen … Also Thrillerautoren-Profile stalken …

 

 

Was ist dein Geheimrezept, um die Muse anzulocken und Schreibblockaden (große und kleine) zu überwinden?

 

Das beste Rezept, die Schreibblockaden zu vermeiden, ist, das Wort ‘Schreibblockade’zu vergessen.

Scheinst du noch nicht gehabt zu haben, sonst wäre es aus deinem inneren Wörterbuch bereits gestrichen 🙂 Okay, schau nicht so, ich bin ja schon ruhig … nicht, dass du doch noch das Messer holst … 😉

Wenn mir nichts einfällt, beschäftige ich mich oft mit anderen Sachen.

Zum Beispiel? 

Selbst das Putzen einer Wohnung kann motivierend wirken, weil man im Kopf abschalten kann. Langweile ist der beste Motivator schlechthin.

 

 

Welchen Anteil hat das reine Schreiben im Autorenjob und was gehört noch dazu?

Wie viel Zeit hängt in Vorbereitung, Überarbeitung, Cover (Wie kommst du zu deinen Covern?), Marketing, Leserkontakt (Was machst du da alles?)?

 

 

Das reine Schreiben nimmt in meinem Autorenleben weniger als 45% meiner Zeit ein. Der Rest ist: mehrfaches korrigieren, Erstellen von Covern, veröffentlichen, Marketing, wozu auch Besuche auf Messen gehören.

Das hört sich sehr Abwechslungsreich an. Mich beeindruckt, dass du deine Cover selbst gestaltest. Geht dir das leicht von der Hand?

Für manche  Cover brauche ich mehrere Anläufe; andere dagegen sind sofort als Idee da, wenn mein Titel feststeht. Mittlerweile werde ich immer besser in der Bildbearbeitung. Es macht Spaß.

 

 

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Was ist da dein Anspruch als Autor aber auch von der anderen Seite her als Leser, kann man als Autor überhaupt noch ohne den inneren Lektor lesen?

 

Für mich als Autor ist ein wirklich gutes Buch das, bei dem ich beim Lesen vergesse, dass ich Autor bin.

Und was soll das genau heißen? Wie äußert sich das?

Sobald ich nicht auf Szenenaufbau, Satzaufbau oder ähnliches konzentriere und die Zeit beim Lesen vergesse, ist es ein gutes Buch.

 

 

Welche Gefahren lauern im Alltag auf deine Manuskripte, was kann dich von deiner Geschichte trennen?

Was hält dich vom Schreiben ab, womit prokrastinierst du am liebsten?

 

Natürlich bin ich nicht nur Autorin, sondern eine Ehefrau, Mutter, eine Freundin, eine Tochter, eine Schwester, eine Nachbarin etc. Wenn man jeder dieser Rollen immer gerecht werden möchte, kann man nicht nur schreiben.

Stimmt, das sind ganz schön viele Rollen, denen man gerecht werden muss.

Nicht nur bei Autoren so. Bei uns ist es nur schwieriger, weil Wohnort und Arbeitsort gleich sind. Ich kenne kaum jemanden, der es perfekt schafft, doch ich bemühe mich immer, es zufriedenstellend zu tun. Eine Schreibpause ist kein Drama, sondern eine Bereicherung.

 

 

Und wenn du mal den Kopf freibekommen willst, womit beschäftigst du dich dann am liebsten?

 

Wenn ich mein Kopf freibekommen will, beschäftige ich mich mit Lesen.

Wenn du den Kopf voller Worte freibekommen möchtest, füllst du ihn mit neuen an??? *ungläubig guck und grübel* 🙂

Klingt doof, ist aber so. Dann nehme ich mir irgendwelche Artikel zu irgendwelchen psychologischen Themen und lese sie. Dann kommen schon die neuen Ideen.

Ein fleißiges Bienchen also … Man merkt, du bist Vollblutautorin. Selbst die Zeit zum Ablenken, zum Prokrastinieren, nutzt du für neue Plotideen … 🙂

Was ich gar nicht kann, ist, still zu sitzen und zu chillen. Ich habe ein Autoren-Aufmerksamkeitsdefizit. 😀

Wie genial … Autoren-Aufmerksamkeitsdefizit 🙂 Ich sollte mir was von dir abgucken.

Lieber nicht. Ständig in Bewegung ist nicht immer gut. Besonders nicht, wenn Du in der Sauna oder beim Arzt warten musst.

 

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

 

Alle meiner Protagonisten sind als schwierig zu bezeichnen, manche mehr, manche weniger.

Okay, Kuschelkurs mit dem Serienkiller wäre auch ein wenig seltsam …

Der Grund ist, dass ich keine Harmonie im Buch brauche, weil ich Thriller schreibe.

Harmonic-Thriller wäre jetzt auch irgendwie seltsam …

Mein Genre liebt einfach die Unperfektheit. Ob Held oder Schurke. Die Serienkiller mag ich tatsächlich sehr gern.

🙂

Kein Witz. Ich dachte, ich wäre damit etwas gestört, bis ich mit meiner Tante sprach.

*schaut irritiert auf und checkt mögliche Fluchtwege*

Sie hat lange Zeit als Gefängnispsychologin gearbeitet und versteht es.

Ach so, ich dachte schon. Du weißt, wie du mich erschrecken kannst. Aber zurück zu deiner Tante, was genau macht diesen für sie so verständlichen Reiz aus?

Kriminelle Soziopathen sind zwar nicht durch einen hohen emotionellen Quotienten ausgestattet, doch das macht sie aber umso sympathischer, weil sie berechenbarer als die Menschen sind, die durch Gefühle und Leidenschaft gesteuert werden. Durchaus also ‘normal’.

‘normal’ ist ja bekanntlich ein dehnbarer Begriff 🙂

 

 

Wie groß ist dein SUM (Stapel ungeschriebener Manuskripte) und wie gehst du mit ihm um?

Wie viel Zeit braucht ein Buch von dir? Schreibst du eins nach dem anderen oder an mehreren zugleich nach Laune, brauchst du Projektpausen? Wie viele VÖs planst du im Jahr und wie viele werden es tatsächlich?

 

Wenn ich schreibe, konzentriere ich mich nur auf DAS EINE Buch, auch wenn weitere im Kopf schlummern. Das ist nicht nur wegen der möglichen Logikfehler notwendig, sondern wahnsinnig motivierend.

Irgendwie hab ich mit so einer Antwort gerechnet 🙂

Haha, freut mich, wenn ich schlüssig bin 😉

Ich fange an Sie zu durchschauen, Aweley 🙂

 

 

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Was war die ungewöhnlichste, kurioseste oder verrückteste Sache, die du als Autor jemals erlebt hast?

 

Wenn ich gerade ganz intensiv schreibe, passieren immer kuriose Dinger. Das kurioseste war, als ich den Parmesan vom Tag zuvor nicht im Kühlschrank, sondern im Süßigkeitenschrank gefunden habe.

Beherbergst du schabernacksüchtige Kobolde oder Trolle?

Bis heute gehe ich davon aus, dass es einer meinen Protagonisten gewesen ist.

Hast du einen speziellen Kandidaten im Verdacht?

Das wäre als Erklärung perfekt, aber leider nein. Den Schuh muss ich mir wohl selbst anziehen, ob ich will oder nicht.

 

 

Wie definierst du Erfolg?

Wie stehst du zu Bestseller-Listen und anderen Rankings? Oder zu Literaturpreisen? Und was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

 

Erfolg ist, wenn mir mein/-e LeserIn schreibt, dass sie/ihn das Buch geärgert, fasziniert, oder sonst wie berührt hat UND sie/er es nicht aus der Hand weglegen konnte.

Ein Lob und positives Feedback ist sicher toll und motiviert ungemein. Apropos, die “Political Correctness” im Gender-Dschungel hast du wahrlich gemeistert 😉 Aber zurück zur Frage, gäbe es noch etwas, was für dich zum Erfolg gehört?

Erfolg ist auch, in einer Rezension oder persönlichen Nachricht zu lesen, dass man den Leser überzeugt hat.

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

 

Auf: “Kann die Liebe zum Schreiben alles überdauern?”

 

Vielen Dank für die tollen Fragen.

 

Ich habe zu danken, dass du dir die Zeit genommen hast, um mich zu treffen und mir all die Fragen zu beantworten. Es war wirklich toll bei dir und ich freue mich schon, wenn wir uns in Frankfurt zu Verleihung des Skoutz Awards wiedersehen.

 

 

Neugierig auf May B. Aweley geworden? Hier könnt ihr sie antreffen:

Auf ihrer Facebook-Fanpage

und auf Instagram undTwitter

 

Skoutz-Lesetipp: Schrei doch – Jubiläums-Thriller-Sammelband von May B. Aweley

Jung , attraktiv, sucht …
Jung, energisch, findet …
Und tötet …

DREI THRILLER IN EINEM BAND

Drei spannende Geschichten von starken Frauen, die Eines gemeinsam haben: Sie schauen in das Antlitz des Bösen.

»Lauf, Sophie«

Als Sophie Pritchard ihre Wohnung verlässt, um einen Unbekannten zu treffen, ahnt sie nichts.
Sie wurde zum Opfer eines grausamen Spiels auserwählt, das das FBI-Team an den Rand des Erträglichen bringt.
Denn irgendwo, tief im Wald beginnt bereits die Jagd auf blutjunge Frauen.

»Erlöse uns«

Lucy Robinson ist fest entschlossen, sich das Leben zu nehmen, als sie plötzlich entführt wird.
Ein Jahr später beginnt eine seltsame Mordserie, die die Verhaltensanalyseeinheit des FBI vor eine ihrer schwersten Aufgaben stellt: einen Täter zu ermitteln, der keine verwertbaren Spuren hinterlässt.
Das Werk eines Geisteskranken?
Als das New Yorker Ermittlerteam um Scott Goodwin den bizarren Zusammenhang erkennt, verschwinden wieder zwei Menschen.
Und der Serienkiller ist noch nicht fertig. Noch lange nicht …

»Erinnerung aus Glas«

Nach einem traumatisierenden Erlebnis mit ihrem Lebensgefährten Graham scheint das Schicksal es mit Anna Eliot, einer jungen Lehrerin aus North Fork, endlich gut zu meinen. Sie lernt Robert Wright kennen und heiratet ihn überstürzt. Doch plötzlich tauchen Gedächtnislücken auf, die sie sich nicht erklären kann. Nach und nach zweifelt Anna an ihrem Verstand.
Der Albtraum fängt an, als ein Nachbar einzieht, der ihr von Anfang an unheimlich ist.
Und dann verschwindet eines Tages ihr geliebter Hund …

Skoutz meint: Spannung hoch drei. In diesem Sammelband erhaltet ihr drei unglaublich packende Geschichten, die euch unglaublich gut unterhalten werden. Unsere Crime-Jurorin May B. Aweley versteht sich darin, ihren Lesern die Nackenhaare aufzustellen. Wer Lust hat, sich mit einem guten Buch thrillen zu lassen, sollte bei diesem unglaublichen Angebot anlässlich ihres vier-jährigen-Autorenjubiläums auf keinen Fall entgehen lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.