Zu Besuch bei Christine Eichel

Heute treffe ich mit dem Skoutz-Kauz im Gepäck Autorin Christine Eichel. Um mich ein wenig auf das Interview vorzubereiten, habe ich ein wenig recherchiert. Dabei habe ich einen wirklich bemerkenswerten Lebenslauf entdeckt und herausgefunden, dass die Journalistin und Schriftstellerin früher auch als Regisseurin und Moderatorin gearbeitet hat. Jetzt aber bin ich erst einmal gespannt, was sie mir so alles erzählen wird. Allerdings bin ich mir sicher, es wird sehr interessant.

 

 

zu Besuch bei Christine Eichel, die den Corona-Effekt ganz genau untersucht hat  …

 

 

©Hubert Kudlinksi

Wie würdest du dich in einem Wort beschreiben?

Begeisterungsfähig

 

Beruf oder Berufung – was macht dir an deinem Job als Autor am meisten Spaß? 

Für mich ist es definitiv eine Berufung.

Kannst du mir das ein wenig genauer ausführen?

Selbstbestimmt meine Themen wählen und mich dann dem Flow des Schreibens hingeben, ohne feste Arbeitszeiten, aber manchmal bis zu sechzehn Stunden täglich. Das ist pures Glück für mich.

 

Wann hast du dein erstes Buch veröffentlicht und wie lange hast du daran geschrieben?

Mein erstes Buch war ein satirischer Gesellschaftsroman mit dem Titel „Gefecht in fünf Gängen“. Er erschien 1998 und war sogleich ein Erfolg.

Das ist grandios. Wie lange hast du für dein Debüt gebraucht?

Ich hatte eineinhalb Jahre daran geschrieben.

 

Wie läuft ein typischer Tag als Autor bei dir ab? 

Wichtig ist es, sich selbst eine Struktur zu geben. Wenn man diesen Beruf professionell ausübt, bracht man neben Motivation und Inspiration vor allem Selbstdisziplin.

Wie setzt du das in deinem Alltag um?

Meist sitze ich um 9 Uhr morgens am Schreibtisch. Größere Pausen lege ich nur ein, wenn ich Termine außer Haus habe. Während ich mein Beethoven-Buch schrieb, habe ich in den Pausen meist Beethovensonaten gespielt, das war die perfekte Ergänzung.

Ja, das glaube ich. Dann geht es danach auch umso beschwingter weiter. 

 

Das Jahr 2020 stellt uns alle vor neue Herausforderungen. Wie sehr beeinflusst Corona deinen Schreiballtag? W

Da ich seit über zehn Jahren als freie Schriftstellerin lebe, bin ich sowohl Home Office als auch die zeitweilige Selbstisolation gewohnt.

Sehr praktisch …

Außerdem stand früh fest, dass ich über die Erfahrungen des Shutdowns und die Konsequenzen für uns alle ein Buch schreiben würde, als teilnehmende Beobachterin gewissermaßen, was dieser Zeit eine besonders intensive Qualität verlieh. Das Ergebnis erscheint Mitte Juli: „Der Corona-Effekt. Zwischen Shutdown und Neubeginn – was wir jetzt über uns lernen können“.

Das Buch nehmen wir dann doch gleich als Lesetipp auf und stellen es gemeinsam noch ein wenig genauer vor 🙂   

 

Kreativ oder doch eher regeltreu? Wie flexibel bist du beim Schreiben? 

Für mich gibt es keine Regeln, lieber spreche ich von Handwerk.

Und wie würdest du das definieren?

Das ist die Basis, jenseits davon ist im Namen der Individualität alles erlaubt.

 

Welches war dein erstes selbstgelesenes Buch? Und hast du es heute noch?

Schon sehr früh begann ich, alle erreichbaren Bücher zu verschlingen.

Gab es welche, die dich besonders beeindruckt haben?

Lebhaft in Erinnerung sind mir „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ von Eric Malpass und „Die Inselkinder“ von Elizabeth Goudge.  Beide Bücher habe ich heute noch.

 

Stell dir vor, du könntest eine beliebige Figur aus einem Buch zum Essen treffen. 

Eine schöne Frage. Ich glaube, ich würde mich für Eichendorffs Taugenichts entscheiden und ihn fragen, wie es ihm gelingt, das Träumen nicht zu verlernen.

Eine tolle Wahl.

 

Auf welche Frage hattest du in letzter Zeit keine Antwort und hast du sie finden können?

Eine Frage, die uns alle beschäftigt, lautet: Was ist wirklich wichtig?

Hast du sie beantworten können?

Speziell während des Shutdowns ist mir wieder der Wert von Liebe, Freundschaft und innigen Beziehungen ins Bewusstsein gelangt.

 

Wie oft schaust du täglich auf dein Handy?

Sehr oft, wie wohl die meisten Zeitgenossen. Nur in intensiven Schreibphasen verordne ich mir eine Handydiät, um nicht abgelenkt zu werden.

Das ist weise … 

 

Was darf in deinem Kühlschrank niemals fehlen?

Buttermilch.

 

Für welche drei Dinge in deinem Leben bist du am dankbarsten?

Für mein liebevolles musisches Elternhaus, meinen wunderbaren Sohn und die Chance, meinen Traumberuf zu leben.

Bei welchem historischen Ereignis wärst du gern dabei gewesen und warum?

Durch die Arbeit an meinem Beethovenbuch „Der empfindsame Titan“ habe ich mich eingehend mit der Sphäre der musikbegeisterten Wiener Salons des späten achtzehnten und beginnenden neunzehnten Jahrhunderts beschäftigt.

Ein wirklich spannendes Thema und voller auch heute noch berührender Geschichten. Und welchem Ereignis hättest du gern beigewohnt?

Gern wäre ich bei der Uraufführung einer Beethoven’schen Klaviersonate dabei gewesen, natürlich mit dem Meister am Instrument.

Da würden wir dich gern begleiten. Das wäre wahrlich phänomenal. 

 

Über welches Thema könntest du eine 30-minütige Präsentation halten, ohne jede Vorbereitung?

Über Ludwig van Beethoven und Theodor W. Adorno – über letzteren habe ich promoviert

 

Was würdest du rückwirkend ändern, wenn du die Möglichkeit dazu hättest?

Nichts.

Das ist schön. Dann anders herum gefragt, nach vorne sehend:

 

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Mein Wunsch ist es, bei guter physischer und geistiger Gesundheit noch möglichst lange so zu leben und zu arbeiten wie jetzt.

Das wünschen wir dir von Herzen. Liebe Christine Eichel, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, all meine Fragen zu beantworten. Vielleicht haben wir irgendwann mal wieder das Vergnügen. Deinem empfindsamen Titan wünsche ich für den weiteren Wettbewerb viel Erfolg.

 

Mehr über Christine Eichel und ihre Arbeit findet ihr auf ihrer Homepage.

 

Skoutz-Lesetipp:

Der Corona-Effekt – Zwischen Shutdown und Neubeginn, ein kluger Zwischenbericht von Christine Eichel

Die Corona-Pandemie hat uns einen Spiegel vorgehalten: Wer sind wir, wenn das öffentliche Leben stillsteht? Wie reagieren wir auf den kollektiven Stresstest? Während der Krise haben wir viel über uns gelernt. Unsere Bereitschaft zur Solidarität wuchs ebenso wie unsere Beziehungsfähigkeit unter Extrembedingungen. Doch wir erlebten auch das hässliche Gesicht der Krise: Hamstern, häusliche Gewalt, Verschwörungstheorien.

Kritisch, klug und humorvoll schildert Christine Eichel Erfahrungen, die wir alle gemacht haben, und stellt die entscheidende Frage: War die Corona-Krise ein überfälliger Weckruf für unsere Gesellschaft? Nach dem alptraumhaften Wachkoma des Shutdowns regt sich Sehnsucht nach einer neuen Stunde null. Sowohl unser Lebensstil als auch unsere Definition von Freiheit und Verantwortungsbewusstsein steht jetzt auf dem Prüfstand.

Nie schien ein umfassender gesellschaftlicher Wandel derart greifbar – ausgelöst durch eine Krise, die eine Sinnbeschaffungsmaßnahme für eine bessere Zukunft sein könnte.

Skoutz meint: Seit Monaten begleitet uns das Corona-Virus, schränkt unser Leben ein. Menschen verlieren ihre Jobs oder müssen in Kurzarbeit. Die Unsicherheit vonseiten der Ärzte und der Politik verunsichert uns. Doch könnte neben all diesen Schreckensmeldungen und Ängsten, die diese Pandemie mit sich bringen, nicht auch vielleicht etwas Gutes daraus resultieren? Diese und noch viele weitere Aspekte beleuchtet Christine Eichel in ihrem neuen Buch. Unterhaltsam und überaus informativ stellt sie uns wichtige Fragen und lässt uns reflektieren. Ein wirklich gelungener Ratgeber, der zum Nachdenken anregt.

 

Hinweis:

Die Ludwig van Beethoven-Biografie “Der empfindsame Titan” von Christine Eichel, die im November 2019 bei Blessing erschienen ist, beleuchtet unglaublich detailreich die Lebensgeschichte des großen Komponisten. Auf 432 Seiten erzählt uns die Autorin spannende Anekdoten und Szenen, die den meisten Lesern nicht geläufig sein dürften und den Musiker in ganz neuem Licht erstrahlen lassen.

Der ebenso unterhaltsame wie informative Einblick in das Leben des großen Künstlers hat unserer Contemporary-Expertin Kay Noa so gut gefallen, dass sie “Der empfindsame Titan” aus über 200 Titeln der Contemporary-Longlist  direkt auf die Midlist gewählt hat. Damit ist Christine Eichel eine der Anwärterinnen auf den Skoutz-Award 2020 in der Kategorie Contemporary.

Mehr Informationen bekommt ihr wie immer in der ausführlichen Buchvorstellung. (Weiterlesen)

 

Schreibe einen Kommentar