zu Besuch bei Akram El Bahay

Als wir die Skoutz-Midlists veröffentlicht haben, war Akram El-Bahay einer der ersten, die sich hocherfreut über diese Auszeichnung bei Skoutz gemeldet haben. Das freut uns natürlich immer ganz besonders, wenn die Autoren tatsächlich spüren, wie viel Anerkennung bereits darin liegt, dass sie von ihren Lesern für die Longlist vorgeschlagen wurden. Und sich natürlich geehrt fühlen, wenn dann der Fachjuror aus dieser Liste ihr Buch in die engere Auswahl holt.

Entsprechend gespannt bin ich, wie nun das Interview mit dem Autor wird, dem wir eines dieser wundervollen Bücher verdanken.

Zu Besuch bei Akram El-Bahay, einem Traumweber der besonderen Art.

 

Was ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Meine Geschichten entstehen in der Regel ganz von selbst.

Das klingt … sehr bequem für den Autor. Erzähl mal genauer, bitte.

Manchmal reicht ein Bild, ein Filmausschnitt oder etwas ganz anderes, das aus dem Nichts kommt, und ich habe die Idee für eine Geschichte. Und die muss natürlich erzählt werden – vorausgesetzt, sie gefällt mir so gut, dass ich dafür brenne, sie aufzuschreiben. Dann fügt sich alles andere von selbst: Charaktere, Orte, Besonderheiten. Und je länger ich die Geschichte in Gedanken mit Leben fülle, desto lieber will ich sie aufschreiben. Mehr Antrieb brauche ich nicht.

Das Wollen ist ja immer nur die halbe Miete. Und was brauchst du dann zum eigentlichen Schreiben?

Ebenso wenig brauche ich viel zum Schreiben: höchstens einen Rechner, ein Bildarchiv zur Inspiration und Musik, um in Schreibstimmung zu kommen.

 

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Meinst du eine Schreibblockade? Die hatte ich bislang nicht.

Das ist schön, aber wir formulieren das ganz bewusst so offen. Es könnten ja nicht nur innere, sondern auch äußere Umstände sein.

Und wenn ich je eine Phase hätte, in der ich nicht vorankomme, würde ich mir vermutlich ein Cornelia-Funke-Hörbuch anmachen. Ihre Erzählsprache ist wahnsinnig inspirierend.

Das ist auf alle Fälle ein Riesenkompliment für Frau Funke. 🙂

 

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Bislang noch nie. Ich fürchte mich vielmehr davor, dass vielleicht irgendwann niemand mehr etwas von mir lesen will. Das wäre wirklich schrecklich.

So oft wie Henriette für die Longlist vorgeschlagen wurde, sehe ich da jetzt keine unmittelbare Gefahr.
Aber wenn wir gerade bei Ängsten sind …

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Es gibt beim Schreiben einige emotionale Momente.

Und von denen wollen wir hören… Erzähl…. (ich rücke unauffällig näher, um nichts zu verpassen)

Im Positiven: Wenn du voll im Fluss bist und während des Schreibens merkst, dass der Satz, den Du gerade beendest, besser geworden ist, als du ihn normalerweise hättest schreiben können. So gut, dass er genauso ins Buch gehört. Oft wird die Erzählung ja noch in den Korrekturdurchläufen poliert. Aber einige Sätze sind schon beim ersten Schreiben unverbesserlich.

Das kenne ich, das sind so die kleinen Kreativperlen, über die man sich den ganzen Tag freuen und grinsend durch die Gegend laufen kann.
Und sonst?

 

Im Negativen: Wenn du am nächsten Tag merkst, dass die Seiten gestern überhaupt nicht so gut waren, wie du die ganze Zeit gedacht hast.

Das klingt, als hättest du sehr viele Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt Erlebnisse in deinem Autorenalltag. Aber lass uns mal über die Inhalte sprechen.

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Immer ein wenig, manchmal auch mehr. Als Autor versucht man natürlich ganz viele verschiedene Charaktere zu erschaffen. Und nicht alle sind einem selbst ähnlich. Aber einige Figuren tragen definitiv Züge von mir.

Und schon gehe ich im Geiste deine Figurensammlung in Henriette durch und überlege, wie viel Akram jetzt in wem steckt… 🙂

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Ein gutes Buch berührt mich. Punkt.

Okay. Wo, wann und wie? Ich nehme an, es ist kein Qualitätsmerkmal, wenn es dir aus dem Regal und auf den Kopf fällt!

Manche tun dies über ihre schönen Ideen, andere mit ihrer Erzählsprache. Das Genre ist dabei egal. Und glücklicherweise kann ich ohne inneren Lektor lesen (Lektoren haben es da sicher schwerer).

Darum beneide ich dich, mir fällt das sehr schwer. Speziell bei deutschen Texten. Da schaue ich immer mit viel zu viel Aufmerksamkeit aufs Handwerk, statt mich einfach in die Geschichte zu versenken.

Allerdings lese ich lächerlich wenig fremde Geschichten. Ich habe mit den eigenen genug zu tun.

Das ist noch so ein Nachteil am Autorendasein. Die Lesezeit fällt der Schreibzeit zum Opfer.

 

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann?

Lieblingsbuch. Das ist das schönste Kompliment.

Kurz und knapp. Und weil du es so betonst… was wäre das zweitschönste Kompliment?

Das zweitschönste: Ich habe das Buch zweimal gelesen.

Das habe ich schon öfter gehört, zuletzt von Hanni Münzer.

 

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Der ideale Leser ist vielleicht der, der ein wenig hinter die Geschichte sieht.

Also der detektivisch interessierte, gründlich lesende Leser. Warum, was hast du ihnen zu bieten?

Manchmal bedeuten die Ereignisse in einem Roman mehr als ihr vordergründiger Beitrag zur Handlung. Wenn jemand auf diese zweite Ebene sieht, ist das toll. Ich freue mich auch, wenn Anspielungen und Wortspiele bemerkt werden.

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Das ist sehr schwer, da ich alle meine Charaktere gerne mag: sowohl die guten als auch die bösen.

Das hat ja nun mal nichts damit zu tun, ob sie sich im Schreiballtag gut benehmen. Ich habe im echten Leben wie unter meinen Protagonisten jede Menge wirklich guter Freunde, die ich dennoch gelegentlich für ihren Eigensinn oder ihre Marotten gepflegt an die Wand klatschen könnte. Und auch schwierige Kinder werden von ihren Eltern geliebt.

Ich habe sie, auch wenn manchmal schwer war, bislang alle so hinbekommen, wie sie sein sollten.

Siehst du, genau über diese Schwierigkeiten will ich mehr erfahren, dass ist so der Blick hinter die Kulissen, die man oft beim Lesen des Buches nicht vermuten würde.

Meistens aber würde ich gerne noch mal zu den Nebencharakteren zurückgehen. Oft erhalten sie nur ein paar Szenen und kommen nicht über die Rolle eines Stichwortgebers hinaus. Dabei juckt es mich gelegentlich in den Fingern, mehr über sie zu erzählen und herauszufinden, wer sie eigentlich sind. Es gibt da eine Handvoll, bei denen das so ist. Sie sind daher ein wenig enttäuschend für mich. Unvollendet. Und hier würde ich schon sagen, dass unser Verhältnis schwierig ist.

Frag mal deine Protagonisten… was meinst du, wie schwierig das für sie ist? Ein unvollendetes Leben auf alle Ewigkeit? Oh je! Du solltest ernsthaft über Spin-offs nachdenken.Die Kollegin Sandra Gernt kann da ein Lied davon singen.

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Würdest du gerne einen deiner Lieblings-Autoren auf einer Lesereise begleiten?

Hey, das ist mal ein ganz neuer Wunsch, den ich so noch nie gehört habe. Lass uns beim nächsten Mal darüber sprechen, welche Autoren das sein könnten, vielleicht können wir bei Skoutz ja was organisieren.

Lieber Akram, wir danken dir ganz herzlich für dieses hochvergnügliche Interview und wünschen dir weiterhin viel Erfolg im Wettbewerb und bei deinen Geschichten. Ich hoffe sehr, dass wir uns in Frankfurt zur Skoutz-Leserparty treffen.

 

Hier könnt ihr Akram El-Bahay treffen:

Akram El-Bahay auf Facebook

Autorenhomepage von Akram El-Bahay

 

Lesetipp:

Flammenwüste: Das Geheimnis der goldenen Stadt (Arnurs Drachen 1) – Märchenhafte Orient-Fantasy von Akram El-Bahay

Geheimnisse, seit Jahrtausenden im Sand verborgen…

Der Karawanenführer Kadim traut seinen Augen kaum, als er mit seinem Tross einen niedergebrannten Ort erreicht. Was für ein Feuer ist heiß genug, dass es Stein zum Schmelzen bringt? Dass es Menschen von einem Moment auf den anderen zu Asche verbrennt? Die einzige Antwort scheint unmöglich: Drachenfeuer!

Schon bald muss Kadim feststellen, dass die Wüste tausendundein Geheimnisse birgt. Drachen verstecken sich dort, Wüstenkrieger lauern im Sand. Und in einer vergessenen Stadt wartet ein tödlicher Schatz…

Skoutz meint: Eine wunderschön erzählte poetische Geschichte im Stile von 1001 Nacht, der man gerne folgt. Kadim ist ein Skeptiker, der nicht an Drachen, Märchen und Magie glauben will, und so kann sich der Leser (der das ja in der Regel auch nicht tut) wunderbar in ihn hinversetzen, wie er reagiert, als er feststellt, dass er sich geirrt hat. Und so liest man mal schmunzelnd, mal sorgenvoll gespannt von Kadims Abenteuern in der Wüste, die übrigens gleichfalls sehr plastisch und kenntnisreich beschrieben ist.

 

Hinweis:

Mit Henriette und der Traumdieb hat Akram El-Bahay  einen traumhaften Urban Fantasy-Roman erschaffen, den Skoutz-Jurorin Julia Adrian für die Midlist Fantasy 2017 des Skoutz-Awards aus fast 300 Titeln der Longlist 2017 nominiert hat.

Das ungewöhnlich erzählte Jugendbuch ist im Februar im Ueberreuther Verlag erschienen und verspricht etwa 400 Seiten Lesespaß vom Feinsten für alle, die sich in Geschichten fallen lassen wollen. Wir haben uns das Buch natürlich sofort genau angesehen und euch ausführlich vorgestellt (weiterlesen).

 

 

 

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