zu Besuch bei: Sandra Gernt aka Sonja Amatis

Heute bin ich zu Besuch bei Sonja Amatis oder auch Sandra Gernt und einigen weiteren Autoren, hinter denen alle Sandra steckt, mit der mich auf Facebook aus verschiedenen Autorengruppen durchaus schon eine gewisse gemeinsame Geschichte verbindet. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass sie für den Skoutz-Award nominiert wurde und das zum Anlass genommen, sie endlich einmal zu besuchen…

Zu Besuch bei Sandra Gernt, der fleißigen Vielschreiberin.

Was ist dein »Sprit« beim Schreiben, woher nimmst du deine Ideen?

Die Ideen finden mich. Pausenlos.

Ups. Das klingt anstrengend…

Ich höre ein Lied – ein Plotbunny verbeißt sich in meine Hacken. Oder ich gehe spazieren – die nächste Idee gräbt sich mit langen Zähnen in meinen Nacken. Ich liege in der Wanne – rudelweise fallen sie über mich her. Schreiben ist Selbstverteidigung für mich, denn ich werde diese süßen kleinen Biester nur los, indem ich so schnell wie möglich ihre Geschichte aufschreibe. Aus diesem Grund brauche ich auch gleich mehrere Pseudonyme, denn für einen Autorennamen allein habe ich schlicht zu viele Ideen. Und obwohl ich wirklich schnell schreiben kann, werde ich mich wohl von einem Vampir beißen lassen müssen, um noch in dieser Lebenszeit alle Ideen lebendig werden lassen zu können.

Tja, das Problem mit dem SUM (Stapel ungeschriebener Manuskripte) ist mir durchaus auch geläufig. Die Vampirifizierung von Autoren würde dagegen tatsächlich einigermaßen diskret möglich sein. Nach meiner Erfahrung sind die meisten unserer Spezies doch eher nachtaktiv

 

Was würdest du tun, wenn du nicht mehr schreiben könntest?

Ein normales Leben führen.

Wie soll ich mir das jetzt bei dir vorstellen?

Mit geregelten Schlafens- und Essenszeiten. Ohne Heldenscharen, die sich nachts an mein Bett setzen und mir ihre tragischen Geschichten erzählen. Bei Familienfeiern durchgängig geistig anwesend sein. Das Internet abmelden. Spaßlesen, wann immer ich möchte.

Klingt … langweilig.

Bis auf das Spaßlesen … JA!
Es ist wirklich schade, dass sich durch das Schreiben das Leseverhalten so verändert. Ich lese fast nur noch englische Bücher, weil mir sonst immer der innere Lektor über die Schulter schaut und ich vor lauter technischen Überlegungen (Wie baut der den Plot auf, ist die Szene nicht zu lang, cooler Trick, um die Spannung hochzuhalten…) überhaupt nicht mehr die Geschichte selbst genießen kann.

 

Zu welchen Anlässen hast du schon überlegt, mit dem Schreiben aufzuhören?

Aufhören? Ich kann nicht aufhören, sonst platze ich. Ich wollte es allerdings vor ein paar Jahren einschränken.

Klingt spannend… Erzähl!

Aufgrund chronischer Erkrankungen kann ich meinen gelernten Beruf als Krankenschwester nicht mehr ausüben. Einige Zeit hatte ich versucht, mit Schreiben und Lektorat einen stabilen Zweitverdienst aufzubauen. Als das nicht lief, habe ich begonnen, per Fernstudium mein Abitur nachzuholen, mit dem Plan, anschließend eine Ausbildung zur Logopädin zu absolvieren. Es war wunderbar, ich hatte viel Spaß beim Lernen, konnte in der Zeit allerdings nur sehr wenig schreiben. Trotzdem gelang es mir, ein Buch bei einem Verlag unterzubringen. Ich hatte keinerlei Erwartungen, aber plötzlich kam Erfolg. E-Mails von Fans, die sich dafür bedankten, mein Buch lesen zu dürfen. Fragen des Verlegers nach Nachschub.

Und wie ging es dann weiter?

Ich musste mich irgendwann entscheiden, ob ich weiter an Abi und Zweitausbildung bastle oder den Sprung zur Vollzeitautorin wage. Diese Entscheidung war hart, aber ich habe es nie bereut, auch wenn ich das Abi wirklich gerne durchgezogen hätte.

Meine Großtante durfte damals als junge Frau aus familiären Gründen weder Abitur machen noch studieren und hat das dann “grad erst recht” mit 62 Jahren noch nachgeholt. Du hast noch alle Zeit der Welt, wobei ich denke, dass du dann vermutlich auch lieber (weiter)schreiben würdest.

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Das lässt sich schwer beantworten.

Das ist meine Aufgabe. *gg*  Versuch es trotzdem!

Ich lebe in meinen Charakteren und teile all ihre Empfindungen. Da ich es dramatisch liebe, tragen meine Helden stets ein hartes Schicksal.

Oh ja. Ich weiß nicht, ob ich dich als eine deiner Protagonistinnen leiden könnte…

Jedes Buch ist eine neue Welt, ich leide, kämpfe, verliere und siege auf vielfältigste Weise. Meine Familie hat sich daran gewöhnt, dass ich häufiger in Tränen aufgelöst vor dem Monitor sitze. Gelegentlich drehe ich auch durch, weil ich kurz vor Beendigung einer 900seitigen Trilogie feststellen muss, dass ich mich hoffnungslos in meinem kunstvoll gestrickten Intrigennetz verfangen habe.

Ja, das kenne ich. Ging mir im aktuellen Werk auch so und hat mich (und meinen Mann) unseren geplanten Kurzurlaub gekostet.

Grundsätzlich ist jedes Buch eine neue Abenteuerreise für mich. Ich weiß am Anfang nie, wie es enden wird und entdecke die Geschichte Szene für Szene gemeinsam mit den Helden.

Das ist etwas, was man Nicht-Autoren nur schwer begreiflich machen kann… Dieses “Moment, ich muss noch schnell weiterschreiben, weil ich wissen will, wie es ausgeht.”

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Es gibt keine Geschichte, in die nicht wenigstens ein bisschen von mir, meinen Erfahrungen, Gedanken, Marotten drinsteckt.

Gut zu wissen. Das veranlasst mich, mir deine Bücher nochmal mit etwas mehr detektivischem Ehrgeiz zu Gemüte zu führen.

 

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Autor machen kann

„Dein Buch hat meine Sicht auf die Welt verändert.“

Ja, das würde mich auch berühren.

 

Wer ist für dich dein idealer Leser?

Einer, der mich anbrüllt, wie ich meine Helden nur so schrecklich leiden lassen kann – und um Nachschub bettelt.

Das habe ich nicht gewusst, aber mit meinen Einwänden schon ausdrücken wollen! 🙂 Du stehst also auf dominante Leser!

Ja, einer der mir sagt, was ihm gefällt und was er schrecklich findet. Der mit mir diskutiert, ob Held xy in Situation abc tatsächlich auf diese Weise handeln konnte. Jemand also, der mitdenkt, mitlebt und mitfiebert und keine Scheu hat, mir für fünf Cent die Meinung zu geigen – und zu applaudieren, wenn alles gepasst hat.

Kannst du haben!

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Ich habe ein Problem mit einer prophetischen Elfen-Traumseherin. Die sollte mal eine nette, spaßige Nebenfigur werden. Das passte ihr nicht. Sie lauerte mir auf und verlangte ihre eigene Geschichte.

Ah, und wie ging das aus?

Die hat sie erhalten, ein episches Machwerk über 1400 Seiten. Obwohl sie im ursprünglichen Buch bereits eine Hauptrolle erstritten hat. Danach dachte ich, ich wäre das elende Weib los, aber nein: Sie kam zurück und nervte mich so lange, bis ich ihr die nächste Reihe gewidmet habe. Ausgelegt auf sieben Bände. Ich bin aktuell bei Buch sechs und weiß nicht, ob ich sie nach Abschluss der Reihe los sein werde.

Was genau macht das jetzt schwierig? Klingt für mich eher nach einer ziemlich festen Beziehung.

Sie ist hartnäckig und böse und liebenswert und grausam und ich kann sie gar nicht leiden und sie tut mir wahnsinnig leid und ich bewundere sie sehr und …

Okay, okay… ich sehe schon! Wir machen nochmal ein Interview und da darfst du sie mitbringen. Vielleicht wird das dann auch eine Therapiesitzung für einen von uns dreien, aber auf jeden Fall wird es spannend. 🙂

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

„Bist du mit deinem Leben zufrieden?“

Erstaunlich, denn du bist jetzt schon die zweite, die mir dieses Jahr diese Schlussfrage gibt. Melisa Schwermer sieht das genauso. Das finde ich erstaunlich.

Liebe Sandra, es war toll, mal mit dir geplaudert zu haben. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg für deine Bücher, weiterhin viel Kreativität und brave Leser, die für dich beim Skoutz-Award abstimmen. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder!

 

Hier könnt ihr Sandra Gernt treffen:

Sandra Gernt auf Facebook

Autorenhomepage von Sandra Gernt

 

 

Skoutz-Lesetipp:

Change Kill – Gestaltwandler-Krimi von Sonja Amatis

Ein wahnsinniger Mörder treibt sein Unwesen in Shonnam, einer der Hauptstädte der unterschiedlichen Gestaltwandlergruppen. Dylan, ein Gepardenwandler, leitet die Ermittlungen. Nach drei Leichen gibt es allerdings nicht den geringsten Hinweis, darum erhält er Hilfe von außerhalb.

Sam ist ein Adlerwandler und besitzt damit andere Fähigkeiten als Raubkatzen, Wölfe oder Bären. Nur aus diesem Grund wird seine Anwesenheit akzeptiert, denn nach einem furchtbaren Krieg zwischen Vogel- und Säugetierwandlern herrscht tiefes Misstrauen zwischen ihren Rassen …

Skoutz meint: Der Genremix aus Fantasy und Krimi gelingt nicht immer. Aber hier hat die Autorin alles richtig gemacht. Der Plot packt einen von der ersten Seite an und man folgt den schön ausgearbeiteten Protagonisten willig durch eine atemberaubende und wendungsreiche Geschichte voller kreativer Einfälle und liebenswerter Details. Wir freuen uns auf weitere Bücher aus dieser Welt.

 

Hinweis:

Mit Code 0-37 – Auf Eis gelegt konnte Sonja Amatis unsere Jurorin Julia Adrian so begeistern, dass sie das Buch aus fast 300 vorgeschlagenen Titeln (Longlist) in die Midlist Fantasy des Skoutz-Awards 2017 gewählt hat.

Wir haben uns die Geschichte, in der zwei junge Männer im Kampf gegen Vampire, Werwölfe und andere Wesen allen Gefahren trotzen, natürlich genaustens angesehen und ausführlich besprochen (weiterlesen).

 

 

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