Trennung von Autor und Werk

Autor und Werk – ist das wirklich unzertrennlich?

(kn) Akif Pirinçci, J.K. Rowling, Monika Maron … die Liste ist lang und durchaus prominent besetzt. Autoren, die sich im normalen Leben daneben benehmen und daher von der woken Internet-Community mit Boykott-Aufrufen abgestraft werden. Mehr noch, deren Leser nun beschimpft werden, wenn sie sich nicht sofort von den Werken dieser Menschen distanzieren und sie – losgelöst vom Inhalt des Werks – moralisch korrekt für unlesbar erklären.

Es zeigt aber auf jeden Fall auch, wie wichtig es für Autoren ist, sich als Person öffentlichen Interesses zu begreifen, und entsprechend verantwortungsvoll zu agieren. Die Autoren-Marke gewinnt als Erfolgsfaktor für Bücher massiv an Bedeutung. Mit allen Vor- und Nachteilen für die Buchwelt.

Das ist eine Entwicklung, die mich mit Sorge erfüllt. Weil Skoutz dafür steht, dass „nur die Geschichte zählt„, weil man die Weinfass-Jauche-Theorie nicht bei Menschen anwenden sollte. Schlimm genug, dass sie sonst so oft wahr wird.

Die Weinfass-Jauche-Theorie basiert auf der Erkenntnis, dass ein Glas Wein in einem Fass Jauche ein Fass Jauche ergibt. Und umgekehrt ein Glas Jauche in einem Weinfass eben auch. Das ist oft so in Prozessen, wo man Fehler nicht mehr ausmerzen kann.

Aber gilt das wirklich auch für Menschen? Sollten wir nicht diesem Wein ein bisschen mehr zutrauen? Nun ist kein Mensch nur „nett“ und schon gar keiner ohne Fehler. Nun gehört zur gesellschaftlichen Meinungsfreiheit auch, dass man Meinungen akzeptiert, die völlig konträr zur eigenen sind. Und das zeigt sich eben auch in der Forderung, Autor und Werk zu trennen.

Es geht dabei nicht darum, die Straftaten eines Autors zu tolerieren oder die Aussagen einer Autorin zu ignorieren, sondern darum, dass man sich beim Lesen in der Regel mit dem Buch und der erzählten Geschichte und nicht notwendig mit dem Menschen befassen will.

Gründe für ein Trennen von Autor und Werk

Gründe gibt es viele. Ich habe mal versucht, das ein bisschen zu sortieren:

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Ist es nötig?

Autor und Werk sind keine siamesischen Zwillinge. Harry Potter etwa ist ein Werk, das Millionen Menschen zum Lesen gebracht hat, das wie kaum ein anderes Buch die Fantasie beflügelt und Kindern wie Erwachsenen wichtige Werte wie Mut, Loyalität und Freundschaft vermittelt. Ebenso wie ein Verhältnis zum Tod und zur Ohnmacht bzw. der dafür erforderlichen Frusttoleranz. Diese Leistung kann man doch nicht wegreden?

Wird das entwertet, nur weil wir Frau Rowlings Einstellung zu bestimmten Themen nicht richtig finden? So, wie wir es aus der Presse mitbekommen, wohlgemerkt, denn wer hat mit ihr persönlich darüber gesprochen?

Ist das Buch unlesbar, weil es andere – fraglos auch wichtige Themen – nun nicht oder nicht mit derselben Intensität beleuchtet?

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Wie konsequent sind wir?

  • Würde ich eine erfolgversprechende Methode zur Krebstherapie verweigern, nur weil der sie entwickelnde Arzt homophob ist?
  • Bin ich selbst immer in allem was ich tue, so über jeden Verdacht erhaben, dass ich berechtigt bin, in dieser Form Steine zu werfen? Und wir sprechen hier nicht von dem Shitstorm, den die Autoren über sich für blöde oder auch strafbare Kommentare ergehen lassen, sondern über die Vorwürfe und Beschimpfungen von Lesern, die ihre Buchlieblinge nicht aufgeben wollen?
  • Würden wir einem Menschen zum Vorwurf machen, dass seine Eltern charakterliche Defizite haben? Haben wir Sippenhaft nicht hinter uns gelassen? Was können Harry Potter und Francis, der Kater aus Felidae, dafür, wenn wir uns über ihre Schöpfer ärgern? Was kann das Werk für seinen Autor? Oder auch hier eben der Leser, der die Figuren mag, ohne sich für den Autor zu interessieren.

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Ist es logisch?

  • Lesen wir künftig liebe schlechte Bücher aus woker Feder, nur weil die Menschen dahinter für Dinge stehen, die wir richtig finden?
  • Wie prüfen wir dann, ob sie wirklich dafür stehen oder das nicht nur als Aufhänger für eine Marketing-Kampagne verwenden?
  • Wie tief muss man künftig vor dem Kauf eines Buches recherchieren, ob der Autor auch in allen Belangen politisch korrekt ist und sein ganzes Leben hindurch war?
  • Wie gehen wir mit Büchern um, die von einem Autorenduo geschrieben werden, von denen der eine Part netter als der andere ist?
  • Was machen wir mit Pseudonymen?
  • Oder fragen wir vorher die Twitter-Hyänen, ob man das Buch kaufen darf? Oder kaufen wir es trotzdem und reden halt nicht mehr darüber? Kommunikation ist in diesen Tagen steter Empörung ohnehin ein Tretminenfeld geworden. Was aber bleibt an öffentlicher Kommunikation, wenn die Friedfertigen, Unaufgeregten und vielleicht auch mal Gleichgültigen sich aus Angst vor Stress nicht mehr äußern?

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Wo ist die Grenze?

Wer sagt mir, wann eine Bemerkung des Autors als lässlich, wann die Haltung einer Autorin mit einem Shitstorm bestraft genug und wann tatsächlich das Verhalten und die Haltung nur mit einem Boykott angemessen zu erwidern ist?

Wie gehen wir mit Büchern um, die von Menschen geschrieben wurden, die zeitlose Wahrheiten aufgeschrieben haben, aber in ihrem Leben Kinder ihrer Zeit waren? Da werden sehr viele Autoren im historischen Kontext Dinge gut und richtig gefunden haben, die uns heute unerträglich scheinen. Reden wir nur mal vom Tierschutz oder von Frauenrechten. Sind deren Werke jetzt alle zu verbannen?

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Geht es nicht doch um die Geschichte?

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns beim Lesen auf das Werk konzentrieren sollten. Wenn im Text homophobe, rassistische Begriffe vorkommen, ist das einen zweiten, auch dritten Blick wert. Da kann man gelegentlich auch über ein Nachbessern nachdenken, um das Werk in der heutigen Zeit verständlich zu halten. Oder auch einfach nicht mehr lesen. Das ist aber ein anderes, nicht minder spannendes Thema, über das wir uns auch schon Gedanken gemacht haben (wen es interessiert, der darf gerne hier weiterlesen).

Aber eine Geschichte, die für sich gut, spannend, wertvoll ist … die hat es schlicht nicht verdient, verbannt zu werden, nur weil man ihren Schöpfer nicht mehr leiden kann. Ein Mensch, der diese Geschichte für sich entdeckt, in ihr Freunde, Trost und Zuspruch findet, der hat doch jedes Recht, dieses Buch zu lieben!  Ist das nicht genau die Buchmagie, für die wir das Lesen mit solcher Leidenschaft verfolgen?

Was würde von einem ganzen Genre übrig bleiben, wenn wir uns von Lovecrafts Werk distanzierten, auch wenn er selbst ein paar sehr fragwürdige Ansichten im Leben vertreten hat? Was bleibt wirklich von Horror in der Literatur noch übrig, wenn wir nicht nur ihn, sondern eben auch all die Werke bannen würden, die sich eindeutig von ihm inspirieren ließen, also gerade nicht, die z.B. aktuell bei Harry Potter geforderte Distanz wahren? Sagen wir es ganz offen: Wenig! Wäre es das aber wert? Und wem wäre damit geholfen?

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Spricht tatsächlich auch etwas gegen eine Trennung von Werk und Künstler?

Ja. Für mich gibt es ein paar wichtige Argumente. Direkte und indirekte Gründe, Autor und Werk nicht zu trennen.

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Urheberschaft als Interpretationshilfe

Zunächst ist es oft hilfreich, wenn man ein bisschen vom Autor weiß, um ein Buch beurteilen zu können. Gerade Aussagen, die nur mitschwingen, aber nicht explizit getroffen werden. Wenn die Betrachtung in die andere Richtung geht, also. Es ist also ein Unterschied, ob man aus dem Buch heraus einen Blick auf den Autor wirft, oder ob man vom Autor kommend das Buch gar nicht mehr betrachten will. Wenn man, um es präziser zu fassen, die Verbindung vom Werk ausgehend herstellt, und nicht ein Werk (und dessen Leser!) wegen des Autors verurteilt. Das war und ist in der Textanalyse eine gängige und sinnvolle Methode. Aber sie beginnt am Text und endet nicht dort. 

Bücher sind Zeitdokumente

Wenn das Buch in einer anderen Zeit geschrieben wurde, sind bestimmte Aspekte, nicht unbedingt nur moralische, sondern auch wissenschaftliche anders zu bewerten. Goethe hatte ein anderes Demokratieverständnis als wir. Jules Verne hat Technik anders beschrieben als wir es heute täten. Und auch der große Kurd Laßwitz hat in Homchen naturwissenschaftliche Thesen aufgestellt, die damals top waren, aber heute eher antiquiert sind. Ein moderner Autor, der so etwas schreibt, wäre hochsuspekt, ob er nicht privat Aluhüte trägt und einen Reichsbürgerpass besitzt. Aber es ist offenkundig blödsinnig, das in diesen Fällen zu unterstellen.

Faktencheck

Auch aus Belletristik lernen wir. Daher ist es manchmal auch zur Bewertung der Glaubwürdigkeit einer Aussage praktisch zu wissen, ob der Autor hier womöglich tiefere Einblicke und Erfahrungen einarbeitet. Polizeiarbeit zum Beispiel werden Strafverteidiger oder Polizisten anders schildern als Autoren, die ihr Wissen durch CSI-Bingen gewinnen. Die Rettung eines Helden wird eine Medizinerin anders schildern als ein Schreiner.

Von daher interessiert mich bezogen auf das Werk selbst durchaus auch ein Blick auf seinen Menschen und dessen Hintergrund. Aber eben nicht außerhalb der Themen im Buch. Denn zwischen Werk und Künstler gibt es keine vollständige Deckung. Der Autor wird im Normalfall komplexer als sein Werk sein, vermute ich mal.

So wie also ein guter Mensch mal echt Mist liefern kann, kann doch auch ein Bösewicht was Gutes schaffen, versehentlich meinetwegen. Oder wie hat Goethe es schon Mephisto so ähnlich in den Mund gelegt: Es gibt die Kraft, die Böses will und Gutes schafft.

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Nachhaltige Verärgerung

Natürlich ist es legitim zu sagen, von diesem Menschen bin ich so enttäuscht, den will ich nicht mit meinem Fandom unterstützen. Mir ist die Freude an dem Buch verleidet (schade) oder ich will nicht, dass dieser Mensch von mir Geld bekommt, indem ich seine Produkte kaufe (auch wenn ich sie gern hätte).

Das ist eine Entscheidung, die ich vielfach für mich treffe. Nicht nur bei Büchern. Ich gehöre zB zu den Leuten, die von Werbung viel eher von einem Produkt abgeschreckt als angelockt werden. So boykottiere ich, der „markanten“ Werbung wegen, die ich so unerträglich finde, auch die wahrscheinlich guten Produkte eines schwäbischen Müsliherstellers. Aber berechtigt mich das dazu, nun die Müsliprodukteesser öffentlich als bescheuert, grenzdebil und geschmacksverirrt zu bezeichnen? Darf ich auch nur unterstellen, dass diese Leute die Werbung gut finden? Nein. Warum aber bei Büchern? Man ist nicht Rowlings Meinung, nur weil man ihre Bücher liest, die das Thema gar nicht behandeln.

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Meinungen kann man auch behalten

Meine Oma hat schon lange vor Internet und Twitter zu mir gesagt, dass ich meine Meinung haben und auch behalten darf. Das ist gerade heute sehr weise. Denn das Recht auf die eigene Meinung heißt eben nicht, jeder hat ein Recht auf meine Meinung. Und zu meiner Meinung gehört schon gar nicht, dass sich andere ihr entsprechend zu verhalten haben. Dann nämlich wird aus Freiheit Terror.

Natürlich kann man immer darüber diskutieren, wann man aus einer Haltung Konsequenzen ziehen sollte. Das wird ja auch gemacht. Und auch umgesetzt, wie bei diesem ehemals gehypten veganen Trendkoch mit dem kriegerischen Vornamen.

Aber jetzt jeden anzuzählen, der nicht sofort das zugehörige Kochbuch öffentlich verbrennt, erscheint mir doch übertrieben. Künftig seine Bücher nicht mehr zu kaufen, weil man das, was er mit dem Geld (vermutlich) machen wird, nicht unterstützen will, ist dann wieder eine andere, aber eben individuell zu treffende Entscheidung. Bei Pirinçci ginge es mir so, dass ich Felidae heute nicht mehr kaufen würde.  Was aber wäre, wenn man sie in der Bibliothek oder von einem Kumpel ausleiht? Fragen über Fragen …

Und keine Patentlösung als Antwort.

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Mein persönliches Fazit:

Es ist diese Diskussion ein Symptom der allgemeinen Unfähigkeit (oder Unwilligkeit), überhaupt noch zu differenzieren. Wir verlernen die Fähigkeit zu Kompromissen, zu einem Ausblenden, zu einem Ertragen von anderen Meinungen. Wir reagieren allergisch auf Ambivalenz und gieren nach einfachen Lösungen. Aber die gibt es nicht in einer komplexen Welt, und wenn, sind sie vielleicht vordergründig einfach, aber garantiert nicht gut.

Wir sollten dringend wieder versuchen, generell Themen von Menschen zu trennen. Ob das jetzt bei der Wahl ist, wo man nur noch über Kanzlerkandidaten aber nicht über Parteiprogramme spricht, oder eben in unserem Fall bei Büchern. Ob das jetzt darum geht, dass ich die Meinung meines Nachbarn zum Thema Igelschutz schätze, aber seine Haltung in der Flüchtlingsthematik für zu einseitig halte.

Darum bin ich dafür, Autor und Werk zu trennen. Dafür, dass man Harry Potter mögen oder hassen darf, für das, was drin steht! Natürlich kann man über die Inhalte bei Harry Potter diskutieren und sicherlich gibt es auch dazu Kritik, wie sie z.B. hier bei Alpakawolken zusammengetragen wurden (Link*; danke an Roxane Biker für den Hinweis).  Ich bin zB irreparabel beleidigt wegen Hedwigs Tod. Aber das ist ein ganz anderes Thema als das, was Frau Rowling in sozialen Netzwerken zum Gendern sagt und meint. Das kann ich trennen.

Und auch wenn ich es nicht kann oder will, ist nicht jeder doof, der das wieder anders sieht. Ich verstehe beide Seiten, aber ich bin schwer dafür, die Entscheidung wie man mit den Werken schwieriger Menschen umgeht, jedem Leser selbst zu überlassen.

(Edit) Ein guter Weg ist – und insofern ist die Diskussion zu diesem Artikel in den sozialen Netzwerken auch durchaus wertvoll – sicherlich: Kritisch einordnen und Werke nicht (mehr) ohne entsprechenden kritischen Verweis weiterempfehlen. 

4 Gedanken zu „Autor und Werk – ist das wirklich unzertrennlich?

  1. Ein ganz toller Beitrag – mal wieder.
    Das Thema krieg ich ja immer nur am Rande mit und vor allem in Bezug auf Rowling.
    Ich liebe ihre Bücher, ich liebe Harry Potter und die Werte, die sie darin vermittelt – und ja, ich mag das nicht, was man über ihre Meinung zu Gendern hört, aber ich sehe das so wie im Beitrag: kein Mensch ist durchweg schlecht, und auch nicht durchweg „gut“ Wobei das ja auch immer Ansichtssache und Blickwinkel ist 😀

    Wie so schön beschrieben: Wenn jemand rassistische Meinungen äußerst mag ich das nicht und ja, derjenige sinkt bei mir in der Skala, wenn derjenige aber auch ein Tierschützer ist, ist das ein Zug den ich dann mag. Ich muss ihn ja nicht heiraten und nicht alles akzeptieren, aber ich muss auch nicht alles verteufeln…

    Trennen so richtig kann ich Autor und Werk dennoch nicht. Was jemand schreibt kommt ja aus den Gedanken und Gefühlen des Schreibers, aber wie man bei Rowling so schön sieht: sie hat eine Menge guter und wichtiger Werte, die sie sehr schön vermittelt. Und ich hab auch in keinem ihrer Bücher (und ich hab bisher alles von ihr gelesen) etwas negatives in der Richtung gelesen was das viel umstrittene Thema bei ihr angeht.

    Bei anderen Autoren kriege ich das meist nicht mit (Akif Pirincci ist eigentlich sonst der einzige, und von M. Zimmer Bradley und Lovecraft hab ich auch was gehört), aber ich hab auch keine Lust jeden extra zu googeln und jede MEinung vorher abzufragen, bevor ich ein Buch lese. In den Geschichten shcwingt ja wie gesagt viel mit und wenn da sympathische Werte rüberkommen, dann reicht mir das im allgemeinen – um das Buch zu mögen.

    Liebe Grüße, Aleshanee

  2. Hallo Leute,
    ich mach es kurz: „Autor von Werk trennen“ ist ein Mittel in der Literaturanalyse, nicht in der Bewertung, ob man z. B. etwas weiter unterstützen sollte. Letzteres ist natürlich bei lebenden Autor*innen nochmal etwas schwieriger, weil Rowling gewonnene Aufmerksamkeit und Geld postwendend in transphoben Aktivismus umsetzt – mittlerweile wird sie von US-Republikanern als lobendes Beispiel erwähnt, wenn die mit der nächsten Bathroom Bill trans Menschen (und allen, die da als Kollateralschaden noch drunter fallen) das Leben schwer machen wollen.
    Lovecraft fällt da natürlich leichter, weil der nicht mehr von den Verkäufen seiner Werke profitiert. Hoffe ich. Aber selbst bei dem bieten sich ja Alternativen. Ganze Horrorzweige haben sich auf die Fahne geschrieben, Lovecrafts Horror von seinem Rassismus zu entkleiden, und uns so wunderbare Dinge wie Lovecraft Country beschert. Übrigens: Lovecraft war nicht „Kind seiner Zeit“, sondern wurde selbst von Zeitgenossen als außerordentlich rassistisch beschrieben.
    Die Konsequenzfrage ist übrigens erstens weniger hypothetisch, als vielleicht angenommen (James Marion Sims, der „Vater der Gynäkologie“, erlangte sein Wissen durch oft tödlich verlaufende Operationen an dazu gezwungenen Sklaven), aber mal ernsthaft: Der Lesespaß an Akif Pirinçcis Katzenkrimis sollte vielleicht eine etwas geringere Priorität als Menschenleben haben. Ich traue Menschen gerade noch zu, dass sie hier einen Unterschied sehen können, die Reductio Ad Absurdum läuft ins Leere.

    Detaillierter und besser gibt es das Gegenargument übrigens hier: https://eleabrandt.de/2021/09/30/trennung-werk-autor/

    1. Danke für den Beitrag! Und auch für den Link auf Elea Brandts Überlegungen.
      Klarstellend möchte ich nur betonen – dass es mir in dem Artikel grundsätzlich nicht um den öffentlichen Umgang mit den Autorinnen und Autoren ging, sondern tatsächlich um die Anfeindungen gegenüber der Fans der Bücher (nicht der Personen dahinter).
      Insofern finde ich es persönlich richtig, wenn man Bücher lebender Autoren wie Prinçci oder Hiltmann nicht mehr verlegen will, um sie nicht zu unterstützen. Oder auch an der Basis nicht mehr kauft. Aber rückwirkend als Fan nicht mehr sagen zu dürfen, dass man Francis aus Felidae mochte – oder sich gar dafür schämen zu sollen – das finde ich einfach zu weit.
      Auch bei Lovecraft ist natürlich auch eine (auch ethische) Weiterführung wie Lovecraft County ohne die grundsätzliche Qualität seiner Bildsprache nicht denkbar. Das zeigt aber genau meinen Ansatz: Lovecraft ist zu kritisieren, aber der Wert seines Werkes bedarf einfach einer differenzierteren Betrachtung – so wie es Lovecraft County ja auch macht, obwohl das dann ja theoretisch Rosinenpicken wäre. Nein, es ist schwierig und ich finde, es gibt da kein klares „Ja“ und „Nein“, sondern halt ein persönliches Abwägen in jedem einzelnen Fall.
      Kay

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