Stefan Cernohuby

zu Besuch bei Stefan Cernohuby

Heute treffe ich Stefan Cernohuby, der uns bereits im letzten Jahr als Science-Fiction Juror beim Skoutz-Award unterstützt hat. Heuer steht er selbst als Herausgeber mit einer spannenden Anthologie auf der Midlist, weshalb ich ihn nun in seiner Funktion als Herausgeber ein wenig befragen werde. Obwohl wir bereits auf einigen Messen das Vergnügen hatte, ein wenig zu plaudern, bin ich schon sehr gespannt, was er mir alles erzählen wird.

 

zu Besuch bei Stefan Cernohuby,
der Fantast, der sich gern auch mal in anderen Genre ausprobiert

 

© Janett Cernohuby

In der Kürze liegt die Würze – Warum gilt das auch für Geschichten?

Weil eine Kurzgeschichte eine ganz andere Disziplin ist, als das Romanschreiben.

Wie äußert sich das?

Manchmal will man kann kein 12-Gänge-Menü, sondern einen würzigen Snack für zwischendurch. Dafür sind Kurzgeschichten ideal.

 

Was bewegt dich, Anthologien herauszugeben?

So habe ich zum Schreiben gefunden. Zuerst über die Veröffentlichung eigener Kurzgeschichten, dann als Projektleiter und Herausgeber. Und wenn so etwas schon mal gut funktioniert, warum damit aufhören?

Da kann ich dir nur zustimmen. 🙂

 

 

Was braucht eine gute Anthologie für dich? Was ist ein gutes Anthologie-Thema?

Zuallererst braucht eine gute Anthologie gute Geschichten.

*lach* Davon bin ich ausgegangen. Wie bekommt man die?

Das heißt, sie benötigt eine gute Ausschreibung und einen Herausgeber, der es schafft, die Autoren mit dem richtigen Thema zu motivieren, um möglichst viele und gute Kurzgeschichten zu haben, aus denen er auswählen kann. Ein gutes Thema ist eines, das sowohl Autoren als auch mögliche Leser neugierig macht.

 

Was glaubst du, wie viele Geschichten sind perfekt für eine Anthologie und wieso?

Das kommt auf die Länge der Anthologie und der Kurzgeschichten an.

Gibt es da einen groben Richtwert?

Um wirklich gute Häppchen für zwischendurch zu haben, sind 20.000 bis 30.000 Zeichen ideal. Das können dann zwischen 10 und 15 Geschichten für eine 300-seitige Anthologie sein.

 

 

Anthologien sind in Deutschland – anders als in vielen anderen Ländern – relativ schwer an den Leser zu bekommen. Woran liegt das und woher nimmst du den Mut/die Kraft/die Sturheit, es trotzdem zu versuchen?

Es stimmt. Die Kurzgeschichte wird hierzulande nicht so sehr als Kunstform geschätzt, wie beispielsweise in Übersee. Aber die Qualität der Geschichten ist deshalb nicht geringer. Und wenn man das richtige Thema hat, das passende Cover, die richtigen Autoren und natürlich geniale Kurzgeschichten, ist es trotzdem nicht undenkbar, vierstellige Verkaufszahlen zu erzielen.

Das klingt wirklich gut und motiviert sicher auch.

Nachdem das mit meiner allerersten Anthologie als Herausgeber funktioniert hat, sehe ich keinen Grund dazu, damit aufzuhören.

 

 

Nach welchen Kriterien wählst du die Geschichten aus? Vielfalt? Bekannte Namen? Persönlicher Geschmack? Würfeln oder Orakeln?

Das kommt ganz auf das Konzept der Anthologie an. Bei einer offenen Ausschreibung ist Vielfalt am Wichtigsten. Bei einer Einladungsanthologie sind es natürlich auch die Namen, die zählen.

Wirken sich prominente Teilnehmer so stark aus?

Wenn man verschiedene Preisträger unter den Mitautoren hat, hilft das natürlich schon.

Und bei einer Ausschreibung?

Wenn es sich aber um eine Ausschreibung handelt, ist eine Jury von drei Personen zur Auswahl der Geschichten ideal.

 

 

Was war dein verrücktestes Erlebnis als Herausgeber?

Mein verrücktestes Erlebnis war eigentlich im Vorfeld zu den „Hilfskräften“.

Jetzt bin ich neugierig. Was ist da passiert?

Ich hatte gerade Autorin Andrea Bottlinger erklärt, warum ich mich bei Anthologien in Zukunft etwas zurückhalten wollte, als sie mir sinngemäß sagte. „Das ist aber Schade. Tom Orgel und ich wollen schon seit Jahren ein Anthologieprojekt umsetzen, schaffen es aber nicht.“ Da war mein Widerstand schon fast gebrochen.

 

 

Mit vielen Autoren zusammenzuarbeiten kann schön, aber sicher auch anstrengend sein, oder?

Gelegentlich. Allerdings ist das eigentlich nur der Fall, wenn man einander nicht bereits kennt.

Das bedeutet?

Jeder Autor hat seine Eigenheiten, was Schreibstil, Lektorat oder Einhaltung der Deadlines angeht. Wenn man diese schon im Vorfeld kennt, kann man die größten Ärgernisse vermeiden.

 

 

Was wäre das größte Kompliment für dich als Herausgeber?

Wenn mir jemand sagt, dass er eine Serie an der ich beteiligt war oder einen Roman gekauft hat, weil er eine Anthologie von mir kannte.

 

 

Welche Superkraft hättest du gern?

Eine Superkraft, die es mir erlaubt, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Das wäre oft dringend nötig.

Ich fühle mit dir. Die bräuchte ich auch 😉

 

 

Für welches Produkt würdest du Werbung machen?

Trello.

Was ist das genau?

Das ist ein Gratis-Tool für Projektmanagement, mit dem ich auch alle meine Anthologien organisiere. Dafür könnte ich guten Gewissens Werbung machen.

 

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Buchinterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Sind Sie zufrieden mit dem Jahr 2019?

Das freut mich zu hören. Tausend Dank, lieber Stefan Cernohuby, dass du dir die Zeit genommen hast, mich zu treffen. Deiner Anthologie wünsche ich für den weiteren Wettbewerb viel Erfolg und wer weiß, vielleicht sehen wir uns in Frankfurt zur Preisverleihung des Skoutz-Awards bereits wieder.

 

Mehr über Stefan Cernohuby und seine Projekte erfahrt ihr auf:

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Skoutz Lese-Tipp: Stadt unter dem Meer – Auf den Spuren H.P. Lovecrafts – spannende Anthologie von Nina Horvath, Sabrina Hubmann & Eric Hantsch (Hrsg.)

R’lyeh, dieser Name weckt in jedem Leser der Phantastik- und Horror-Literatur sofort düstere Assoziationen.
R’lyeh, die monolithische Stadt, versunken irgendwo im Pazifik, Schlafstatt des großen Cthulhu und Hüterin blasphemischer Schrecken. Ein Ort, der allem Menschlichen Hohn spricht und an dem Naturgesetze keine Bedeutung haben. Nur mit flüsternder Stimme lässt H. P. Lovecraft seine Protagonisten von diesem »Atlantis des Schreckens« sprechen.

Erneut machen sich die Geschichtenweber auf, den lovecraftschen Kosmos um weitere Facetten zu bereichern. Denn mit dem Untergang R’lyehs ist der Kosmische Schrecken nicht aus der Welt verschwunden!

Skoutz meint: Die bereits vierte im Verlag Torsten Low erschienene Anthologie, die auf den Spuren H.P. Lovecrafts wandelt. Weltweit faszinieren die Geschichten des Altmeisters Leser und Autoren und in diesem Werk haben sich einige zusammengefunden, die den Mythos R’lyehs aufgreifen und völlig neu interpretieren. Düster, geheimnisvoll und in jedem Fall mitreißend erleben wir Kurzgeschichten, die uns das Grauen lehren und dennoch extrem gut unterhalten.

 

Hinweis:

In “Die Hilfskräfte – Die wahren Herren des Dungeons”, das im März 2018 beim Amrun Verlag veröffentlicht wurde, bietet uns unser ehemaliger Skoutz-Juror Stefan Cernohuby eine Sammlung verschiedener Kurzgeschichten über die kleinen aber wichtigen Helferlein in Dungeons, die jeder Fantasy-Fan genauestens kennt. Auf 300 Seiten bekommen wir verschiedene Einblicke hinter die Kulissen eines Dungeons.

Mit seiner Sammlung von ausgewählten Kurzgeschichten konnte Stefan Cernohuby unsere Skoutz Jurorin Stella Delaney überzeugen. “Die Hilfskräfte – Die wahren Herren des Dungeons” wurde aus über 300 Titeln der Anthologie-Longlist erwählt. Die Hilfskräfte ergatterten einen der begehrten Midlist-Plätze und damit vielleicht die Chance auf den Skoutz Award 2019. Sie hätten es verdient.

Mehr Details zu der Anthologie findet ihr wie immer in der ausführlichen Buchvorstellung. (Weiterlesen)

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