Interview Mira Valentin

zu Besuch bei Mira Valentin

Heute sind der Skoutz-Kauz und ich im Hessischen Hinterland unterwegs, um gemeinsam Fantasy-Autorin Mira Valentin zu besuchen. Unser letztes Treffen liegt schon eine Weile zurück und ich bin gespannt, was sie in den letzten Jahren alles erlebt hat und welche Neuigkeiten sie womöglich für uns hat. Dass eine Menge bei ihr los war, konnte ich bereits auf ihren Social Media Kanälen verfolgen. Aber heute bin ich hier, um ihr zu ihrer Nominierung für das Finale des Skoutz-Awards zu gratulieren.

Fantasy

Martina zu Besuch bei Mira Valentin, die zu jedem Buch ein Tattoo oder ein Cosplay kreiert …

Copyright @wustaphoto

Liebe Mira, vielen Dank, dass du dir wieder einmal die Zeit genommen hast, uns zu treffen. Und bevor ich jetzt lange Reden schwinge, würde ich sagen, wir fangen direkt an …

 

Welches ist die größte Herausforderung, der man sich als Autor stellen muss?

In jeder Lebenslage cool zu bleiben – sei es auf der Bühne während einer Lesung oder vor dem Rechner bei der Entdeckung einer fiesen Rezension.

Ja, ich hab jetzt schon öfter gehört, dass der Ton in Rezensionen wohl härter geworden ist.

 

Hast du Lieblingsworte in deinen Skripten, die vom Lektorat regelmäßig angestrichen werden?

Bei mir sind es weniger einzelne Worte als vielmehr gewisse Satzkonstruktionen.

Kannst du mir das erläutern?

Beispielsweise habe ich nun (hoffentlich) gelernt, dass die Aussage „Das macht Sinn“ so nicht im Duden steht, sondern allenfalls „Das ist sinnvoll“ oder „Das ergibt Sinn.“

Spannend und schon wieder etwas gelernt 🙂

Darüber hinaus weiß ich zwar ganz genau, dass Hauptsätze nach einem Doppelpunkt großgeschrieben werden, aber ich schreibe sie dennoch ständig klein.

Ja, manchmal sind solche Sachen einfach in einem drin.

Mein lustigster Vertipper, den ich in meiner Enyador-Reihe mindestens zwanzigmal gemacht habe, war „Katabomben“ statt „Katakomben“.

*Lach* Wobei ich Katabomben echt gut finde. Hat was.

 

Was ist deine präferierte Erzählform?

Ich verwende meistens die personale Erzählform.

Hat das einen speziellen Grund?

Ich finde sie für High Fantasy und Historische Fantasy passender als die Ich-Perspektive, die ich wiederum bei meiner Urban-Fantasy-Reihe gewählt habe. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Das mit Sicherheit. Aber wäre es nicht einfacher, alle Bücher in der gleichen Form zu schreiben? Dann müsstest du nicht umdenken. 

Mit der Ich-Form komme ich näher an das Innenleben der Protagonisten heran, die personale Form hält dagegen mehr Abstand, damit ist sie erwachsener und klassischer. Flapsige Ausdrücke und Umgangssprache sind hier nur noch innerhalb der Dialoge angesagt. Letztendlich muss die Erzählform einfach zum Buch, den Protagonisten und der Zielgruppe passen.

Stimmt.

 

Bist du im Team Adjektiv oder bevorzugst du eher einen „schnörkellosen“ Stil?

Im Team Adjektiv auf gar keinen Fall, denn das Adjektiv ist der erste Schritt ins „Tell, but not show“. In meiner journalistischen Ausbildung mussten wir zu Übungswecken mal einen Text schreiben, der kein einziges Adjektiv enthalten durfte – schon damals waren diese bösen Dinger verpönt. Natürlich verwendet man sie in Maßen dennoch, wenn kein Raum für lange Beschreibungen ist. Aber wahres Kopfkino weckt man mit Verben.

Team Verbvariationen also.

Einfaches Beispiel: „sagte er leise“ wirkt niemals so schön wie „raunte er“, „wisperte er“, „flüsterte er“.

Stimmt.

Und „Ängstlich ging sie durch den Tunnel“ bringt die Lesenden nicht zum Mitfühlen. Dann besser Beschreibungen wie „Schweißperlen standen auf ihrer Stirn, während sie sich Schritt für Schritt weiter vorwagte. Ihr Herzschlag pochte in ihren Ohren und es kam ihr so vor, als würde die Luft mit jedem Atemzug dicker werden.“

 

Hast du einen speziellen Trick, um aus deinen Figuren echte Persönlichkeiten zu machen?

Eigentlich nur einen, doch der ist einfach und funktioniert perfekt.

Und der wäre?

Ich versetze mich voll und ganz in sie hinein – auch in die bösen und zwiespältigen Exemplare. Sie handeln dadurch immer so, wie ich es an ihrer Stelle täte.

Das hilft sicher beim Schreiben. 

Wichtig ist mir, nicht immer nur glatte Charaktere zu erschaffen, sondern solche, an denen der Lesende sich auch reiben kann. Macken und Kanten machen eine Figur sympathisch, menschlich und interessant.

 

Welchen Fehler darf man beim Schreiben keinesfalls machen?

Zu viele Adjektive benutzen 😀

Das habe ich mittlerweile verstanden 🙂 Sonst noch etwas, was man unbedingt vermeiden sollte?

Den roten Faden der Geschichte verlieren. Zu viele Fäden spinnen, die man anschließend nicht mehr wiederfindet. Genau so schreiben wollen, wie ein bestimmter anderer Autor. Langweilige Charaktere erschaffen, die alle blond und lieb sind. Sich innerlich zügeln und zensieren, um es allen recht zu machen. Ach, die Liste ist ellenlang.

*lach* den Eindruck habe ich auch …

Viele Fehler begehe ich auch heute noch, aber man darf nie aufhören, zu lernen.

 

Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

„Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann“ von Andreas Hock.

Der Titel lässt mich erschaudern!

Ich mag Ausführungen über die Entstehung und Veränderung von Sprache, vor allem, wenn sie ein bisschen böse geschrieben sind.

 

Welche 3 Dinge sind dir aktuell am wichtigsten im Leben?

Meine Familie, meine Freunde, meine Bücher. In dieser Reihenfolge.

 

Wenn du wählen könntest, wärst du lieber extrem intelligent oder gut im Umgang mit Menschen?

Jetzt wird vermutlich von mir erwartet, dass ich die zweite Antwort wähle, aber tatsächlich wäre ich lieber extrem intelligent.

Das kann ich voll verstehen, schließlich hat beides Vor- und Nachteile. Aber zurück zur Frage, welches Know-how würde dich besonders ansprechen?

Ich würde gerne alles Wissen der Welt in mich aufsaugen und zwanzig Sprachen sprechen. Es gibt so vieles zu entdecken und dafür reichen meine Gehirnzellen leider nicht aus. Außerdem würde eine solche Gabe unser Mathe-Homeschooling ganz enorm erleichtern.

Absolut, Homeschooling hat sicher viele Eltern an ihre Grenzen gebracht 🙂

 

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Für ein weinendes Kind, einen jaulenden Hund oder eine spontane Idee, wie mein nächstes Kapitel beginnen könnte.

 

Was ist deine größte Stärke?

Resilienz. Ich kann viel aushalten und ging bisher aus allen Herausforderungen meines Lebens körperlich und psychisch gesund hervor.

Das ist wahrlich eine Stärke.

Hoffentlich bleibt das so.

Ich wünsche es dir.

 

Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das dein fünf-jähriges Selbst tun würde?

Sich 20 Kugeln Eis holen und innerhalb von zwei Minuten aufessen.

*lach* Als Kind ging das noch ohne Probleme, heute wäre einem nach einem Bruchteil wahrscheinlich schon schlecht …

Anschließend würde ich mit einem 7,5-Tonner ins Tierheim fahren, wo ich alle Hunde, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen kaufen würde, weil sie mir so furchtbar leidtun und niemand es verdient hat, ungeliebt zu sein.

 

Welcher fiktionale Charakter ist in Buch/Serie/Film unglaublich, wäre aber in banalen alltäglichen Situationen unerträglich?

Deadpool.

Ich ahne schon, was kommen könnte, frage aber dennoch, warum?

Im wahren Leben würde ich ihn nach fünf Minuten unangespitzt in den Boden rammen, weil er unhöflich, sexistisch und fies ist. Aber im Film finde ich ihn trotzdem irgendwie cool.

 

Stell dir vor, du würdest einen Geheimbund gründen, wie würdest du ihn benennen und was wäre eure Mission?

Ich habe ihn bereits gegründet!

Echt? Erzähl uns mehr!

Er heißt Armee der Talente und seine Mission ist es, den Menschen ihre wahren, echten und tiefen Gefühle zurückzugeben. Nachzulesen in Mira Valentins „Das Geheimnis der Talente“.

 

Gibt es etwas, das du kannst, die meisten anderen Menschen aber nicht?

Ja, Schluckauf vertreiben durch eine spezielle Hüpftechnik auf einem Bein, bei der man sich die Ohren zuhalten und den Kopf schief legen muss. Hilft hundertprozentig, aber ich werde es niemals öffentlich vorführen!

Na toll, ich wollte gerade fragen *grins*

 

Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Das Beste, was ihr im Leben werden könnt, ist ihr selbst! Authentizität ist alles.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank, liebe Mira Valentin, dass wir dich besuchen durften. Es war wie immer total spannend und ich freu mich schon, wenn wir wieder einmal das Vergnügen haben. Deinem Roman „Nordblut“ wünschen wir für den weiteren Wettbewerb viel Erfolg.

 

Mehr Informationen zu Mira Valentin und ihren Büchern bekommst du auf:

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Skoutz Lesetipp:

Mira hat auf die Möglichkeit verzichtet, auf eines ihrer Bücher hinzuweisen und möchte lieber, dass wir ein Buch einer Kollegin empfehlen, das ihr besonders am Herzen liegt. Seht selbst, dann versteht ihr auch warum.

Ein Engel für die Titanic – historischer Fantasyroman von Kathrin Wandres

Jeder kennt den Untergang der Titanic. Doch weißt du auch, weshalb manche auf wundersame Weise gerettet wurden? 

Als Schutzengel Lucine erfährt, dass die Titanic auf ihrer Jungfernfahrt mit einem Eisberg kollidieren und sinken wird, beschließt sie, alles zu riskieren, um wenigstens einige der Passagiere vor dem sicheren Tod zu bewahren. Aber nur als Mensch darf sie die Titanic begleiten. An Bord trifft sie auf die unterschiedlichsten Personen, und alle haben eine Sache gemeinsam: Sie werden sterben. Ob es nun der vornehme Baron von Drachstedt ist, der siebzehnjährige John aus einer wohlhabenden Familie oder die mittellose Anna aus Finnland, der Heizer Fred oder der Ausguck, welcher den verhängnisvollen Eisberg entdecken wird – alle erwartet ein grausames Schicksal. Wird Lucine in der Lage sein, auch nur einen von ihnen zu retten, ohne dabei ihr eigenes Leben zu verlieren?

Mira Valentin meint: Wir alle haben den Film „Titanic“ gesehen, aber in diesem Buch steht noch so viel mehr, das tatsächlich passiert ist, aber kaum jemand weiß. Historisch, fantastisch und super-spannend! Ihr werdet darin versinken! 😉

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Banner Kathrin WandresSkoutz meint: Dass Kathrin Wandres schreiben kann, wussten wir schon. Nicht zuletzt deshalb haben wir sie auch schon mal besucht (weiterlesen). Aber hiermit ist ihr wirklich ein sehr, sehr spannendes Buch gelungen. Was ich umso erstaunlicher finde, als man ja eigentlich bis in die Details aus Filmen und Dokumentationen weiß, was passieren wird. Und trotzdem … Ganz, ganz großes Gefühlskino! Cameron kann meinetwegen zuhause bleiben! (kn)

Informationen zum Buch inklusive Leseprobe bekommt ihr über unseren Affiliate-Link auf Amazon*.

 

Hinweis:

Nordblut - Fantasy Shortlist 2021 - Skoutz-AwardWas, wenn du nur eine Figur auf dem Spielbrett der Götter bist? Mira Valentin zieht mal wieder alle Register und uns in ihren Bann …

Und Vorjahres-Siegerin J.K. Bloom, die sie aus über 300 vorgeschlagenen Titeln auf der Longlist Fantasy 2021 die  Midlist Fantasy ausgewählt hat. Eines dieser Bücher ist “Nordblut – Wölfe wie wir“, der erste Teil der High Fantasy-Wikinger-Saga von Mira Valentin, und zugleich auch einer der Titel, die den Sprung auf die Shortlist 2021 geschafft haben und im Finale stehen.

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Mehr Infos und eine ausführliche Besprechung findet ihr wie immer in der Buchvorstellung des Titels (weiterlesen).

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Wenn ihr die Bücher schon kennt, würdet ihr uns, dem Autor und allen lektüresuchenden Lesern einen großen Gefallen tun, wenn ihr das Buch in der Skoutz-Buchdatenbank mit einer  Skoutz-Buchfieberkurve bewerten würdet. 5 Klicks statt 5 Sterne. Einfacher lässt sich eine Rezension nicht schreiben, bequemer kann man sein nächstes Buch-Date nicht finden. Und so helft ihr, dass unsere Buchfindemaschine weiter wächst.

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