Interview MIchael Merhi

Zu Besuch bei Michael Merhi

Heute bin ich mit dem Skoutz-Kauz unterwegs zu einem Autor, den ich sehr, sehr gerne mag, weil ich mich mit ihm immer sehr angeregt unterhalte. Michael Merhi ist ja ein altgedienter Skoutz, der auch schon selbst als Juror beim Award dabei war.

Und in diesem Jahr ist er mal wieder Kandidat von unserem Dungeon-Master André Wegmann, denn mit This is Madness ist bei ihm sehr anschaulich Schluss mit Kuscheln und so kann es gut passieren, dass er sich von der Midlist Horror des Skoutz Awards 2021 auch in die nächste Runde auf dem Weg zum Horror-Skoutz vorkämpft.

 

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Kay zu Besuch bei Michael Merhi, der auch blumig kann …

Lieber Michael, ich habe mich so gefreut, dich auf der Midlist zu finden, weil das ein Gespräch zwischen uns verhieß. Es ist schon irgendwie traurig, dass im Alltag so wenig Zeit bleibt. Umso schöner aber jetzt!

Lass uns am besten gleich anfangen …

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Welches ist die größte Herausforderung, der man sich als Autor stellen muss?

Das blütenweiße Strahlen einer Manuskript-Seite, die danach schreit, mit Worten gefüttert zu werden.

Lustig, dass du das so siehst, lustiger noch, dass du es so ausdrückst. Ich hätte jetzt erwartet, dass du da gar keine Probleme hast, sondern Banzai schreiend in die Tasten hackst, bis das Blut spritzt … im übertragenen Sinne.

Es ist manchmal sehr schwer, Mails und Telefonate zu ignorieren, um endlich zum Schreiben zu kommen. Abzuschalten scheint da manchmal unmöglich zu sein, wenn man im Hauptjob noch eine ellenlange To-do-Liste zu erledigen hat und man sich dennoch die Zeit nehmen muss, den Belangen und Wünschen seiner Protagonisten nachzugehen.

Glaub mir, ich weiß, wovon du sprichst. Umso schöner, wenn es dann dennoch klappt.

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Hast du Lieblingsworte in deinen Skripten, die vom Lektorat regelmäßig angestrichen werden?

Das verrate ich nicht 🙂

Okay, dann weiter … Bei dir könnte ich mir sogar vorstellen, dass sie auf unserer jugendfreien Seite ohnehin geschwärzt werden müssten.

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Was ist deine präferierte Erzählform?

Auktorialer Erzähler, dritte Person.

Ist notiert. Ich finde es übrigens spannend, dass bei unserer Interview-Reihe in diesem Jahr bei dieser Frage tatsächlich die größte Diskrepanz in der Horror-Truppe erscheint. Da gibt es ein klares Ja zur 3. Person und ebenso viele, die vehement für die erste schwärmen, Stefan Krell zum Beispiel.

Als Herausgeber bist du da deutlich vielseitiger. Das finde ich stark.

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Bist du im Team Adjektiv oder bevorzugst du eher einen „schnörkellosen“ Stil?

Das hängt immer von der Situation ab, die ich gerade beschreibe.

Das höre ich öfter. Woran machst du persönlich deine Entscheidung fest?

Manchmal geht es gleich zur Sache und ich verzichte auf jegliche Adjektive. Ich mag es aber auch blumig.

Echt? Blumig? Du? Hast du ein Beispiel?

Hier mal ein kleines Beispiel aus meinem neuen Roman, Glasgow Smile, der im Dezember bei Redrum Books erscheinen wird:

Der Dildo der Kategorie ›Extra Large, extra Strong, extra Black‹ steckte so tief in ihr drin, dass sogar die Zehen zitterten. Es war wirklich ein schöner Dildo. Ein Einzelstück. Ein Unikat.

Ich hätte auch schreiben können: Der Dildo war groß! 🙂

Ohne Frage. Und es wäre ebenso unbestritten nicht dasselbe. Ich bin gespannt auf den Rest des Buchs. Die Merhis verstehen ja immer zu überraschen.

Wenn wir schon bei Wortmalereien sind …

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Hast du einen speziellen Trick, um aus deinen Figuren echte Persönlichkeiten zu machen?

Nein!

So vehement hatte ich das jetzt noch nicht. Warum?

Wenn sich eine Figur nicht von allein entwickelt, dann hat sie einfach nichts zu sagen.

Interessanter Ansatz, der aber nahelegt, dass du deinen Figuren ein hohes Maß an freiem Willen zugestehst. Findest du das nicht auch schwierig, also von der Seite …

Klar, wenn sich mal ein Charakter herauskristallisiert, dann ist er/sie immer ziemlich speziell und superdickköpfig. Gegen diese Meute komme ich dann als Autor nicht an und sie entwickeln ihr Eigenleben. Das ist schon sehr skurril.

Oh ja, ich stelle für mich dann immer fest, dass ich im Umgang mit meinen Figuren einfach zu antiautoritär eingestellt bin, aber bei Horror-Romanen stelle ich mir das nochmal eine Schippe fordernder vor.

Aber vom Verzicht auf Tricks abgesehen …

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Welchen Fehler darf man beim Schreiben keinesfalls machen?

Über etwas zu schreiben, das man selber nicht lesen würde. Ich sehe es immer öfter, dass viele Autoren über dies und jenes Schreiben, nur weil sie denken, dass das Genre oder das Thema gerade boomt.

Wohl wahr. Das hat Julia Dippel auch sehr eindringlich beschrieben, warum das im Prinzip nicht gehen kann. Und das ist auch gleich eine wunderbare Überleitung zu meiner nächsten Frage …

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Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Der Kurzgeschichten Band ›Der Friedhof der vergessenen Bücher‹ von Carlos Ruiz Zafon. Das ist wunderschön geschrieben.

Den habe ich auch gelesen, aber ich mag generell die … wie soll ich sagen … unaufgeregte Art, wie er schreibt. Und auch, worüber. Man merkt beim Lesen, dass ihm am Herzen liegt, wovon er erzählt.

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Welche 3 Dinge sind dir aktuell am wichtigsten im Leben?

Der Redrum Books Verlag. Meine Kinder. Meine Autoren.

Das erklärt auch, warum deine Autoren so gern Redrummer sind. Das merke ich immer wieder, wenn ich sie für meine Interviews besuche.

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Wenn du wählen könntest, wärst du lieber extrem intelligent oder gut im Umgang mit Menschen?

Häh? Doofe Frage!

Gar nicht! Aus der haben wir schon die tollsten Gespräche entwickelt, aber wenn du sie nicht magst, machen wir weiter …

 

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Nur wenn die Blase drückt 🙂

Ob du es glaubst oder nicht, an der Toilettentür scheint man nachts echt viele Leute treffen zu können. Mich würde wirklich interessieren, wie das in Zeiten war, wo noch nicht jeder sein Privatklo hatte, sondern sich oft Haushalte auf dem Stockwerk eins teilen mussten. Ob da dann nachts Spontanpartys entstanden sind? Der Ursprung des Flashmobs quasi?

Aber so wie ich dich einschätze, dürftest du nun auch nicht der sein, der allzu geregelte und vor allem lange Ruhephasen hat.

Natürlich. Als Unternehmer bin ich immer erreichbar und bin für alle da, wenn mal der Schuh drückt. Ich bin ja nicht nur Autor, sondern auch Verleger und muss den Belangen von vielen Autoren, Lektoren und anderen Menschen nachgehen. Wirklich ausgeschlafen habe ich schon lange nicht mehr.

Da passt die nächste Frage perfekt …

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Was ist deine größte Stärke?

Ich kann gut mit Menschen. Siehe oben.

Ah so. Und du verstehst es spannend zu machen, darum kommt die Antwort auch erst jetzt. Lach.

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Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das dein fünf-jähriges Selbst tun würde?

Es würde sofort Sport machen. Haha 🙂

Es sei dir nachgesehen, dass der große Michael da weniger aktiv ist, immerhin – auch siehe oben – hast du echt viel um die Ohren und am Hals!

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Welcher fiktionale Charakter ist in Buch/Serie/Film unglaublich, wäre aber in banalen alltäglichen Situationen unerträglich?

Hannibal Lecter!

Der wird öfter genannt, wobei ich persönlich mit ihm keine Probleme hätte, solang er mich nicht zum Essen einlädt. Scott Medbury hingegen wäre sogar ausdrücklich gern mal bei ihm auf ein Lendensteak und einen Rotwein, um über die Welt und Hannibals Kindheit zu philosophieren.

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Stell dir vor, du würdest einen Geheimbund gründen, wie würdest du ihn benennen und was wäre eure Mission?

Das habe ich schon. Redrum Books. Make Horror Great Again!

Naja, so wahnsinnig geheim ist das zum Glück ja nicht.

Okay, wir sind nicht geheim, aber ein Geheimtipp!

Das wollen wir auch noch ändern! Wir bei Skoutz bemühen uns auch, euch in diesem Anliegen nach Kräften zu unterstützen!

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Gibt es etwas, das du kannst, die meisten anderen Menschen aber nicht?

Nope!

Da kenne ich dich jetzt zu gut, um das so zu glauben, aber kommen wir zur letzten Frage, die eigentlich gar keine ist …

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Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Ich nehme nie ein Blatt vor den Mund. Weder in meinen Büchern noch im Privatleben. Mein Motto ist aber simpel und lautet: Seid lieb zu einander!

Oh ja! Wenn danach mehr Leute lebten, hätten wir weniger Horror im Leben und mehr Zeit für den in Büchern.

Lieber Michael, wenig überraschend war auch dieses Treffen wieder ein Fest! Ich hoffe sehr, du kommst noch weit im Wettbewerb. Lass uns dieses Gespräch unbedingt bald mal wiederholen, vielleicht zum Launch von Glasgow Girl, oder gern auch bei einer unserer Skoutz-Diskussionsrunden, da sind Leute, die gradraus sagen, was sie denken (und dabei denken) hochwillkommen. 

Dankeschön!

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Hier könnt ihr mehr über Michael Merhi erfahren:

 

Skoutz-Lesetipp

Glasgow-Smile – Rächerhorror von Michael Merhi

Glasgow Smile - Michael MerhiIhr mochtet Candygirl? Provokation zieht euch magisch an? Ihr verkraftet den Missbrauch von minderjährigen Mädels, schutzbefohlenen Personen? Ihr steht auf Leid und Schmerz?

Dann werdet ihr auch This Is Madness mögen! Michael Merhi befasst sich wieder einmal sehr plastisch mit häuslicher Gewalt, aber diesmal wird alles ganz anders kommen, denn jetzt wird das Opfer zum Täter und schlägt brutal zurück!

Seid ihr bereit?

Skoutz meint: Auch wir kennen das Buch noch nicht, aber da ich weiß, was Glasgow Smile im Milieu bedeutet, nämlich ein meist zur Bestrafung dienender Schnitt von den Mundwinkeln bis zum Ohr, ahne ich, dass es mal wieder heftig zur Sache gehen wird. Und weil ich Michael Merhi kenne, weiß ich auch, dass er das sehr anschaulich beschreiben wird. Ein Buch, das bestens geeignet, den weihnachtlichen Zuckerschock zu überwinden und etwas Leben in die Schatten der dunkelsten Zeit des Jahres zu bringen (kn). 

Wenn ihr wie wir neugierig geworden seid, dann könnt ihr das voraussichtlich im Dezember 2021 erscheinende Buch jetzt schon beim Verlag über diesen Link* vorbestellen.

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Mehr Info

This is Madness - Michael Merhi - MLHOR 2021Michael Merhi wurde mit This is Madness, einem verdammt frontalen und dennoch sehr perfiden Horror-Thriller über eine richtig kranke Beziehung von André Wegmann für die Midlist Horror des Skoutz-Awards nominiert.

Natürlich haben wir uns den Untoten gestellt, das Buch bereits gelesen und können es nun wirklich wärmstens empfehlen (weiterlesen).

Wir sind gespannt, wie sich das Buch im weiteren Verlauf des Wettbewerbs schlagen wird, hoffen aber, dass die Zombies bis zum Finale durchhalten kann.

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Hinweis:
Wenn ihr die das Buch schon kennt, würdet ihr uns, dem Autor und allen lektüresuchenden Lesern einen großen Gefallen, wenn ihr das Buch in der Skoutz-Buchdatenbank mit einer  Skoutz-Buchfieberkurve bewerten würdet. 5 Klicks statt 5 Sterne. Einfacher lässt sich eine Rezension nicht schreiben, bequemer kann man sein nächstes Buch-Date nicht finden. Und so helft ihr, dass unsere Buchfindemaschine weiter wächst.

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