Zu Besuch bei: Michael Marrak

Heute bin ich zu Besuch bei Michael Marrak, der nicht nur ein vielfach prämierter Autor ist, sondern auch ein begeisterter Trekkie. Und als er mich zu einer kleinen Tour einlud, dachte ich Buch-Blondine dabei arglos an entspannte Plaudereien über Spock und Kirk. Aber weit gefehlt. Michael meinte Trekking und so fand dieses Interview unterwegs durch den wirklich schönen Naturpark Elm in Niedersachsen statt. Wundert euch also nicht, wenn dieses Interview … etwas kurzatmiger wird.

 

(c) Jessica Ogaz, Juni 2018

Zu Besuch bei Michael Marrak, der es versteht, sich kurz zu fassen

Beschreibe dich in einem Wort!

Neuronenglänzer.

Ist das dann das SF-Pendant zum Held in der strahlenden Rüstung?

Nein, die leuchtende Alternative zum Denkschenk. 😉

Strukturierter Planschreiber, Bandenmitglied oder kreativer Chaot – was ist dein Schreib-Erfolgs-Konzept?

Kreativer Chaot, Cluster-Extremist und meistens Einzelkämpfer.

(Wir sind an der ersten Anhöhe angekommen und so muss ich mich beeilen, um Anschluss zu halten und zu verstehen, was Michael weitererzählt)

… Notizen und Dialoge auf allem, was nicht bei drei auf dem Mammut ist.

Mammut? Ein Mammut hätte ich auch gern, wenn ich es reiten dürfte. (Keuch)
Und was notierst du da? Schräge Ideen oder eher Recherche-Notizen?

Recherche ist das parallel wachsende Fundament.

 

Welche Taste ist die am meisten abgenutzte auf deinem PC?

Ich habe keinen PC.

Okay, ich präzisiere: Auf dem Gerät deiner Schreibwahl.

Aber auf dem Notebook: die Umschalttaste.

 

Wenn eine Fee dir einen perfekten Autorentag anböte, wie sähe der aus?

Morgens Stephen Kings Jahrestantiemen auf dem Konto. Mittags eine Sitzrasenmäher-Rally auf dem Mars. Abends Kraft meiner Gedanken drei Bestseller schreiben. Nachts die Fee flachlegen. 😉

Soso … Ich kenne ein paar Feen, bei denen ich das gerne erleben würde. 🙂 Aber du brauchst ja fürs Rasenmähen auf dem Mars eine extrem weitgereiste Fee. Mal sehen, ob wir so eine im Portfolio haben.

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Vielleicht 10 Prozent. Das hängt vom jeweiligen Projekt ab.

(Ich würde jetzt für mein Leben gern fragen, welche 10 Prozent z.B. im Kanon mechanischer Seelen stecken, aber die Sonne steigt schneller höher als wir und gerade habe ich keine Luft zu erübrigen).

 

Was ist dein Geheimrezept, um die Muse anzulocken und Schreibblockaden (große und kleine) zu überwinden?

An mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten.

Und das hilft? Klingt ein bisschen wie: Wenn die Hand weh tut, hau dir auf den Fuß.

Falls es beim einen hängt, läuft es dafür wahrscheinlich bei einem der anderen. Zumal geistige Tapetenwechsel Gordische Plotknoten lösen.

 

Welchen Anteil hat das reine Schreiben im Autorenjob und was gehört noch dazu?

Die Überarbeitung umfasst ein Viertel oder sogar ein Drittel des gesamten Text-Entstehungsprozesses.

Ja, das entspricht auch meiner Erfahrung. Plus/Minus… je nachdem, wie schnell man das Roh-Manuskript heruntergeschrieben hat.

Beim Cover bemühe ich mich um Gestaltungseinfluss – oder entwerfe es sogar selbst.

Das würde ich auch gerne können. Welche Cover sind von dir? Oder von dir maßgeblich beeinflusst?

Bei den Romanen sind beispielsweise die Motive von „Die Stadt der Klage“, „Imagon“, „Der Kanon mechanischer Seelen“ und „Das Ende der Beißzeit“ von mir. Bei den Covern von „Lord Gamma“ und „Gambit“ haben zumindest befreundete Illustratoren die Bilder gestaltet. Für das Beksinski-Cover von „Die Stille nach dem Ton“ hatte ich damals von seinem in Paris lebenden Förderer Piotr Dmochowski die Abdruckrechte erworben.

Das Marketing ist letztlich projekt- und verlagsabhängig. Sofern ich Zeit und Muße habe, mische ich gerne mit.

 

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Gute Schreibe, gute Ideen, literarische Sattelfestigkeit.

Jo. Das könnte ich so unterschreiben. Was meinst du mit “literarischer Sattelfestigkeit”?

Einen ebenso breiten wie abwechslungsreichen Wortschatz nebst gesunder Grammatik und schönem Stil, einem guten Plot und originelle Ideen.

Wie geht es dir als Leser? Kannst du noch ohne den inneren Lektor lesen?

Nein, so gut wie nie. Zumindest muss ich sehr mit ihm kämpfen.

Mir geht es ähnlich. Das ist eigentlich der größte Nachteil an diesem sonst so wundervollen Beruf.

 

Welche Gefahren lauern im Alltag auf deine Manuskripte, was kann dich von deiner Geschichte trennen?

Stromausfälle.

(Keuch!) Bei der Kondition, die du vorlegst, könntest du vermutlich radelnderweise genug Strom für Laptop und Druckerpresse erzeugen.

Und pflichtschuldige Textüberarbeitungen.

Naja, das gehört ja irgendwie zur Geschichte dazu. Wickeln ist ja auch Beschäftigung mit dem Kind. *ggg*

 

Und wenn du mal den Kopf freibekommen willst, womit beschäftigst du dich dann am Liebsten?

Wandern, Treckingtouren, Höhlentouren …

(Schwitz) Echt jetzt? Wär ich nieeeeee drauf gekommen.

Illustration, Film und Musik. Viel Musik. Eigentlich immer Musik.

Warum haben wir uns dann nicht nett bei dir zu Hause Musik angehört? Was hörst du denn so beim Schreiben?

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Bei Cutter. Man kann nie wissen …

(Lach) definitiv nicht.

Wie groß ist dein SUM (Stapel ungeschriebener Manuskripte) und wie gehst du mit ihm um?

Es gibt nur den (Datei)Stapel unvollendeter bzw. unredigierter Manuskripte. Er umfasst 4 Romane. Ein Roman benötigt aufgrund meiner Arbeitsweise und aufgrund einer chronischen Handgelenksverletzung ein bis anderthalb Jahre.

Ja wie machst du es dann mit dem Wechsel im Falle drohender Schreibblockaden?

Ich habe mehrere offene Projekte, aber immer ein Hauptprojekt, auf das 80% von meinem Fokus ruhen.

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben

Autorenleben ist zumeist eine sehr stille, ereignislose Sache, die zum Großteil im Kopf stattfindet.

Hui! Da kann es bei mir aber auch sehr emotional und dramatisch zugehen. Aber wenn du das so im Griff hast, wo holst du dir dann den Kick im stillen Autorenleben?

Da kann manchmal schon Spaghettikochen zum Abenteuer werden.

🙂

 

Wie definierst du Erfolg?

Mit Zufriedenheit, innerem Einklang, mentaler Stärke und der Gewissheit, zu seinem Werk und Schaffen zu stehen.

Bist du gar nicht auf ein bisschen Feedback zu deinen Büchern aus? Zum Beispiel durch die Nominierung zum Skoutz-Award?

Literaturpreise und Bestenlisten sind eine wunderbare Sache, um für Aufmerksamkeit im Meer der Veröffentlichungen zu sorgen und Autoren in ihrem Schaffen zu bestätigen und ihre Arbeit und ihre Mühen zu honorieren.

Das „größte“ Kompliment gibt es eigentlich nicht. Aber ein sehr schönes Kompliment ist, wenn Leser schreiben, dass sie ein Buch, nachdem sie es gelesen haben, gleich noch ein zweites Mal lesen, weil es „so schön“ oder „so toll“ war. Das habe ich in den vergangenen Monaten zu DER KANON MECHANISCHER SEELEN einige Male gehört und gelesen. Vielen Dank für so viel Begeisterung!

Ich persönlich finde, dass es kein größeres Kompliment gibt, als ein Buch ein zweites Mal zu lesen. Es gibt soooo viele Bücher und so wenig Zeit, da sagt die Geste mehr als tausend Worte.

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Echt jetzt?

Ja.

Lieber Michael, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mich durch den Elm zu hetzen. Es war ein wunderbares Erlebnis, auch wenn ich das nächste Mal lieber die Rasenmäherralley auf dem Mars begleiten würde. Wir wünschen dir viel Erfolg im weiteren Verlauf des Wettbewerbs und ich hoffe, dass wir uns dann in Frankfurt auf der Award-Night sehen.

 

Hier könnt ihr Michael Marrak erreichen:

Lesetipp: Lord Gamma – preisgekrönter SF-Roman von Michael Marrak

Einsame Wüstenstraßen in einer menschenleer wirkenden Welt sind schon eintönig genug, aber was würden Sie machen, wenn sich alles nach 180 km immer wiederholt? Und wenn Sie gar nicht wissen, wie sie in den altersschwachen Pontiac geraten sind, der die leicht abschüssige Straße hinabrollt? So ergeht es Stan, der nach vielen Versuchen in den endlosen Wiederholungen herausfindet, daß in den Bunkern abseits der Straße weitere Menschen leben und sich die Abschnitte seiner endlos scheinenden Reise nur durch die Gesellschaftsform im Bunker unterscheiden. Doch langsam kristallisiert sich für Stan ein Fluchtplan heraus, der maßgeblich von einer Frau namens Prill und der Hilfe des Moderators vom Rundfunksenders »Radio Gamma« abhängt.

Skoutz meint: Auch in dystopischen Welten kann täglich das Murmeltier grüßen. Selten ist Monotonie spannender beschrieben worden, fiebert man von Seite zu Seite mit, wenn sich scheinbar belanglose Informationen zu einem Puzzle verbinden, hinter dem sich eine faszinierende Welt, ein kluger Gegenspieler und viele, viele überraschende Wendungen bis zu einem furiosen Finale verbergen. Verdient hat Lord Gamma den renommierten Kurd-Laßwitz-Preis gewonnen.

Wenn ihr jetzt Lust habt, euch ganz futuristisch verzaubern zu lassen, holt euch das Buch doch im Buchhandel. Oder auch direkt hier unter diesem Affiliate-Link bei Amazon.

Wer das Buch (oder andere von Michael Marrak) schon kennt, kann (und soll!) es auf Skoutz.net bewerten, damit  unsere Buchsuche besser werden kann (weiter).
Mit der Skoutz-Buchfieberkurve bewertet ihr mit fünf einfachen Klicks ein Buch anhand von fünf Kriterien statt fünf Sternen. Auf einen Blick seht ihr dann, wie das Buch wirklich ist. So schön kann Bücher suchen sein.

 

Hinweis:

Der Kanon mechanischer Seelen” ist der satte 750 Seiten starke, im November 2017 bei Amrûn veröffentlichte Roman von Michael Marrak, der ein ebenso bizarres wie faszinierendes Bild einer fernen Zukunft zeichnet. 

Damit ist Michael Marraks Kanon jedenfalls aus der Longlist Science Fiction, mit über 200 Mitbewerbern von Skoutz-Juror Stefan Cernohuby auf die Midlist Science Fiction befördert worden. Und nun wollen wir mal sehen, ob der Kanon mechanischer Seelen sich auch im weiteren Wettbewerb um Skoutz-Award 2018 durchsetzen kann.

Den Seraph 2018 und den renommierten Kurd Laßwitz-Preis 2018 hat das Buch jedenfalls schon einmal gewonnen.

Wir haben uns das Buch genauer angesehen und ausführlich hier besprochen.

 

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