zu Besuch bei Christian Schwochert

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Heute bin ich unterwegs, um Christian Schwochert zu besuchen. Ich bin schon ziemlich neugierig auf diesen Autoren, der neben Romanen auch politische Artikel verfasst und – das freut mich besonders – gerne kocht.
Mal sehen, was er mir so auftischt und wie viel ich ihm in unserem Gespräch entlocken kann. Ich freue mich in jedem Fall auf dieses Interview, denn mit seiner ungewöhnlichen Fanfiction „Interview mit H.P. Lovecraft“ hat er bereits besondere Interview-Qualitäten bewiesen und unseren Juroren Oliver Kyr direkt überzeugt. Viel Spaß …

 

zu Besuch bei Christian Schwochert, der für ungewöhnliche und sehr kreative Büchern steht …

 

Beschreibe dich in einem Wort!

Schriftsteller

Kurz und knackig 🙂

 

Strukturierter Planschreiber, Bandenmitglied oder kreativer Chaot – was ist dein Schreib-Erfolgs-Konzept?

Ich würde sagen, eine Mischung aus Planschreiber und kreativer Chaot.

Da bin ich ja mal neugierig, wie sich das noch äußern wird …

 

Von der Idee zum Buch, wo findet man deine Gedankenschnippsel und Notizen überall? Wie hältst du es mit Recherchen, vorher Plotten oder einfach schreiben? Hast Du Schreibbuddies, kämpfst du allein oder brauchst du den NaNo, WordWars und Co.?

Ich schreibe einfach drauf los und wenn es etwas gibt, wo ich nachforschen müsste, schaue ich im Netz nach.

Sehr pragmatisch. Na gut, dann weiter im Text 🙂

 

Welche Taste ist die am meisten abgenutzte auf deinem PC?

Das E.

 

Wenn eine Fee dir einen perfekten Autorentag anböte, wie sähe der aus?

Eine schöne, große Buchmesse, auf welcher ich meine Werke unters Volk bringen kann 🙂

Klingt gut, da könnte die Fee sicher helfen … Das ist im Vergleich zu den Plänen von den anderen Autoren auch richtig gut umzusetzen.

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Durchschnittlich betrachtet etwa 20 Prozent.

Ich geh davon aus, dass du dazu nichts weiter ergänzen möchtest? *wartet kurz* Okay, dann weiter im Text … Bei deinem Midlist-Titel Interview mit H.P. Lovecraft, ist das ja relativ einfach. Die Fragen sind von dir! Die stellst du ja wirklich. Das dürften mehr als 20 Prozent sein. Also in den anderen Titeln eher weniger? Jetzt bin ich verwirrt.

 

Was ist dein Geheimrezept, um die Muse anzulocken und Schreibblockaden (große und kleine) zu überwinden?

Einfach vor den Computer setzen und loslegen.

Und das hilft? Lockst du die Muse dann mit dem Tastenklappern an?

Nein, dann kommen die Ideen von ganz alleine.

Haha. Und die Muse, die zu spät kommt, bleibt dann nur zu weinen. Autarke Schriftsteller müssen musenmäßig eher frustrierend sein.

 

Welchen Anteil hat das reine Schreiben im Autorenjob und was gehört noch dazu?

Ich würde sagen, etwa 80 Prozent.

Und die anderen 20%?

Ansonsten muss man als Autor noch Korrektur lesen, das Buch den Verlagen nahebringen und selbst dafür im Netz werben.

Und wieviel Zeit veranschlagst du da dann?

Ungefähr einen Tag.

Wow, das geht bei dir ja wirklich schnell … Und woher nimmst du deine Cover?

Bei manchen Büchern gestalte ich das Cover selbst und überarbeite auch selber. Andere (wie die „Kaiserfront Extra“-Buchreihe) werden vom Verlag überarbeitet und dort gestalten auch talentierte Mitarbeiter das Cover.

 

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Es muss spannend sein.

Du willst wohl fertig werden, so wie du hier durch meine Fragen heizt *lach* Ich mach ja schon weiter …

Bist du beim Lesen da noch reiner Konsument, der sich über eine spannende Geschichte freut, oder ist doch der innere Lektor dabei, der unwillkürlich untersucht, wie es dem Kollegengelungen ist, dich in den Bann zu schlagen?

Ich denke, man kann als Autor auch ohne inneren Lektor lesen.

Schaltet man dann komplett auf Leser um, oder fallen einem dann nicht doch automatisch trotzdem die ein oder anderen Sachen auf?

Ich sehe zwar manchmal die Rechtschreibfehler, auch in Bestsellern, aber ich sage mir: Was soll’s? Fehler können passieren. Für gewöhnlich tun ein paar Fehler einer guten Geschichte keinen Abbruch.

Da gebe ich dir völlig Recht, auch als Lektorin. Im Gegenteil. Eine gute Geschichte macht unempfänglich für solche Dinge. Aber es gibt auch unter den reinen Lesern viele, die einen regelrechten Jagdinstinkt entwickeln, um möglichst viele Haare in der Suppe … ich meine, Typos in Büchern zu finden.

 

Welche Gefahren lauern im Alltag auf deine Manuskripte, was kann dich von deinerGeschichte trennen?

Tja, im Alltag kann einen vor allem das Netz und all seine Angebote ablenken.

Das bekomme ich häufiger zu hören …

Aber es ist natürlich auch wichtig, um für die Bücher zu werben.

Tja, Fluch und Segen eben. Aber wenn ich mir das mit den 20% richtig gemerkt habe, hast du das ja im Griff.

 

 

Und wenn du mal den Kopf freibekommen willst, womit beschäftigst du dich dann am Liebsten?

Mit langen Spaziergängen oder kochen.

Also etwas, das nicht mit Worten zu tun hat … Aber Kochen ist immer gut. Darf ich zum Abendessen bleiben?

 

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Eigentlich bei keinem.

Eitel Sonnenschein durch die Bank weg? Das glaube ich nicht.

Sowohl mit Hans von Dankenfels aus der „Kaiserfront Extra“-Reihe als auch mit der Vampirin Honor Blood aus der gleichnamigen Reihe komme ich gut klar. Und auch mit H.P. Lovecraft kam ich in meinem Interviewbuch supergut aus.

Mit dem wäre ich auch gut ausgekommen. Als wir das Buch in Olivers Midlist gesehen haben, waren gleich ein paar Leute in der Redaktion hin und weg. Wegen der Idee und wegen Lovecraft.

 

 

Wie groß ist dein SUM (Stapel ungeschriebener Manuskripte) und wie gehst du mit ihm um?

Der umfasst 12 Buchideen, welche ich mir notiert habe.

Hast du schon einen Überblick, wann du dich näher mit ihnen beschäftigen wirst?

Ich arbeite sie ab, sobald ich Zeit dazu habe. Momentan sitze ich am nächsten Kaiserfront-Extra Buch. Für ein Buch brauche ich mindestens zwei Wochen und maximal einen Monat.

Das nenne ich mal wirklich zügig. Ich hatte ja den Verdacht in Anbetracht der 20% Regel und der Angabe, das sei etwa ein Tag. aber … wow! Viele Kollegen werden dich um das Tempo beneiden. Bei so einem Arbeitspensum schaffst du sicher eine Menge Veröffentlichungen im Jahr …

Wie viele Veröffentlichungen es dieses Jahr werden, kann ich noch nicht voraussagen.

Damit spannst du deine Leser ja cthulhu-mäßig auf die Folter.

 

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Das emotionalste Erlebnis war in meinem Vampirroman „Honor Blood“, als die Heldin ihre beste Freundin beinahe auf dem Dach eines New Yorker Wolkenkratzers verloren hätte.

Gab es auch ungewöhnliche oder Verrückte Erlebnisse?

Das Ungewöhnlichste und Verrückteste war, als ich meinem Verleger Herrn Bernt vom HJB-Verlag Vorschläge für die Kaiserfront-Extra-Reihe machte und er mich beauftragte, mehrere Bücher dafür zu schreiben. „Ungewöhnlich“ und „Verrückt“ sind in diesem Fall etwas Gutes, weil ich seitdem für ihn schreibe 🙂

Den Adjektiven lag ja keine Wertung zu Grunde 🙂 und wir freuen uns immer, wenn Autoren damit etwas Positives verbinden.

 

Wie definierst du Erfolg?

Erfolg ist, wenn sich die Bücher gut verkaufen.

Da stimme ich dir zu. Wie sieht es mit Rankings und Bestsellerlisten aus?

Bestsellerlisten interessieren mich eher wenig, seit der SPIEGEL von seiner Liste einfach ein Buch heruntergenommen hat, nur weil es ihm nicht in den Kram passte.

Und was ist mit Auszeichnungen oder Preisen?

Literaturpreise sind eine schöne Sache und für die Autoren immer eine besondere Ehre.

Das hast du jetzt sehr diplomatisch gefragt, aber für uns ist der Skoutz-Award auch eine wunderbare Gelegenheit, um Autoren und ihren Figuren etwas von der Freude zurückzugeben, die sie uns mit ihren Geschichten schenken.

 

 

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Wollen Sie, dass Millionen Menschen von Ihrem Buch erfahren?

Das wünschen wir dir sehr, lieber Christian. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mich einzuladen und mir meine Fragen zu beantworten. Ich würde mich freuen, wenn wir mal wieder die Chance hätten, so nett zu plaudern, vielleicht ja sogar in Frankfurt zur Verleihung des Awards. Deinem Roman wünsche ich für den weiteren Wettbewerb viel Erfolg.

 

Wenn ihr mehr über Christian Schwochert erfahren wollt, schaut doch mal auf seiner Website vorbei.

 

Skoutz-Lesetipp:

Kaiserfront 4: Winterkrieg in Finnland –  monarchische Alternativwelt-Geschichte von Christian Schwochert

Der Nordische Bund führt Beitrittsverhandlungen mit den skandinavischen Ländern, was der Sowjetunion nicht verborgen bleibt. Finnland war es während des Großen Krieges gelungen, seine Unabhängigkeit zu erlangen – eine Tatsache, die dem sowjetischen Diktator Josef Stalin nicht gefiel. Also beschließt er, das östlichste skandinavische Land zu erobern, bevor es für die Sowjetunion durch den Bundesbeitritt für lange Zeit unerreichbar wird.
Stalins Truppen fallen in die Grenzstadt Lappeenranta ein und versuchen von dort aus das ganze Land zu erobern. Offiziell rechtfertigt Stalin die Invasion damit, dass Finnland lange Zeit zum alten Russland gehörte und er es von den Weißgardisten befreien will. Tatsächlich geht es dabei aber ausschließlich um eine Erweiterung des sowjetischen Machtbereichs.
Doch Stalin sieht sich im winterlichen Finnland tapferen Verteidigern gegenüber, die ihr heiliges Vaterland nicht dem Sowjetimperialismus überlassen wollen. Unterstützt werden die Finnen von ihren deutschen Verbündeten, die Kaiser Wilhelm III heimlich ins Land einsickern ließ. Die deutschen Truppen stehen unter dem Oberbefehl der bewährten deutschen Generalstäbler von Ludendorff und von Stetten. Unter dem direkten Kommando von Stettens kämpft ein junger Offizier namens Hans von Dankenfels …

Skoutz meint: Der Reiz alternativer Geschichte besteht normalerweise darin, dass man zusammen mit dem Autor der Geschichte das „was wäre wenn“ auspielt. Bei Schwochert ist Fiktion, mit der Geschichte und den Geschichten um sie herum so gekonnt verknotet, dass die Grenze zwischen beidem verschmilzt und man pötzlich auf der anderen Seite steht und gespannt zurückblickt, wo jetzt die Fantasie begonnen hat. Historien- und Militaryfans kommen jedenfalls bei dieser bewusst provokanten und gelegentlichen ironisch überzogenen Reihe voll auf ihre Kosten.

Wer mag, kann das Buch hier über unseren Affiliate-Link bei Amazon oder auch sonst im Buchhandel kaufen.
Und natürlich könnt ihr dieses und andere Bücher aus der Reihe in unserer Skoutz-Buchsuche bewerten. 5 Klicks für euch, eine tolle Geste für den Autor und alle Leser.

 

Hinweis:

“Interview mit H.P. Lovecraft” ist ein im September 2017 vom Autor Christian Schwochert über epubli selbst veröffentlichter Roman über ein in bester Erzählmanier präsentiertes fiktives Gespräch mit seinem Idol, dem Kult-Autor H.P. Lovecraft.

Und mit dieser ungewöhnlichen Fan-Fiction hat Christian Schwochert es auch geschafft, Skoutz-Juror Oliver Kyr zu überzeugen und sich so aus knapp 200 Titel der Longlist Contemporary einen der begehrten Plätze auf die Midlist Contemporary und sich eine Chance auf den Skoutz 2018 zu sichern.

Wir haben uns das Buch genauer angesehen und hier ausführlich besprochen.

 

 

One Comment

  • Heinz Emmrich

    Hallo lieber Christian, ich schreibe zum ersten Mal in eine solche Gruppe und bin von Deinem Interview und Tätigkeiten begeistert und es macht Spaß weiter zu lesen.
    Übrigens: Meine abgenutzten Tasten auf der Tastatur sind die M und N witzigerweise und ich kann mir es nicht erklären …
    Ich wünsche Dir weiterhin gute Ideen beim täglichen Schreiben.
    Herzliche Grüße Heinz

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