Skoutz-Wiki: Crime – Kriminalgeschichten und Thriller

Ihr fragt euch vielleicht, warum wir Krimi und Thriller zusammengelegt haben. Weil eine Unterscheidung von den allermeisten Lesern nicht getroffen wird und weil sich beides auch ganz oft überschneidet. Aber manchmal auch nicht. Es ist kompliziert. Und darum haben wir uns das in diesem Wiki-Eintrag einfach einmal genau angesehen.

Man könnte es als Spannungsliteratur zusammenfassen. Doch der Begriff ist sperrig und missverständlich, denn natürlich kann auch ein reiner Liebesroman spannend sein. Auch wenn wir keine Freunde übertriebenen Verdenglischens der deutschen Sprache sind, haben wir uns daher beim Skoutz-Award für den Oberbegriff Crime entschieden.

Crime – Das Genre in Kürze

Auch wenn viele Thriller ohne weiteres unter Kriminalroman fassen, sollte man hier schon unterscheiden.

Sehr knapp kann man sagen: [bctt tweet=“Beim Krimi geht es um das Verbrechen und beim Thriller um die (davon ausgehende) Gefahr. “ username=““]

Kriminalgeschichte

Der Krimi (lat. crimen – Verbrechen) erzählt die Geschichte einer Straftat. Meist aus der Sicht eines „Detektivs“ (auch Polizist oder Privatperson), zum Beispiel Doyles Sherlock Holmes oder Agathe Christies Miss Marple, der vor einem Rätsel, meist einem Verbrechen steht, und versucht, es aufzuklären. Aus der Sicht des Täters wird hingegen meist der Weg zur Tat geschildert und weniger die Ermittlungsarbeit im Nachgang.

Thriller

Beim Thriller geht es vorrangig um das Erzeugen von Spannung (engl.: thrill), die nicht nur einzelne Szenen belebt, sondern sich als roter Faden in stetem Wechsel von Anspannung und Erleichterung in einem großen Spannungsbogen durch die Handlung zieht.  Anders als bei Krimis, in denen immer eine Straftat und/oder die entsprechende polizeiliche Aufklärungsarbeit im Mittelpunkt stehen, wird das  Verbrechen bzw. der Gewaltakt in Thrillern unter dem Aspekt der Bedrohung geschildert, woraus Spannung generiert wird. Aus der Perspektive des Opfers erlebt der Leser Angst, Verzweiflung, Panik. Der Blick über die Schulter des Täters hingegen führt in die Welt psychopathischer Brutalität und Sadismus. Doch das funktioniert natürlich auch im Rahmen einer Tatplanung oder Aufklärungsarbeit – daher sind auch Massenmörder so beliebt in der Literatur. Er hat es getan – und tut es jederzeit wieder.

Abgrenzung

Um das ein wenig voneinander abzugrenzen, kann man sagen, dass sich der Held im Thriller in (tatsächliche oder eingebildete) Gefahr begibt und diese überstehen muss, während in Kriminalgeschichten den Fokus auf die Aufklärung eines Rätsel legen. Da häufig jedoch die Überwindung der Gefahr darin besteht, ihren Ursprung zu erkennen und zu bekämpfen, sind die Übergänge naturgemäß fließend und eine Abgrenzung in einer weiten Grauzone dem persönlichen Empfinden des Lesers überlassen.

Obwohl Krimis förmlich als Inbegriff der Trivialliteratur angesehen werden, leugnet niemand, dass es auch in diesem Genre Werke gibt, die der Weltliteratur zuzurechnen sind. Wir haben in unserer Classic-Liste Crime einen Streifzug durch die Zeit unternommen.

Crime – Das Genre ausführlich betrachtet.

Crime ist ein Handlungs-Genre, das neben Liebes- und Abenteuerromanen von der Grundhandlung bestimmt wird. Natürlich kann das Verbrechen in jedem beliebigen Setting und jeder Zeit stattfinden. Ebenso wird die Geschichte neutral, aber auch humorvoll, tragisch oder gruslig erzählt. Da die Faszination am Verbot so alt ist wie der Sündenfall, wurde der Stoff seit jeher in Geschichten bearbeitet. Wir halten es für wenig sinnvoll, zu unterscheiden, ob ein Autor bewusst für das Genre geschrieben hat, oder nur einfach eine Kriminalgeschichte erzählen wollte, ohne sich Gedanken um das Genre zu machen. Daher regen wir an, Genres so zu behandeln, wie sie der Leser wahrnimmt. Ihm dürfte es – egoistisch wie er nun einmal ist 🙂 – herzlich egal sein, ob zuerst die Geschichte oder Genre da war.

Die Anfänge des Genres

Verbrechen beschäftigten die Menschen schon immer, und so gab es zu allen Zeiten reichlich Stoff, aus dem gute Krimis sind. Gleiches gilt für Thriller, da das Leben seit jeher gefährlich ist und zuverlässig tödlich endet. Wenn man zu Crime generell Geschichten zählt, bei denen die Darstellung eines Verbrechens im Mittelpunkt als handlungsbestimmendes Element steht, dann beginnt die historische Entwicklung des Genres tatsächlich schon in der Antike. Zahlreiche Mythen handeln von Freveln und Verbrechen – und der Strafe für die Täter. Auch in der Bibel findet man unschwer entsprechenden Stoff, so z.B. den Mord von Kain an seinem Bruder Abel.

Der Kriminalroman als Kind der Romantik

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Die Literaturwissenschaft setzt die Geburtsstunde für dieses Genre jedoch deutlich später an. Den Grundstein dürfte dabei wohl Francois Gayot de Pitaval gelegt haben. Ab 1734 machte er mit seinen Causes Célèbres et intéressantes – für das Laienverständnis aufbereitete Berichte über aktuelle Kriminalfälle – über Frankreichs Grenzen hinaus Furore. Diese inspirierten Friedrich Schiller zu „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ oder auch seinem Fragment „Der Geisterseher„, die alle Merkmale eines Kriminalromans aufwiesen. Trotzdem wird meist E.T.A. Hoffmanns „Das Fräulein von Scuderi“ (1819) als erster „richtiger“ deutscher Krimi bezeichnet. Allerdings bemängeln Puristen, dass das Fräulein eher versehentlich in die Ermittlerrolle gerät und das daher nicht zählt (wir finden schon).

Ob er nun der erste war oder nicht, kann dahinstehen. Unbestritten hat Edgar Allan Poe mit seinen Geschichten um den Ermittler Auguste Dupin, der 1841 in der Kurzgeschichte „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ seine literarische Karriere begann, den Grundstein für den modernen Detektivroman als Subgenre des Crime  gelegt.

Der englische Rätselroman Anfang des 20. Jahrhunderts

Diese Geschichte inspirierte viele heute weltberühmte Autoren zu ihren Werken, so etwa Agatha Christe, die mit Miss Marple (1930) und Hercule Poirot unsterbliche Figuren geschaffen hat. Ebenso natürlich auch schon Arthur Conan Doyle, dessen Sherlock Holmes ab 1886 ermittelte und zum Prototypen des bisweilen anstrengend intelligenten Ermittlers wurde. Bei all diesen Geschichten steht das Verbrechen am Anfang der Geschichte, die sich sodann um seine oft schwierige und wendungsreiche Aufklärung rankt. Die Beliebtheit dieser Erzählform liegt wohl daran, dass der Leser miträtseln kann. Man spricht daher von Detektivromanen oder auch „Whodunnits“ (einer Verballhornung des englischen „Who has done it?“ – Wer hat’s getan?). Hierzu gehört, dass der Leser alle Informationen erhält, die zur Lösung des Falls erforderlich sind, und „Zufälle“ keine Rolle spielen sollten.

Zeitgleich,oder nur unwesentlich später, entwickelte sich neben den Rätselromanen der psychologisch spannende Krimi. Hier wird dem Mörder bei der Tat von der Planung bis zur Vollendung über die Schulter gesehen. Die moralisch erforderliche Strafe folgt hier erst am Schluss und wird erst am Schluss bestraft. Oft im Wege ausgleichender Gerechtigkeit, indem der Mörder nicht für seine Tat, sondern für eine andere, die er gar nicht begangen hat. Ein auch durch die Hitchcock-Verfilmung berühmt gewordenes Beispiel ist Daphne de Mauriers Roman „Rebecca“ (1938), der aufgrund seines subtilen Psycho-Horrors auch in den Horror-Classics vertreten ist.

Mit Western-Elementen zum frühen Thriller

In den US-amerikanischen Metropolen empfand man diese Art des Kriminalromans als weltfremd und schrieb einen Gegenentwurf in einer von Verbrechen dominierten, unter Werteverfall und Desillusionierung leidenden Welt. Entsprechend agierten auch die Ermittler, die man daher auch „hardboiled“ nennt. Vom Leben hartgekocht. Die Protagonisten sind zynische, oft skrupellose Männer, für die der Zweck die Mittel heiligt. Die Lösung des Falles steht häufiger weniger im Vordergrund als eine atmosphärisch dichte Erzählung und glaubwürdig agierende Figuren. Der wohl berühmteste Vertreter dieses Typus dürfte Philipp Marlowe sein, den Raymond Chandler 1939 erschuf. Letztlich ist damit der einsame Cowboy, der auf sich allein gestellt, einem garstigen Schicksal trotzt, in der Großstadt angekommen. Durch die zahlreichen Gefahrensituationen, in die der Protagonist gerät, entwickeln sich hier auch die für den Thriller typischen Strukturen.

Der moderne Schweden-Krimi greift mit seiner düsteren Atmosphäre diese Elemente auf und führt sie logisch fort. Bekannte Vertreter sind Henning Mankell mit seiner Wallander-Reihe (ab 1991 „Mörder ohne Gesicht“), Hakan Nesser mit der Van-Veteeren-Reihe (ab 1993) und auch Stieg Larsons posthum ab 2006 veröffentlichter  Millienium-Trilogie.

Der kalte Krieg als Biotop für Polit- und Spionagethriller

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Der zweite Weltkrieg und der kalte Krieg prägten auch das Genre der Nachkriegszeit. Rätsel und Gefahren spielen sich nun im Polit- und Geheimdienstmilieu ab. Gut und Böse werden beliebig und stellen häufig eine eher zufällig zu beantwortende Frage des Standpunkts des Protagonisten dar. Mit Politthrillern wie „Der Schakal“ (1972) wurde Frederick Forsyth weltberühmt, während die Geheimdienste von John le Carré ab 1961 mit George Smiley („Der Spion, der aus der Kälte kam“) und natürlich von Ian Fleming mit James Bond („Casino Royale“, 1953) erobert wurden.

Wenn die Guten also zunehmend ultracool, aber eher schmutzig-grau daherkommen, verschwimmen die Grenzen zu den Bösen. So steigt auch das Interesse an positiven Verbrechern, wie etwa Arsène Lupin, mit dem Maurice Leblanc bereits ab 1905 und 1935 in 20 Romanen und etlichen Kurzgeschichten in Frankreich große Erfolge feierte. Donald E. Westlake unter dem Pseudonym Richard Stark schrieb dazu ab 1962 die amerikanische, im Mafia-Millieu angesiedelte Reihe um den zynischen Berufsverbrecher Parker.  Mit Mario Puzos „Der Pate“ (1964) wurde die Mafia dann endgültig auch literarisch anerkannt.

Die Ermittlungsarbeit wandelt sich und Teamarbeit rückt in den Vordergrund, wobei neben Polizei und Detektiv auch andere Professionen auf die Bühne treten. So etwa Forensiker, Psychologen und Journalisten. Auch Justizthriller wie die von John Grisham („Die Jury„, 1991) gewinnen das Interesse der Leser und führen damit wieder zurück zu den Ursprüngen des Genres mit Pitaval.

In neuerer Zeit waren dann Regional-Krimis meist mit deutlich humoristischem Bezug und Augenmerk auf regionalen Besonderheiten in Deutschland sehr beliebt. Bekannte Vertreter dieses Genres sind Rita Falk mit ihrer Eberhofer-Reihe, Nele Neuhaus im Taunus (Bodenstein und Kirchhoff) oder im Norden Susanne Ptak mit ihren Ostfriesland-Krimis.

Crime – Die Sub-Genres

Wir haben uns bei Skoutz der Übersichtlichkeit wegen für eine eher überschaubare Zahl von Sub-Genres entschieden, die dem Leser eine gewisse Strukturierung erlauben:

  • Polizei-/Agenten-/Detektivgeschichte  (aus der Sicht der Ermittler)
  • Gangsterkrimi (die Geschichte wird aus Sicht des Täters erzählt)
  • Regionalkrimi (der regionale Bezug steht im Vordergrund)
  • Psychothriller  (psychologische Komponenten, z.B. Wahnsinn, Ängsten, Abhängigkeiten)
  • Polit-, Justiz- und Wissenschaftsthriller (Politik, Justiz, Medizin o. Geschichte stehen im Vordergrund)
  • Mysterythriller  (Rätselhafte Phänomene, Paranormales)

 

Crime – Bonuswissen (Klugscheißmodus)

Im Bonuswissen bieten wir heute Reisetipps

Bild von der Homepage des Krimi-Archivs.

Fans und solche, die es werden wollen, sollten unbedingt im Deutschen Krimi-Archiv vorbeischauen, das aus einer Präsenzbibliothek besteht, die sich in der „Alten Gerberei“ in Hillesheim/Eifel befindet. Hier finden sich nicht weniger als 26.000 Bände aus der Thriller- und Kriminalliteratur. Liebevoll in einem Bücherhaus zusammengetragen. Ein Muss auch für Bücherfreunde, die sich hier garantiert zu Hause fühlen. Wir waren begeistert und konnten den kleinen Skoutz fast nicht herauslocken.

Alternativ dazu kann man Stollhamm (im nordwestlichen Niedersachsens) das Erste deutsche Krimi-Museum besuchen. Hier gibt es rund 4.500 bibliophile Ausstellungsstücke zu sehen – etwa Originalausgaben von Groschenheften oder Krimis in exklusiv gebundenen Lederumschlägen.

Ebenfalls sehenswert ist das deutsche Kriminalmuseum in Rothenburg o.d.T., wo 1000 Jahre Kriminalgeschichte in einer aufwändigen Ausstellung zu betrachten sind.

 

Weiterführende Links

  • Einen ausgezeichneten und sehr ausführlichen Artikel zum Kriminalroman hält Wikipedia bereit.
  • Wissenschaftlich aufbereitet gibt es einen Artikel auf Literaturwissenschaft Online zum Krimi in (Unter)abgrenzung zur Detektivgeschichte.
  • Und auch das Bücher-Wiki hat Wissenswertes kriminalistisch aufbereitet.

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