S4S – Wie bewirbt man ein Buch? Mit einem Pitch

Bei der unendlichen Masse von Büchern, die täglich über Amazon und den Buchhandel den Lesern vor die Füße gespült werden, ist es so dringend wie schwierig, sein Büchlein einem Leser ans Herz zu legen. Klar, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist, dass die meisten Autoren grottige Verkäufer sind. Das ist vielleicht so ein Schreiberding, weil man sich zu lange im stillen Kämmerlein in fiktiven Welten mit fiktiven Figuren aufhält, um jetzt marktschreierisch auf die Qualität des Endergebnisses hinzuweisen.

Buch-Pitch, Log Line, Essenz … bringt es auf den Punkt

Es fällt auf, dass viele Autoren gar nicht so gerne darüber reden, dass sie Autor sind, sondern lieber von ihren Hobbys, ihren Haustieren oder meinetwegen vom letzten Pastarezept. Warum? Weil die meisten keine wirklich gute Antwort darauf haben, was unweigerlich (und sei es nur aus Höflichkeit) folgt: Worüber schreibst du denn?

Pitch deine Bücher!

Was sagen die meisten Autoren? Meist mit rosig verfärbten Wangen und unter Händeringen?

“Also, tja… das ist schwierig … da gibt es so ein Mädchen und das trifft einen Typen … und der ist nicht so wie man auf den ersten Blick meint. Also schon, aber eher dann doch nicht… Puh, es ist schwer.”

Der Zuhörer ist dann meist versucht, sich für sein Interesse zu entschuldigen. Er wird sicher nicht begierig auf das schwierige Werk sein, das schon seinen Schöpfer stresst. Unabhängig davon passt dieser Text auf Momo und Twilight ebenso wie auf Stolz und Vorurteil oder Romeo und Julia. Oder auf das Schweigen der Lämmer.

Das kennt ihr? Das ist beruhigend, denn dann ist das wenigstens kein Einzelschicksal. Aber es zeigt, wo man ansetzen muss, wenn man sein Buch an den Leser bringen will.

Keine Zielgruppe ohne Pitch

Ihr müsst euch zuerst einmal selbst ein Bild von euren Büchern machen, was sie sind und was sie vor allem nicht sind. Wenn es allen gefällt, wird es keinen begeistern. Aber jedes Buch wird eine mehr oder minder große Personengruppe finden, die es lieben. Und die müssen wir im ersten Schritt erreichen. Die Neugier, eine seit dem Paradies sehr zuverlässige menschliche Eigenschaft bringt uns dann schon auch noch in andere Kreise. Bevor wir also überlegen, wer euch und eure Bücher mögen könnte, schauen wir uns mal das Buch an, für das wir diese Veranstaltung hier machen.

Der Weg zum Pitch

Wenn ein Produkt, ein Buch, ein Film, eine Serie beworben werden soll, verlangen Agenturen oft, dass man seinen Inhalt in einem Satz auf den Punkt bringt (Logline). Gemeint ist damit übrigens nicht ein Schachtelsatz in Mann’scher Manier, sondern so eine griffige Aussage, die man sich auch nach dem zweiten Bier noch merken kann.

Solche Loglines sind nicht nur gut, um auf einer Party sein Buch zu verkaufen. Sie helfen auch, wenn man das Buch irgendwo, beim Verlag, beim Distributor, beim Händler, professionell anbieten will. Gerade, weil das schwer zu schreiben ist .Kein Wunder, denn der Autor hat Jahre über seiner Geschichte gebrütet, er weiß alles für sie und jede Streichung war mit Herzblut. Und jetzt soll man all diese Leidenschaft in einen Satz pressen? Das geht gar nicht.

Ein Pitch ist wie eine Angel

Versuchen wir mal, ein Pitch-Konzept zu erstellen. Der Aufbau ist denkbar einfach. Beginnen wir mal mit hehrer Literatur, schnappen wir uns Faust.

“Ein des Lebens überdrüssiger Gelehrter (1) begibt sich auf die Suche nach dem Glück (2) und trifft auf Gretchen (3), doch der Teufel (4), der ihn einer Wette wegen verderben will, stürzt Faust und Gretchen ins Unglück (5).”

Das funktioniert auch mit dem Hobbit:

“Ein zögerlicher Hobbit (1) begibt sich auf eine Reise zu einem fernen Berg (2) mit einer Truppe Zwerge (3), die dort von einem hinterhältigen Drachen (4) ihr angestammtes Heim und dessen Schätze fordern (5).

Oder wir versuchen es mit Harry Potter:

“Ein ungeliebter Waisenjunge (1) wird an eine Zaubererschule eingeladen (2) und findet dort Freunde (3), die mit denen er einen von allen gefüchteten Magier (4) an der Rückkehr und der Machtergreifung zu hindern (5).”

Oder mit 50 Shades of Grey:

“Ein schüchternes Mauerblümchen (1) nimmt einen Job als Reporterin an (2) und lernt dabei einen Mann kennen (3), den sie von seinen inneren Dämonen (4) befreien will und dafür bis an ihre eigenen Grenzen geht (5).”

Warum soll man pitchen?

Ganz simpel. Erst wenn ihr die Frage, was für eine Geschichte ihr schreibt, kurz und knapp mit treffenden Worten beantworten könnt, könnt ihr andere begeistern. Und noch wichtiger: Erst wenn ihr das so verknappt ausdrücken könnt, versteht ihr eure eigene Geschichte und ihre Bedürfnisse wirklich. Man ist oft so in den Details, dass man darüber den roten Faden, den Kern der Geschichte vergisst. Wenn man bei Schreiben feststeckt, kann man sich an diesem Satz mantramäßig orientieren.

Das Pitch Template

Ihr werdet euch wundern, warum wir diese Ziffern in Klammern gesetzt haben. Ganz einfach, um euch zu zeigen wie das Pitch Template funktioniert. Weil im Prinzip die allermeisten Pitches exakt das gleiche Gerüst haben. Das ist nicht verwunderlich.

Das Grundprinzip des Skeletts so ziemlich aller Säugetiere ist auch in etwa gleich und trotzdem sieht ein Elefant anders aus als eine Haselmaus.

Das Gerüst:

  1. Protagonist
    was für ein Typ ist diese Figur? Wer ist sie, was macht sie so spannend, dass man sich mehrere Stunden lesenderweise mit ihr befasst. Welche Schwäche, Handicap, Defekt, den der Held überwinden kann, an dem er sich reibt.
  2. Wunsch/Plan
    das Schicksal zeigt sich in einer Geschichte anhand eines Ereignisses, dass die Erzählung wert ist, die zu erzählen sich lohnt. Was passiert, warum muss der Leser dieses Buch unbedingt lesen?
  3. Gefährten
    So hart wie das Schicksal zu schlägt, so groß wie die Aufgabe ist, bedarf es eines oder mehrerer Gefährten, die mit dem Helden interagieren und ihm bei seiner Entwicklung helfen.
  4. Antagonist
    Freunde allein machen noch keine spannende Geschichte, schaffen keinen Konflikt. Wer kann dem Protagonisten gefährlich werden, wer fordert ihn heraus?
  5. Konflikt
    Wie spitzt sich alles zu, wie sieht die Aufgabe aus, die sie überwinden müssen?

Der gesamte Rest ist Beiwerk. Ihr braucht nicht mehr, das ist das Rückrat jeder Geschichte. Und nur darum geht’s im Pitch. Also führt hier nicht mehr Figuren als nötig ein. Wessen Geschichte wird erzählt, warum ist das spannend, wer hilft und wer stört? Diese Fragen müssen so spannend und mitreißend wie möglich beantwortet werden.

Wie kann man pitchen?

Indem ihr das Gerüst für den Pitch auffüllt:

  1. Protagonist
    Wer ist euer Protagonist und welche Schwäche/herausragende Eigenschaft hat er?
  2. Wunsch/Plan
    Was will der Protagonist erreichen, wo will er hin, was treibt ihn an?
  3. Gefährten
    Wer unterstützt den Protagonisten und warum, was treibt den Helfer an?
  4. Antagonist
    Wer ist der Antagonist und was treibt ihn an?
  5. Konflikt
    Um was geht es in der Geschichte und wie leitet sich daraus eine Krise ab? Das können äußere und innere Gefahren sein.
Und dann schmückt ihr das Ganze mit starken, bildgewaltigen Worten aus! Ein Pitch soll emotional sein, das Herz berühren. Das ist eher am Sportteil der BILD (die im Pitchen sehr gut ist) als an der trockenen Berichterstattung in der FAZ. Vermeidet die üblichen Standardsätze (“nun steht nur noch der Held zwischen …”, “nun liegt es an ihm …”

Feinschliff am Pitch?

Ein guter Pitch berührt den Leser emotional.

Er zeigt einen Konflikt, dessen Auflösung man erleben will, so plastisch, dass die Story vor dem inneren Augen entsteht (mit Ausnahme der Auflösung). Gegensätze helfen oft bei der Suche nach dem perfekten Pitch (Liebe/Hass, Vertrauen/Angst, Hoffnung/Verzweiflung, Krieg/Frieden, Armut/Reichtum …) und Emotionen machen aus Interessenten Käufer und aus Lesern Fans. Selbst, wenn es um nichts Geringeres als die Rettung der Welt geht, wollen wir Emptionen sehen. Unsere Herzen fragen danach.

Ein Gefühl dafür bekommt man bei der IMDB oder Netflix, wo Filme oder Serienepisoden gepitcht werden.
Wenn ihr mögt, kommentiert uns eure Pitches, wir sind gespannt!
Skoutz 4 Success (oder kurz S4S) hat sich auf die Fahne geschrieben, Autoren und Verlagen hierbei zu unterstützen. Neben den breit gefächerten Leistungen einer Agentur bringen wir für euch auch Beiträge, die euch dabei helfen sollen, selbst ein Gespür für diese Arbeit hinter den Kulissen zu entwickeln. Denn das entscheidet mindestens so sehr über Erfolg und Misserfolg wie die Qualität der Geschichte selbst.

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