Leserunde Agentin 006y/6: Kapitel 21-24

 

Herzlich willkommen bei Agentin 006y/6.

Wieder zurück in München verläuft die Begegnung mit Robin anders als erwartet. Robin, der sich endlich für Lisa öffnet und sogar seine Liebe gesteht, berührt sie nicht mehr so. Und damit wird es für Lisa, die ja eigentlich eine treue Seele ist, unendlich schwer, ihren Spionageauftrag zu Ende zu führen. Auch wenn sie von dem Projekt Medusa, ebenso wie von seinen Hintergründen außerordentlich fasziniert ist.

 

Hier meine Fragen:

  • Auch wenn sich der Großteil von euch darüber freuen dürfte, dass Lisa sich endlich von Robin entfernt, ist dieses Abwenden, dass ihr echt schwer fällt, im Tempo durch den unvermeidlichen Zweifel-Parcours glaubwürdig?
  • Medusa ist für mich eine der tragischsten Gestalten der griechischen Mythologie, die mich ebenso wie Pegasus schon als Kind fasziniert hat. Steht ihr auch auf Sagen?
  • Wie wirken auf euch Szenen, die mittelbar in der Geschichte sind. Also die Sexszene mit Medusa, die Lisa nur liest? Wenn es passt, okay? Eher doof, weil zu abstrakt, oder launig zu lesen?

Mein Lieblingszitat aus diesem Abschnitt:

Am nächsten Morgen saß ich allein in meiner Küche und rührte unschlüssig in meinem Frühstückskaffee.
Robin hatte ihn für mich gekocht und sogar den Tisch gedeckt. Mit einem Platzset und einem kleinen Papierherzchen, auf dem stand, dass er mich jetzt schon vermisste, aber er seine Traumfrau hatte träumen lassen wollen. Mit einem Kännchen aufgeschäumter Milch, die allerdings wieder etwas zusammengefallen war, und frisch aufgebrühtem Kaffee.
Das war neu. Und irgendwie rührend.
Eigentlich müsste mein Himmel voller Geigen hängen. Tat er aber nicht. Mein persönlicher Himmel hatte sich dem Münchner angepasst, der sich heute in Regengrau mit etwas Niesel kleidete.
Auch mein Verstand, der eigentlich frohlocken müsste, dass ich endlich zur Vernunft gekommen war, hing überraschend versöhnlich der Idee nach, dass man einem Menschen, der sich so darum bemühte, mein Herz zu erfreuen, eine Chance geben sollte. Mein Herz hingegen vermisste die Schmetterlinge im Bauch, obwohl es doch nun mehr von Robin geboten bekam als ich mir selbst in meinen kühnsten Träumen ausgemalt hätte.
Und mein Bauch? Der verlangte nach mehr Kaffee. Schöner Mist.

Bonusmaterial: Medusa für Fortgeschrittene

Hier nochmal die auch ausführlich spannende Geschichte der Gorgo, wie Medusa auch genannt wird. Weil es auch einfach spannend ist, wie sich eine gute Geschichte im Laufe der Jahrhunderte wandelt.

Medusa
Das ist das wohl berühmteste Medusenbild (Leider nach ihrer Enthauptung) von Peter Paul Rubens.

Der Anfang

Medusa war ursprünglich selbst eine Göttin, denn sie ist eine Figur der vorolympischen Mythologie, also des ganz alten Griechenlands, noch vor dem Auftreten von Zeus. Medusa war die jüngste der drei Töchter der Meeresgöter Keto und Phorkys, aber als einzige in der Familie sterblich (keiner sagt mir, warum).

Urspünglich wurde sie als weise Schutzgöttin verehrt, die in die Zukunft schauen kann und daher einen Schleier trug, damit ihr Blick nicht das Kommende verriet. Wer versuchte, unter ihren Schleier zu blicken, starb.. Daher kam vielleicht auch der spätere Mythos mit den tödlichen Blicken unter der Schlangenfrisur. Ursprünglich war sie zudem die Schlangengöttin der libyschen Amazonen. Ihr Blut soll so mächtig gewesen sein, dass sie damit Lebende töten und Tote zum Leben erwecken kann. Dies wird in alten Darstellungen auch durch die zwei schwarzen Schwäne, die sie begleiten, dargestellt. Sie blicken immer in entgegen gesetzte Richtungen. Dazu passt auch die Versteinerung, denn auch heute noch glauben Naturvölker oft, dass der Blick einer menstruierenden Frau einen Mann in Stein verwandeln kann. Letztlich ist das auch ein Vorgang des Todes, da die Frau das Ei abstößt und kein neues Leben in die Welt bringt.

Wie auch immer:

Weil Medusa so wunderschön war und eine wunderbare Stimme hatte, wurde sie auch nicht mit dem Aufkommen der olymischen Götter arbeitslos, sondern quasi adoptiert. So behütete sie in den Gärten der Hesperiden die Goldäpfel der Göttin Heria.

Medusa und Poseidon

Dabei wäre es auch geblieben, hätte sich die jungefräuliche und unerfahrene Medusa nicht mit Poseidon, dem olymischen Meergott und damit Erbe ihrer Eltern, eingelassen. Im bekanntesten Mythos verlustieren sich die Beiden auf dem Altar in Athenas Tempel, was tatsächlich etwas unfein ist. Ob Poseidon dabei in seiner atemberaubenden Menschengestalt erschien, oder – wie es bei den griechischen Göttern durchaus beliebt war – in Tiergestalt, wird uneinheitlich erzählt. Ich wollte mir nicht vorstellen, wie es ist, von einem schwarzen Hengst vernascht zu werden, und blieb bei der menschlichen Variante.

Athene war jedenfalls sehr verärgert und hat zur Strafe für ihr lästerliches Verhalten Medusa in ein grünschuppiges Ungeheuer mit Fangzähnen, irren Blick und Schlangenhaar verwandelt. Tatsächlich alles Elemente aus der alten Mythologie rund um Medusa …

Eine andere Geschichte erzählt jedoch, Poseidon habe Medusa vor dem Tempel bedrängt und Medusa sei danach in den Tempel geflohen, wo sie Athene zu ihrem eigenen Schutz vor dem lüsternen Gott in ein unsexy Ungeheuer verwandelt habe. Das klingt nach nachträglicher Lobby-Arbeit, denn die Kriegsgöttin Athene sollte das auch anders hinbekommen und es passt auch nicht zum dritten Teil der Geschichte.

Medusa und Perseus

Perseus nun war der durchschnittliche Recke, königlichen Geschlechts und einem Schuss Zeus in der Blutlinie, Mit leichter Schieflage im Leben, die durch Heldentaten gerade gerückt werden sollte. Um seine Mutter zu unterstützen, sollte er den Kopf der Medusa holen. Das war gar nicht so leicht, denn in ihrer gegenwärtigen Form genügte ein Blick grauenvollen Medusa in ihrem Schuppenpanzer, um Menschen in Stein zu verwandeln.

Perseus bekam das für diese Aufgabe passende Equipment, von der göttlichen Verwandtschaft Athene, Hermes und den Nymphen, bei denen Medusa früher gedient hatte. Athenas Schild, Hermes berühmte geflügelte Schuhe, sowie eine Tarnkappe und einen Sack, in dem er das gefährliche Haupt von Medusa verstauen konnte. Würde Athene bei der Ermordung ihres Schützlings helfen?

Mit Flügelschuhen ist gut schleichen und so näherte sich Perseus der Medusa, während sie schlief. Dabei schaute er sie nicht direkt an, sondern suchte sie im Spiegel von Athenes glänzenden Schild. Mit einem Streich enthauptete er die arme Medusa  und verstaute schnell ihren abgetrennten Kopf im Sack. Aus Medusas abgetrennten Leib entsprang Pegasus, das geflügelte Ross, und angeblicher Sohn von Poseidon. Das ist auch wahrscheinlich, er hat sie entjungfert und danach war sie ja ein Ungeheuer.

Nur seiner Tarnkappe verdankte Perseus es, dass die beiden Schwestern von Medusa ihn und Pegasus nicht verfolgen konnten.
Er brachte den Kopf der enthaupteten Medusa zu Athena, die ihn seither auf ihrem Schild zur Abschreckung der Feinde trug.

Medusa und die Emanzipation – Bad hair day mal anders.

Medusa lehrt Frauen, sich mächtige Schutzmasken zuzulegen, grimmig zu schauen, ihre wilde Seite zu leben und sich damit vor Angriffen aller Art zur Wehr zu setzen. Mit der Kraft von Medusa, mit wilden Schlangenhaaren kann sich eine Frau sicher sein, dass ihr – gleich der Medusa — niemand zu nahe kommen und ihr schon gar nicht ins Gesicht schauen will. Und es gibt Situationen, in denen das dringend notwendig ist.

Steinerne Medusenhäupter finden sich übrigens auch heute noch an Gebäuden, um Unheil und Gefahr abzuwehren. Bei meiner Recherche zu Whitehall Shadows habe ich viele Medusen-Gargoyles getroffen. 🙂

Bitte kommentiert eure Meinung und Eindrücke unter diesen Beitrag. Ich bin schon sehr gespannt.

So, das war’s mit Agentin 006y/6. Morgen geht es dann weiter, mit Agentin 006y/7.

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12 Gedanken zu „Leserunde Agentin 006y/6: Kapitel 21-24

  1. Auch wenn Lisa sich endlich abwendet, wie wie es wirklich alle erhofft haben, fühlt es sich nun doch irgendwie falsch an! Kay das war oder Bzw. ist nicht Nett!

    Ich bin nun unschlüssig was ich davon halten soll 😅

    Oh ja meine Medusa! Auch ich finde sie ebenso Interessant und kann nicht mal genau in Worte fassen, weshalb. Aber irgendwie hat sie etwas an sich das sie sehr anziehend macht.

    Nun die Szene war irgendwie ein wenig creepy oder?! Naja ist ja auch irgendwo Geschmackssache

    Dennoch bin ich #MedusaFan

    1. Sie soll ja creepy sein. Weil sie für Lisa sehr intensiv ist und eben auch für den Leser intensiv sein sollte. Wenn ihr lest, was Lisa liest, erlebt ihr ja exakt dasselbe.
      Dichter geht es nicht. Creepy ist daher völlig okay.

  2. Also Sagen sind nicht so mein Ding. Sicher hab ich auch die Geschichte von Medusa gehört, aber näher befasst habe ich mich nicht damit.

    Ich finde man kann alles immer Geschichte bauen so lange es passt. Man darf gewisse Szenen nicht zusätzlich ausweiten, aber die Geschichte mit Medusa die Lisa gelesen hatte fand ich schon ganz gut dazwischen. Mich persönlich hat es nicht gestört.

    Und jetzt zur ersten Frage:
    Ihre Gefühle sind jetzt gehörig durcheinander. Irgendwie sehnt sie sich nach Robin – aber das ist ja das alt Bekannte und Vertraute. Ich glaube sie hat sich einfach in dieses Gefühl wieder verliebt ohne wirklich verliebt zu sein.
    Und dann gibt es da noch Tom mit dem sie jetzt auch schon so manche Situationen bewältigt hat. Und die ihre Gefühlswelt auch ganz schön durcheinander bringt.

    Ich finde eh – umso besser ich Tom kennen lerne – umso sympathischer wird er mir. Robin wirkt irgendwie immer schleimiger nur um seinen Auftrag zu erledigen würde er Lisa glaube ich alles sagen.

    1. Das ist eine tolle Formulierung “Sie hat sich in diese Gefühl verliebt, ohne wirklich verliebt zu sein.”
      Darf ich das im zweiten Band der Agentin verwenden??? 🙂

  3. Das Abwenden, wird ja immer deutlicher, da sie langsam anfängt zu merken, das Robin ein falsches Spiel mit ihr treibt. Aber sie wird auch vorsichtiger was und wieviel sie ihm oder auch anderen sagt.

    Mythologie ist einfach faszinierend, und da ja viele IT oder Software – Firmen mit diesen Namen arbeiten, passt es ganz gut rein. Finde Mythologie auch sehr faszinierend, ob es jetzt um die Griechische oder Britische oder Ägyptische geht ganz gleich.

    Und da Lisa die sage während ihrer Nachforschungen findet, passt es ganz gut dazu.

  4. Lisa und Robin, puh – schwieriges Thema, ich bin nicht so ganz konform damit, auf der einen Seite ok daß sie endlich mal in die Gänge kommt, ich meine es ist ein ganzes Jahr her….. auf der anderen Seite dauert mir das eigentlich schon fast zu lange mit dem hin und her, klar es paßt gut in die Story, gar keine Frage, vlt bin ich auch einfach eine zu ungeduldige Leserin 😀 man möge es mir verzeihen…
    und oh ja, ich stehe auf Sagen und Mythen und Geschichten aus der Götterwelt
    und deshalb ein großes Ja für mich mit der Geschichte in der Geschichte welche nur Lisa liest… ich fand es eine gelungene Einbringung und mir hat es auch sehr gut gefallen

  5. Hallöchen ihr Lieben! 🙂

    Auch wenn sich der Großteil von euch darüber freuen dürfte, dass Lisa sich endlich von Robin entfernt, ist dieses Abwenden, dass ihr echt schwer fällt, im Tempo durch den unvermeidlichen Zweifel-Parcours glaubwürdig? Ja, ansonsten hätte ich sie geschüttelt. Ich meine sie merkt das er nicht ganz sauber ist.

    Medusa ist für mich eine der tragischsten Gestalten der griechischen Mythologie, die mich ebenso wie Pegasus schon als Kind fasziniert hat. Steht ihr auch auf Sagen? Absolut und ich habe sie als Kind schon gesuchtet. Sehr gut rübergebracht. 🙂

    Wie wirken auf euch Szenen, die mittelbar in der Geschichte sind. Also die Sexszene mit Medusa, die Lisa nur liest? Wenn es passt, okay? Eher doof, weil zu abstrakt, oder launig zu lesen? Absolut passend und für mich sehr schön in die Geschichte eingeflossen.

    Lg Susanne

  6. Ich kann verstehen das ihre Gefühle im Moment ,Achterbahn fahren.Sie hat noch Gefühle für Robin ,aber die sind nicht wirklich stark. Das märkt sie als sie Tom trifft .
    Sagen ist nicht so meins , aber in dem Buch fand ich das gut .Mann kann vieles in die Geschichte mit einbeziehen ,solange es passt 🙂

  7. dass Lisa sich langsam abwendet freut mich zwar, aber so ganz nehme ich ihr das an dieser Stelle noch nicht ab. Dafür war sie viel zu sehr auf Robin fixiert.
    Sagen? Naja, es geht. Ich lese zwar hin und wieder Romane, wo es auch um Sagen geht, aber sowas wie ne Medusa find ich dann eher ekelig😂 und Sex mit so ner Medusa, will ich glaub nicht unbedingt öfter lesen. Trotzdem, wenn solche Szenen oder Gestalten in die Story passen, warum nicht hin und wieder. Nur muss es nicht unbedingt ne Medusa sein.

    1. Zum Zeitpunkt der Sexszene war Medusa ja noch ein wunderschönes Mädchen. Die Verwandlung kam erst danach. Das ist ja das Gemeine.

  8. Auch wenn sich der Großteil von euch darüber freuen dürfte, dass Lisa sich endlich von Robin entfernt, ist dieses Abwenden, dass ihr echt schwer fällt, im Tempo durch den unvermeidlichen Zweifel-Parcours glaubwürdig?
    Ich würd sagen ja. Auch wenn sie sich selbst noch nicht einig ist. *klatsch links klatsch rechts*

    Steht ihr auch auf Sagen?
    Zählt Marvel auch? <3

    Wie wirken auf euch Szenen, die mittelbar in der Geschichte sind. Also die Sexszene mit Medusa, die Lisa nur liest? Wenn es passt, okay? Eher doof, weil zu abstrakt, oder launig zu lesen?
    Zur Erklärung ganz interessant, auch wenn es die Handlung nicht allumfassend beeinflusst.

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