Abbitte – psychologisch brillianter Liebesroman von Ian McEwan

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Obwohl das 2002 bei DeTeBe auf Deutsch erschienene Buch des Schotten Ian McEwan noch relativ neu ist, wird es in auffallend vielen Bestenlisten bereits ganz oben geführt. Immerhin wurde dem Buch bereits nicht nur ein Film, sondern auch eine Oper gewidmet. Das ist überraschend genug, dass sich auch Skoutz dieses Buch einmal genauer angesehen und dann auch zu unseren Classics hinzugefügt.

Doch seht selbst:

Abbitte – psychologisch ausgefeiltes Liebesdrama von Ian McEwan

 

Um was geht’s in Abbitte?

Briony Tallis ist 13 Jahre alt und hat eine blühende Fantasie, mit der sie im heißen Sommer 1935 im Landhaus ihrer Familie ein Theaterstück schreiben will. Als sie ihre Schwester Cecilia mit dem Sohn einer Bediensteten Robbie trifft, reimt sie sich eine Geschichte zusammen, die – von ihr dramatisch angesichts eines Vergewaltigungsfalls in der Familie ausgeschmückt – letztlich das Leben der Liebenden zerstört. Während Cecilia mit ihrer Famiie bricht, findet sich Robbie allein und diffamiert in den Schützengräben des Zweiten Weltkriegs wieder. Briony hingegen wird zu einer gefeierten Schriftstellerin, als sie bei der Niederschrift der Geschichte Reue erfasst und sie das Drama mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln ungeschehen machen will …

 

Wie hat uns Abbitte gefallen?

Ian McEwan lässt sich Zeit mit seiner Geschichte, und auch wenn dadurch Abbitte atmosphärisch sehr, sehr dicht wird, bedarf es einer gewissen Geduld, bis die Handlung in Gang kommt. Weil McEwan wirklich großartig schreiben kann, ist das aber trotz allem ein Genuss.

Es ist faszinierend, welch eine Tragödie Brionys Lüge auslöst und so liest man sich mit widerwilliger Faszination fest. Man erlebt hautnah Cecilias Verzweiflung darüber, Robbie nicht helfen zu können, und wie sie deshalb den Kontakt zu ihrer Famiiie abbricht und sich zum Lazarettdienst meldet. Der Leser ist dabei, als Robbie in Dünkirchen die Hölle des Krieges erlebt und ihn nur der Gedanke an Cecilia durchhalten lässt. Und er verfolgt Brionys Sinneswandel und ihr Bemühen, spät alles doch noch in Ordnung zu bringen. Dabei bleibt ihm selbst überlassen, ob er Briony verzeihen will.

Was ist das Besondere an Abbitte?

In der heutigen Zeit, in der Lektorate darauf bestehen, die Sprache immer noch einfacher zu gestalten, dem Leser alles nicht nur vorzukauen, sondern förmlich vorzuverdauen, ist es auf jeden Fall eine Seltenheit, ein Buch in Händen zu halten, dass sich Zeit lässt, dass in Andeutungen schwelgt und der Atmosphäre mehr Aufmerksamkeit als der Aktion widmet. Man hat das Gefühl, einen der großen Romane des 19. Jhdts. zin Händen zu halten. Abbitte ist altmodisch, im positiven Sinne, denn es besinnt sich auf das, was eine große Geschichte braucht … Fantasie.

Aber das Faszinierendste dabei ist der Schluss dieses Buchs, der so überraschend wie doppelsinnig ist. Letztlich wird dieser Liebesroman mit seinem Ende eine Liebeserklärung an die Literatur und eine Beschwörung der Fantasie als zerstörerischer und heilender Kraft.

Die Geschichte von Robbie und Cecilia ist – gerade durch die Metaebene – jedenfalls eine der bewegendsten Geschichten, die uns untergekommen ist.

Auch dieses Buch stand unter dem Verdacht, in Passagen jedenfalls ein Plagiat zu sein. Die Autorin Lucille Andrews gab an, dass die Lazarettszenen sehr dicht an ihrem Buch “No Time for Romance” seien. McEwan bestritt die Plagiatsvorwürfe, räumte aber ein, dass er Andrews Buch zur Inspiration gelesen hatte. Das habe er auch in der Danksagung erwähnt. Vor diesem Hintergrund ergriffen viele namhafte Schriftsteller McEwans Partei, die dies für eine jederzeit zulässige Bezugnahme (Intertextualität) hielten.

Wem verdanken wir Abbitte?

Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot, wurde als Literaturstudent von Angus Wilson und Malcolm Bradbury gefördert. Philip Roth nominierte ihn für ein Schriftsteller-Stipendium. Zu Recht, denn für den ersten Erzählungsband wurde er gleich mit dem Somerset-Maugham-Preis ausgezeichnet. Der Autor lebt und arbeitet heute in Oxford und London.

 

Wenn ihr das Buch schon kennt, wäre es toll, wenn ihr es in der Skoutz-Buchsuche bewerten könntet. 5 einfache Klicks für euch, aber eine Supersache für alle Buchmenschen, vom Autor bis zu anderen Lesern. Also … #skoutzigsein!

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