Interview Silivia Hildebrandt

Zu Besuch bei Silvia Hildebrandt

Heute besuchen der Skoutz-Kauz und ich die Exil-Rumänin Silvia Hildebrandt, die ich für ihren mitreißenden Rumänien-Roman „Die Stadt der Freiheit“ auch gerne gesprochen hätte, wenn sie nicht auf der Midlist History des Skoutz Awards 2021 stünde.

In meiner Eigenschaft als History-Jurorin  jedenfalls musste ich diesen eindringlichen Roman aus einem der schändlicherweise unbekannten Teile Europas nominieren, dessen Fortsetzung ich förmlich entgegenfiebere.

 

Kay zu Besuch bei Silvia Hildebrandt, deren Herz für Rumänien schlägt

Silvia HildebrandtLiebe Silvia, ich freue mich sehr, dich kennenzulernen, nachdem du mich mit deinem wirklich ungewöhnlichen Rumänienroman schon begeistern konntest. Ich bin sehr gespannt, was wir beim Interview jetzt gleich über dich erfahren werden.

Lass uns gleich anfangen!

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Welches ist die größte Herausforderung, der man sich als Autor stellen muss?

Wie bei allem: Man muss authentisch bleiben.

Weise Worte. Wie setzt du die autorengerecht um?

Sich zu verbiegen, bloß weil es von der breiten Masse gewünscht wird, bringt nichts. Das geht in die Hose. Ich wurde öfters gefragt, warum meine Charaktere, gerade die männlichen, nicht so gefällig sind, wie in anderen Romanen.

Und?

Tja, so ist das Leben eben. Ich habe lieber Figuren mit Ecken und Kanten, die auch einmal unsympathisch sind, als Figuren von der Stange.

Das unterschreibe ich so.

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Hast du Lieblingsworte in deinen Skripten, die vom Lektorat regelmäßig angestrichen werden?

Das sind in jedem Manuskript immer andere, aber die finde ich meist selbst vor dem Lektorat und eliminiere sie am besten vorher, so gut es geht.

Das versuche ich auch. Ich hab so ein paar übliche Verdächtige, die schau ich immer noch mal mit Suchen/Ersetzen durch. Aber das ist harmlos. Claudia Meimberg hat sich dazu gleich eine Liste gemacht.

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Was ist deine präferierte Erzählform?

Die Stadt der Freiheit ist im Präsens geschrieben, weil die Geschichte das so gefordert hatte. Ich hatte bereits den ersten Teil in der Vergangenheit geschrieben, aber da hat was gefehlt.

Du sagst das, als sei das jetzt eher ungewöhnlich für dich?

Ja.  Normalerweise schreibe ich in der Vergangenheitsform mit einem personalen Erzähler.

Das ist mir auch das Liebste. Sowohl beim Lesen als auch Schreiben.

Bleiben wir mal noch kurz beim Schreiben …

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Bist du im Team Adjektiv oder bevorzugst du eher einen „schnörkellosen“ Stil?

Ich wechsle gerne ab.

Soll heißen?

Genauso wie die Geschichte und die Landschaften des Landes, das ich beschreibe, widersprüchlich und verschieden sind, wechsle ich den Stil. Knallhart ohne Schnörkel in den Dialogen, manchmal verträumt in den Beschreibungen, wie Eminescu.

Das entspricht ja grundsätzlich auch dem Lesetempo. Bei Actionszenen fliegt man über die Zeilen, will wissen, wie es ausgeht und möchte keine Schnörkel, die bremsen. Aber bei einer Reise über Land sieht das anders aus.

Aber kommen wir noch einmal zu deinen Protagonisten, die du vorhin ja schon erwähnt hast.

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Hast du einen speziellen Trick, um aus deinen Figuren echte Persönlichkeiten zu machen?

Mittlerweile bin ich in meinen Personen so tief „drinnen“, dass sie leben.

Du bist drinnen? Wie das?

Sie sollen keinem gefallen, sie machen ihr Ding, sie sind authentisch, sie rauchen, trinken, huren und fluchen heftig. Aber sie sind auch einmal ganz romantisch.

Wo bist du da?

Da ich selbst durch dieses Land geprägt bin, beschreibe ich die Menschen so, wie ich es selbst erlebt habe, auch wenn das viele hierzulande befremdet.

Es geht – immerhin interviewe ich dich anlässlich einer Nominierung zu einem nicht ganz unbekannten Literaturpreis. Also musst du schon was richtig machen.

Ha! Was für eine Überleitung, denn umgekehrt gefragt …

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Welchen Fehler darf man beim Schreiben keinesfalls machen?

Pauschal gibt es nicht den einen Fehler, den man gar nie machen darf. Schon gar nicht beim Schreiben.

Beim Veröffentlichen hingegen gibt es so einige …

Das ist ein anderes und von vielen schmerzhaften Erfahrungen geprägtes Thema, über das wir uns gerne auch einmal austauschen könnten. Das wäre sicherlich auch für neue und noch etwas unerfahrenere Kollegen von Interesse.

Aber bleiben wir mal noch beim Lesen.

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Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Gar keines.

Wie konnte das denn passieren?

Ich bin gerade randvoll mit Lektoratsaufträgen und Schreibprojekten.

Nun, dann ist die Enthaltsamkeit irgendwie ein Luxusproblem. Zumal man beim Lektorieren ja auch lesen kann.

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Welche 3 Dinge sind dir aktuell am wichtigsten im Leben?

Immer meine Familie, da gibt es genug Dinge …

Das glaube ich sofort.

Nachdem du dich gerade in Kombination mit deinen Protas gerade etwas borstig gabst, bin ich gespannt, wie du die nächste Frage beantwortest:

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Wenn du wählen könntest, wärst du lieber extrem intelligent oder gut im Umgang mit Menschen?

Schließt das eine das andere aus? 😉

Nein, aber ich wäre eine geizige Fee und würde dir nur eines gewähren!

Nun gut, beides wäre nicht auf meiner Prio-Liste ganz weit oben …

Hups! Und schon bin ich eine verschmähte Fee!

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Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Für ein Glas Wasser und wenn eine Szene unbedingt geschrieben werden will. Oder wenn ich unsicher bin, ob ich was gespeichert hab.

Letzteres ist einer der Gründe, die ich absolut nachvollziehen kann! Seit mir beim Sichern einmal PC und externe Festplatte zeitgleich abgeschmiert sind, mit riesigem Schaden, bin ich da latent paranoid!

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Was ist deine größte Stärke?

Ich bin sehr gut im Improvisieren. Ich kann sehr gut in Gestik und Mimik anderer Leute lesen.

Oh, das ist ja spannend! (Pokerface auf!)

Und es hilft beim Schreiben. Oder in der Geheimdienstarbeit …

Wenn du einen Agententhriller schreibst, sogar für beides!

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Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das dein fünf-jähriges Selbst tun würde?

Genau das, was ich damals wollte und jetzt tue: Schreiben

Das finde ich immer toll, wenn Kinderwünsche Erwachsenenleben prägen. Aber Chapeau, dass du schon mit Fünf schreiben wolltest. Ich war ja mit meinen ersten Versuchen auch früh dran, noch in der Grundschule, aber im Kindergarten … da wollte ich vor allem Lesen, wie meine Eltern.

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Welcher fiktionale Charakter ist in Buch/Serie/Film unglaublich, wäre aber in banalen alltäglichen Situationen unerträglich?

So gut wie alle schwierigen Personen, die jedoch am interessantesten sind

Damit bringst du ziemlich gegen Ende meiner Interviewreise tatsächlich meine Beobachtung perfekt auf den Punkt. Wir lieben interessante Protagonisten, schwierige Charaktere, die gerade deshalb faszinieren, weil sie anders sind.

Der Hildebrandt’sche Figuren-Apell sozusagen. Ich bin begeistert, das merk ich mir.

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Stell dir vor, du würdest einen Geheimbund gründen, wie würdest du ihn benennen und was wäre eure Mission?

Wieso geheim?

Weil es besser klingt. Aber du darfst gerne auch wie Christoph Grimm öffentlich tätig werden. Wir sind flexibel.

Ich würde gerne irgendeine Organisation gründen, die mein Heimatland den Menschen hierzulande näherbringt.

Das tust du doch schon mit deinen Büchern! Aber ich unterstütze dich gerne, wenn möglich. Vielleicht mit einer Liste rumänischer Literatur? Der berühmteste Literatur-Rumäne dürfte Dracula sein, oder? Aber gerade mit Siebenbürgen gibt es zwischen Deutschland und Rumänien ja ein starkes Bindeglied.

Auch das! Die deutsche und rumänische Geschichte ist so eng miteinander verknüpft, das weiß hier nur leider kaum jemand.

Komm, dann lass uns das im Rahmen unserer Möglichkeiten ändern.

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Gibt es etwas, das du kannst, die meisten anderen Menschen aber nicht?

Eher nicht

Abgesehen von patriotischen Apellen…#

Ach Silvia, wir sind schon fast am Ende unseres Interviews, aber die Schlussaufgabe steht noch aus!

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Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Rumänien ist nicht nur ein armes Land, aus dem Saisonarbeiter kommen. Es ist so vielfältig und vielseitig und hat eine reiche Geschichte, die man unbedingt kennen muss.

Ich hatte beruflich für ein paar Energieprojekte in Rumänien zu tun und war völlig verliebt in eure grandiose Natur, die riesigen Wälder, die vielen Tiere und die freundlichen Leute, gerade auf dem Land. Aber ich gebe zu, dass ich von Rumänien fast nichts weiß.

Das ist schade Zum Beispiel war es Anfang des 20. Jhs das sechstreichste Land Europas, heutzutage wird es leider sträflich ignoriert. Das muss sich unbedingt ändern!

Wir arbeiten daran!

Liebe Silvia, wie erwartet war dies ein wunderbar spannendes Interview, das mir wirklich Lust auf ein Rumänien-Special gemacht hat. Das sollten wir unbedingt in Angriff nehmen. Aber davon unabhängig solltest du uns unbedingt weiterhin mit deinen Büchern erhalten bleiben. Ich drück dir die Daumen für den weiteren Wettbewerb!

Dankeschön!

 

Hier könnt ihr Silvia Hildebrandt erreichen:

 

Skoutz-Lesetipp

Trümmerland - SIlvia HildebrandtTrümmerland – dramatische Liebe in Rumänien des 2. Weltkriegs von Silvia Hildebrandt

1941. Das nationalsozialistische Rumänien zu Beginn des Ostfeldzugs.
Der Jungoffizier Ion »Nelu« Nicolescu bereitet sich auf den Kampf gegen die Russen vor. Bevor er an die Front versetzt wird, schwört er, seine Jugendliebe Andrada nach seiner erfolgreichen Mission zu heiraten. Aber Nelus Einheit wird unter das Kommando des deutschen Oberfeldwebels Schmidt gestellt, der seine rumänischen Untergebenen schikaniert.

Aus Monaten werden Jahre und Nelu wird in der Schlacht um Stalingrad gefangen genommen. Während er in einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager gefoltert wird, verliebt sich Andrada in den Bauern Cristian. Als Rumänien im Sommer 1944 die Fronten wechselt und nach und nach zu einem sozialistischen Staat umgebaut wird, werden aus alten Verbündeten Feinde, aus ehemaligen Feinden notwendige Partner. Für welche Seite entscheidet sich Nelu? Kann Andrada mit Cristian glücklich sein, während ihr Herz immer noch an einem gebrochenen Kriegsgefangenen hängt?

Skoutz meint: Meine Erwartungen waren hoch, als ich mich an dieses Buch gewagt habe. Und ich wurde nicht enttäuscht, denn auch in Trümmerland gelingt es Silvia Hildebrandt wieder, uns in eine dramatische Geschichte faszinierender Menschen zu ziehen, die uns kenntnisreich und gefühlvoll einen Blick in die Seele Rumäniens erlaubt. Wenn man mit dem Gefühl das Buch schließt, dass man nicht nur bestens unterhalten wurde, sondern auch noch etwas schlauer geworden ist, dann hat der Autor alles richtig gemacht. (kn)

 

Wenn ihr hoffentlich jetzt selbst noch mehr über das Buch wissen wollt, könnt ihr über unseren Affiliate-Link auf Amazon* die Leseprobe anschauen oder das Buch auch gleich kaufen!

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Mehr Info

Die Stadt der Freiheit„ Ein bewegender Roman über Menschen, Mut und Freundschaft aus einem der im doppelten Wortsinne dunklen Kapitel Europas, das wir gerne vergessen würden, aber nicht vergessen sollten. Und darum hat das Buch einen der begehrten Plätze auf der  Midlist History des Skoutz-Awards 2021 ergattert.

Grund genug, selbst mal literarisch nach Rumänien zu reisen und in die Geschichte einzutauchen . Wie uns das Abenteuer gefallen hat, erfahrt ihr hier …  (weiterlesen).

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Hinweis:

Wenn ihr die Bücher schon kennt, würdet ihr uns, dem Autor und allen lektüresuchenden Lesern einen großen Gefallen, wenn ihr das Buch in der Skoutz-Buchdatenbank mit einer  Skoutz-Buchfieberkurve bewerten würdet. 5 Klicks statt 5 Sterne. Einfacher lässt sich eine Rezensionnicht schreiben, bequemer kann man sein nächstes Buch-Date nicht finden. Und so helft ihr, dass unsere Buchfindemaschine weiter wächst.

 

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