Interview Claudia Meimberg

Zu Besuch bei Claudia Meimberg

Wenn man Autoren für ein Interview besucht, die man noch nicht kennt, ist das nicht halb so spannend wie ein echtes Blind Date. Denn ich kenne sie ja schon, wie der Skoutz-Kauz völlig zu Recht bemerkt, denn in ihren Büchern sind wir ihnen schon nahe gekommen. Klingt logisch, aber wir werden das jetzt prüfen.

Denn heute bin ich mit dem Skoutz-Kauz im Rheinland bei der bezaubernden Claudia Meimberg, deren Afrika-Roman von Juror Elvira Zeißler auf die Midlist Romance des Skoutz-Awards 2021 gepackt wurde. Darauf freue ich mich schon sehr.

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Kay zu Besuch bei Claudia Meimberg, die ihre Figuren stalkt

Portrait claudia MeimbergLiebe Claudia, danke, dass wir dich besuchen dürfen. denn ich war so hin und weg von der Art, wie du in „Als die Elefanten kamen“ dieses ganz besondere Afrika-Feeling eingefangen hast, hat mich so fasziniert, dass ich unbedingt den Menschen hinter diesen Zeilen kennenlernen wollte. Und darum freue ich mich auch schon auf unser Gespräch. Wollen wir gleich anfangen?

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Welches ist die größte Herausforderung, der man sich als Autor stellen muss?

Es ist ein Klischee, aber für mich ist der Anfang eines Romans tatsächlich der schwierigste Part.

Jaja, darum sagt der Volksmund auch, „Aller Anfang ist schwer“. Wobei ich das bei Romanen gar nicht so überraschend finde. Es ist ein bisschen wie in einer neuen Wohnung. Man ist noch nicht eingerichtet, kennt sich noch nicht so gut aus, fremdelt noch mit den Figuren, hat noch kein rechtes Gefühl für die Atmosphäre … das finde ich völlig logisch. Und es zeigt, dass Klischees eben hart und mit Fakten arbeiten müssen, um zu einem zu werden.

Bleiben wir mal noch bei einem anderen Klischee, den ungeliebten Lieblingsworten …

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Hast du Lieblingsworte in deinen Skripten, die vom Lektorat regelmäßig angestrichen werden?

Früher habe ich öfter „laufen“ statt „gehen“ geschrieben, aber das habe ich inzwischen gelernt. Ich schreibe ja schließlich keine Sportromane.

Wobei ich das durchaus mal reizvoll fände einen Meimberg-Sporty …

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Was ist deine präferierte Erzählform?

Da bin ich recht offen, ich finde, es muss zum Buch passen.

Ein löblicher Ansatz, und wie setzt du das dann um?

Für „Bittersüße: Eine Liebesgeschichte“ habe ich die Ich-Perspektive gewählt, für meine anderen Romane die personale Erzählperspektive. Mal nur aus der Sicht einer Person, mal aus zwei.

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Bist du im Team Adjektiv oder bevorzugst du eher einen „schnörkellosen“ Stil?

Ach, die bösen Adjektive und ihre Vermeidung … Das musste ich auch erst lernen und ich lerne immer noch dazu. Marc Twain forderte angeblich sogar, dass man sie umbringt.

Eliminieren würde ich sie nicht gleich, aber vielleicht kritisch begutachten. Die kleinen Biester sind halt so furchtbar dominant und vermehren sich wie Kaninchen … Vielleicht war der gute Marc auch einfach nur mit den Nerven nach einer langen Überarbeitungssession am Ende mit den Nerven als er das gesagt hat …

Hahaha, Ich finde auch, dass Adjektive eine Bereicherung sind, wenn sie etwas zu dem Bild beitragen, das ich vor den Augen der Leser erschaffen möchte. Es kommt auf die richtige Dosis an, zu viele und nichtssagende Adjektive machen einen Text schwerfällig, zu wenige lassen ihn schnell trocken wirken. Mein Lieblingsbeispiel ist die „dunkle, stürmische Nacht.“ Die Nacht ist immer dunkel, also kann dieses Adjektiv weg, nicht wahr?

Am Polarkreis nicht unbedingt. Und auch bei uns gibt es ja solche und solche Nächte …

Also sprechen wir von einer besonders dunklen Nacht? Dann könnte man von einer „mondlosen Sturmnacht“ schreiben, also ein Substantiv nutzen.

Das ist die Technik, die mir Andreas Gruber verraten hat. Der schreibt nicht „düsteres, unheimliches Gemäuer“ sondern „ein Schloss wie aus einem Dracula-Roman“.

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Hast du einen speziellen Trick, um aus deinen Figuren echte Persönlichkeiten zu machen?

Bevor ich mit dem Schreiben anfange, kenne ich meine Figuren sehr genau. Natürlich ihr Aussehen, dafür nutze ich meist echte Fotos, etwa von Schauspielern, aber ich überlege mir außerdem komplette Lebensläufe und Charakterbeschreibungen. Ich weiß, welche Ausbildung sie haben und was sie gern mögen, kenne ihre Stärken und Schwächen, ihre Sehnsüchte und Abneigungen und noch viel mehr.

Beeindruckend. Ich mache das ganz anders und schreibe tatsächlich los, lasse die Figuren auf mich zukommen und lerne sie so im Verlauf der Geschichte selbst erst kennen. Bei deiner Technik hätte ich Angst, dass ich viel zu viel Information in die ersten Kapitel packe, um dem Leser die Figuren „richtig“ vorzustellen.

Den Großteil dieser Infos werde ich in einer Geschichte nicht erwähnen, aber ich kenne sie und bin sicher, dass mein Schreiben davon beeinflusst wird. Mir ist es tatsächlich sehr wichtig, dass meine Figuren authentisch sind.

Das merkt man auch beim Lesen.

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Welchen Fehler darf man beim Schreiben keinesfalls machen?

Das ist eine schwierige Frage, weil jeder Autor anders arbeitet.

Okay, dann mal bezogen auf deine Erfahrungen?

Nicht schreiben ist jedenfalls keine gute Idee und vom hemmungslosen Gebrauch von Adjektiven möchte ich auch abraten, wie schon gesagt.

Das „Nicht schreiben“, drückt sich auch ein bisschen in deinem Respekt vor Anfängen aus, nicht wahr?

Lass uns mal über dein Leseverhalten sprechen, zum Beispiel …

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Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Ein ganzer Stapel Bücher, aber ich komme immer erst abends dazu, sie in die Hand zu nehmen.

Ja, das habe ich bei dieser Frage schon gelernt. Das Nachtkasterl ist das natürliche Biotop eines gepflegten SuB. Was für Bücher stapeln sich bei dir?

Gerade lese ich ein unveröffentlichtes Manuskript einer lieben Autorenkollegin und diverse Sachbücher als Recherchequelle meines aktuellen Projekts.

Okay, das klingt beides zu geheim zum Weiterbohren. Also lass uns das Thema wechseln …

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Welche 3 Dinge sind dir aktuell am wichtigsten im Leben?

Meine Familie geht mir immer über alles.

Und sonst?

Im Moment ist mir auch das Manuskript, an dem ich schreibe, sehr wichtig.

Eins haben wir noch …

Nun, wir sind vor ein paar Wochen umgezogen, deshalb ist es mir jetzt wichtig, ein gemütliches Zuhause zu schaffen.

Uh, und da empfängst du uns? Das ist aber lieb. Dann machen wir schnell weiter, um dich mitten in den Arbeiten nicht aufzuhalten.

 

Wenn du wählen könntest, wärst du lieber extrem intelligent oder gut im Umgang mit Menschen?

Oder?!!

Ja, wenn du wählen müsstest …

Also, im Umgang mit Menschen kann man auch sehr viel lernen, deshalb würde ich diese Option wohl bevorzugen. Aber deshalb möchte ich trotzdem nicht dumm wie eine Kartoffel sein.

Davon war auch nicht die Rede. Und du hast das auch gleich bewiesen, denn tatsächlich ist mir diese Begründung für die Wahl des guten Umgangs noch nicht genannt worden. Dabei ist es naheliegend. Wer gut mit Leuten kann, hat das Schwarmwissen zur Verfügung.

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Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Günstige Flugverbindungen, Wasserrohrbrüche und Feuerinfernos sind gute Gründe.

Die Reihenfolge finde ich jetzt sehr interessant. Und sonst?

Und wenn jemand Hilfe braucht. Aber nachts aufstehen, um sich etwas aus dem Kühlschrank zu holen, wie man das in Filmen manchmal sieht, käme mir nie in den Sinn. Wer macht so etwas?

Der liebe Kollege Jörg Fuchs Alameda zum Beispiel. Aber ich gebe zu, ich bin auch fauler als verfressen.

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Was ist deine größte Stärke?

Ich kann mir viel unnützes Wissen merken, etwa durch Bücher oder Filme. Damit kann ich immer super prahlen, wenn wir „Wer wird Millionär“ gucken, aber wenn ich tatsächlich dort auf dem Stuhl säße, würde ich garantiert alles vergessen.

Vermutlich wäre da die Anspannung eher hinderlich, wenn der Jauch einen dann so anschaut und eine Augenbraue hochzieht. Ich finde das total fies, wenn er das macht, auch weil meine nur synchron funktionieren. Du bist also die Queen des unnützen Wissens, ja?

Genau! 🙂 Aber ob das jetzt aber meine größte Stärke ist? Hm.

Sagen wir, dass du immer für eine Überraschung gut bist.

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Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das dein fünf-jähriges Selbst tun würde?

Vermutlich einen Schreianfall bekommen.

Das hat jüngst Nika Lubitsch auch gesagt.

Zu Recht! Ich stelle mir das jedenfalls ziemlich gruselig vor, als Fünfjährige plötzlich im Körper einer Erwachsenen zu stecken. Umgekehrt aber genauso.

Wohl wahr, anders herum habe ich das noch gar nicht betrachtet. Das müssen wir uns für den Fragekatalog 2022 merken.

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Welcher fiktionale Charakter ist in Buch/Serie/Film unglaublich, wäre aber in banalen alltäglichen Situationen unerträglich?

Um ehrlich zu sein, je länger ich darüber nachdenke, desto praktischer fände ich es, eine Zauberin wie Hermine Granger, einen Spiderman oder auch so einen Haudrauf wie Daryl Dixon in meinem Freundeskreis zu haben.

Ist das so? Hermine wurde von einem Kollegen als ewiges Gescheithaferl hier schon genannt. Wieso willst du dich mit denen anfreunden?

Das würde doch vieles einfacher machen, oder?

Vermutlich. Aber das war nicht die Frage …

Dahingegen fände ich eine ständig singende Mary Poppins auf Dauer wohl etwas anstrengend.

Die fand ich jetzt schon wieder im Film bereits anstrengend. Also jedenfalls ab der Hälfte des Films. 

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Stell dir vor, du würdest einen Geheimbund gründen, wie würdest du ihn benennen und was wäre eure Mission?

Darüber darf ich leider nicht sprechen.

Das muss ich zähneknirschend akzeptieren.

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Gibt es etwas, das du kannst, die meisten anderen Menschen aber nicht?

Meine oberen Fingerkuppen abknicken, das bringt mir allerdings rein gar nichts, solange ich nicht in einer steilen Felswand hänge, was ich weder erlebt habe noch in irgendeiner Form vorhabe.

Also Bouldern kann ich nur empfehlen. Gerade für Autoren. Man ist mal gezwungen, sein Gehirn völlig anders einzusetzen, es ist ein wunderbarer Workout und man kommt kontrolliert in Situationen, die denen vergleichbar sind, die wir unseren Figuren ständig zumuten. Was würdest du denn umgekehrt gerne beherrschen?

Ich würde gern fliegen können.

Das wäre auch bei exzessiven Kletter-Recherchen durchaus vorteilhaft. Oder beim Umzug, wenn man die Sachen durchs Fenster statt über die Treppe verräumen kann. Mit Blick auf die hier noch wartenden Umzugskartons ist es Zeit geworden. Kommen wir zum Schluss …

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Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Karma sieht alles, also seid nett zu euch und zu anderen. Und danke, dass Ihr meine Bücher lest, das bedeutet mir viel.

Liebe Claudia, da haben wir Leser umgekehrt auch dir zu danken, dass du für uns schreibst, dass du uns literarische Freunde schenkst und mit deinen tollen Geschichten eine Auszeit gönnst, wenn wieder viel zu viele Menschen nicht an ihr Karma denken. Ich hoffe, wir plaudern bald mal wieder miteinander – ob das jetzt für ein neues Buch oder den Sieg beim Skoutz-Award ist, werden wir sehen. Ich freue mich darauf.

Dankeschön!

 

Hier könnt ihr Claudia Meimberg treffen

Claudia freut sich immer sehr über Kontakt zu ihren Lesern!

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Skoutz-Lesetipp

Bittersüße – Eine zarte wunderschöne Liebesgeschichte von Claudia Meimberg

Bittersüße - CLaudia Meimberg

»Die Liebe kommt, wenn man sie am wenigsten erwartet.«
»Sie geht aber auch genau dann.«

Heiraten – davon träumt die Kölner Floristin Annika schon ihr ganzes Leben. Doch ihr langjähriger Freund Ben macht ihr keinen Heiratsantrag – sondern trennt sich völlig überraschend von ihr. Verzweifelt beschließt Annika, um die Liebe ihres Lebens zu kämpfen. Nur um Ben eifersüchtig zu machen, lässt sie sich auf eine unverbindliche Affäre mit dem Frauenschwarm Patrick ein.

Doch hält sich die Liebe an solche Pläne? Wie überzeugend wirkt Patrick, obwohl er nichts von festen Beziehungen hält? Und was braucht es, um einen Menschen zu ändern – und seine Träume?

Skoutz meint:  Eine klug erzählte Dreiecksgeschichte über die Eigenwilligkeit der Liebe. Anders als erwartet führt Claudia Meimberg Annika durch die Irrungen und Wirrungen der Gefühle und schafft dabei etwas, was wirklich selten ist. Eine mitreißende, gefühlvolle, spannende und nachwirkende Liebesgeschichte. Eine Geschichte deren Hauptfigur nicht so sehr die Protagonisten sind, sondern vor allem die Liebe selbst..  (kn)

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Mehr Info

Als die Elefanten kamen„. Claudia Meimberg entführt den Leser mit ihrer tiefgründigen Liebesgeschichte ins zauberhafte Südafrika und sichert sich damit einen der begehrten Plätze auf der  Midlist Romance des Skoutz-Awards 2021.

Grund genug, selbst mal nach den Elefanten zu sehen und in das Buch hineinzulesen. Wie uns das Liebesabenteuer gefallen hat, erfahrt ihr hier …  (weiterlesen).

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Hinweis:

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