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Zu Besuch bei Oliver Kern aka Max Korn aka Luis Sellano

Heute bin ich mit dem Skoutz-Kauz in Waiblingen zu Besuch bei einem Autor, der unter seinem eigentlichen Namen, Oliver Kern, mit seinem Regiokrimis regelmäßig in den Spiegel-Listen steht, aber eben auch abseits dieser Pfade sehr spannende Literatur schreibt.

So etwas als Luis Sellano. Mit diesem Pseudonym und dem Krimi „Portugiesische Wahrheit“ überzeugte er Crime-Jurorin Catherine Shepherd jedenfalls vollkommen und steht daher auf der Midlist  Crime des Skoutz-Awards.

Grund genug, ihn einmal zu besuchen…

Zu Besuch bei Oliver Kern, für den Faulheit eine Stärke ist.

Portrait Oliver Kern Max Korn Luis SellanoLieber Oliver, vielen Dank, dass du uns empfängst. Mit mindestens 3 Pseudonymen dürftest du ja ziemlich beschäftigt sein. Noch dazu, weil sie ja sehr verschiedene Geschichten bedienen. Lass uns also gleich mal anfangen.

Welches ist die größte Herausforderung, der man sich als Autor stellen muss?

Das Buch wirklich zu schreiben, das einem im Kopf herumspukt.

Ja, das ist auch zugleich die Eingangsherausforderung, um überhaupt Autoren-Challenges meistern zu müssen. Oder gibt es einen Autor vor dem Schreiben? Mir hängt noch Christoph Grimm nach, das Interview war im positiven Sinne sehr zum Nachdenken und Grübeln …

Widmen wir uns mal eher den einfachen Hürden und Hindernissen beim Schreiben …

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Hast du Lieblingsworte in deinen Skripten, die vom Lektorat regelmäßig angestrichen werden?

Ehrlicherweise habe ich nie darauf geachtet, ob es hier ein Muster gibt.

Naja, Muster ist ein großes Wort. Persönliche Präferenzen vielleicht …?

Für einen Autor, der Mitglied im Club der fetten Dichter ist, besteht grundsätzlich die Verpflichtung, in jedem Roman das Wort „schmallippig“ zu verwenden. Weshalb ich mit Gewissheit sagen kann, dass dieses Wort in jedem meiner Manuskripte zu finden ist.

Das hast du mir voraus, ich glaub, ich hab das noch nie verwendet. Was zeigt, dass ich die Erfolgsfaktoren meiner viel zu nebenbei betriebenen Autorenkarriere dringend überprüfen sollte. Und was sagt dein Lektor zu den schmalen Lippen?

Nichts. Und ob es jemals gestrichen wurde, kann ich jedoch nicht bestätigen.

Ich werde bei der nächsten Lektüre deiner Bücher mal darauf achten …

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Was ist deine präferierte Erzählform?

Ich-Form im Präsens, wie in meinen Fellinger-Krimis, die unter meinem richtigen Namen Oliver Kern erscheinen.

Ah, das bist auch du? Hab ich gleich was gelernt. Eine Schreibfrage habe ich noch …

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Bist du im Team Adjektiv oder bevorzugst du eher einen „schnörkellosen“ Stil?

Ich versuche hier stets eine verträgliche Mischung.

Das ist ein sehr versöhnlicher Ansatz, den viele Kollegen teilen. Asuka Lionera hat da eine richtige Gebrauchsanleitung entwickelt.

Und wie schaut es bei der Schreibstruktur aus?

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Hast du einen speziellen Trick, um aus deinen Figuren echte Persönlichkeiten zu machen?

Indem ich viel Erfahrung und Milieustudien in die Charaktere packe.

Millieustudien gleich? Das klingt recht aufwändig. Wie darf ich mir das vorstellen? Treibst du dich da für Recherchen in den Rotlichtvierteln rum?

Millieu ist für mich nicht gleichbedeutend mit Rotlichtviertel, sondern es ist für das mein ganzes Umfeld, der Raum, in dem ich mich täglich bewege und den ich aushorche und ausspähe, um Impulse und Ideen zu sammeln, die ich dann in meinen Geschichten verarbeiten kann.

Dann sind wir wieder bei dem altbekannten Punkt, dass Autoren einfach alles und jeden in ihren Geschichten verwenden.

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Welchen Fehler darf man beim Schreiben keinesfalls machen?

Konflikte scheuen.

Hahaha! Das ist wahr, sowohl die mit sich selbst als auch die mit seinen Figuren oder eben auch den Buchmenschen da draußen, Lesern etwa. Was mich gleich zur nächsten Frage bringt …

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Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Der Zauberberg von Thomas Mann.

Irgs. Thomas Mann kann ich für sein unbestreitbares Handwerk bewundern, aber er hat mein Herz nie erreicht. Liest du das echt abends freiwillig?

Ja. Ziemlich praktikabel zum Einschlafen.

🙂

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Welche 3 Dinge sind dir aktuell am wichtigsten im Leben?

Liebe, Ruhe und Gelassenheit

Oh ja! Oliver, ich kann dir gar nicht sagen, wie gern ich diese Antwort öfter hören würde. Das sind 3 Sachen, an denen es unserer Welt gerade dramatisch fehlt. Schön, dass das endlich mal wer ausspricht.

Damit beantwortet sich die nächste Frage ja eigentlich schon von fast allein …

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Wenn du wählen könntest, wärst du lieber extrem intelligent oder gut im Umgang mit Menschen?

Am liebsten wäre ich extrem intelligent im Umgang mit Menschen.

Ja, das ist eine schlaue Antwort. Mir haben ja schon einige Kollegen gesagt, dass sie mit genug Intelligenz auch besser im Miteinander wären, aber das glaube ich nicht. Empathie ist nicht notwendig intelligent und umgekehrt. Aber als Fettnäpfchen-Queen, die ich nun mal unfreiwillig bin, verstehe ich gut, was du meinst. Ich jedenfalls denke mir zuverlässig, nachdem ich was gesagt habe, wie ich das hätte besser machen oder lassen können …

 Andere Frage …

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Um meine Katze ins Haus zu lassen.

Das klingt irgendwie … routiniert?

Ja. Weil ich das in der Regel auch regelmäßig tue.

Abgesehen von Kitty Services, …

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Was ist deine größte Stärke?

Faulheit.

Dann respektiere ich das und verzichte auf weitere Nachfragen, weshalb du etwas, das gemeinhin als Schwäche empfunden wird, als Stärke ausweist.

Faulheit setzt Effizienz voraus. Wer effizient arbeiten kann, hat hinterher mehr Zeit zum Faulsein zur Verfügung.

Wohl wahr. Im Projektmanagement arbeite ich auch gern mit Faulpelzen, die werden immer die sinnvollen Energie- oder Zeitsparpotentiale aufdecken.  

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Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das dein fünf-jähriges Selbst tun würde?

Rennen, so schnell wie kein Fünfjähriger rennen kann.

Was jetzt ein Paradoxon ist, würde ich sagen. Dem entnehme ich also, dass du keinen verklärten Blick auf die Welt der Kleinen hast.

Bleiben wir bei den Gedankenspielen …

 

Welcher fiktionale Charakter ist in Buch/Serie/Film unglaublich, wäre aber in banalen alltäglichen Situationen unerträglich?

Das gilt wohl für 90 Prozent aller fiktiven Charaktere.

Das weiß ich nicht, ich würde schon gar nicht so viele „unglaublich“ finden. Das mag daran liegen, dass mein inneres Fan-Girl in die Jahre kommt und nicht mehr so leicht hinter dem Ofen hervorzulocken ist. Aber auch daran, dass ich denke, dass die meisten Figuren so wie sie sind, sind, weil sie sich eben aus den Situationen herauswursteln müssen, in die sie von uns gesteckt werden.

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Stell dir vor, du würdest einen Geheimbund gründen, wie würdest du ihn benennen und was wäre eure Mission?

Das ist leider zu geheim für dieses Interview.

Das ist schade, denn neugierig wäre ich ja schon.

(Aber da mein allerbester Bettelblick versagt, gebe ich mich geschlagen und such mir die nächste Frage)

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Gibt es etwas, das du kannst, die meisten anderen Menschen aber nicht?

Auf Anhieb das letzte, noch öffentliche Lavadouro im Stadtviertel Alfama in Lissabon finden.

Oh wow! Darum beneiden dich, dessen bin ich ganz gewiss, sehr viele verzweifelte City-Touristen. Ich unterstelle mal, dass du diese beachtliche Fähigkeit nicht nur in Lissabon ausleben kannst. Ich nehme an, das war jetzt Teil der Milieu-Studien zu den Luis Sellano Büchern? 

Aber bevor mich jetzt das Fernweh packt, kommen wir zum Schluss des Interview-Teils mit meiner Abschluss-Bitte:

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Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Lest mehr Bücher!

Skoutziger kann man das nicht beenden! Lieber Oliver, lieber Luis, es war mir ein Vergnügen, mich mit dir zu unterhalten und tatsächlich sehr neue Antworten auf meine Fragen bekommen zu haben. Ich unterhalte mich gerne mal wieder mit dir über eins deiner Bücher, über die Segnungen der Faulheit (wenn wir nicht zu faul dazu sind) und natürlich über deinen hoffentlich weiteren Erfolg beim Skoutz-Award. Meine Daumen sind gedrückt.

Dankeschön!

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Hier könnt ihr Oliver Kern (und seine alter Egos) treffen:

 

 

Skoutz-Lesetipp:

Talberg 1935 – Fulminanter Auftakt einer Mystery-Trilogie von Max Korn

(Ab November 2021)

Talberg 1 1935 - Max Korn Der Lehrer Steiner hat einen Turm bauen lassen. Angeblich für Vermessungszwecke. Doch im Wirtshaus erzählen sie sich, er beabsichtige, seine Frau dort hinunterzuwerfen. Aber dann liegt er selber unten, mit zerschmettertem Schädel und leeren Augen.

Wer hat seinen perfiden Plan für sich missbraucht? Und wer erbt jetzt den Hof, den der Lehrer nie haben wollte? Seine Frau? Oder der ungeliebte Bruder, dessen Name voreilig ins Kriegerdenkmal gemeißelt worden war? Doch er kehrte zurück, und statt seines Lebens hat er nur einen Arm im Krieg gelassen – und jegliche Menschlichkeit.

Skoutz meint: Wir haben das 1. Buch über den Verlag nur in Auszügen bekommen, doch das, was ich lesen durfte, war sehr vielversprechend. Ein Dorf, dessen Name schon voller Widersprüchlichkeiten ist, als Schauplatz einer Geschichte, die sich über knapp 100 Jahre zieht und sehr verschiedene Menschen zu verbinden scheint. Gut geschrieben, spannend aufgezogen und sehr, sehr einnehmend geschrieben. Ich bin sehr gespannt auf das, was es in Talberg noch zu entdecken gibt und werde – fest versprochen! – berichten. (kn)

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Talberg Trilogie - Max Korn

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[Werbung] Wenn ihr hoffentlich nun auch neugierig geworden seid, könnt ihr euch das Buch mit Leseprobe und Folgebänden über unseren Link* auf Heyne genauer anschauen oder gleich vorbestellen.

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Mehr Info

“Portugiesische Wahrheit“, ist ein handfester Krimi vor wunderbarer Kulisse mit einem Ermittler, der feststellen muss, dass der Begriff „Familienbande“ den herben Beigeschmack von Wahrheit trägt. Immerhin hat er und sein Schöpfer, Oliver Kern aka Luis Sellano es damit auf die Midlist Crime des Skoutz-Awards geschafft und wurde in diesem Zusammenhang bereits von uns besprochen (weiterlesen).

Wir hoffen natürlich, dass auch dieses Interview des Autors dazu bei trägt, dass die Portugiesische Wahrheit im Wettbewerb weiterkommt und drücken fest die Daumen.

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