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zu Besuch bei Lilly Labord

Heute besuche ich mal wieder meine Lieblingskollegin Lilly Labord, die in diesem Jahr selbstlos und mit nur wenig Überredungskunst die Aufgabe übernommen hat, die neu eingeführte Kategorie „Kinder- und Jugendbuch“ beim Skoutz-Award als Jurorin zu betreuen.

Ein wunderbarer Anlass, sich bei einer Tasse Kaffee und etwas Kuchen über Bücher und die Welt und natürlich den Skoutz-Award zu unterhalten.

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Zu Besuch bei Lilly Labord, die immer für eine Überraschung gut ist

Lilly LabordLiebe Lilly, wie schön, dass es endlich mal wieder geklappt hat. In diesen pandemischen Zeiten sieht man sich einfach viel zu selten. Bevor wir zum gemütlichen Teil übergehen, müssen wir aber unbedingt unseren Fragebogen abarbeiten. Lass uns mit Blick auf den Kuchen doch gleich mal anfangen …

 

Wenn du ein Tier wärst, wärst du ein …? (Und warum?)

Oh, je … ich bin ja eins – ein Mensch.

Ja, das schon. Aber wenn du wählen könntest … 

Wenn ich ein anderes sein sollte, dann ein Rabe. Oder eine verwöhnte, stets auf weichen Kissen schlafende Katze.

Das sagst du jetzt mit Blick auf Gandalf, oder? Fehlt nur noch, dass er zu schnarchen beginnt. Oder sonst?

Oder eins auf einem anderen Planeten.

Seufz, Weltenflucht wäre manchmal echt fein. Aber wenn wir schon von verwöhnten Katzen sprechen … 

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Womit kann man dich im Alltag glücklich machen?

Mit Ruhe und Kaffee.

Hm. Mit mir als Freundin hast du wenigstens genug Kaffee. 

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Wir alle haben Wünsche, für uns, für die Welt. Was sind deine und was tust du, damit deine Wünsche in Erfüllung gehen?

Jetzt kommt natürlich Weltfrieden und ich meine das tatsächlich ernst. Wie schön wäre das. Oder mehr echtes Umweltbewusstsein?

Große Themen, über die wir natürlich noch Stunden reden könnten. Ich fürchte nur, dass das ziemlich anspruchsvolle Wünsche sind, die wir auch gar nicht so leicht realisieren können. 

Stimmt. Und weil  das bisher noch niemand erfüllt bekommen hat, wünsche ich mir inneren Frieden. Und viele Leute, die meine Bücher lesen 😀

Ich gebe mein bestes und lese alle deine Bücher.  Aber wenn wir schon bei Büchern sind …

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Welches Buch hat dich am meisten geprägt?

Das kann ich nun wirklich nicht beantworten, es waren viele.

Tasten wir uns ein bisschen näher ran … 

Vermutlich gehören dazu Bücher, die ich als Kind gelesen und längst vergessen habe und schon fällt mir Winnie the Pu ein.

Das ist ja schon mal was.

Und solche Minibücher, die es am Kiosk gab, kleiner als eine Computermaus: Jugendwestern. Titel und Autor längst vergessen. (PS: habe doch noch eins in meinem Regal gefunden! Hurrah!) Kästners 35. Mai …lange Liste. Aber welches habe ich häufiger gelesen als irgendein anderes: Robinson Crusoe. Ehrlich.

Darum auch der Wunsch nach Ruhe gerade eben? Aber zu dem Defoe-Klassiker könntest du uns auch mal eine Buchvorstellung schreiben. (Zwinker, zwinker). 

 

Bleiben wir noch kurz beim Buchregal. Welcher Klassiker liegt allen Vorsätzen zum Trotz immer noch auf deinem SuB? Und welches Buch ist hätte deiner Meinung nach deutlich mehr Leser verdient und warum?

Ich habe Litwis studiert, also liegt da so gut wie nichts mehr auf dem SUB – ich musste das Zeugs lesen 😊

Tja, Augen auf bei der Berufswahl. 

Mehr Leser wünsche ich unter anderem dem Zauberberg, dem Glasperlenspiel und dem Buch von Rose Sobol: Woman Chief*.

Während ich die ersten beiden selbstverständlich gelesen habe, muss ich bei dem letzten passen. Worum geht es da? 

Es ist die wahre und ungemein beeindruckende Geschichte einer Frau, die es geschafft hat, zum Häuptling der Crow zu werden, und als Kriegerin und Führerin gleichermaßen anerkannt zu sein und eine Frau geheiratet hat.

Notiert. Lass uns mal über deine Bücher reden. Und weil ich dich ja kenne, bin ich sehr gespannt, wie du auf die nächste Frage antworten wirst. 

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 Themen finden ist oft einfacher als aus den vielen Ideen, die richtige Auswahl zu treffen. Wie entscheidest du, welches Projekt du als nächstes verwirklichst?

Manchmal gar nicht, leider. Und dann hängt es. Schließlich folge ich dann dem, was am lautesten ruft.

Liebe Skoutze, ihr ahnt nicht, welche Dramen sich hinter diesen dürren Worten verbergen. 

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Wo stehst du beim Schreiben einer Szene?

Ich bin da eher der Kinobesucher mit Rundrumblick und auch manchmal der Prota, ja mit Schweiß und Tränen. Blut ist glücklicherweise eher selten.

Naja, kommt darauf an. Bei deinen Vampirbüchern durchaus. Wenngleich eher unter kulinarischen Aspekten. Ich behaupte ja eh, dass deine Bücher in der Küche entstehen müssen, so zentral wie Essen immer wieder erwähnt wird. 🙂  Aber anders herum gefragt:
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Welche Szenen fallen dir beim Schreiben am schwersten und wie meisterst du sie trotzdem?

Sexszenen – ich schreibe sie ganz aus dem Wunsch und Blickwinkel der Protas und wenn es dann irgendwem nicht gefällt, bin ich geknickt.

Und wie gehst du mit dem Problem um? 

Ich habe mal gelernt, dass Sexszenen nur dann eine Daseinsberechtigung haben, wenn sie den Plot vorantreiben (außer in Erotika natürlich) und daher kommen auch nur solche Szenen in meinen Romanen vor.

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Was ist dir beim Schreiben deiner Geschichten am wichtigsten, worauf achtest du besonders?

Ich folge der Figurenlogik, aber was mir am wichtigsten ist: dass es flott vorangeht und nirgends versandet. Unterhaltung muss genau das: unterhalten. Wenn möglich gut.

Und wie setzt du diesen ganz und gar löblichen Anspruch um? 

Deswegen kommen bei mir immer zum Beispiel immer wieder neue Themen vor: Brezeln, Glasblasen, Parfümherstellung, Polizeiarbeit … morgen vielleicht, wie man einen Dom baut. Man weiß nie.

Ich immerhin etwas früher als der Rest. (Kicher). Und jetzt kommen wir zu meiner Lieblingsfrage. 

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Es heißt, jeder Künstler muss auch ein bisschen wahnsinnig sein. Was ist dein Schuss „Wahnsinn“?

Oh, da hätte ich reichlich zu bieten, auch wenn man mir das zunächst eher nicht anmerkt.

Meinst du … 

Ich bin sehr enthusiastisch und gucke immer ganz überrascht, wenn jemand neben mir gleichgültig bleibt, während ich mich beispielsweise über Schmetterlinge, Filme, Bücher, Spiegelungen oder Wolken freue und mit Krähen rede.

So ansteckend wie du da immer bist, kann ich mir nicht vorstellen, dass da jemand gleichgültig bleibt, der noch nicht tot ist, oder jedenfalls an schweren Zahnschmerzen leidet. Letzteres könnte tatsächlich den Fokus etwas verschieben.

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Mr. Nigh - Lilly Labord BFKBeschreibe dein aktuelles Buch in 3 Sätzen

Die Ermittlerin Nell jagt Verbrecher, die Geldautomaten sprengen und trifft dabei auf den Nekromanten Mr. Nigh. Er ist ein geheimnisvoller Mann, der Tote beschwört – unter anderem einen der Räuber, nachdem der jäh an Herzversagen verstorben ist. Soll sie Mr. Nigh glauben? Oder will er sie täuschen und steckt mit den Verbrechern unter einer Decke?

Das Buch mochte ich sehr. Da waren einige Wendungen drin, die ich echt nicht kommen sah. Das Buch haben wir auch schon in einem Buchregal besprochen. 

Was würdest du noch gerne lernen und wozu?

Drehbücher zu schreiben. 😊 Und sie verfilmt zu sehen.

Nur zu! Ich geb dir dann noch ein paar Originalbücher zum Aufbrezeln.

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Welcher Moment im Leben hat die besonders geprägt? 

Oh, da gäbe es einige, die ich aber lieber nicht erzähle, weil es nicht heiter wäre.

Das klingt tragisch. Wie schade. 

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 Was sollen deine letzten Worte sein?

„Ich komme wieder!“

Oh! 

Scherz beiseite – ich weiß es nicht.

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Und mit welchen Worten soll dieses Interview enden?

Danke – danke an alle, die es bis hierher gelesen haben und an alle, die so fleißig meine Romane verschlingen.

Denn Leser und Autoren sind ja sozusagen eine Einheit, bei der man keine der beiden Seiten wegnehmen kann … oder will.

Liebe Lilly, dann bedanke ich mich an dieser Stelle auch persönlich und im Namen aller Skoutze für dieses Interview und deine vielen Bücher. Schreib schön weiter, worüber auch immer. 

Aber bevor wir jetzt endlich, endlich den Kuchen anschneiden, habe ich noch ein paar Fragen an die Jurorin.

 

Lilly und der Kinder-Skoutz 2022

Was hat dich bewogen, den Jury-Job zu machen? (Vielen Dank dafür!)

Ich diesem Fall die Kinder- und Jugendbücher. Ich habe mehr als zwanzig Jahre lang mit Kindern gearbeitet, unter anderem Kindern mit Lese-Schwierigkeiten. Und daher weiß ich aus eigener Erfahrung, dass auch schöne und gut geschriebene und gutgemeinte Kinderbücher oft an der Zielgruppe vorbeigehen. Umso mehr freue ich mich über jene, die es schaffen, Kinder zu begeistern. Da ist es natürlich nicht einfach, zwölf Bücher auszuwählen. Wenn mir ein Juwel durchrutschen sollte, entschuldige ich mich jetzt schon. Aber in jedem Fall bemühe ich mich, mit den Augen des Kindes auf all diese Bücher zu schauen.

Das bringt mich gleich zur nächsten Frage. 

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Dass es unterhält, überrascht, etwas Neues erzählt … Als ich Kind war, waren gerade Kinderbücher mit offenen Enden und der Schilderung trauriger sozialer Zustände modern. Ich mochte sie damals nicht und mag sie heute nicht. Trotzdem gehören in den Fundus der Kinder- und Jugendliteratur Bücher, die altersangemessen auch schwierige Themen behandeln. Aber jenseits davon sollen Kinder in andere Welten eintauchen können oder ihre Alltagswelt neu entdecken.

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Worauf achtest du bei deiner Auswahl besonders?

Gutes, flottes Erzählen, das liegt mir am Herzen. Oder warmer Humor. Oder gut präsentiertes Wissen statt Belehrung und Infodump. Kinderbücher zu schreiben, ist eine hohe Kunst und eine enorme Verantwortung. Ich bewundere alle, die das gut hinkriegen. Und ich hoffe, dass sie viel Spaß und Erfüllung dabei erfahren, diese Bücher zu schreiben.

Dankeschön!

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Hier könnt ihr Lilly Labord erreichen:

 

Skoutz-Lesetipp:

Zum Kaffee bei Mr. Dalton – Auftakt der Kultreihe um die Asperischen Magier von Lilly Labord

Auf der Suche nach einer Stelle gerät Holly Miller an den geheimnisvollen Mr. Dalton. Er kann nicht nur Kaffeekannen schweben lassen, sondern offenbar auch andere magische Dinge vollbringen. Anfangs ist Holly fasziniert davon, die Aufträge eines Mannes auszuführen, der sich ihr nicht zeigt. Doch bald merkt sie, dass Mr. Daltons Welt gefährlich ist. Als die Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden magischen Zirkeln zunehmen, muss sie sich entscheiden, wohin sie künftig gehören will.Der Beginn einer zauberhaften Serie voll dunkler Magie, Verrat, aber auch unverbrüchlicher Freundschaft und wahrem Mut.

Skoutz meint: Nach 5 Bänden und einigen Spin-offs versteht man, warum die Welt der Magie, wie sie Lilly Labord entwirft, in jeder Hinsicht zauberhaft ist. Gerade, weil die Probleme ihrer Figuren durchaus handfest und ernsthaft sind, ist man so zufrieden und glücklich, wenn sich doch alles immer irgendwie lösen lässt. Und zwar weit weniger mit dem Zauberstab (schon auch), als mit Herz und Verstand. Das macht Mut. 

Von Lilly Labord haben wir allerdings über die Jahre schon viele Bücher vorgestellt und besprochen (schaut mal hier.)

 

 

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