zu Besuch bei Julia Greve

Mit dem Skoutz-Kauz treffe ich heute im schönen Bonn Autorin Julia Greve. Mit ihrer Liebeskomödie „Herzkur“ hat sie unsere Jurorin Halo Summer begeistert und ist direkt auf die Midlist Humor 2020 gewählt worden. Doch wer sich hinter dem Roman voller Herz und Humor verbirgt, konnte ich bei meiner Recherche in Vorbereitung für dieses Interview nicht so wirklich herausfinden. Umso neugieriger bin ich jetzt natürlich, was ich in unserem Gespräch alles erfahren werde und freue mehr auf unser Treffen.

 

 

zu Besuch bei Julia Greve, die gern langjährige Beziehungen untersucht …

 

©Sandra Then

Wie würdest du dich in einem Wort beschreiben?

pragmatisch

 

Was macht dir an deinem Job als Autor am meisten Spaß? 

Am liebsten schreibe ich Dialoge.

Was fasziniert dich daran besonders?

Es ist fast so, als unterhalten sich die Personen ohne mich. Schreiben und denken läuft dann gleichzeitig. Es kommt mir oft vor, als würde ich die Dialoge hinterher nur noch aufhübschen.

 

Wann hast du dein erstes Buch veröffentlicht und wie lange hast du daran geschrieben?

Mein erstes Buch „Herzkur“ …

… mit dem du direkt auf der Midlist Humor gelandet bist 🙂

Genau, das erschien 2019.

Und wie lang hast du gebraucht, bis das Wörtchen Ende unter dem Skript stand?

Geschrieben habe ich daran etwa ein Jahr.

 

Wie läuft ein typischer Tag als Autor bei dir ab?

Da ich einen Brotjob, Kinder und immer was zu tun habe, ersetzt das Schreiben oft das Fernsehen oder Lesen am Feierabend.

Es ist also ein Ausgleich zum Alltag. Gibt es noch andere Momente, in denen du mit deinen Büchern beschäftigt bist?

Ich denke auch gerne beim Radfahren oder in der Bahn über meine Bücher nach oder zücke mein Notizbuch, wenn mich eine geniale Idee anfällt.

 

Das Jahr 2020 stellt uns alle vor neue Herausforderungen. Wie gehst du mit Corona um?

Für mich als Autorin hat sich nicht viel geändert, ich schreibe, wenn ich Zeit habe.

Aber hat die Pandemie sonst irgendeinen Einfluss auf dich und deinen Alltag?

Das Leben selbst hat sich natürlich sehr geändert. Die Kinder sind immer zu Hause, ich arbeite im Home Office … möchte ich es in Worte fassen, würde ich sagen: Es gibt kein Wochenende mehr. Jeder Tag ist gleich. 

 

Kreativ oder doch eher regeltreu? Wie flexibel bist du beim Schreiben? 

Ich bin eine seltsame Mischung aus „überorganisiert“ und „völlig chaotisch“.

Das klingt spannend. Kannst du mir das etwas näher erläutern?

Am Anfang eines Buches steht eine perfekte Exceltabelle in Tapetengröße. Fange ich an zu schreiben, springe ich wild umher. Schreibe mal hier, mal dort und muss am Ende mithilfe meiner perfekten Tabelle alle tausend Puzzleteile zusammenfügen.

Also eine tapetengroße Exceltabelle hatten wir in 5 Jahren Skoutz-Award noch nie! Da hast du einen Originalitätspunkt.

 

Welches war dein erstes selbstgelesenes Buch? Und hast du es heute noch?

Das war „Der kleine Elefant.“ Ein Buch in Schreibschrift. Ich habe es mit sieben Jahren geschenkt bekommen. Ich ging in meine Zimmer, las es durch, ging zu meinen Eltern und frage, was ich jetzt lesen soll.

Was war die Antwort?

Da kein anderes Buch da war, las ich es nochmal und nochmal. Danach waren wir Stammgäste in der Bücherei.

Der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Wie schön!

 

Stell dir vor, du könntest eine beliebige Figur aus einem Buch zum Essen treffen … ? 

Ich würde tatsächlich zu gerne „die Moni“ aus meinem eigenen Buch kennenlernen.

Wieso fällt deine Wahl ausgerechnet auf sie?

Diese komische und herzensgute Frau hat sich so dermaßen verselbstständigt, dass ich mich irgendwann gefragt habe, wo sie wohl lebt und warum sie sich in mein Buch gedrängelt hat. Darüber hinaus …

Ja?

Thursday Next aus Buchspringerreihe von Jasper Fforde.

Oh wie genial! Da kommen wir mit! Die Bücher habe ich geliebt! Und was stellst du mit Thursday an?

Ich würde gerne alles über den stärksten Käse der Welt erfahren, wie man an einen Dodo als Haustier kommt und wie es ist, in Jane Austen Romanen umherzustreifen.

So wie du das beschreibst, ist deine Neugier ansteckend 🙂

 

Auf welche Frage hattest du in letzter Zeit keine Antwort und hast du sie finden können?

  „Mama, wo ist mein Füller.“

*lach* Das kenne ich von meinen Kindern auch gut. Und? Hast du es gewusst?

Sie hat die Antwort dann selbst gefunden ?

 

Wie oft schaust du täglich auf dein Handy?

Zu oft.

 

Was darf in deinem Kühlschrank niemals fehlen?

Die Frage ist eher: Was darf nicht drin sein.

Okay, dann formulieren wir um … 🙂

Schokolade. Ist sie da, esse ich sie auf.

 

Für welche drei Dinge in deinem Leben bist du am dankbarsten?

Meine Kinder, ein unbeschwertes Leben, die Möglichkeit viel reisen zu können.

Ha! Reisen ist ein gutes Stichwort!

Zeitreisen! Bei welchem historischen Ereignis wärst du gern dabei gewesen?

Mich da spontan zu entscheiden, finde ich schwer.

Aus welchem Grund?

Ich würde viel lieber eine Rundreise machen. Time-Hopping all inclusive.

Das wäre doch mal ein Angebot, dass sicherlich viele begeistern und die Reisebranche revolutionieren würde 🙂 

 

Über welches Thema könntest du eine 30-minütige Präsentation halten, ohne jede Vorbereitung?

Oh, ich neige dazu, über jedes Thema, für das ich mich gerade erwärme, ungefragt Vorträge zu halten.

Da passt du ja super ins Skoutz-Team!

 

Was würdest du rückwirkend ändern, wenn du die Möglichkeit dazu hättest?

Nichts.

Rein gar nichts?

Sicher gibt es Dinge, die man bereut, aber letztendlich haben sie mich zu dem gemacht, der ich bin und da hingeführt, wo ich stehe. Also waren sie richtig.

 

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Dass wir aus der Krise etwas lernen.

Das bleibt wirklich zu wünschen.

Vielen Dank, liebe Julia Greve, dass du dir die Zeit genommen hast, mich zu treffen und mir all meine Fragen zu beantworten. Es war wirklich schön mit dir und vielleicht haben wir irgendwann ja mal wieder das Vergnügen. Deinem Roman wünsche ich für den weiteren Wettbewerb viel Erfolg.

 

Mehr über Julia Greve

und ihre Bücher erfahrt ihr auf ihrem Instagram-Account.

 

Skoutz-Lesetipp:

Kann mein Herz nicht mal die Klappe halten? – humorvoller Beziehungsroman von Julia Greve

Ein Roman über das, was nach dem Happy End kommt …
Nina ist glücklich (eigentlich). Die Ehe mit Steffen läuft gut (na ja, meistens). Die beiden Töchter, 8 und 11, verstehen sich prima (weitgehend). Man hat Freunde, geht aus, das Leben ist gut. Nur fehlt eben die Leidenschaft. “Wo soll das Knistern nach so vielen Jahren denn herkommen?” fragt Nina ihre Freundin. Gibt es sie, die Paare, die auch nach langer Zeit noch guten Sex haben? Wo sind sie und wie schaffen sie das? Steffen macht Nina einen gewagten Vorschlag – und sie lässt sich darauf ein, nicht wissend, dass sie damit die gesamte Idylle ins Chaos stürzen wird …

Skoutz meint: Auch in ihrem zweiten Roman nimmt die Autorin wieder kein Blatt vor den Mund und parodiert unglaublich humorvoll die alltäglichen Tücken des Familienlebens. Ihr toller Erzählstil und ihr untrügliches Gefühl für Situationskomik treibt einem beim Lesen die Lachtränchen in die Augen. Man kann gar nicht genug bekommen und wir hoffen, dass uns noch viele weitere Geschichten aus der Feder der Autorin unterhalten werden.

 

 

Hinweis:

Julia Greves Beziehungsroman “Herzkur”, der im März 2019 bei Rohwolt Taschenbuch erschienen ist, hat voll ins Schwarze getroffen. Auf 384 Seiten erleben wir die überaus unterhaltsame Geschichte einer Frau, die von ihrem Mann verlassen wird und dadurch ihr neues Leben mit ihren zwei Kindern neu strukturieren muss. Doch das ist gar nicht so leicht, daher versucht sie neue Kraft in einer Mutter-Kind-Kur zu schöpfen, doch was sie dort alles erlebt, hätte sie nie erwartet …

Mit dem Cover konnte Julia Greve unsere Jurorin Halo Summer nicht direkt überzeugen, aber mit der Story dafür umso mehr. Aus dem Grund hat sie “Herzkur” aus knapp 250 Titeln der Humor-Longlist  auf die Midlist gewählt und somit ist die Autorin eine der Anwärterinnen auf den Skoutz-Award 2020 in der Kategorie Humor.

Mehr Informationen zum Roman findet ihr wie immer in der ausführlichen Buchvorstellung. (Weiterlesen)

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