zu Besuch bei Judith Vogt

Heute treffe ich Judith Vogt, die sowohl allein als auch mit ihrem Mann gemeinsam seit vielen Jahren die Leserschaft begeistert. Ob Historisches, Steampunk, Jugendliteratur, Science Fiction oder Fantasy – das Repertoire der gelernten Buchhändlerin ist vielseitig. Bei meiner Recherche habe ich zudem herausgefunden, dass die Vögte passionierte Rollenspieler sind und gemeinsam sogar eigene Settings entwickelt haben. Das klingt alles sehr spannend und ich bin schon gespannt, was ich noch so von der Autorin, die auch als Übersetzerin und Journalistin arbeitet, erfahren werde …

 

zu Besuch bei Judith Vogt, die nicht nur eine Schwäche für Naturwissenschaften, sondern auch ein Herz für Minderheiten hat …

 

In einem Wort: Was bedeutet für dich „Schreiben“?

Weitermachen!

*schaut irritiert* Ach, das war deine Antwort. Ich dachte schon … 🙂

 

 

Was ist der seltsamste Ort, an dem du je geschrieben hast?

 

„Seltsam“ trifft es nicht so richtig …

Wie würdest du es dann formulieren?

Der für mich ungewöhnlichste Ort war am Ufer des Lago de Atitlán in Guatemala.

 

 

Wie entstehen deine Geschichten?

Ich schreibe ja häufig mit Christian, meinem Mann, zusammen.

Ja, das habe ich gelesen. Wie läuft das bei euch als Autoren-Duo ab?

Wir plotten viel gemeinsam, haben einen groben Ablaufplan für den Roman und planen dann detailreicher immer einige Szenen im Voraus.

Das klingt recht strukturiert. Wann recherchiert ihr die Hintergründe? Davor oder währenddessen? 

Wir recherchieren meist parallel dazu und genießen es, denke ich, beide, dass die Recherche immer auch unseren Horizont erweitert und neue Ideen bringt.

 

 

„Es wird immer weniger gelesen“ – Wie reagierst du auf diesen Satz?

Dann erzählen wir Geschichten in Zukunft halt anders.

Mir gefällt dieser positive und vor allem innovative Ansatz 🙂

 

 

Wie stehst du zu Schreibregeln, die bestimmen, was der 1. Satz auf keinen Fall enthalten darf, welche Worte man verwenden soll und welche zu vermeiden sind, wie lang ein Satz sein darf, etc.?

 

Ich meide solche Schreibregeln, die meisten davon kenn ich nicht mal.

Noch nie neugierig gewesen?

Ich lese auch keine Blogs oder Ratgeber, in denen so was drinsteht. Mich interessieren die Knochen des Geschichtenerzählens, nicht so sehr die Klamotten, die es anhat.

 

 

Welches Buch hat dich am meisten geprägt und warum?

Da kann ich nicht ein bestimmtes Buch nennen.

Sondern?

Es sind in verschiedensten Lebensphasen verschiedenste Bücher (überlebens)wichtig.

 

 

Wenn du für einen Tag in ein Buch reisen könntest, in welches würde es dich ziehen?

Ich glaube, dann würde ich den Tag sehr gern in Becky Chambers Wayfarer-Welt verbringen.

Die kenne ich nicht. Was würdest du dort genau besuchen wollen?

Eines dieser sehr bunten Konglomerate aus unterschiedlichsten Lebewesen.

 

 

Bist du ein mutiger Mensch? Wann hast du das letzte Mal was zum ersten Mal gemacht und was war das?

Ich weiß nicht … Ich wage mich jeden Tag mit dem Rad auf die Straße, also, vielleicht schon.

Ist es nicht schlimm, dass man das heutzutage schon als mutig empfinden muss … Aber zurück zum Thema, bevor ich abschweife. Gab es irgendeine Situation in der du dich so richtig hast überwinden müssen?

Ich habe in Guatemala auf Englisch mit Amerikaner*innen und Kanadier*innen Freeform-Rollenspiele zu krassen gesellschaftlichen Themen gespielt, davor war ich sehr nervös und es hat mich Mut gekostet, das zu tun.

 

 

Für welches Produkt würdest du als Testimonial Werbung machen? Warum?

Für nichts.

Ohne Ausnahme?

Ich bewerbe gern Bücher von Kolleg*innen, aber ich würde niemals für etwas, bei dem ich nicht abschätzen kann, wer dahinter steht und was die in Zukunft machen, bezahlte Werbung machen.

 

 

Was machst du, wenn du eine Nacht im Kaufhaus eingeschlossen wärst?

Durchdrehen.

*lach* Ich muss gestehen, ich habe mit vielem gerechnet, aber das überrascht mich nun doch … Was genau ist an der Vorstellung so schrecklich?

Ich hasse den Parfumgeruch.

Hab ich vergessen zu erwähnen, dass dieses spezielle Kaufhaus keine Duftabteilung hat? 

Okay, dann in der Süßwarenabteilung alle Sorten Lakritz essen!

 

 

Was ist der erste Gedanke nach dem Aufstehen? Was machst du in der ersten Stunde nach dem Aufstehen?

„Heute prokrastiniere ich nicht!“ ist der erste Gedanke.

Und dann?

Und dann prokrastiniere ich eine Stunde lang!

Das kenne ich irgendwoher *hüstel*

 

 

Welche Superkraft hättest du gerne?

Wie Neil Gaiman sagt: To make time stretchier.

Was würdest du mit dieser gewonnen Zeit machen?

Ich hätte gern besonders abends doppelt so viel Zeit, um nette Dinge zu tun.

 

 

Welcher Irrtum kursiert über dich?

Dass, wenn auf dem Cover oder im Impressum nicht Judith und Christian Vogt, sondern Judith C. Vogt heißt, das C. trotzdem für Christian steht!

Ich hätte aus dem Bauchgefühl auf einen Zweitnamen getippt ….

Es ist tatsächlich einfach mein Zweitname.

 

 

Was würdest du deinem 10 Jahre jüngeren Ich raten?

Radikaler zu sein.

Inwiefern?

Ich sehe mit Bewunderung die 10, 15 Jahre jüngeren feministischen Autorinnen, Podcasterinnen, Twittererinnen. Ich war noch ziemlich blind für strukturelle Probleme, als ich „in deren Alter“ war.

 

 

Was wolltest du der Welt schon immer einmal sagen? Raus damit!

Uff, das ist so viel und ständig was anderes, ihr könntet einfach auf Twitter mitlesen, haha!

Dann sollten wir das wohl unbedingt tun. Tausend Dank, liebe Judith Vogt, dass du dir die Zeit genommen hast, mich zu treffen und mir meine vielen Fragen zu beantworten. Deinem Buch wünsche ich für den weiteren Wettbewerb viel Erfolg und wer weiß, vielleicht sehen wir uns bereits zur Verleihung des Skoutz-Awards wieder.

 

Mehr über Judith Vogt und ihre Bücher findet ihr auf:

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Skoutz-Lesetipp: Die dreizehn Gezeichneten (Das Geheimnis der Zeichen) – mitreißender Fantasyroman von Judith und Christian Vogt

Sygna, die Stadt des Handwerks. Die Stadt der magischen Zeichen. Seit die Armee von Kaiser Yulian die Stadt erobert hat, ist den Einheimischen die Ausübung ihrer jahrhundertealten Magie jedoch verboten. Eine Widerstandsgruppe will dies nicht hinnehmen.

Auch Dawyd, Mitglied der Fechtgilde, wird für die Ziele der Rebellen eingespannt. Denn die kaiserliche Geheimpolizei strebt danach, die mächtigen Wort-Zeichen unter ihre Kontrolle zu bringen. Mit ihnen wären die Besatzer in der Lage, Gefühle und Gedanken zu manipulieren, und das muss um jeden Preis verhindert werden …

Skoutz meint: Eine Rebellion gegen die machthungrigen Besatzer und eine Stadt voller Geheimnisse – in diesem Roman ist einiges geboten. Neben den vielen interessanten Figuren, die mit ihren Ecken und Kanten mal mehr, mal weniger sympathisch erscheinen, ist es vor allem das überschaubare Setting, das mit all seinen Mysterien überzeugt. Das Autoren-Duo geht hier in die Tiefe, denn es gibt viel zu entdecken … Spannung, Faszination und eine besondere Macht – einige würden sie Magie nennen, andere eher Handwerk – machen diesen detailreich erzählten Auftakt zu einem wahren Magneten, der einen nicht mehr loslässt.

 

Hinweis:

Judith C. Vogt konnte mit “Roma Nova” unseren Skoutz Juror Markus Cremer überzeugen. Der im Juli 2018 bei Bastei Lübbe erschienene Roman umfasst 624 Seiten und erzählt eine spannende Spartacus-Adaption, in der die alten Römer das Weltall erobern. Unzufriedene Sklaven, die ihr Schicksal nicht länger akzeptieren wollen, und eine gefährliche dunkle Macht erheben sich. Wird es ihnen gelingen die Invasoren zurückzuschlagen?

Die mitreißende Space-Opera “Roma Nova” wurde aus über 300 Titeln der Science Fiction-Longlist ausgewählt. Damit ergatterte sie einen der begehrten Midlist-Plätze und vielleicht auch die Chance auf den Skoutz Award 2019.

Wie immer findet ihr mehr Informationen zum Roman in unserer ausführlichen Buchvorstellung. (Weiterlesen)

 

 

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