Einmal mit Profis arbeiten … Blogs und Geld

Noch haben wir uns nicht davon erholt, dass Autoren sich darüber beschweren, wenn Rezensenten kritisch mit ihren Büchern umgehen, da galoppiert schon die nächste Sau durchs digitale Buchdorf.

Dieses Mal geht’s ums liebe Geld. Oder vielmehr die Frage, ob sich Blogger fürs Bloggen bezahlen lassen sollten. Blogs und Geld? Geht das überhaupt! Kommt darauf an, wen man fragt. Wie so oft.

Skoutz versucht, etwas Licht ins Dunkel zu bringen:

Um was geht’s beim Streit um Blogs und Geld?

In einer Buchgruppe wurde die Frage aufgeworfen, dass Blogger, die sich sehr viel Mühe mit ihren Blogs machen, auch Anspruch auf Bezahlung hätten, wenn sie für Autoren und Verlage an deren Erfolg arbeiten. Das kann man so sehen. Das hätte Vorteile, nicht nur für die Blogger, sondern auch für die Autoren/Verlage. Aber es hätte auch Nachteile. Für beide. Und darüber sollten wir reden.

Autoren und Blogger sind so ein bisschen wie Blumen und Bienchen.

Man braucht einander. Ohne Blumen leidet das Bienchen Hunger. Ohne Bienchen keine Verbreitung der Pollen. Blogger bekommen Reziexemplare, die sie sonst kaufen müssten. Autoren so etwas mehr Reichweite. Uns gefällt der Gedanke von der Symbiose. Aber natürlich kann man sich auch auf geschäftlicher Basis treffen:

Blogs und Geld. Wann geht das überhaupt?

Viel Aufwand, der sich lohnen muss.

Wer mehr als ein Rezensionsexemplar für seine Mühe will, muss sich darüber im Klaren sein, was der Sprung in die Profi-Liga bedeutet. Das Finanzamt wird aufmerksam. Das Gewerbeamt auch. Man muss das mit der Universität, dem Arbeitgeber, der Sozialstelle abklären, ob selbständige Nebentätigkeiten überhaupt erlaubt sind.  Man kann sich nicht mehr auf den Verbraucherschutz rausreden, wenn man was Falsches bestellt, muss eine Vielzahl von Regularien von A wie Anonymisierung von Daten bis Z wie Zellophanentsorgung nach der Verpackungsverordnung beachten, und kriegt Ärger, wenn er da versagt.

Es muss einem klar sein, dass man dann, wenn man Dienstleister ist und seinen Blog für mit zahlenden Kunden inhaltlich abgestimmte Aktionen nutzt, genau genommen keine Presse mehr ist, also auch keinen Presseausweis für die Buchmesse bekommt, sondern sein Fachbesucher-Ticket selbst bezahlt. Oder sehr genau auf die Abgrenzungen achtet.

Die freundlichen Meet & Greets beim Verlag werden dann auch schwieriger, denn die müssen dann den strengen Corporate Governance Regeln entsprechen, weil es nicht mehr Kundenbindung ist, sondern Geschäftspartnerbespaßung. Compliance-Richtlinien werden abgefragt und wenn es blöd läuft, bekommt man Ärger mit den Wettbewerbsrechtlern. Oder dem Finanzamt wegen Annahme geldwerter Vorteile.

Das ist – wir sagen das den Autoren immer wieder – kein Hexenwerk. Im Ergebnis wird nichts unmöglich, aber vieles deutlich aufwendiger und formaler. Daher man muss sich gut überlegen, ob sich der Mehraufwand wirklich rentiert.

Impressumspflicht reloaded.

Als allererstes braucht man ein ordnungsgemäßes Impressum und eine sauber aufbereitete Datenschutzerklärung. Und zwar aktuellen Anforderungen entsprechend und nicht aus dem letzten Jahr! Die benötigt zwar auch ein nicht kommerziell genutzter Blog, aber die Rechtsprechung ist da bei Ungenauigkeiten deutlich entspannter, als wenn der Betreiber für seine Beiträge geringe wirtschaftliche Vorteile zieht. Damit entfallen die hübschen halblegalen Tricks wie veraltete Adressangaben, Postfächer oder “Adresse auf Anfrage”, oder sein Impressum als Beitrag auszugestalten, den zwar die gefürchteten Abmahncrawler finden, nicht aber ein seriös nach dem Impressum auf dem Blog suchender Mensch.

Auch die beliebten kostenlosen Muster-Impressums und DSE dürfen dann, da kommerzielle Seite, nicht mehr – oder jedenfalls nicht kostenlos – genutzt werden. Wer sich für ein Gewinnspiel bezahlen lässt, muss neben den normalen Disclaimern auch darauf achten, dass er nicht gegen Gesetze verstößt, die er im Zweifel nicht mal kennt, das Lotteriegesetz zum Beispiel.

Wenn man Geld für seine Posts nimmt, muss man deren Wert nachweisen. Das stellt ganz andere Voraussetzungen ans Tracking z.B. der tatsächlichen Reichweite. Und dementsprechend deutlich höhere Anforderungen an die Datenschutzerklärung, denn die Daten der Besucher werden nun viel intensiver genutzt, als nur dafür, die Seiten schnell und stabil zu halten.

Auseinandersetzung mit Amazon und Co.

Ein Facebook-Blog scheidet hier aus, denn Facebook verbietet explizit in seinen AGB, dass man Geld für ein Posting nimmt. Sichtbarkeit auf Facebook verkauft Facebook exklusiv selbst. Agenturleistungen in Bezug auf Facebook sind immer Dienste auf oder an den Seiten der Auftraggeber.

Es geht nicht um bezahlte Rezensionen, das verbietet Amazon ohnehin. Aber auch ein bezahlter Blog bestärkt Amazon darin, dem entsprechenden Rezensenten wirtschaftliche Interessen und damit automatisch Schönrederei zu unterstellen. Und natürlich muss man die kommerzielle Prägung deutlich machen, auch wenn sie nur indirekt ist!
Das heißt, die Chance, Eure Rezensionen auf den für die Autoren und Verlage wichtigen Portalen zu finden, sinkt, denn natürlich muss auch bei einer auf Amazon veröffentlichten Rezension vermerkt werden, dass für die Promotion dieses Buches – unabhängig von der Zahl der vergebenen Sterne – Geld geflossen ist. Genaugenommen darf man auf Amazon dann diesen Autor/Verlag gar nicht mehr rezensieren. Ob ein Autor für ein Posting auf einem privaten Blog bezahlt, muss man ausprobieren. Der Preis steigt mit der Reichweite.

Bei Geld hört der Spaß auf.

Vom Geschäftspartner verlangt man mehr als Gefälligkeiten. Das heißt, es geht dann um harte Termine, wo Ausreden wie “ich/mein Kind/der Hund war krank” nicht mehr zu einem resignierten Okay des Autors führen, sondern zu Schadensersatzansprüchen. Denn es ist nicht damit getan, dass dann ggf. Geld zurückbezahlt werden muss, sondern dass auch die Kosten für eine dann ggf. deutlich teurere Ersatzvornahme zu tragen sind. Während der Blogger nämlich einfach das nächste Buch liest, muss der Autor sehen, wie er für sein Buch einen vermasselten Release wirtschaftlich wieder auf die Reihe bekommt.

Und da haben wir noch nicht darüber gesprochen, dass Autoren oft (wie man bei der Rezi-Debatte ja auch gesehen hat) etwas verschobene Vorstellungen von der Bestsellertauglichkeit ihres Werkes haben. Der zahlende Kunde wird mit seinem Blogger anders sprechen und andere Erklärungen fordern und ggf. auch erstreiten, als einer, dem man einen Gefallen erweit.

Man erwartet auch Qualität. So, wie der Leser verlangt, dass Autoren gutes Deutsch schreiben, will das auch der Kunde von einem Texter. Übliche Sprüche wie “Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten”, sind nicht marktfähig. Das Schreiben wird damit für viele Blogs aufwendiger.

Gleiches gilt, wenn es Ärger mit Bildern und Bildrechten oder mit Texten i.S. Urheberrecht gibt. Auch hier ist eine kommerzielle Nutzung um ein Vielfaches teurer als eine private. Und zwar sowohl bei ehrlichem Bezug als auch im Falle einer Abmahnung, wenn etwas schief gelaufen ist. Das geht schon damit los, dass der gewerbliche Nutzer bei Wettbewerbsfragen nicht mehr an seinem Wohnsitz verklagt werden muss und entsprechend zu den Verteidigungs- noch Reisekosten kommen.

Es gibt einen Markt für Marketingleistungen bei Autoren, keine Frage. Aber viele, die jetzt vom schnellen Zusatzgeld für ihr Hobby träumen, scheinen zu unterschätzen, was alles an diesem Nebenerwerb hängt.

Ist Geld wirklich das, worum es geht?

Was man in der Diskussion heraushört, ist dass viele ein Danke für ihre Mühe wollen. Das ist prinzipiell verständlich und sollte eigentlich selbstverständlich sein. Oder auch nicht.

Bildergebnis für LiebeSkoutz liebt seine Blogger und bemüht sich wirklich, ihnen durch entsprechende Konzepte zu mehr Sichtbarkeit und Anerkennung zu verhelfen, bei Problemen zu helfen, aufzuklären und zu trösten, wenn es sein muss. Darum verlinken wir in der Buchsuche direkt auf die Rezension auf dem Blog. Für uns ist eine Buchwelt ohne Buchblogs langweilig und farblos und wir behandeln sie daher so gut wir können. In Gesprächen mit unseren Autoren und Verlagen hören wir, dass es denen nicht anders geht. Also an der Wertschätzung allein kann es nicht liegen. Die funktioniert auch in kleinen Gesten und ohne Geld.

Ausgenutzt?

Nun gibt es natürlich ein paar Konzepte, wo Blogger als sehr, sehr günstige Dienstleister missbraucht werden. Um sie dann unter Druck zu setzen, wenn sie nicht funktionieren. Unerfreulich ist auch, wenn ein Blog dann z.B. Geld für eine Blogtour nimmt und erwartet, dass die anderen kostenlos mitziehen. Da ist Ärger vorprogrammiert. Aber da niemand verpflichtet ist, an solchen Aktionen mitzumachen, regelt sich das auch schnell.

Daher auch der Unmut rund um die Rezi-Debatte letztlich, die damit losging, dass man sich als Blogger noch Vorwürfe machen lassen musste, wenn eine an sich positive Rezension nicht positiv genug war oder die Beitragsgestaltung dem Autor nicht gefiel. Da muss sich wirklich was ändern.

Überschätzt?

Wenn man sich die Mediadaten vieler Blogs mal genauer ansieht, wird man allerdings schnell feststellen, dass sie tatsächlich mit Agenturleistungen in aller Regel nicht konkurrieren können. Nehmen wir die Follower. Es ist eine Milchmädchenrechnung, dass ein Autor, der sich 50 Blogger mit 50 Followern holt, dann 2.500 Menschen erreicht. Denn tatsächlich ist die Schnittmenge sehr groß. Es sind immer dieselben Blogger, die sich gegenseitig folgen. Und ganz, ganz viele Follower oder Blogroll-Freunde haben ihren letzten Post vor Jahren geleistet. Das sind alles Dinge, die man im Rahmen von Gefälligkeitsdiensten außen vor lässt. Aber offenbar ist das vielen Bloggern gar nicht bewusst. Wer Geld mit veralteten Media-Kits einsammelt, macht sich ggf. strafbar.

Blogs und Geld? Oder eher Kunst und Kommerz.

Wenn es zum Beispiel um “unabhängige Rezensionen” geht, hört man zumeist und schon gebetsmühlenartig, dass der Blogger seinen Blog nur aus persönlicher Freude am Kreativen und der Liebe zu seinen Büchern betreibt. Das ist schön. Aber wie passt das zu Blogs und Geld? Warum sollte dann jemand dankbar sein, wenn wer sich selbst was Gutes tut? Auch wenn man dabei evtl. einen zufälligen Vorteil hat. Es ist ein freiwilliges und unverbindliches Hobby. Da sagt man natürlich danke, wenn man Buchtipps bekommt, sehr laut danke, wenn man der Buchtipp ist. Aber das muss dann auch wieder reichen, denn das Motiv ist ja völlig legitimer Eigennutz.

Auch wenn ein Blogger offen um Anerkennung buhlt, geht es ihm dabei nicht anders als jedem Autor in der oft harten Buchwelt. Man steckt viel Zeit, Hoffnung, Ideen und vielleicht auch Geld in sein Projekt und hofft. Garantie gibt es keine. Und da geht es Bloggern wie allen anderen Kreativen. Nur ein Bruchteil des insgesamt investierten Schweißes, der Tränen und des Herzbluts erleben ihren “Return of Invest”. Also auch unter diesem Aspekt kein Grund zu jammern, sondern allenfalls sich noch mehr anzustrengen. Die meisten Projekte scheitern nicht an den Umständen, sondern an der Geduld ihres Betreibers.

Blogs und Geld sind okay. Aber wenn, dann vernünftig. Wenn der Blogger Geld verdienen will, ist das super, solange er den (oft knallharten) Anforderungen an den Markt entspricht. Es kann so ziemlich jeder im Land jeden Preis für so ziemlich jede Leistung verlangen. Ob man dafür Abnehmer findet, steht auf einem anderen Blatt. Von daher ist die Frage wie die Debatte darum eigentlich müßig.

 

 

10 Gedanken zu „Einmal mit Profis arbeiten … Blogs und Geld

  1. Vielen lieben Dank für diesen informativen und aufschlussreichen Beitrag. Ich hoffe, dass damit das Thema endlich mal vom Tisch ist und wir uns wieder ums Wesentliche kümmern können. Nämlich um all die wundervollen Bücher der Welt.

    Grüßle Ela

  2. Danke, dass ihr euch auch für dieses Thema wieder Zeit genommen habt.
    Sehr aufschlussreich und hoffendlich jetzt auch für alle verständlich.
    Gruß Sandra 🙂

  3. Also ich sehe es äußerst kritisch, wenn ich mich als Bloggerin von Autoren oder Verlagen dafür bezahlen lasse. Meine Unabhängigkeit geht dadurch verloren und meine Leser können nicht mehr wissen, ob die Rezi auch wirklich meiner Meinung entspricht. Ich nehme aus diesem Grund auch nur ganz selten Rezensionsexemplare an, sondern kaufe mir die Bücher selber. Mein Blog trägt sich trotzdem durch Affiliate und weil ich meine Rezensionen bei der VG-Wort angemeldet und mit Zählpixeln versehen habe. Damit bin ich zwar weit entfernt, von meinem Blog leben zu können, aber die Ausgaben habe ich einigermaßen im Griff. Außerdem ist der Blog eine gute Werbung für meine Praxis für Legasthenietherapie, da ich Bücher für kleine und große Erstleser und Menschen mit Leseschwäche empfehle. So profitiert meine Praxis auf alle Fälle davon.

    1. Das klingt ja sehr spannend, Sabine! Magst du uns mal ein bisschen was zu deiner Praxis erzählen? Das hat ja auch mit Lesen und Büchern zu tun. Wir würden uns freuen!

  4. Ein sehr guter Artikel und auch großartig recherchiert.
    Habe gelesen wie einige Blogger in Kommentaren und auf ihren Blogs erwähnen, das sie von ihrem Bloggen gerne leben möchten.
    Ja, wollen Autoren auch, können sie aber nicht. Genauso wollen viele Verlage vieles, können aber nicht.

    Nichts wird sich ändern, solange Amazon keine anständige Konkurrenz bekommt.

    LG

    1. Liebe Lily, wir arbeiten mit Skoutz ja am Erhalt der Vielfalt in der Buchwelt. Unterstütze uns mit der Buchfieberkurve, dann bekommen wir den Rest auch hin! 🙂

  5. Ihr habt es wirklich auf den Punkt gebracht, denn genauso ist es. Ich hoffe, dass damit die elende Diskussion nun etwas nachlässt. Ich finde eh, man sollte keine Gegenleistung verlangen. Ich mach das freiwillig aus Spaß. Ansonsten muss man eben, wie ihr es so schön nennt, in die Profiliga aufsteigen. Das war aber zumindest für mich, nie das Ziel.

  6. Schönen guten Morgen!

    Wieder sehr schnell reagiert und einen sehr guten Beitrag verfasst!

    Da ich heute in meiner Stöberrunde einige Posts zu dem Thema gesammelt habe, ist eurer natürlich auch mit dabei 🙂

    Liebe Grüße, Aleshanee

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