zu Besuch bei Ulrike Busch

Heute bin ich im schönen Norden zu Besuch bei Ulrike Busch, die mit ihren Cosy-Crime-Geschichten ihre Leser begeistert. Statt auf viel Blut setzt die lustige Wahl-Hamburgerin eher auf Humor und Ironie, was ihren Romanen einen besonderen Charme verleiht. Ich freu mich schon sehr auf unser Treffen und bin gespannt, was mich so alles erwartet. Mit meinem Bestechungs-Körbchen bewaffnet (die Betonung liegt auf bewaffnet, man weiß ja nie, was einen in einem Krimi-Autoren-Haushalt so erwartet) werde ich ihr hoffentlich bei einer schönen Tasse Tee oder Kaffee, ein paar Geheimnisse entlocken können.

 

zu Besuch bei Ulrike Busch, deren Liebe zu den nordfriesischen Inseln und aus ihren Büchern spricht …

 

© Liebenow Fotografie

Beschreibe dich in einem Wort!

Glücksmensch

Das ist mal eine schöne Beschreibung.

 

Strukturierter Planschreiber, Bandenmitglied oder kreativer Chaot – was ist dein Schreib-Erfolgs-Konzept?

 

Nichts von all dem passt auf mich.

Wie würdest du dich dann beschreiben? Wie gehst du vor? Wie arbeitest du?

Zum Recherchieren fahre ich an die Schauplätze meiner Krimis. Meine Lieblingsschauplätze kenne ich ohnehin von unzähligen Urlauben bereits sehr gut. Ich plotte in gewissem Rahmen, aber nicht bis ins Detail. Meist habe ich einen Anfang und ein Ende im Kopf. Was dazwischen passiert, weiß ich zum Teil, bevor ich mit dem Roman beginne, aber vieles entwickelt sich erst beim Schreiben.

Dann lässt du die Geschichte auf dich zukommen, schaust, wohin sie dich führt?

Meine allerersten Gedanken zu einem Plot tippe ich entweder gleich in eine Datei ein oder ich notiere sie auf Papier, je nachdem, ob ich gerade am Computer sitze oder nicht. Die weiteren Ideen landen in der Regel auf dem Schreibblock. Die Papiernotizen wandle ich dann ins (digitale) Manuskript um.

Die Papierform hat den Vorteil, dass du noch ein handschriftliches Back-Up hast. Bei der Technik weiß man ja nie, wie sicher das ist.

Auch wenn ich damit unspektakulär bis unsympathisch erscheine: Während des gesamten Schreibprozesses bin ich so etwas wie ein disziplinierter Einzelgänger. Ich habe keine Schreibbuddies, brauche keinen Druck von außen – nichts dergleichen. Ich setze mich einfach hin und mache. 🙂

Ich weiß nicht, ob das unspektakulär ist, aber unsympathisch auf keinen Fall 🙂

 

Welche Taste ist die am meisten abgenutzte auf deinem PC?

Die Strg-Taste.

Ich habe ja viel erwartet, aber das *lach* ist wirklich ungewöhnlich 🙂

Ohne es bewusst zu tun, sichere ich so ungefähr alle 1,5 Sekunden meinen Text –  obwohl das Team von Papyrus Autor mir gesagt hat, ich bräuchte gar nicht mehr zu sichern; das übernehme das Backup-System für mich.

Davon hab ich auch schon gehört, aber ich verstehe zu gut, dass man auf Nummer sicher gehen will 🙂

Alle halbe Jahre brauche ich eine neue Tastatur, weil die Strg-Taste eine schwere Arthrose hat. 😉

 

Wenn eine Fee dir einen perfekten Autorentag anböte, wie sähe der aus?

Eine Fee brauche ich nicht.

Warum? So eine kleine wunscherfüllende Fee ist doch toll 🙂

Ich gestalte mir meinen Autorentag auch ohne sie perfekt.

Was bedeutet für dich perfekt?

Seit ich nicht mehr für Kunden schreibe, sondern hauptberuflich Romanautorin bin, leiste ich mir den Luxus, nach dem Frühstück einen kleinen Spaziergang zu machen. Danach erledige ich Korrespondenz, schalte Posts auf Facebook etc. Anschließend arbeite ich an meinem aktuellen Manuskript.

Das klingt wirklich sehr strukturiert und auch irgendwie perfekt. Okay, ich nehme die Fee wieder mit und schaue, wer sie gebrauchen könnte 🙂

 

Wie viel Autobiografie steckt in deinen Geschichten?

Null.

Das finde ich bemerkenswert, denn viele sagen, dass von ihnen zumindest ein kleiner Teil zu finden ist 🙂

Ich habe absolut nicht das Bedürfnis, mein Leben oder Auszüge daraus in Romanen zu verwurschten.

verwurschten *lach* Das mag ich! Aber zurück zum Thema 🙂

Ganz im Gegenteil, meine Person halte ich da völlig raus.

 

Was ist dein Geheimrezept, um die Muse anzulocken und Schreibblockaden (große und kleine) zu überwinden?

Ich brauche keine Muse und habe auch keine Schreibblockaden.

Keine Fee, keine Muse, keine Schreibblockade 🙂 Du bist echt ein Glücksmensch 😉

Das Schreiben ist seit 35 Jahren mein Job, auch wenn ich jahrzehntelang Texte für Kunden aus technologischen und anderen Branchen geschrieben habe, was natürlich etwas anderes war, als Romane zu schreiben. Dennoch wurden auch dafür Ideen und Kreativität verlangt.

Du bist also geübt und schon seit Jahren tief in der Materie. Das hilft sicher.

Ich betrachte das Schreiben nicht als Kunst, so wie ich mich selbst nicht als Künstlerin sehe. Für mich ist es ein Handwerk. Ein Bäcker hat ja auch keine Blockade beim Brötchenbacken und der Chirurg hat (hoffentlich) keine, wenn er gerade am OP-Tisch steht.

Normalerweise nicht 🙂

Ich habe mich nun mal für den Beruf des Autors entschieden und  bin Tag für Tag mit großer Freude dabei.

Das merkt man 🙂

Natürlich gibt es Tage, an denen es besser fluppt, und solche, an denen es nicht so gut geht. Aber das betrifft doch jeden Menschen in jedem Beruf wie auch im Privatleben, bei Hobbys oder im ganz normalen Alltag. Niemand ist jeden Tag gleich gut drauf. Den Mythos von der blockadegeplagten, verzweifelt Fingernägel kauenden Autorin, die sehnlichst darauf hofft, dass die Muse daher geflattert kommt, kann (und will) ich absolut nicht bedienen.

 

Welchen Anteil hat das reine Schreiben im Autorenjob und was gehört noch dazu?

Die Vorbereitung eines neuen Manuskripts nimmt wenige Stunden bis Tage in Anspruch. Das Schreiben hat natürlich den größten Anteil, das Überarbeiten den zweitgrößten.

Welche Schritte kommen danach?

Noch während des Schreibens, spätestens aber während der Überarbeitungsphase suche ich gemeinsam mit meiner besten Freundin, einer Grafikerin und Webdesignerin, das Foto für das Cover aus, das sie dann gestaltet.

Dann wird also die Optik ausgearbeitet. Was passiert danach noch alles?

In den letzten Wochen vor der Veröffentlichung bereite ich die Marketingaktionen vor: Kontakte mit Bloggerinnen, Beiträge in Werbeportalen sowie auf Facebook und Twitter, Pressemeldungen, manchmal auch Termine für Lesungen.
Natürlich gehört während der ganzen Zeit, am meisten aber nach einer Veröffentlichung, der Austausch mit Lesern dazu, vorwiegend über Facebook.

 

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Ich muss das Gefühl haben, da war jemand am Werk, der weiß, wie man das „Handwerkszeug Sprache“ bedient.

Du erwartest also einen gewissen Standard. Ich kann mir vorstellen, dass es für jemanden, der seit Jahrzehnten mit Worten und Texten beruflich zu tun hat, bestimmt schwierig ist, einfach nur zu lesen, ohne zu analysieren …

Leider ist bei mir immer der innere Lektor dabei, weshalb ich sehr lange brauche, um ein Buch zu Ende zu lesen. Ich überlege ständig, was ich von dem Autor oder der Autorin lernen kann oder aber auch, wie man das, was da steht, anders hätte ausdrücken können. Das ist eine Krankheit, von der ich wohl kaum noch geheilt werden kann.

Berufskrankheit *lach*

 

Welche Gefahren lauern im Alltag auf deine Manuskripte, was kann dich von deiner Geschichte trennen?

Gefährlich ist Facebook, vor allem der Messenger. Aber auch WhatsApp. Es gibt Tage, ganz besonders nach einer Buchveröffentlichung, an denen muss ich mein Smartphone lautlos schalten, weil es in einer Tour piept und ich nicht mehr zum Arbeiten komme.

Social Media ist wirklich ein Zeitfresser 🙂 Das kenne ich zu gut 😉

Das ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits möchte ich die Kommunikation mit den Lesern und Bloggerinnen sehr eng gestalten und ich freue mich über die vielen Kontakte. Andererseits fragen viele zu dem Zeitpunkt schon nach dem nächsten Band, an dem ich dann ja bereits sitze. Und zum Schreiben brauche ich nun mal absolute Ruhe und Konzentration.

Und wenn du mal den Kopf freibekommen willst, womit beschäftigst du dich dann am liebsten?

Ich bin ein Bewegungsmensch.

Also sehr aktiv …

Nach dem langen Sitzen am PC gehe ich am liebsten zum Gerätetraining, Schwimmen und Saunieren ins Fitness-Studio oder ich mache einen Spaziergang oder eine Fahrradtour durch das Naturschutzgebiet, an dessen Grenze ich wohne.

 

Bei welchem deiner Protagonisten würdest du den Beziehungsstatus mit dir als »schwierig« bezeichnen?

Bei keinem.

Bei dir läuft es ja echt 🙂

Zu all meinen Protagonisten habe ich eine gute Beziehung. Sonst wären sie nicht meine Protagonisten geworden. 😉

 

Wie groß ist dein SUM (Stapel ungeschriebener Manuskripte) und wie gehst du mit ihm um?

Den Stapel gibt es, aber ich habe ihn nie im Blick. Es muss auch nicht alles zum Manuskript werden, was sich darauf angesammelt hat. Ich plane vier Veröffentlichungen pro Jahr.

Wird dann systematisch der SUM abgetragen oder lässt du dir das offen und schaust, worauf du Lust hast?

Wenn ich ein Projekt beende, schwirrt mit der Plot für das nächste Manuskript im Kopf herum. Das kann eine Geschichte sein, die es erst gar nicht auf den SUM geschafft hat, die mir aber so sympathisch ist, dass ich sie sofort umsetzen will.

Was war dein emotionalstes Erlebnis beim Schreiben?

Tut mir leid, aber es gibt keins.

Jetzt hatte ich schon gehofft 🙂

Beim Schreiben schotte ich mich von allem ab, was mich ablenken oder auf meine Gefühle einwirken könnte. Da erlebe ich nichts, was in irgendeiner Weise aufregend oder spektakulär wäre.

Wie definierst du Erfolg?

Die Sache mit dem Erfolg sehe ich sehr entspannt.

Das heißt?

Ich strebe keine bestimmten Platzierungen in Bestsellerlisten an, sondern freue mich riesig darüber, wenn meine Bücher den Lesern gefallen und wenn ich davon leben kann. Beides ist derzeit der Fall.

Davon träumen ja sehr viele. Du hast mit Glücksmensch wahrlich nicht übertrieben 🙂

Heute erst schrieb mir eine Leserin, sie liebe meine Bücher. Das ist das schönste Kompliment, das man mir als Autorin machen kann.

Absolut. Wenn deine Leser deine Arbeit lieben, hast du alles richtig gemacht …

Insofern bin ich rundherum sehr zufrieden – auch wenn es immer mal wieder 1-Stern-Rezensionen gibt, die zum Teil deutlich unter die Gürtellinie gehen; manche Leser verstehen eben nicht, dass sie einfach nicht zur Zielgruppe gehören. 😉

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Autoreninterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

 

Auf die, ob ich mit meiner Berufswahl glücklich bin.

Das merkt man! Vielen Dank, liebe Ulrike Busch, dass du dir die Zeit genommen hast, mir all meine Fragen zu beantworten. Es war ein wirklich tolles Treffen und ich hoffe, dass wir das schon bald wiederholen können. Für deinen Roman “Mordskuss” wünsche ich dir viel Erfolg für den weiteren Wettbewerb.

 

Mehr Informationen und News von Ulrike Busch bekommt ihr auf:

ihrer Homepage

der Facebook-Fanpage

und Twitter

 

Skoutz-Lesetipp:

Mord auf der Hallig – ein spannender Nordseekrimi von Ulrike Busch

Küstenschützerin Britta Tjaden stellt auf Langeneß ihre Pläne zur Rettung der Halligen vor den Folgen des Klimawandels vor – und bringt die Aktivistin Beeke Klock gegen sich auf. In der Nacht nach Brittas Vortrag überschwemmt eine Sturmflut die Nordseeküste. Am Morgen darauf wird auf Langeneß eine Tote gefunden. Ein Unglück oder Mord?
Es bleibt nicht bei einer Leiche und plötzlich werden die Ermittler Knudsen und Zander auch noch mit einem alten, ungelösten Fall konfrontiert: dem mysteriösen Verschwinden einer jungen Dänin auf der Hallig. Gibt es einen Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen?

Skoutz meint: Die Kripo Wattenmeer ermittelt wieder. Auch ihr vierter Fall ist wieder ein absoluter Lesegenuss mit sympatischen Akteuren, tollen und  unglaublich stimmungsvoll beschriebenen Szenerien. Sehr humorvoll und mit einem Hauch Ironie erzählt die Autorin eine spannende Story, die einen von der ersten bis zur letzten Seite unterhält. 

 

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Hinweis:

“Mordskuss” von Ulrike Busch ist der bereits zweite Teil der  “Kripo Greetsiel ermittelt“-Reihe. In dem 190 Seiten langen, im Mai 2017 im Klarant Verlag erschienenen Regional-Krimi, in dem ein abscheulicher und mysteriöser Mord das kleine Beschauliche Ferienörtchen in Aufruhr versetzt.

Ulrike Busch konnte mit ihrem spannungsgeladenen zweiten Teil “Mordskuss” der “Kripo Greetsiel ermittelt“-Reihe unsere Skoutz Jurorin May B. Aweley überzeugen. Aus über 300 Titeln der Crime-Longlist ergatterte sie einen der begehrten Midlist-Plätze und damit vielleicht die Chance auf den Skoutz Award 2018.

 

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