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Zu Besuch bei Janna Ruth

Heute bin ich mit dem Skoutz-Kautz zu Besuch bei Janna Ruth, die als Doktorandin der Geologie an den Plattengrenzen unserer Welt, genauer in Neuseeland, forscht. Wenn sie nicht gerade mit dem Schreiben beschäftigt ist, spielt Janna gerne Rollenspiele, turnt im Cirque du Soleil-Stil am Vertikaltuch und interessiert sich für die Wissenschaftskommunikation. Das klingt natürlich außerordentlich viel beschäftigt. Aber wir lassen uns nicht einschüchtern und besuchen sie trotzdem …

Fantasy

Zu Besuch bei Janna Ruth, die einfach alles interessiert

Liebe Janna, vielen lieben Dank, dass du dir heute ein bisschen Zeit für uns nimmst. Als Kiwi bist du von unserem Skoutz-Nest sicherlich die am weitesten entfernte Autorin. Doch wir sind wild entschlossen, dich heute unseren Lesern näher zu bringen.

Fangen wir also am Besten gleich an.

 

Wie würdest du dich in einem Wort beschreiben?

kreativ

Eine sehr gute Voraussetzung für eine Fantasy-Autorin 🙂

Beruf oder Berufung – was macht dir an deinem Job als Autor am meisten Spaß?

Mir macht am meisten das Plotten und das Überarbeiten Spaß. In diesen beiden Schritten entsteht für mich die Geschichte.

Und was ist dann Schreiben für dich?

Das Schreiben ist quasi nur die Fleißarbeit dazwischen.

Lustig, die meisten Autoren sehen eher das Überarbeiten als Pflicht und das Schreiben als Kür!

Bei der Überarbeitung grinse ich immer fröhlich vor mich hin, wenn ich merke, wie sich alles zusammenfügt und besser und größer und fantastischer wird.

Bis du es dann zu deinen Lesern entlässt …

 

Wann hast du denn dein erstes Buch veröffentlicht?

Mein erstes Buch habe ich 2017 im Ueberreuter Verlag veröffentlicht. Mit dem Kurzroman “Tanz der Feuerblüten” hatte ich damals den uebersinnlich Schreibwettbewerb gewonnen.

Das ist aber auch für eine Novelle flott. 

 

Wie läuft ein typischer Tag als Autor bei dir ab?

Einen typischen Tag gibt es nicht. Ich habe drei Kinder unter 10, da steht vor allem Improvisieren an der Tagesordnung.

Da bleibt eigentlich nur die Schulzeit, um überhaupt Ruhe zu haben, nehme ich an.

Theoretisch habe ich sechs Stunden für mich, wenn alle in der Schule sind, doch da stehen dann oft die ganzen Haushalts- und Familienorganisationssachen an (oder ein Kind ist mal wieder krank), weshalb ich dann doch wieder bis spät in die Nacht schreibe.

Autoren sind entweder Frühmorgen- oder Nachtmenschen, das kann ich inzwischen mit ziemlicher Bestimmtheit sagen.

 

Wie sehr beeinflusst Corona dabei deinen Schreiballtag?

Für mich war der Ausfall der LBM sehr tragisch. Da ich in Neuseeland lebe, war das mein einziges Liveerlebnis in den letzten zwei Jahren. Ich bin tatsächlich nach Deutschland geflogen und musste nach einer Woche ganz schnell neue Flüge kaufen und noch am selben Abend abfliegen, damit wir noch vor den Grenzschließungen überall durchkamen.

Oh, das war schon für die Kollegen stressig, die nur mal quer durch die Republik, mussten. Das hatte bei dir natürlich nochmal eine ganz andere Dimension das kann ich mir vorstellen. Wie war denn der Lockdown in Neuseeland? 

Relativ zügig und konsequent, was dann auch zum gewünschten Erfolg geführt hat. Während des Lockdowns wurde mein Schreiballtag vor allem durchs Homeschooling auf die Probe gestellt.

Da haben alle Mütter der Skoutz-Redaktion vollstes Verständnis. Bei uns war auch keine vernünftige Planung mehr machbar. 

Ab Ende April war mein Mann wieder arbeiten und ich habe quasi zu Hause drei Jobs auf einmal gemacht. Während der ersten Wochen im April, als quasi noch Ferien waren, war es hingegen recht schön, weil ich mal ungeniert meinen natürlichen Rhythmus ausleben durfte: Teilweise bis vier Uhr morgens schreiben und erst um elf aus dem Bett krauchen. Davon hätte es gerne mehr geben dürfen. Seit dem 18.5. sind die Schulen wieder auf und die Gefahr bei uns im Land ist gegen Null tendiert (auch wenn wir jetzt aktuell wieder ein paar Fälle haben). In gewisser Weise hat aber seit Juni wieder Normalität geherrscht.

Was, wenn ich dich recht verstehe, Vor- und Nachteile hat. 🙂 

Kreativ oder doch eher regeltreu? Wie flexibel bist du beim Schreiben?

Was ist denn regeltreu im Schreiben?

Ich weiß es nicht? Hältst du dich an bewährte Mustern und  Handwerksregeln? Plottest du eher oder schreibst du blind drauf los? 

Beides! Auch im realen Leben 😛

Ganz generell bin ich ein absoluter Plotter, da entsteht quasi das Buch. Ich kann aber auch sehr kreativ sein, zum Beispiel was Vorschläge aus dem Lektorat oder Ausschreibungen angeht. Da reicht bei mir quasi ein Anstoß und schon rattert mein Hirn in neue Bahnen los.

Wenn du so leicht zu inspirieren bist … 

Bin ich! Mein nächstes Buch (erscheint Mai 2021 im Oetingerverlag) basiert auf einem Tweet zur Umbenennung von CapriSonne in CapriSun 😉

 

Welches war dein erstes selbstgelesenes Buch?

Das kann ich nicht genau sagen. Wahrscheinlich irgendein Märchenbuch. Mein Vater hat Märchen aus allen Ecken der Welt gesammelt.

Und sonst ein Buch, das dir auch Kindertagen in Erinnerung geblieben ist?

Ja, und zwar: Die Söhne der Großen Bärin.

Die Indianerbücher von Liselotte Welskopf-Henrich? Das ist doch die DDR-Antwort auf Karl May? Die habe ich auf der Suche nach Karl May Nachschub aus der Bücherei geholt. Hast du die Bücher noch?

Genau die! Da meine Eltern jeder eine Version in die Ehe mitgebracht haben, durfte ich eine mit nach Neuseeland nehmen.

Das ist doch ein wunderbares Andenken. Wenn wir schon bei Buchhelden sind …

 

Stell dir vor, du könntest eine beliebige Figur aus einem Buch zum Essen treffen. Was würde passieren?

Auf welche Frage hattest du in letzter Zeit keine Antwort und hast du sie finden können?

Da muss ich leider passen. Sicher irgendwas von den Kindern, aber da gab’s dann irgendwie doch eine Antwort.

Hahaha! Gute Mamas haben immer eine Antwort! So soll das sein. 

 

Wie oft schaust du täglich auf dein Handy?

Unterschiedlich. Ich wäre wahrscheinlich eher ertappt bei der Frage, wie oft ich am Tag ins Internet und vor allem Facebook schaue. Da ich am PC sitze, kommt das Handy dafür nämlich kaum zum Einsatz.

Aber du hast erkannt, worauf wir hinauswollten.  Den Hinweis merken wir uns fürs nächste Mal 😀

Was darf in deinem Kühlschrank niemals fehlen?

Milch – sonst müsste mein Ältester verdursten.

Oh Gott! Das will natürlich keiner! 

Für welche drei Dinge in deinem Leben bist du am dankbarsten?

Ha! Praktischerweise habe ich genau drei Kinder 😛

Na das nenne ich wirklich mal praktisch 😀

Dann schauen wir mal, ob du bei der nächsten Frage mehr ins Rudern kommst …

Bei welchem historischen Ereignis wärst du gern dabei gewesen und warum?

Ich liebe zwar Geschichte, aber ich glaube, bei vielen spannenden Ereignissen wie der Französischen Revolution wäre ich doch nur höchst ungern dabei gewesen.

Ja, ich würde auch bei sehr vielen Ereignissen klar einschränken, dass ich nur in sicherer Entfernung und nur zu Besuch dabei sein wollen würde… Als Zeitreisender muss man da sehr vorsichtig sein, keine Frage. Hast du ein unverfänglicheres Reiseziel?

Ich wäre gerne zur Zeit der Naturforscher wie Humboldt am Leben gewesen (und hätte natürlich das passende Geschlecht gehabt).

Eine sehr spannende Wahl! Magst du uns die noch genauer erläutern?

Ich mag Wissenschaft sehr, aber ich bin ein absoluter Breitenmensch. Heutzutage geht es mehr um Spezialisten.

Das würde ich nicht sagen. Ich komme im Hauptberuf sehr, sehr gut damit zurecht, dass so Universalgenies wie ich gebraucht werden, die vieles einigermaßen aber nichts perfekt können, gebraucht werden, um die Spezialisten zu koordinieren. Stell dein Licht da nicht unter den Scheffel! 

Es gibt niemanden, der sich in allem auskennt, aber genau das fasziniert mich total. Jemand, der reist, neue Pflanzen zeichnet und untersucht, geschichtliche Ereignisse aufschreibt, rechnet und erforscht. Allein die Notizbücher sind total meins. Ich glaube, das wäre genau das richtige für mich.

Das glaube ich auch – du bist so leicht für etwas zu interessieren. Und wenn, wie du oben sagst, auf ein Stichwort hin schon deine Fantasie lostrabt, dann ist das eine Gabe, um die dich viele beneiden und noch mehr beneiden sollten.

 

Über welches Thema könntest du eine 30-minütige Präsentation halten, ohne jede Vorbereitung?

Über den Gesteinskreislauf und Plattentektonik 😀

Also ich wäre da sofort dabei! Ich bin mir sicher, dass das bei dir auch sehr, sehr spannend wäre.

Was würdest du rückwirkend ändern, wenn du die Möglichkeit dazu hättest?

Ich hätte meine Doktorarbeit nicht angefangen und stattdessen den Job bei Wissenschaft im Dialog angefangen, wenn ich ihn gekriegt hätte. Das Bewerbungsgespräch lief sehr gut, aber zwei Tage später habe ich die Stipendiumszusage erhalten und das ging nicht so gut aus.

Bereust du das?

Im Grunde glaube ich daran, dass ich nicht da wäre, wo ich jetzt bin, wenn mir nicht all diese Sachen passiert wären. Gut oder schlecht, sie formen ja alle unsere Erfahrung und es sind in der Folge auch viele gute Sachen passiert, die ohne vielleicht nicht passiert wären.

Ich kann nur sagen, das Ergebnis dieser Katalyse ist jedenfalls sehr, sehr sympathisch. 🙂

Eine Frage haben wir zum Schluss noch …

 

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Erst einmal, dass wir die Gesundheits- und nachfolgende Wirtschaftskrise weltweit so gut wie möglich überstehen. Dinge werden sich ändern, aber ich hoffe, dass darunter auch viele positive Veränderungen sind, die vielleicht nicht direkt dieses oder nächstes Jahr, aber langfristig daraus entstehen.

Das wünschen wir uns alle! Und für dich persönlich … 

Ganz persönlich für mein Schreiben wünsche ich mir, dass ich auf dem englischsprachigen Markt Fuß fassen kann und dass irgendwer (*schaut zufällig Joss Whedon an*) Ashuan eines Tages verfilmt.

Verdient hätte deine Reihe es! Wir drücken dir ganz fest die Daumen 😉

Liebe Janna, es war wirklich toll, mit dir zu plaudern und wir hoffen sehr, dass wir das ganz bald mal wiederholen können, entweder anlässlich der Verfilmung von Ashuan oder zur Übergabe des Fantasy-Skoutz oder für deinen Vortrag oder oder oder … 

bis dahin bleib einfach mit uns skoutzig!

 

Hier könnt ihr Janna Ruth erreichen: 

 

 

Skoutz-Lesetipp: Der Herr der wilden Jagd (Die Wylde Jagd 2) – Dramatische Märchenadaption von Janna Ruth


Zwei Geschwister
Ein Feenkönig
Eine tödliche Jagd

Wenn des Nachts die Dächer im Sturm klappern und die Cwn Annwn ihr unheimliches Geheul anstimmen, dann reitet der Feenkönig zur Jagd.
Carys ist gerade erst mit ihrem autistischen Bruder Dylan in den unberührten Norden von Wales gezogen, als ihr ein fürchterliches Unwetter das halbe Dach vom Haus reißt. Am nächsten Morgen steht Arawn vor ihrer Haustür: der Mann mit dem Sturm im Blick. Er lädt die Geschwister zur Wilden Jagd ein und während Dylan jeden Abend mit dem Wind rennt, verliebt sich Carys in den ungestümen Feenkönig. Bis sie selbst zur Beute wird.

Skoutz meint: Janna Ruth verbindet hier das bekannte Märchen von Brüderchen und Schwesterchen mit der düsteren Legende von der Wilden Jagd. Das ist ein spannendes Experiment, denn dadurch entsteht eine neue schaurig-schöne Geschichte, in der bekannte Motive in neuem Gewand ganz neue Bedeutung erhalten. Ein Lesevergnügen, das mit den großen wichtigen Themenpaaren wie Freiheit und Verantwortung, Selbstbestimmung und Treue gekonnt spielt. 

Falls wir euch wie geplant neugierig gemacht haben, könnt ihr über unseren Affiliate-Link auf Amazon* die Leseprobe anschauen oder das Buch kaufen.

 

Hinweis:

Ashuan - HabgierVorjahres-Siegerin Maya Shepherd hat die fantastischsten Geschichten des letzten Jahres aus den über 300 Titeln der Longlist Fantasy 2020 ausgewählt, die von der Midlist Fantasy 2020 aus ins Rennen um den Fantasy-Skoutz 2020 gehen.

Habgier ist das Staffelfinale der von Janna Ruth selbst verlegten Ashuan-Serie. Die im Mai 2019 erschienene Geschichte beendet das clever im Stil einer TV-Serie erzählte Geschehen in Grünthal so actionreich wie überraschend. Damit kann man auch den Fantasy-Skoutz gewinnen. Wir sind gespannt.

Seht selbst, wie wir darauf kommen, denn wir haben das Buch bereits gelesen und vorgestellt (weiterlesen)

 

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