zu Besuch bei: Alex Jahnke

Heute bin ich zu Besuch bei Alex Jahnke, worauf ich mich besonders gefreut habe. Einmal, weil ich ihn noch nicht persönlich kenne und dann vor allem, weil er ein Buch herausgegeben hat, das mir aus verschiedensten Gründen sehr viel Spaß gemacht hat. Und das ist völlig zu Recht auf die Midlist Anthologie des diesjährigen Skoutz-Award gekommen. Vielen Dank an Antho-Juror Thorsten Küper, ohne den ich das Buch am Ende gar nicht entdeckt hätte.

Aber genug der Einleitung, Skoutz und ich sind ja nicht zum Spaß nach Marburg geritten.

Zu Besuch bei Alex Jahnke, der die Klassiker neu sattelt.

Was bewegt dich Anthologien herauszugeben?

Die Möglichkeit ein Thema aus den Perspektiven unterschiedlicher Autoren zu erzählen und so zu zeigen, wie aus einer Idee unendlich viele Ideen und Facetten entstehen.

Ja, das trifft auch das ziemlich gut, was ich als Leser an Anthologien schätze. Nichts zeigt besser wie vielfältig Kreativ wirken kann.

Was macht für dich eine gute Anthologie, ein gutes Anthologie-Thema aus?

Ich mag Anthologien, die ein bestimmtes Thema und nicht nur Genre vorgeben.

Wie meinst du das?

Eine reine “Krimi-Sammlung” wäre mir zum Beispiel zu langweilig, eine Krimi-Sammlung bei der immer die gleiche Tatwaffe von Täter zu Täter gereicht wird, eine faszinierende Idee.

Hehe … ja, das klingt abgefahren. Ich hätte ja schon die Idee der gleichen Tatwaffe spannend gefunden, aber dieselbe … das hat ja schon ein Horrorelement. Der Fluch des Hackebeils oder so.

Anthologien sind in Deutschland – anders als in vielen anderen Ländern – relativ schwer an den Leser zu bekommen.

Das ist ein Henne/Ei-Problem. Jeder erzählt “Anthologien verkaufen sich nicht”.

Das kommt mir jetzt bekannt vor. So geht es ja auch bei Fantasy. Seit ich lesen kann, lese ich, Fantasy sei tot. Daran vermochten, auch  Marion Zimmer Bradley, Terry Pratchett, J.K. Rowling, Stephanie Meyers oder zuletzt George RR Martin nichts zu ändern. Allerdings sieht man – anders als Fantasy – Anthologien tatsächlich relativ selten in den Charts. 

Leider, denn daher wagen sich nur die Verlage daran, denen die Literatur wichtiger ist als die reinen Verkaufszahlen. Die Bücher dieser Verlage liegen aber wiederum nicht in den Buchläden aus, wo das Hauptgeschäft gemacht wird. Also verkaufen sich die Anthologien nicht, womit wir wieder am Anfang sind.

Ein Teufelskreis, den viele begeisterte Anthologienleser und Kurzgeschichten-Autoren nur zu gern durchbrechen würden. Ich denke, deine Thementhese ist da ein vielversprechender Ansatz. *Grübel*

Dazu passt ja auch deine Midlist-Anthologie, die Hommage an Karl May, sehr gut. Die musste ich schon meiner Kindheitserinnerungen wegen kaufen.

Diese Anthologie lag mir besonders am Herzen, weil für mich May ausschlaggebend für meine Liebe zur Literatur war (und wie ich dann bemerkte, auch bei vielen Kollegen). Bei Herzensprojekten macht man sich über Hindernisse keine Gedanken, sondern macht einfach was richtig ist.

Und es ist auch richtig gut geworden. Als ich das Buch gesehen habe, dachte ich mir sofort: Da hätte ich auch mitgemacht.

Nach welchen Kriterien wählst du die Geschichten aus?

Es sind Autoren, die ich sehr schätze. Wie sie mit der inhaltlichen Vorgabe umgehen, sie brechen und erweitern. Ich rede nicht rein, was für eine Geschichte es sein soll, denn ich bin auch dankbarer Leser der Erzählungen.

Was war dein emotionalstes Erlebnis als Herausgeber?

Dazu muss ich etwas ausholen.

Nur zu, der Kaffee ist frisch, wir haben Zeit.

Im Vorwort zu “Reiten Wir!” erzähle ich, wie ein Besuch bei den Karl May Festspielen in Elspe als Kind den Grundstein für meine literarische Begeisterung auslöst.

Bei mir waren es die Filme. Winnetou war meine erste Liebe und nie wieder habe ich so geweint, als in „Der Schut“ Rih erschossen wurde (Ich war noch sehr klein für Karl May, so sieben). Ups. Fangirl-Modus aus. Wo wurde es dann emotional bei dir?

Als Danke hatte ich ein Exemplar der Anthologie dahin geschickt. Der Old Shatterhand von damals (vor 40 Jahren) ist heute immer noch der Geschäftsführer und “Drehbuchautor” der Festspiele und bedankte sich wenige Tage später persönlich und war begeistert. Das hat mich sehr berührt.

Schnüff. Aber wenn wir schon so sentimental sind …

Was wäre das größte Kompliment, das man dir als Herausgeber machen kann?

Ein simples, aber ehrliches “Danke”.

Danke!

Wer ist für dich der ideale Leser?

Derjenige, für den ich der ideale Autor sein darf.

Da bin ich jetzt versucht, nachzubohren. Aber wir sind eh schon spät dran. (Notiz fürs nächste Interview)

Was macht für dich ein gutes Anthologie-Cover aus?

Ein gutes Cover muss für mich mit dem Inhalt des Buches verknüpft sein, die Stimmung einfangen und zu der literarischen Reise einladen.

Gibt es da andere Regeln als für einen Roman?

Egal, ob bei einem Roman oder einer Anthologie.

Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Buchinterview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Trinken wir noch ein Bier zusammen?

Aber herzlich gerne! Und wenn wir uns hoffentlich in Frankfurt auf der Skoutz-Party sehen, lade ich dich ein, damit wir auf Karl May anstoßen können!

 

Hier könnt ihr Alex Jahnke treffen:

Hinweis:

Die im Interview mehrfach erwähnte Karl-May-Hommage „Reiten wir!“ wurde von uns anlässlich ihrer Wahl auf die Midlist Anthologie 2018 und die damit verbundee Nominierung für den Anthologie-Skoutz 2018 bereits ausführlich vorgestellt (weiterlesen).

 

Lesetipp: Liebesgrüße aus Neuschwabenland von Alex Jahnke

Dank unserer Veröffentlichung des Tagebuchs von Friedrich von Humpitz (siehe „Neues aus Neuschwabenland“) sehen sich die Verschwörungstheoretiker dieser Welt in ihrer Anschauung bestätigt.

Zwei Länder hingegen sind hierdurch erst auf die Basis in Neuschwabenland aufmerksam geworden: Nordkorea und Großbritannien. Beide Länder entsenden daraufhin jeweils einen Agenten in die deutsche Kolonie: Nordkorea aus Pinguinmangel ein Huhn, das sie mit Badekappe und Frack tarnen, Großbritannien einen Pinguin im Dienst des MI6. Was die beiden Agenten dort erwartet, hätten sie in ihren kühnsten Vorstellungen nicht zu träumen gewagt.
Die hier veröffentlichten Ereignisse aus NSL beruhen auf unserem Whistleblower-Pinguin in der Basis, so wie den abgefangenen und entschlüsselten Botschaften des MI6-Pinguin an Großbritannien.

„Wir hatten ja damals keine Reichsflugscheiben.“
Deep Throat

„Die Pinguine sind der Beweis!“
D. Ellsberg

Skoutz meint: Eine Persiflage, die man angesichts der Anspielungsdichte unbedingt mehrfach lesen muss. So fantasievoll und kreativ wurde ich schon lange nicht mehr unterhalten. Ein absolutes Muss für alle, die von ihrem Kaffeeautomaten gehasst werden, sich nach Pinguinen sehnen oder einfach herzlich lachen wollen.

Leseproben, Rezensionen und das Buch selbst gibt es über unseren Affiliate-Link bei Amazon.

Wer das Buch schon kennt, kann (und soll!) es auf Skoutz.net bewerten, damit  unsere Buchsuche  noch besser werden kann (weiter).
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