Sprichwörtlich #6 – Erfolg im Sprichwort

Nachdem die Sprichwörtlich-Reihe so gut ankommt und allen sprachverliebten Skoutzen genauso viel Spaß macht wie uns in der Redaktion, kommt hier schon der nächste Beitrag. Und angesichts der Erfolgsgeschichte dieser Reihe widmen wir uns heute gleich mal dem Erfolg in unserem Wortschatz

Seht selbst:

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Auffallend viele Redensarten setzen Wagnis und Erfolg ins Verhältnis zueinander. 

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

weiß das Phrasenschwein ebenso wie dass umgekehrt

frisch gewagt, schon halt gewonnen ist. 

Die erste Variante ist schon sehr alt und wird bereits bei Johann Karl August Musäus in den „Legenden von Rübezahl“ (1782) verwendet. Auch Hans Sachs bezog sich bereits auf diese Erkenntnis. 

Wenn es gut läuft, wird man damit dann auch

Investment, Concept, Business, Finance, Growth, Plantauf einen grünen Zweig kommen.

Gerade jetzt im Frühling versteht man gern, dass grüne, knospende Zweige Wachstum symbolisieren. Das tut er redensartlich seit dem 15. Jahrhundert. Und etwa seit dem 17. Jahrhundert gab es auch einen Rechtsbrauch dazu, wonach dem Käufer eines Grundstücks vom Vorbesitzer ein Stück Rasen mit einem hineingesteckten Zweig – beides vom übereigneten Grundstück – überreicht wurde. Wer Grundbesitzer wurde, bekam damals also auch einen grünen Zweig. 

Und damit das klappt, geizt der deutsche Sprachschatz auch nicht mit hilfreichen Erkenntnissen. 


Der frühe Vogel fängt den Wurm

Das sagt man eigentlich im Englischen, während man im Deutschen eher mit Blick auf die Warteschlange vor der Mühle mitteilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Der englische Vogel jedenfalls ist seit dem 17. Jhdt. fleißig und fliegt seit den 1980er Jahren auch durch die deutschen Redensarten. 

Das allerdings wird relativiert, wenn man weiß, dass

die zweite Maus den Käse kriegt.

Was daran liegt, dass die erste Maus in der Falle sitzt. Nun gut, etwas abstrakter weiß man ja seit dem 16. Jhdt. dass „gut Ding“ eben „Weile haben will„. 

Überhaupt hört man oft, dass etwa

die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln haben.

Dieser seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder auftauchende Spruch soll allerdings nicht Schulschwänzer beruhigen, sondern  ist eher Ausdruck des Neids, dass Erfolg eben nicht notwendig den Rückschluss auf besondere Fähigkeiten erfordert. Bauern kommen generell im deutschen Sprachschatz nicht besonders gut weg, aber bevor das hier zu einem unangemessen Landwirte-Bashing wird, halten wir einfach fest, dass der Volksmund meint, der  Kartoffelanbau erfordere keine besonderen intellektuellen Fähigkeiten. 

Etwas vornehmer drückt es die Bibel aus: 

Den Seinen gibts der Herr im Schlaf.

Cushion, Pillows, Pillow, The Scenery, Bedroom, WhiteSo steht es jedenfalls in der Luther-Übersetzung des Buchs Salomon. Allerdings hat Luther dort geschlampt und so können Klugscheißer darauf hinweisen, dass im hebräischen Urtext und der lateinischen Vulgata nichts „im Schlaf gegeben wird“, sondern vielmehr nur „Schlaf“. Was heißt, dass gottgefällige Menschen im allgemeinen gut schlafen. („Cum dederit dilectis suis somnum“ nicht: „in somno“). Da Luther uns diese Erkenntnis geraubt hat, sagen wir dann eben, dass ein reines Gewissen das beste Ruhekissen ist

Dass Bauern doch schlauer sind, als ihre Kartoffeln glauben lassen, erkennt man, an ihren Redensarten:

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Mahnt zur Geduld, und zwar meist diejenigen, die ohnehin nichts tun, sondern quengelnd die Fleißigen zur Eile antreiben. 

Gleichwohl weiß der schlaue Bauer aber auch, dass manchmal Zuwarten eine Sache nicht besser oder angenehmer macht:

Das kalte Wasser wird nicht wärmer, wenn du später springst.

Wann auch immer man sich Erfolg wünscht, so oder so ist es mit Anstrengung verbunden, und um das auszudrücken, landet man redensartlich fast immer beim Sport: 

Einen dicken Fisch an der Angel haben

Das gilt natürlich nicht nur für Fischer. Schon Don Quijote verwendet dieses Bild gegenüber seinem braven Sancho Pansa, wenn er über Erfolg philosophiert. 

Gute Karten haben

Nicht nur Zocker wissen, dass man mit guten Karten, höhere Chancen hat, das Spiel zu gewinnen. Nachgewiesen ist Wir finden den bildlichen Gebrauch schon 1689 bei von Lohenstein – die Redensart könnte aber aber älter sein, da lässt man sich nicht in die Karten schauen. 

Ins Schwarze treffen

kommt aus der Schützenzunft. Die Mitte einer Zielscheibe ist in der Regel mit einem schwarzem Kreis gekennzeichnet. Wer genau schießt, trifft somit ins Schwarze. Die Redensart ist spätestens seit dem 19. Jahrhundert in Gebrauch und wer so treffsicher ist, fällt  dann eben auch anderweitig positiv auf, weil

Er die Nase vorn hat

Das gilt seit dem 19. Jhdt. dann nicht nur beim Pferderennen, sondern übertragen auch für all jene, die 

gut aufgestellt sind.

Heute sieht man den Zusammenhang tatsächlich mehr im Teamsport, wo die richtige Aufstellung wesentlich für den Spielerfolg ist.  Ursprünglich allerdings hatte jedenfalls Goethe noch die Einrichtung eines Raums im Sinn, wenn er im Werther von einer guten Aufstellung spricht. Heute ist die Redensart tatsächlich vorwiegend im Wirtschaftsteil zu lesen.

Klappern gehört zum Handwerk.

Die meisten stellen sich vor, dass die Wanderhandwerker ihre Ankunft im Dorf mit einer Art Rassel ankündigten, was sie auch taten. Doch die Redensart ist noch älter, so findet sich der Spruch schon im 18. Jhdt im „Lettischen Wörter- und Namen-Lexikon“, meint dort aber das Klappern von Webstühlen, Mühlen und anderen Gerätschaften. 

Das alles darf freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem eins dem Erfolg förderlich ist, nämlich Geduld. 

Jäger wissen daher, 

Bear, Predator, Zoo, Fur, Animal, Mammal, Brown, FurryMan soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist.

Ursprung ist nicht etwa das gern bemühte Jägerlatein, sondern eine Fabel, die zuerst 1495 in italienischer Sprache erschien. Ein Gerber wollte von einem Jäger Bärenhaut kaufen. Der Jäger versprach daraufhin, einen Bären zu erlegen und so die Haut nachzuliefern. So gingen Gerber und Jäger zusammen in den Wald, um zu jagen. Als der Bär erschien, stieg der Gerber auf einen Baum, um dem Jäger zuzusehen. Doch der Jäger konnte den Bären nicht bezwingen und stellte sich tot, damit der Bär ihn in Ruhe ließ. Der Bär beschnüffelte den Jäger, brummte in dessen Ohr und verschwand im Wald. Auf dem Rückweg fragte der Gerber, was der Bär dem Jäger ins Ohr gebrummelt hätte. Da gestand der Jäger, der Bär hätte ihn ermahnt, die Haut nicht zu verkaufen, ehe der Bär gefangen sei.

Dazu könnte man natürlich auch sagen,

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

Das steht zwar so ähnlich schon in der Bibel, aber wortgenau findet es sich erst in einem Gedicht von Friedrich von Hagedorn (Der Zeisig) aus dem 18. Jhdt: „Wisst, sprach er, daß ich schon durch Schaden klüger bin / Man muß den schönsten Tag nicht vor dem Abend loben“. 


Wenn es aber gut ausgegangen ist, dann darf man

sich auf seinen Lorbeeren ausruhen

Das Pathos des Lorbeerkranzes der römischen Kaiser und Feldherren wurde schon in der deutschen Klassik belächelt, obwohl die sonst alles Antike so verehrte. Die Lorbeeren als Ruhekissen tauchen das erste Mal bei Goethe auf. Die nicht minder bekannten und ungleich begehrteren Vorschusslorbeeren hingegen hat Heine eingeführt.

Und allen, die auf die eine oder andere Weise Erfolg haben und 

Ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen wollen

damit es weithin sichtbar ist, rufen wir zum Abschied ein Wilhelm Busch-Zitat zu:

Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.

Wer sich für den Unterschied von Sprichwort und Redensart interessiert, kann das hier im Skoutz-Wiki nachlesen. Diese Reihe selbst hat uns übrigens so viel Spaß gemacht, dass wir sie in loser Folge fortsetzen wollen. 🙂 Ihr dürft gerne eure Vorschläge posten und kommentieren oder uns schreiben.

So, das wars fürs Erste mit sprichwörtlich #6. Wir hoffen, es hat Spaß gemacht. Fortsetzung folgt.

Die bisherigen Folgen findet ihr hier.

 

 

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