sprichwörtlich #5 - Katze

Sprichwörtlich #5 – Alles für die Katze

Nachdem die Sprichwörtlich-Reihe so gut ankommt und allen sprachverliebten Skoutzen genauso viel Spaß macht wie uns in der Redaktion, kommt hier schon der nächste Beitrag. Nachdem wir uns bereits Ross und Hund gewidmet haben, kommt heute die Katze dran, die sich nicht nur in unseren Herzen, Wohn- und Schlafzimmern einen festen Platz erobert hat, sondern eben auch in unserer Sprache.

Doch seht selbst:

Sprichwörtlich #5 – Alles für die Katz

Diese erste Redensart aus unserem Titel ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt und stützt sich auf verschiedene Anekdoten. Im Ergebnis ging es immer darum, dass jemand, der seinen Lohn nicht bekam, sagte „das sei für die Katz“ und dann auch dieser nichts zu fressen gab, bis sie verhungerte. Eine etwas warmherzigere Deutung bezieht sich darauf, dass es eben die wertlosen Essensreste waren, die man den Katzen zum Fressen hinwarf – wobei das dann zumindest in Deutschland eher die Hunde gewesen wären.

Andererseits sagt man, wenn jemand gar zu zögerlich in Bezug auf eine Sache ist, dass er

wie eine Katze um den heißen Brei herumschleicht.

Eine Beobachtung, die speziell Katzenhalter kennen. Katzen sind sehr hitzeempfindlich in Bezug auf ihr Fressen und warten daher, wenn es noch warm ist. Meist begleitet von umschleichen und – je nach Charakter – mehr oder weniger klagend oder fordernden Maunzen. In alter Zeit war das sicher noch schlimmer, weil der hitzeintolerante Gourmet zumeist auch noch hungriger war als heutige Exemplare (auch wenn die sich das nicht vorstellen können).

Das liegt auch daran, dass früher Katzen tatsächlich wenig gefüttert wurden, weil sie die Aufgabe hatten, die Kornspeicher schädlingsfrei zu halten. Darum auch das nächste Sprichwort:

Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch

Katze, Kätzchen, Baum, Neugierig, Tabby, KatzenartigDieses heute sehr beliebte Sprichwort, kam im 19. Jahrhundert in Mode, ist aber tatsächlich schon 18. Jahrhundert belegt und auch so ähnlich in vielen anderen Sprachen, etwa Englisch und Russisch, zu finden.

Auf den Jagdinstinkt unserer Stubentiger ist eben Verlass. Das wissen nicht nur die Nager, sondern auch wir. Und zwar auch, wenn uns das gelegentlich gar nicht Recht ist. Darum sagt man auch, wenn man feststellt, dass ein anderer sich von schlechten Gewohnheiten nicht trennen kann oder will:

Die Katze lässt das Mausen nicht

Erstmals findet sich das schon im alten Griechenland bei Aesop, allerdings wirklich verbreitet hat sich der Spruch erst im Mittelalter, begleitet von vielen Schwänken und Anekdoten, die uns alle zeigen, dass man nicht wider seine Natur handeln kann.

Katz und Maus Spiele

sind sprichwörtlich, wenn sich jemand über einen anderen, zumeist Schwächeren lustig macht und ihn im Unklaren lässt oder auf andere Weise vorführt.

Den Vergleich mit den Tieren finden wir schon bei Martin Luther. „… Wir wissen fast wohl, daß des Teufels Scherz uns Christen einen Ernst gilt; wie man spricht: Der Katzen Spiel ist der Mäuse Tod“

Dabei muss man einräumen, dass nicht nur Mäuse gefährdet sind, sondern eben auch das Federvieh in passender Größe, denn

Vögel, die früh singen, holte abends die Katz

Dieses Sprichwort findet sich so ähnlich bereits im „Deutschen Sprichwörterbuch“ aus dem 18. Jahrhundert. Die naheliegende Botschaft eines „zu früh gefreut“ oder eben sprichwörtlich aus der Vogelperspektive nur schwerlich widerlegbar, dass man „den Tag nicht vor dem Abend loben soll“, ist eher modern. Das Sprichwörterbuch erläutert noch, dass man das morgendliche Glück, den Augenblick genießen soll, weil Es weiß keiner, wie es ihm den Tag über gehen kann. Tja. So ändert sich auch die Interpretation

Auch Fische stehen auf dem sprichwörtlichen Speiseplan unserer feliden Lieblinge:

Der Kater frisst gern Fisch, will aber nicht ins Wasser.

Dieser aus dem frühen 18. Jahrhundert überlieferte Spruch wurde von dem heute gebräuchlicheren Verweis ersetzt, dass man nicht schwimmen kann, ohne nass zu werden.

Wenn eine Katze trotzdem an einen Fisch rankommt, gibt sie sich aber sehr entschlossen. So weiß ein aus Siebenbürgen stammendes Sprichwort, dass ein Bauer zwischen zwei Advokaten wie ein Fisch zwischen zwei Katzen ist. 

Nun ja, vielleicht aus Angst vor den abmahnwütigen Anwälten würde man heute eher sagen, „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“. wobei der arbeitslos gewordene Kater dazu nur schnurrend lächeln dürfte, denn die

Katzenwäsche

Katze, Neugierige Katze, Leitungswasser, Kätzchenist ja gleichfalls redensartlich, wenn sich jemand mit nur wenig Wasser, eher oberflächlich reinigt. Leider muss wohl Katze sein, um einerseits reinlich, aber andererseits geradezu lachhaft wasserscheu zu sein. Insofern ist die Katzenwäsche für viele Mitmenschen, denen man gerne in der sommerlich-schwülen U-Bahn begegnet, kein Anreiz.  Aber bei solchen Diskussionen

beißt sich die Katze in den Schwanz

Mit anderen Worten: Es ist sinnlos. Die Redensart bezieht sich auf das Spiel junger Katzen, die sich beim Jagen in den eigenen Schwanz verbeißen.  Katzen sind eben experimentierfreudig und dabei durchaus risikobereit. Darum heißt es auch seit dem 16. Jahrhundert wie schon länger in England: Neugier ist der Katze Tod, wenn man sich an etwas die Finger verbrennt, was etwas weniger drastisch auf die gleiche schmerzliche Lehre hinweist.

Spannender ist die Frage, warum wir eigentlich

am Katzentisch sitzen

Gemeint ist ein wenig attraktiver Tisch, meist an wenig lauschigen Plätzen, wie der Tür oder in der Nähe der Küche. Dort werden gerne entweder als störend empfundene Kinder oder untergeordnete Gäste untergebracht. Der Begriff ist seit dem 17. Jahrhundert bekannt und vergleicht sie mit dem Ort, an dem die Katzen essen: den Fußboden. Der Ursprung stammt wohl aus dem Kloster: Denn ein in Ungnade gefallener Mönch saß statt an der Tafel, an deren Ende auf der Erde, wo ihm die Klosterkatzen Gesellschaft leisteten. Später stellte man zwar ein Tischlein auf, aber rühmlich war es immer noch nicht. Und zeitweise verwendete man den Katzentisch sogar so, wie wir heute das Hungertuch: So schreibt Goethe in einem Gedicht: „Dankend freuten sie beim Wandern / Sich der Tauben, sich der Fischchen; / Jeder spottete des andern / Als genährt am Katzentischchen

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Ein etwas überraschendes Verhältnis pflegen unsere Katerchen redensartlich auch mit Säcken:

Die Katze im Sack kaufen

Damit meint man, etwas zu kaufen, ohne es vorher gesehen zu haben.

Bereits im Volksbuch „Till Eulenspiegel“ von 1515 wird in einem Schwank erwähnt, dass in dem Sack mit dem Hasenbraten dann nur eher eine mäßig leckere Katze steckte. Der Reiz an den Eulenspiegel-Geschichten liegt ja darin, dass er bestehende Redensarten wörtlich nimmt. Demnach muss die Katze schon viel länger im Sack stecken. Wahrscheinlich ist sie darin übrigens aus Spanien gekommen, denn  dort sagt man „dar gato por liebre“ (wörtlich: eine Katze statt einem Hasen geben) und meint damit, dass hier jemand betrogen werden soll.

Wenn wir hingegen

Die Katze aus dem Sack lassen

meinen wir damit, dass wir eine (gern sensationelle) Neuigkeit bekanntgeben. Und das ist der zweite Teil von Till Eulenspiegels Schelmenspiel, denn als er die Katze dann aus dem Sack ließ, sah jeder, dass es keinen Hasenbraten geben würde.

Diese Redewendung ist seit spätestens 1787 schriftlich belegt: „Jedoch wozu soll alle das Predigen, heraus mit der Katze aus dem Sack, werden Sie sagen, um auch sehen, prüfen, und urtheilen zu können“.

Wenn man das arme Vieh in Spanien in den Sack gestopft zu haben scheint, wurde sie offenbar erst in England daraus entlassen. Denn dort sagt man gern seit 1760, „to let the cat out of the bag“. Dort allerdings vermuten Sprachforscher einen weniger tierfreundlichen Hintergrund, denn die berüchtigte Lederpeitsche, mit der Gefangene und Soldaten gezüchtigt wurden, hieß Cat-o-nine-tails oder neunschwänzige Katze, die zumindest auf Schiffen in einem Sack am Hauptmast hing. Wenn die herausgelassen wurde, mag das überraschend gewesen sein, aber sicherlich nicht angenehm.

Da versuchen wir doch, uns mit einem Katzensprung in Sicherheit zu bringen. Damit meint man seit der Antike, dass etwas leicht und schnell zu erreichen ist.

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So sehr wir die Stubentiger auch lieben und bewundern, in Sachen Musik gehen die Geschmäcker auseinander.

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Katzenmusik

steht seit dem 17. Jahrhundert für schlechte Musik oder schlicht Lärm. Im Brauchtum hingegen wird mit Katzenmusik schon seit vorchristlicher Zeit eine im indogermanischen Raum übliche Praktik bezeichnet. Da zog man vor die Tür von Leuten, die irgendwie gegen die Gemeinschaftsregeln verstoßen hatten und bedachte sie mit lautem Johlen, Pfeifen und Skandieren. Dieses heidnische Brauchtum wurde von der Kirche missbilligt und gern mit den gleichfalls als Teufelsvieh ungeliebten Katzen verbunden. Gebracht hat das, wenn man sich die moderne Kommunikation so ansieht, freilich nichts.

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Schwarzer Kater

Katze, Schwarz, Tier, Pet, Haar, Star, Schwarz Und WeißDer arme Kerl hatte es im Mittelalter besonders schwer, denn er wurde als potentielle Personifikation des Teufels brutal verfolgt. Mitleid gab es nur in Kinderspielen, die wir auch heute noch kennen („Armer schwarzer Kater“). Redensartlich hat sich dieser (Irr)Glaube bis heute aber in umgangssprachlichen Zaubersprüchen wie Hokus Pokus Fidibus, dreimal schwarzer Kater gehalten. Aber Magie und Zauberei in unseren Sprachbildern widmen wir einen eigenen Beitrag.

Dass die Katzen überhaupt überlebt haben, verdanken sie ihrer sprichwörtlichen Zähigkeit, der wir mit dem Spruch Respekt zollen, dass

eine Katze sieben Leben hat.

Doch warum es ausgerechnet sieben Leben sind, ist bislang nicht geklärt. Die Zahl Sieben hat in der christlich-katholischen Symbolik eine lange Tradition.

Keine Zauberei ist es hingegen, wenn man Kater gerne mit Krankheit und Unpässlichkeit in Verbindung bringt, sei es nun

Katerstimmung, der Muskelkater oder der berüchtigte Kater an sich.

Tatsächlich ist das wohl die verkrüppelte Aussprache des ärztlichen Fachbegriffs „Katarrh“, der bei den Laienheilern für alles Mögliche zwischen Schnupfen und Kopfweh bezeichnen kann. Das ist jetzt vergleichsweise banal und irgendwie enttäuschend.

Gleichwohl wird der Katzenjammer in dem unser modernes Deutsch enorm prägenden Studentenslang des 19. Jahrhunderts dann für das Elend eines noch nicht vollständig abgebauten Alkoholpegels bezeichnet. Die Parallele zu dem Maunzen eines von der Katze abgewiesenen verliebten Katers drängt sich spätestens beim Nachhausekommen auf, wenn man wegen seines Zustands wenig herzlich empfangen wird.

 

Bei Nacht sind alle Katzen grau.

Das stimmt schon, denn tatsächlich kann man die Farben des Katzenfells im Mondlicht schlecht unterscheiden. Genauso wie alle anderen Farben auch. Im übertragenen Sinn bedeutet das Sprichwort, dass nachts Unterschiede keine große Rolle spielen und man es daher nicht so genau nimmt. Auch zur Vermeidung von Katzenjammer bei der Wahl seines Kuschelpartners.

Das ist biologisch zutreffend, denn das menschliche Auge besitzt zwei Arten von Rezeptoren besitzt, die je nach einfallender Lichtmenge aktiviert werden. Die Zapfen bei Licht können Farben erkennen, die Stäbchen dagegen sind lichtempfindlicher und werden bei Dunkelheit aktiviert, können aber nur Grautöne wahrnehmen.  Die Beobachtung und die darauf beruhende Redensart sind schon sehr alt. Auch Goethe bezieht sich auf das Sprichwort im Faust II (5):

Wer kennt den Schelm in tiefer Nacht genau?
Schwarz sind die Kühe, so die Katzen grau

Auch Cervantes zitiert im frühen 17. Jahrhundert mit dem berühmten „Don Quijote“ die spanische Variante, in der die Katzen allerdings braun und nicht grau sind: „De noche todos los gatos son pardos„. Die Redensart verstehen außerdem sowohl die Engländer („All cats are grey in the dark„) als auch die Franzosen („la nuit, tous les chats sont gris„), sodass wir hier einen wirklich europäischen Sprachschatz gehoben haben.

Ziemlich deutsch ist hingegen

Rubbel die Katz

Und woher das kommt, konnten wir uns wirklich gar nicht erklären. Bis jetzt. Früher nannte man den Geldbeutel auch „Geldkatze“. Gemeint war ein länglicher Beutel aus Leder, den sich die Kaufleute um die Taille gebunden haben. Um schnell und ohne Aufwand die Kaufkraft seines Gegenübers einzuschätzen, hat man also unauffällig die Katze gerubbelt. Und zwar vor allem im Ruhrgebiet, woher der Spruch für eine schnelle Entscheidung auch heute noch steht.

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Gut gebrüllt, Löwe!

Weil auch Löwen irgendwie Katzen sind, wollten wir euch den Spruch nicht vorenthalten. Meist wird er verwendet, um respektvoll eine Antwort zu kommentieren, die entweder mutig oder schlagfertig war.

Die Redewendung stammt aus dem letzten Akt von William Shakespeares Stück Ein Sommernachtstraum:
Als einer der Handwerker als Löwe auftritt und  aus vollem Leibe brüllt, um sein schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen, ruft das Publikum: „Gut gebrüllt, Löwe!“ 

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Der Tiger im Tank

hingegen ist profaneren Ursprungs. Man verwendet es vor allem im Englischen („Tiger in the Tank“), wenn man fahren darf und will. Also einen Führerschein und ein Auto hat und voll Tatendurst auf die Straße will. Der Spruch kommt tatsächlich erst aus dem 20. Jahrhundert und wir verdanken ihn Esso, die mit ihrem Tigermaskottchen mit dem Slogan „Put the tiger in your tank“ benzinbedürftige Kundschaft an ihre Tankstellen lockten.

Lasst uns zum Abschluss nochmal auf den Katzenjammer kommen.

Tatsächlich klingt eine jammernde Katze herzzerreißend. Fast wie ein Baby in Not. Und tatsächlich hat die Forschung herausgefunden, dass die Mini-Löwen und Mikro-Tiger das absichtlich so klingen lassen, weil sie über die lange Zeit an unserer Seite gelernt habe, dass sie mit dem Ton am ehesten unser Herz erweichen. Unfassbar, oder?

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Wer sich für den Unterschied von Sprichwort und Redensart interessiert, kann das hier im Skoutz-Wiki nachlesen. Diese Reihe selbst hat uns übrigens so viel Spaß gemacht, dass wir sie in loser Folge fortsetzen wollen. 🙂 Ihr dürft gerne eure Vorschläge posten und kommentieren oder uns schreiben.

So, das wars fürs Erste mit sprichwörtlich #5. Wir hoffen, es hat Spaß gemacht. Fortsetzung folgt.

Die bisherigen Folgen findet ihr hier.

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