Sprichwörtlich #1 - Stilmittel

Sprichwörtlich #1 – Zitate, die redensartlich wurden

Es ist erstaunlich, wie oft wir im Alltag aus Büchern zitieren, die wir womöglich gar nicht gelesen haben. Wie soll das gehen? Eigentlich ganz einfach: Viele der heute gebräuchlichen Sprichwörter und Redensarten entstammen Büchern, naturgemäß meist Klassikern. Vielfach zitiert werden sie irgendwann auch losgelöst vom Buch verwendet und ihr Ursprung vergessen.

Aber seht selbst, welche diese Redensarten hättet ihr als Literatur-Zitat erkannt?

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Sprichwörtlich #1
Redensarten und Sprichwörter, die eigentlich Buchzitate sind

Wer sich für den Unterschied von Sprichwort und Redensart interessiert, kann das hier im Skoutz-Wiki nachlesen. Diese Reihe selbst hat uns übrigens so viel Spaß gemacht, dass wir sie in loser Folge fortsetzen wollen. 🙂 Ihr dürft gerne eure Vorschläge posten und kommentieren oder uns schreiben.

Natürlich beginnen wir bei sprichwörtlich #1 ganz vorn:

Das A und O einer Sache …

 Wer davon spricht, zitiert überkonfessionell die Bibel. Dort nämlich steht in der Offenbarung des Johannes:

Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr …
(Offenbarung 1:8)

Dass hier das O und nicht das Z das Ende markieren ist dem damals gebräuchlichen griechischen Alphabet geschuldet, das von A (Alpha) bis O (Omega) einer anderen Reihenfolge folgt.  Aus der allumfassenden Metapher für Gott wurde im Deutschen eine Wendung für „das Wesentliche, der Kern“ einer Sache.

 

Alter Ego

Auch das berühmte „Alter Ego“ für einen Seelenmenschen, einen guten, sehr vertrauten Freund als »anderes Ich« ist in seiner lateinischen Form bis heute sprichwörtlich geblieben.

Auf der Suche nach seinen Ursprüngen landen wir schon wieder im antiken Griechenland. Griechische wie römische Philosophen, z.B. Aristoteles, Plutarch, Cicero und Seneco, die alle schon den Begriff Alter Ego benutzten, verweisen dabei auf den vor allem Mathematiker bekannten Pytagoras.

 

Erstmal vor der eigenen Tür kehren

Auch wer diese Redensart bemüht, um andere darauf hinzuweisen, besser erst mal selbst den eigenen Ansprüchen zu genügen, zitiert bewusst oder unbewusst hohe Literatur.

Im konkreten Fall geht es dieses Mal um ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe:
Ein jeder kehre vor seiner Tür,
und rein ist jedes Stadtquartier.
Ein jeder übe sein‘ Lektion,
so wird es gut im Rate stohn.
(Zahme Xenien, 9., Bürgerpflicht. Johann Wolfgang von Goethe)

 

Auf Messers Schneide

Auch bei dieser Redensart schmückt man sich meist ungeahnt mit den großen Klassikern.

Wenn eine Sache sehr knapp entschieden wird, zitiert man tatsächlich die Illias von Homer:

Denn nun steht es allen fürwahr auf Messers Schneide: /
Schmählicher Untergang den Achaiern oder auch Leben!

(Illias, 10. Gesang)

In älteren Fassungen war das noch mit „des Messers Schärfe“ aus dem Altgriechischen übersetzt.

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Schuster, bleib bei deinem Leisten

Auch ein in der heutigen Zeit weiterhin sehr wichtiger Rat steckt hinter diesem Sprichwort. Kritisiere nichts, das du nicht verstehst, und beschränke dich bei Ratschlägen auf Gebiete, von denen du Ahnung hast.

Wo aber kommt es her?  Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere erzählt eine Anekdote über den zu seiner Zeit picassogleich bekannten griechischen Maler Apelles. Der wurde nämlich Plinius zufolge von einem Schuster dafür kritisiert, dass auf Apelles‘ Bilder die Schuhe nicht richtig dargestellt seien. Apelles besserte das aus, doch als der Schuster dann noch die Knie der Figur kritisierte, meinte Apelles:

Schuster, bleib bei deinem Leisten, was über dem Schuh ist, kann ein Schuster nicht beurteilen.“

Unter Leisten versteht man übrigens eine meist aus Holz gefertigte Form eines menschlichen Fußes, mit der Schuster ihre Modelle schneiden und formen.

Hier noch ein Link zu Apelles selbst auf Wiki-Art*

So, das wars fürs Erste mit sprichwörtlich #1. Wir hoffen, es hat Spaß gemacht. Fortsetzung folgt.

 

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