Skoutz-Classics: Biblische Liebesgeschichten

Heute befassen wir uns mit dem Klassiker schlechthin. Mit dem Buch der Bücher. Mit der Bibel. Und zwar mit der Bibel als Buch, als eine Art Anthologie, in der über viele Jahrhunderte alle möglichen Texte verschiedenster Verfasser zusammengetragen wurden. Als Sammlung von allen möglichen Geschichten und Textformen. Vom Abenteuerroman bis zu düsteren Dystopien.

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Die Bibel als das von Gott gegebene Buch befasst sich natürlich auch mit der Liebe in all ihren Aspekten und kombiniert sie mit Leidenschaft und Eifersucht, bietet Drama und Romantik sowie überraschende Poesie in ihren Liedern. Erstaunlich ist, dass die Frauengestalten der Bibel sehr stark sind und einige für heutige Mainstream-Liebesromane deutlich zu emanzipiert wären. Ob das Sara ist, die Gott auslacht oder Zippora, die sich ihm zum Schutze Josefs sogar entgegenstellt. Esther und Judith, die für ihre Leute ihr Leben riskieren, oder Delila und Salomé, die ihre Geliebten verraten …

Biblische Liebesgeschichten sind – so scheint es – einfach zeitlos. Doch seht selbst:

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Biblische Liebesgeschichten

Adam und Eva – Unschuld und Sünde

Adam und Eva waren nach der biblischen Erzählung im Buch Genesis (Kapitel 2 bis 5) das erste Menschenpaar und Stammeltern aller Menschen, die in paradiesischer Unschuld lebten, bis sich Eva von der Schlange dazu verführen ließ, den Apfel vom Baum der Erkenntnis zu pflücken und zu essen.

Was das erste Hausverbot in der Menschheitsgeschichte zur Folge hatte.

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Abraham und Sara – Szenen einer Ehe

Von Abraham und Sara, den Stammeltern des Volkes Israel, werden vor allem Szenen einer langen und schwierigen Ehe geschildert. Als Abraham mit Sara nach Ägypten fliehen muss, zieht die wunderschöne Sara überall begehrliche Blicke auf sich. Aus Angst, als hinderlicher Ehemann aus dem Weg geräumt zu werden, gibt sich Abraham als ihr Bruder aus. Tatsächlich macht der Pharao persönlich Sara den Hof und bedenkt auch ihren „Bruder“ mit wertvollen Geschenken, damit er einwilligt, dass Sara zu ihm zieht. Als der Schwindel auffliegt, schickt der Pharao Sara und ihren Abraham fort. Offenbar durften sie die Geschenke behalten, denn ab dann erwähnt die Bibel Abrahams Reichtum. Ganz folgenlos ist diese Scharade jedoch nicht geblieben, denn irgendwie kriselt es seither zwischen den Beiden. Es kommt zu bösen Streits, zumal Sara wegen der anhaltenden Kinderlosigkeit immer bitterer wird, was vor allem ihre Dienerin Hagar ausbaden muss, die einen unehelichen Sohn mit Abraham hat. Als sich Saras Kinderwunsch dank göttlicher Hilfe sehr spät doch noch erfüllt, scheint aber alles gut zu werden.

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Jakob, Lea und Rahel – 14 Jahre Knechtschaft für die Liebe

Bildergebnis für jakob rahel leaDie Genesis erzählt im ersten Buch Mose, wie Jakob zufällig Rachel begegnet und sich in sie verliebt. Um Rahel heiraten zu können, dient Jakob sieben Jahre bei ihrem Vater Laban. Doch in der Hochzeitsnacht wird Jakob betrogen, denn der alte Herr schickt ihm nicht Rahel ins Zelt, sondern deren ältere Schwester Lea. Als der Schwindel auffliegt, ist die Ehe bereits verzogen und Laban erklärt, das müsse so sein, weil die Ältere zuerst zu verheiraten sei. Jakob besteht aber auf Rahels Hand und erhält auch sie – unter der Bedingung sich für weitere sieben Jahre zu verpflichten.

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Mose und Zippora – biblische Liebesgeschichte mit Multikulti

Mose heiratet Zippora, die (äthiopische und damit dunkelhäutige) Tochter eines heidnischen Priesters, der er an einem Brunnen beim Viehtränken begegnet. Als er ihr und ihren Schwestern gegen ein paar feindselige Hirten zur Seite steht, verliebt er sich in sie und hält um ihre Hand an. Als Mose auf dem Weg nach Ägypten mit einem Engel Gottes um sein Leben kämpft, kommt Zippora ihm unerschrocken zu Hilfe und rettet ihn. Dennoch wird sie während des Auszugs aus Ägypten von Moses Schwester Mirjam angefeindet.

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David und Batseba  – Eine verbotene Liebe

Die Geschichte vom König und seiner Geliebten (2 Sam 23,23.39) ist eine der berühmtesten Dreiecksgeschichten der Welt. Batseba war die Frau von Urija, eines von König Davids Generälen. Während der für seinen König auf einem Feldzug war, sah König David Batseba beim Baden und verliebte sich in sie. Die leidenschaftliche Affäre führte dazu, dass Batseba schwanger wurde. David versuchte erst, Urija, dem er dafür eigens Fronturlaub gewährte, das Kind unterzuschieben, doch so sehr Urija seine Frau auch liebte, er wollte keine Privilegien, solange seine Soldaten im Feld waren und lehnte dankend ab. Um Batseba den Skandal zu ersparen, schickte David also kurzerhand Urija auf ein Himmelfahrtskommando und heiratete Batseba dann eben selbst.

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Esther und Artaxexes – Aus Cinderella wird ein Politthriller

Das Buch Esther lässt es krachen. Als der persische König auf Brautschau ist, kommt auch das Waisenkind Esther zum Ball, wo sich der König in sie verliebt und tatsächlich heiratet. Doch das Paar kommt nicht zur Ruhe: Esthers Vetter Mordechai erfährt von einem Anschlag auf den König, den er und Esther vereiteln können. Kurz darauf erfahren sie, dass die Widersacher des Königs versuchen, das Volk gegen ihn aufzuwiegeln und alle Juden im Reich zu vernichten. Daraufhin riskiert Esther ihr Leben, um den König erneut zu warnen.

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Samson und Delila – Eine verhängnisvolle Affäre

Der unbesiegbare Krieger Samson verliebt sich unsterblich in Delila, die schöne Priesterin der feindlichen Philister. Diese wollen sich das zunutze machen und boten Delila ein Vermögen für das Geheimnis von Samsons Kraft. Also drängte Delila Samson, sich ihr  anzuvertrauen. Samson ist misstrauisch und gibt ihr immer wieder falsche Antworten. Obwohl sie ihn offensichtlich jedes Mal verraten hätte, bleibt er bei ihr und sagt ihr schließlich doch die Wahrheit und wird durch den neuerlichen Verrat gefangen genommen und geblendet. Liebe macht eben blind.

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Johannes und Salomé – Wenn Liebe in Hass umschlägt

Wenn er das vorher gewusst hätte? Als Johannes der Täufer die Avancen der schönen Salomé zurückweist, ist diese in ihrem Stolz so getroffen, dass sie vor dem König tanzt und ihn mit der schieren Erotik dieses Schleiertanzes so betört, dass er ihr daraufhin einen Wunsch gewährt. Darauf hat Salomé nur gewartet und verlangt rachsüchtig Johannes‘ Kopf.

Eine andere Variante erzählt, es sei die Mutter gewesen, die Johannes verärgert hatte und die ihrer Tochter riet, sich als Belohnung für ihren Tanz den Kopf des Johannes zu wünschen.

Die Legende erscheint im Neuen Testament, aber auch bei verschiedenen römischen Dichtern, geht aber auf ältere Quellen zurück.

So oder so ist sie eine der Frauengestalten aus der Bibel, die in Kunst, Literatur und Musik die deutlichst4en Spuren hinterlassen hat. Der Gegensatz zwischen dem jungen Mädchen und dem grausamen Wunsch – gepaart mit einem erotischen Tanz beflügelt seit jeher Fantasien.

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Gleichberechtigung in der Bibel

Unter allen Aspekten gab es in der Bibel erstaunlich differenziert zwar viele schwache und misshandelte Frauen, aber gleichermaßen auch äußerst selbstbewusste und starke Frauenfiguren. In Zeiten der Gender-Debatte lohnt daher – man glaubt es kaum – ein Blick in die Bibel. Das Christentum stand von Anfang beiden Geschlechtern gleichermaßen offen, wie man an der traditionellen Taufformel, Galater 3,28 sieht:

Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus.

Dagegen war im älteren Judentum das Initiationsritual für Männer die Beschneidung, während es für Frauen gar kein solches Ritual gab.

Gleichberechtigung gilt übrigens auch für die Partnerschaft in einer Beziehung: „Die Frau verfügt nicht über ihren Körper, sondern der Mann; ebenso verfügt der Mann nicht über seinen Körper, sondern die Frau.“  (1 Kor 7,4-5).  Auch das erste Liebespaar der Bibel, Adam und Eva aus der Schöpfungsgeschichte der Genesis, werden nicht etwa verheiratet, sondern vielmehr von Gott nur als Paar, als Mann und Frau einander zugeordnet.

Natürlich soll das nicht darüber hinwegtäuschen, dass es reichlich diskriminierende und menschenverachtende Passagen in der Bibel gibt, wo heute unerträgliches Verhalten  gefordert wird, z.B.

  • Vergewaltigungsopfer zu töten, wenn sie sich nicht laut genug gewehrt haben,
  • Homosexualität unter Todesstrafe zu stellen (trotz einiger homoerotisch zu deutender Szenen zwischen David und Jonathan oder Jesus und seinen Jüngern)
  • Frauen zu vergewaltigen, wenn dem Rechtschaffenen danach ist …

Dennoch sind eben auch an zentralen Stellen Passagen enthalten, die belegen, dass es auch zu alter Zeit schon eine lebens- und menschenbejahende tolerante Weltsicht gegeben hat.

Zum Hauptartikel kommt ihr hier.

 

 

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