Schreibskoutz – Über die Überarbeitung beim Überarbeiten

Vielleicht weil ich mich gerade selbst damit herumquäle, um einen wieder mal leicht übergewichtigen Band der Schwerttanz-Saga fertigzustellen, fällt mir auf, dass das Überarbeiten von Texten etwas ist, das viele Autoren fürchten. Grund genug, mit Skoutz nach Tipps und Tricks zu suchen, mit denen die Überarbeitung einfacher, effizienter, zeitsparender und vielleicht sogar lustiger wird.

Und hier sind unsere Ergebnisse:

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Um was geht es beim Überarbeiten?

Das Überarbeiten beginnt in dem Moment, in dem das magische Wort „Ende“ unter dem Manuskript erscheint und signalisiert, dass nun ungefähr die Hälfte des Wegs bis zur Veröffentlichung etwas mehr als ein Drittel der Gesamtarbeit geschafft ist. Das ist eine Erkenntnis, die gruselig ist und untrennbar mit dem anschließenden Überarbeiten verbunden. Klar, wir wollen fertig werden und dann kommt die Erkenntnis, nun ein paar hundert Seiten erneut in die Hand zu nehmen … puh!

Doch einerlei wie sorgfältig wir schreiben, wie genau wir unsere Texte während des Tippens beobachten – Schreiben ist und bleibt eine langwierige, oftmals vom Leben unterbrochene Tätigkeit. Inkonsistenzen, Widersprüche, Wortwiederholungen, Tippfehler und vieles mehr sind daher unvermeidlich. Schreiben ist eine Tätigkeit, die sehr auf die Details achtet. Doch wie so oft kann man nur den Wald oder die Bäume sehen. Aus Autorensicht also entweder auf die Figuren oder die Sprache, auf die Szene oder den Plotbogen achten.

Wenn man dann mit der Schreibarbeit fertig ist und sich dem Überarbeiten, einem ersten Korrekturlesen am Stück widmet, dann sieht man erst, wie der Text als Ganzes wirkt. Und jedenfalls bei mir sitzt dann der Rotstift locker, und zwar lange, bevor ich den Text meiner Lektorin anvertraue.

Für ungeduldige Menschen wie mich ist es ein kleiner Kompromiss, schon während des Schreibens mit der Überarbeitung zu beginnen. Das heißt, jedes Kapitel für sich schon mal nach seiner Fertigstellung kritisch zu lesen. Es heißt, erste Fehler auszubessern, zu prüfen, ob das Tempo passt oder ob sie mich langweilen. Das geht aber nur bei relativ einfachen Strukturen, denn auch der häppchenweise Blick ist ein anderer als der aufs Ganze.

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Überarbeiten ist für mich ein Dreisprung:

  1. Überarbeiten, Schriftstück, Handschrift, Papier, ManuskriptVorbereitung – Selbstkritisches Lesen und Anpassen, also nicht mehr als Autor, sondern als Leser, der unterhalten werden will.
  2. Lektorat – Bearbeitung von Inkonsistenzen, Logikbrüchen zusammen mit dem Lektor. Der nimmt sich mit einem professionellen und unverbrauchten Blick den Text vor und gibt so wertvolle Anregungen.
  3. Korrektorat – Der Blick auf Tippfehler, Wortwiederholungen, und ähnliches. All die Ungenauigkeiten, die sich gerade beim Überarbeiten immer wieder einschleichen und daher wirklich erst dann gezielt (!) gesucht werden sollten, wenn man mit allem anderen fertig ist.

Diesen Aspekten widmen wir uns jetzt gemeinsam in mehreren Beiträgen, um aufzuzeigen, was das konkret bedeutet, was zur Überarbeitungsphase alles dazugehört.

Die Ruhe vor dem Sturm

Überarbeiten - Geduld - Liegenlassen Wieder geht es um Geduld.

Umso erstaunlicher mutet an, dass tatsächlich der erste Schritt in dieser Phase darin besteht, nichts zu tun. Ja, wirklich, ganz im Ernst. Autorenherzen sind in Bezug auf ihren Text zwiegespalten. Der emotionale Typ spricht von seinen Texten gern wie von einem Kind, einem Baby. Das kritische Pendant lehnt sie eher ab und hält sie meist für viel zu schlecht. Nach meiner Erfahrung irren beide. Aus dem einfachen Grund, dass der Autor eines Textes befangen ist. Warum das so ist, und wie man sich in Bezug auf seine Texte halbwegs erfolgreich neutralisieren kann, schauen wir uns im Rahmen dieser Serie auch noch an.

Die einfachste Methode, die emotionale Bindung zu seinem Text aufzubrechen, ist aber tatsächlich Nichtbeachtung. Ein paar Monate idealerweise, ein, zwei Wochen mindestens. Denn dann sieht man sehr viele Fehler und Schwächen eines Textes selbst, einfach weil man mit etwas Abstand liest. Mit jedem Fehler, den ihr selbst schon gefunden habt, entlastet ihr euer Lektorat. Das schafft Raum dafür, weniger offensichtliche Schwächen zu bearbeiten, mehr am Feinschliff zu wirken. Oder eben auch die Möglichkeit, euch im Preis entgegenzukommen.

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Vorbereitung

Beim Vorbereiten solltet ihr mindestens zweimal selbst lesen. Einmal in Bezug auf den Inhalt, auf die Logik im Plot und in der Entwicklung der Figuren. Sind die Actionsszenen spannend, die Liebesszenen gefühlvoll? Stimmt die Szenenfolge? Und ein weiteres Mal in Bezug auf die Sprache, auf Wortwiederholungen, Wortauslassungen, Tippfehler und fehlplatzierte Kommas.

Im entsprechenden Beitrag erarbeiten wir eine Checkliste, die euch dabei hilft. Denn natürlich kann man das dem Lektorat überlassen. Aber es macht keinen Spaß, wenn man das Skript dann mit Grundsatz-Kritik zurückbekommt. So etwa mit dem Hinweis, dass vielleicht der Anfang besser in der Mitte wirken würde, weil man sonst beim Lesen vieles noch nicht versteht. Dass die Sache mit dem Abseilen nochmals recherchiert werden sollte und dass der Fluchtwagen am Schluss nie zuvor erwähnt worden ist.

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Lektorat

Die Zusammenarbeit mit den Profis erfolgt idealerweise gleichfalls in mehreren Durchgängen. Da geht es dann, wenn die Vorarbeit erfolgreich war, nicht mehr um die groben Schnitzer, sondern um das, was dem, der ja weiß, was er sagen will, so leicht entgeht: Stellungsfehler im Set, Ungenauigkeiten in der Erzählperspektive, Schachtelsätze, zu abrupte Wechsel …

Ein gutes Lektorat schreibt eure Texte nicht um, sondern holt das Beste aus euren Texten raus. Da geht es um Logik, Konsistenz und Kontinuität.

Dabei geschieht die Überarbeitung oft in Form einer Kommentierung des Textes, gelegentlich aber auch in Beratungsgesprächen, speziell, wenn größere Plot Holes auftauchen oder die Lösung ohne überzeugende Herleitung aus dem Hut gezaubert wird (Deus ex machina). Das kann im Einzelfall eine sehr umfangreiche Überarbeitung erfordern. Gerade in gut geschriebenen Büchern greifen die Szenen wie in einem Räderwerk so ineinander über, dass die Anpassung einer Szene dann oft Nacharbeiten an zahlreichen anderen Stellen im Buch erfordern.

Auch über diese Themen unterhalten wir uns im Rahmen dieser Serie noch ausgiebig.

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Stilistisches Überarbeiten

Ein bisschen zwischen Korrektorat und Lektorat ist die stilistische Überarbeitung. Der Schreibstil ist etwas, das ein noch so guter Autor immer noch verbessern kann. Auch hier ist professioneller Rat von außen sehr hilfreich, denn egal, wie gut man ist, man wird betriebsblind, wie man noch besser werden kann. Das „Außen“ kann nun durch das bewusste und aufmerksame Lesen von großen Vorbildern kommen. Es kann aber einfacher mit Tipps aus einem guten Korrektorat/Lektorat erreicht werden. Das ist ein bisschen wie Konfektionsware oder eine Maßanfertigung. Man kann in beidem gut aussehen, aber einfacher ist es bei den B-Varianten.

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Korrektorat

Wenn strukturell und inhaltlich dann alles so ist, wie es sein soll, geht es an den Feinschliff, an die sprachliche Überarbeitung. Es ist Fluch und Segen unserer Sprache, dass der Austausch eines Wortes schon mal dazu führt, dass man einen ganzen Absatz grammatikalisch anpassen muss, weil sich Schreibweisen, Fälle, Aktiv und Passiv und damit auch Bezüge ändern.

Da kann die Software einiges schaffen, inzwischen sogar erstaunliches. Aber die Feinheiten, speziell die Frage, welcher von mehreren infrage kommenden Begriffen der wirklich beste in der jeweiligen Szene ist – da ist Gefühl erforderlich. Nicht nur objektiv in Bezug auf die Erwartung eines Durchschnittslesers, sondern eben auch mit Blick auf den individuellen Stil des Textes selbst. Soll man dem Text anmerken, ob der Text in Bayern oder an der Waterkant verfasst wurde, ob er aus Österreich oder der Schweiz stammt? Sind sprachliche Besonderheiten, wie etwa Dialekt, gewollt? Liegt einem vermeintlichen Fehler ein Wortspiel zugrunde?

Auch das sehen wir uns in dem entsprechenden Beitrag noch genauer an.

Nachdem auch der beste Korrektor immer noch etwas übersieht, ist zum Abschluss der Überarbeitung ein Testlauf mit ein paar Probelesern ratsam. Das erlaubt zugleich den Übergang von der Überarbeitungs- in die Veröffentlichungsphase. Es ist üblich, von diesen Lesern nicht nur Feedback zu etwaigem Anpassungsbedarf zu fordern, sondern auch eine Vorabrezension, die beim Marketing hilft.

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