Interview Melanie Philippi

Zu Besuch bei Melanie Philippi

Auf unserer Interview-Tour treffen der Skoutz-Kauz und ich heute Designerin und Illustratorin Melanie Philippi. Ich bin schon sehr gespannt, was wir bei ihr alles erleben werden. Bei meiner Vorabrecherche habe ich bereits herausgefunden, dass sie eine künstlerische Autodidaktin ist und ein Faible für RPGs (Role-Play Gaming) und die Phantastik hat. Ganz nach dem Motto „From Inspiration to Creation“ lässt sie ihren Ideen freien Lauf und bringt dadurch wunderschöne und vor allem farbenfrohe Kunstwerke zu Papier. Mal sehen, was ich ihr in unserem Gespräch noch so alles entlocken kann.

 

Martina zu Besuch bei Melanie Philippi, die an die Macht der Würfel glaubt …

Liebe Melanie, vielen Dank, dass wir bei dir sein dürfen. Nach allem, was wir über dich herausgefunden haben, bist du ja wirklich schwer beschäftigt.

Um nicht zu viel deiner sicher kostbaren Zeit in Anspruch zu nehmen, würde ich sagen, fangen wir an …

 

Beschreibe dich in einem Wort …

Leidenschaftlich

Das ist immer gut. Und führt zur nächsten Frage …

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Wie wurde aus deiner Passion Berufung?

Gezeichnet habe ich schon mein Leben lang.

Und wie wurde ein Beruf daraus?

Das liegt wohl maßgeblich an meinen anderen Hobbys: dem Pen&Paper und Live Action Rollenspiel. Diese Erzählspiele, entweder am Tisch mit Stift und Papier, oder in der freien Natur auf Veranstaltungen in Kostüm, sind nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken.

Da haben wir auch ein paar Experten in der Redaktion, mit denen musst du dich unbedingt mal austauschen, obwohl das sicher länger dauern dürfte … 

Aber inwieweit hat dich das auf deinem Weg zur Künstlerin beeinflusst?

Die Regelbücher zum Pen&Paper Rollenspiel enthalten vielfältige Illustrationen, die die Welt des Spiels für die Spieler begreiflich machen und selbstverständlich war es für mich ein lang gehegter Wunsch, auch irgendwann meine eigene Illustration in einem der Regelbücher zu sehen.

Das kann ich mir vorstellen.

Um das zu erreichen, bin ich auf große Rollenspielmessen gefahren und habe mein Portfolio den Verlagen gezeigt, die dort ausstellen. Und was soll ich sagen: es hat geklappt!

Wow, das ist wirklich toll. Dein Einsatz hat sich ausgezahlt. Solche Geschichten sind immer ungemein inspirierend. 

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Ja und nun zeichne ich schon seit 10 Jahren für die deutsche Rollenspielbranche und im Laufe der Zeit gesellten sich dann schließlich auch Romancover zu meinem Aufträgen.

RPG und Buch sind ja auch eng miteinander verwoben. Aber widmen wir uns doch mal mehr den Büchern … 

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Woher nimmst du deine Ideen für deine Buchcover? Durch was lässt du dich inspirieren?

Da Buchcover ja Auftragsarbeiten sind, halte ich mich vor allem an die Vision des Autors. Immerhin ist es ein Bild, welches das Buch bestmöglich zusammen fassen soll und einen Eindruck des Inhalts liefert.

Verständlich, aber läuft das immer so?

Wenn ich viel kreative Freiheit habe versuche ich natürlich mich an das Flair des Buches anzupassen und dem Autor ein paar Details zu entlocken, die für den Inhalt besonders wichtig sind und die auf dem Cover Platz finden sollen. Es macht aber auch wirklich Spaß wenn ich merke, dass mir absolutes Vertrauen entgegengebracht wird und ich nur sehr grobe Angaben bekomme. Aus solchen Freiheiten entstehen oft die besten Bilder. Extrem detaillierte Aufträge an denen ich mich in einem sehr fest geschriebenen „Korsett“ bewege sind oft anstrengend  und müssen eher „abgearbeitet“ werden.

Ja, das kann ich mir vorstellen. Man muss sich stärker auf die Visionen des anderen fokussieren …

Ich persönlich finde, dass man es solchen Aufträgen auch oft ansieht, dass der Künstler wenig Freiraum hatte.

Vermutlich. Aber bleiben wir doch bitte noch kurz bei der Arbeit am Cover …

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Welche unterschiedlichen Schritte durchläuft ein Cover?

Entwurf, Korrekturschleife in Kommunikation mit dem Auftraggeber, weitere Ausarbeitung, eine  weitere Korrekturschleife und die finale Ausarbeitung.

Läuft das immer gleich ab?

Es kann natürlich auch mehr Korrekturschleifen geben, aber ich versuche meist schon in den vorhandenen Feedbacks alles Wichtige zu besprechen, um die Arbeitszeit nicht unnötig in die Länge zu ziehen.

Man sagt ja auch, dass es mit mehr Schleifen meist nicht besser wird. 

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Gibt es etwas, das beim Designen, Zeichnen oder Kreieren nicht fehlen darf?

Kaffee und atmosphärische Gamesoundtracks. Das hilft bei mir immer um mich zu „erden“ und in den richtigen Workflow zu rutschen. Und natürlich mein Zeichentablet als Arbeitsgerät.

Okay, das waren die Basics und nun … 

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Hast du spezielle Tricks, um die Muse anzulocken?

Meistens genügt es schon, sich eingehend mit dem Autor zu unterhalten.

Klingt spannend …

Jemand der Leidenschaft für dein Projekt hat, vermittelt sehr schnell den „Geist“ seiner Arbeit. Solche Menschen finde ich inspirierend!

Umgekehrt hören wir auch von vielen Autoren, dass sie die Arbeit mit ihren Designern lieben, die aus ihren Ideen Bilder machen. 

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Hast du so was wie ein Markenzeichen?

Ich bringe in Aufträge selten etwas Persönliches ein und verstecke auch keine „geheimen“ Hinweise auf mich als Künstlerin. Das steht mir meiner Meinung nach auch nicht  zu. Immerhin werde ich für die Zeit bezahlt und ich möchte meine  Kunden zufrieden stellen.

So war das gar nicht gemeint, mehr etwas Typisches?

Ich denke, dass es genug „Markenzeichen“ darstellt, wenn der Stil im Allgemeinen als „mein Stil“ erkannt werden sollte.

Klar, auch wenn das schwerer zu beschreiben ist. 

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Techniker oder kreativer Freigeist – wie arbeitest du am liebsten?

Wie ich schon gesagt habe: meistens mag ich eine Mischung.

Kannst du mir das ein wenig näher ausführen?

Ich brauche ein Gefühl für das, was auf dem Bild sein soll, eine Vorstellung der Atmosphäre die vermittelt  werden soll. Selbst bei völliger  kreativer Freiheit würde ich meinen Auftraggeber um einige Angaben bitten, damit ich nicht „ins Blaue hinein“ arbeite. Eine solche Herangehensweise würde auch die Kosten des Covers unnötig nach oben treiben – und am Ende gefällt es womöglich nicht einmal.

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Gibt es für dich so etwas wie das ideale Cover?

Uff. Schwierige Frage.

🙂 Danke, denn damit bekommen wir meist auch spannendere Antworten. Also?  

Ich denke das ideale Cover vermittelt einen Eindruck des Inhalts. Ich finde es wichtig, dass es nicht völlig austauschbar und generisch ist.

Also lieber individuell …

Es gibt so viele Cover die sich extrem ähnlich sehen, aber auch das ist natürlich auch oft eine Frage des herrschenden Zeitgeists.

Klar, letztlich soll ein Cover die Richtigen auf das Buch aufmerksam machen …

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Worin besteht für dich der Unterschied zwischen einem  Premade und einem Auftragscover? Wann empfiehlst du das eine oder andere? Erkennt man das nachher und wenn ja, woran?

Premade biete ich nicht an.

Ach, nicht?

Nein, alles was ich zeichne, wird individuell nach den Wünschen des Autors geregelt.

Andere bieten sie dennoch an. Was sind in deinen Augen die Vor- oder auch Nachteiel?

Natürlich sind Premades sicher eine kostengünstige Alternative für viele Selfpublisher, aber da läuft man eben auch schnell Gefahr, dass das Cover sehr austauschbar wird. Ich würde jedem empfehlen, lieber etwas Geld  für ein individuelles Cover zu investieren, als ein generisches „Allerweltscover“ zu kaufen mit Stockfotos, die man vielleicht schon fünf mal auf anderen Cover gesehen hat. Schließlich ist das Cover das Aushängeschild des Buches.

Absolut. Wobei ich fairerweise ergänzen möchte, dass es auch große Verlage gibt, die das Geld fürs Cover lieber ins Marketing stecken und mit wirklich allereinfachsten Standard-Covern und Stockbildern arbeiten. Was ich auch immer schade für das betreffende Buch finde.

Jetzt haben wir viel über die Wechselwirkung von Cover und Buch gesprochen, da haben wir noch eine Frage: 

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Normalerweise heißt es, man soll den Inhalt eines Buches nicht nach seinem Cover beurteilen, dennoch tauschen etliche Autoren im Nachhinein noch einmal das Titelbild. Was denkst du, sind die Vor- und Nachteile?

Puh. Ich fürchte, dass man nur austauschen muss, wenn die Kommunikation mit dem Coverkünstler nicht gut lief oder letztlich das Stockfoto-Cover nicht gefällt. Deswegen: lieber direkt einen Profi beauftragen, der das Cover nach den eigenen Wünschen „schneidert“.

Lieber gleich richtig.

Man darf aber nicht vergessen: Oft hat man ja auch keine Wahl.

Wie meinst du das?

Wenn ein Cover für einen Verlag gestaltet wird, hat man ja auch nicht immer direkten Kontakt zum Autor und kommuniziert nur über die zuständigen Mitarbeiter des Verlages.

Stimmt, das mag auch ein Grund für die Beliebigkeit vieler Verlags-Cover sein. Klingt, als sollten wir uns dazu nochmal gesondert unterhalten. Das Thema Cover interessiert ja sehr viele Buchmenschen brennend. 

Aber lass uns doch mal über dich sprechen!

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Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Vieles.

Jetzt bin ich neugierig 🙂

Für die Menschen die mir wichtig sind, Filmpremieren, Rollenspiel, Messen und Conventions. Wenn man etwas aus Leidenschaft tut, ist auch manchmal Schlaf nicht das Wichtigste … wenn man ihn nachholen kann. 😉

Wohl wahr! Wenn man aufgeregt genug ist, kann man eh nicht schlafen. 

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Was ist deine größte Stärke?

Meine Liebe zu meiner Arbeit.

Das merkt man dir an.

Ich mag es mich mit kreativen Menschen zu umgeben und bin sehr kontaktfreudig. Das Netzwerken und  das Zusammensein mit anderen Kreativen beflügelt mich stets aufs Neue.

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Wenn dein fünf-jähriges Selbst plötzlich deinen jetzigen Körper bewohnen würde, was wäre das Erste, das dein fünf-jähriges Selbst tun würde?

Wahrscheinlich würde sie sich freuen, dass ihr niemand mehr sagt, sie soll ihr Zimmer aufräumen. XD

Oh ja! Dieses Trauma verfolgt uns wohl alle. 

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Und zum Schluss: auf welche Frage in einem Interview möchtest du einfach nur mit »Ja« antworten?

Bist du glücklich mit deiner Berufswahl?

Liebe Melanie Philippi, tausend Dank, dass wir dich besuchen durften und du so geduldig alle meine Fragen beantwortet hast. Es war sehr interessant, einen Einblick in deinen Arbeitsalltag zu bekommen und wir wünschen deinem Cover für den weiteren Wettbewerb viel Erfolg.

 

Mehr über Melanie Philippi und ihre Arbeit findet ihr auf:

 

Hinweis:

Aus über 350 Vorschlägen der Longlist Buchcover musste unser Juror Ronny Altendorf seine Favoriten wählen. Melanie Philippis ausdrucksstarkes Cover für Peter Hohmanns „Feywind 3: Arûbir“ hat sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt und konnte einen der begehrten Plätze der Midlist Cover 2021 ergattern.

Ronnys Eindruck: Die fein abgestimmten Farben verleihen diesem Cover etwas Magisches und zugleich Geheimnisvolles, das die Blicke auf sich zieht. Und ganz ehrlich? Ein Drache zieht doch immer.

Natürlich sind wir schon gespannt, wie es sich im weiteren Wettbewerb schlagen wird.

 

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