Zu Besuch bei Marcel Riepegerste

Aus einer Longlist von über 500 Titeln im Bereich Crime hat unsere diesjährige Jurorin Kay Noa alle Titel gesichtet und eine Midlist daraus gewählt. Herausgekommen ist eine wunderbare Mischung aus tollen Krimi,- und Thriller Geschichten. Mit Raum 211 steht Marcel Riepegerste auf der Midlist Crime.

Und heute sind der Skoutz und Heike auf dem Weg zu ihm. Die beiden sind total gespannt, wie das Gespräch wohl laufen wird. Auch der Skoutz hibbelt herum und macht Heike noch nervöser. Aber zum Glück sind wir angekommen.

Zu Besuch bei Marcel Riepegerste, der leckeres Essen mit tollen Gesprächen mag und sich vorstellen könnte, ein Koala zu sein.

Hallo lieber Marcel, schön dass wir dich besuchen dürfen, wir freuen uns sehr darüber. Ich habe mich schon sehr auf unser persönliches Treffen gefreut und bin jetzt entsprechend aufgeregt. Sollen wir gleich anfangen? 

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Wenn du ein Tier wärst, wärst du ein …? (Und warum?)

Wahrscheinlich wäre ich ein Koala.

Warum? 

Die Vorstellung, den ganzen Tag nur zu schlafen und zu essen und trotzdem finden einen alle toll, scheint doch verlockend zu sein 😀

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Womit kann man dich im Alltag glücklich machen?

Mit guten (philosophischen) Gesprächen, leckerem Essen und 1-10 Gläsern Wein 😛

Hört sich super an!

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Wir alle haben Wünsche, für uns, für die Welt. Was sind deine und was tust du, damit deine Wünsche in Erfüllung gehen?

Mein größter Wunsch ist es, ein erfolgreicher Autor zu werden. Dafür arbeite ich jeden Tag sehr hart, denn wie die meisten Dinge im Leben, ist das kein Sprint, sondern ein Marathonlauf.

Ja das kann ich mir vorstellen obwohl ich noch nie wirklich geschrieben habe. 

Für die Welt wünsche ich mir, dass wir in Frieden miteinander leben, unseren Mitmenschen respektvoll begegnen und jeden mit seinem Charakter und Lebensentwurf so akzeptieren, wie er oder sie ist.

Wir im Rheinland würden sagen Leben und Leben lassen

Als Einzelner hat man natürlich nur wenig Einfluss auf das Weltgeschehen, aber wie sagte Ghandi so schön: „Sei die Veränderung, die du dir für die Welt wünscht.“

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Welches Buch hat dich am meisten geprägt?

Mich haben natürlich viele Bücher und Autoren in meinem Leben geprägt. Am allermeisten vielleicht „Der große Gatsby“ von Scott Fitzgerald, ein Buch, das schon etwa hundert Jahre alt ist. Wie Fitzgerald mit der Sprache umgeht, was für atemberaubende Sätze er formuliert (das kenne ich sonst nur von Ferdinand von Schirach) und darüber hinaus steckt hinter diesem Buch in meinen Augen auch noch die schönste und gleichzeitig schrecklichste Liebesgeschichte aller Zeiten.

Oh ja, das Buch mag ich auch wirklich unglaublich gerne

Ja, auch Thrillerautoren haben Gefühle, also manchmal 😉

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Bleiben wir noch kurz beim Buchregal. Welcher Klassiker liegt allen Vorsätzen zum Trotz immer noch auf deinem SuB? Und welches Buch ist hätte deiner Meinung nach deutlich mehr Leser verdient und warum?

Also einen klassischen SuB habe ich gar nicht.

Wirklich nicht?? Wie machst du das?

Das ist für mich wie mit Schokolade, wenn sie da ist, kann ich gar nicht widerstehen 😀 Deshalb kaufe ich ein Buch, lese es und dann das nächste. Aber beispielsweise „Der Pate“ von Mario Puzo wollte ich immer mal gelesen haben, dann bin ich doch immer wieder von den vielen Seiten abgeschreckt und verschiebe es auf „später“.

OK das hab ich auch nicht gelesen, nur den Film angesehen

Mehr Aufmerksamkeit haben sicherlich sehr viele Bücher und (gerade unbekanntere) Autoren verdient, deshalb ist es so toll, dass es den Skoutz Award gibt und es hier nur um die Geschichte geht, also jeder Autor eine faire Chance erhält. Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich sagen „28 Tage lang“ von David Safier. Die allermeisten kennen ihn ja als lustigen Autor, der sich mit diesem Buch in meinen Augen völlig neu erfunden hat.

Oh ja, ich weiß was du meinst!

Es geht um die bedrückende Zeit der Juden im Warschauer Ghetto während des Zweiten Weltkrieges. Dieses Buch hat mich nachhaltig bewegt, zeigt es doch die dunkelsten Seiten unseres Menschseins. Eine große Mahnung für ein „nie wieder“.

Absolut!

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Themen finden ist oft einfacher als aus den vielen Ideen, die richtige Auswahl zu treffen. Wie entscheidest du, welches Projekt du als nächstes verwirklichst?

In der Regel notiere ich mir meine Ideen nicht und schaue einfach, welche mich auch nach langer Zeit nicht loslässt, immer wieder gedanklich anklopft.

Ein innerlicher Reminder sozusagen

Dadurch merke ich, welche Geschichten es sind, die unbedingt erzählt werden wollen. Von der ersten Idee zu „Raum 211“, welches ja dieses Jahr auf der Midlist Crime steht, bis zum Schreiben des Buchs, sind so zum Beispiel knapp vier Jahre vergangen, die mich diese Idee nicht mehr losgelassen hat.

Zum Glück hast du sie geschrieben.

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Wo stehst du beim Schreiben einer Szene? Bist du eher der aufmerksame Beobachter und Dirigent oder mittendrin in allen Höhen und Tiefen mit Blut, Schweiß und Tränen?

Ich habe glaube ich eine gesunde Distanz zu meiner Geschichte, für mich ist das Schreiben eher ein Handwerk bzw. eine Kunst und ich beobachte die Geschichte von außen.

Finde ich auch eine spannende Methode!

Ich kann mich aber nicht davon freisprechen, dass auch mal beim Schreiben Tränen geflossen sind, da meine Geschichten auch sehr viel Persönliches beinhalten. Gedanken, Erlebnisse und Menschen, die mir begegnet sind. Ich bin davon überzeugt, dass man beim Schreiben auch durch den Schmerz muss, um berührend und wahrhaftig zu sein.

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Welche Szenen fallen dir beim Schreiben am schwersten und wie meisterst du sie trotzdem?

Mir fallen immer Szenen schwer, für die man viel Fachwissen benötigt, zum Beispiel über medizinische Aspekte oder Waffen. Da kenne ich mich leider (oder zum Glück!?) nicht so aus.

Das wäre für mich auch eine große Hürde 

Das meistere ich dann mit einer gesunden Mischung aus Google, Testlesern und meiner Lektorin. Die kennt sich nämlich erschreckend gut mit Waffen aus. Ich frage besser nicht nach, warum das so ist 😀

🙂

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Was ist dir beim Schreiben deiner Geschichten am wichtigsten, worauf achtest du besonders?

Ich versuche immer das Buch zu schreiben, das ich selbst gerne lesen möchte. Spannend, berührend und bloß keine überflüssigen Sätze und Seiten.

Ja das finde ich sehr gut!

Mich nervt beim Lesen nichts mehr als ein Buch, bei dem man die Hälfte der Seiten hätte weglassen können, ohne dass der Geschichte inhaltlich etwas verloren gegangen wäre. Da versuche ich, eigene Wege zu gehen.

Nun, da wir dieses Interview hier anlässlich deiner Nominierung für den Skoutz-Award führen, bist du ja schon ganz gut unterwegs, denke ich. 

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Es heißt, jeder Künstler muss auch ein bisschen wahnsinnig sein. Was ist dein Schuss „Wahnsinn“?

Ich habe Jahrelang als Sozialarbeiter/Sozialpädagoge und Bezugstherapeut in einer forensischen Psychiatrie, einer Hochsicherheitseinrichtung für gefährliche psychisch kranke Straftäter, gearbeitet. Der Wahnsinn war also mein beruflicher Alltag und man muss schon etwas verrückt sein, wenn man mit Axtmördern ein Grillfest veranstaltet oder in die Stadt einkaufen geht.

Oh 😮 das klingt …. schwer 

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Beschreibe dein aktuelles Buch in 3 Sätzen

Raum 211: Ein dystopischer Thriller, in dem es um ein geheimes Forschungsprojekt von Regierung und Pharmaindustrie zum freien Willen der Menschen geht. Ha, das war sogar nur ein Satz! Streber sein konnte ich schon immer gut. 😉

Ja, das ist beeindruckend. 

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Was würdest du noch gerne lernen und wozu?

Ich versuche immer viel dazuzulernen. Leben heißt für mich Veränderung, das Gegenteil davon ist Stillstand.

Ja da hast du absolut Recht! Und was beschäftigt dich im Augenblick?

Aktuell versuche ich geduldiger zu sein, gelassener durchs Leben zu gehen und mich mehr an den kleinen Dingen zu erfreuen. Mit dem Ziel, dass die allermeisten Menschen verfolgen: Glücklich zu sein. Leichter gesagt, als getan 😀 viele Dinge erfordern lebenslanges Lernen.

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Welcher Moment im Leben hat dich besonders geprägt?

Natürlich gibt es unendlich viele Momente, die mich in meinem Leben geprägt haben. Wir alle sind doch die Summe unserer Erlebnisse, Erfahrungen und Erinnerungen.

Genau

Als Autor ist es sicherlich, das erste Mal ein eigenes Buch in der Hand zu halten und zu wissen: Das hast Du geschrieben! Daran erinnere ich mich noch sehr gut, ein Moment zwischen Stolz und Gänsehaut. Auch die erste Lesung war natürlich etwas ganz Besonderes.

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Was sollen deine letzten Worte sein?

„Alle Geschichten, wenn man sie bis zum Ende erzählt, hören mit dem Tode auf. Wer Ihnen das vorenthält, ist kein guter Erzähler.“ (Ernest Hemingway)

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Und mit welchen Worten soll dieses Interview enden?

Mit einem großen Dankeschön. An all die Menschen, die mich Tag für Tag privat und beruflich unterstützen. Meine Familie und Freunde. An meine fantastische Community, die Leserinnen und Leser, die so engagiert an meiner Seite stehen und ohne die wir Autoren nicht sein könnten. Und einem großen Dank an die Skoutz-Jury, für die Wertschätzung meiner literarischen Kunst. Es ist ein tolles Gefühl, wenn sich harte Arbeit (endlich) auszahlt.

Lieber Marcel, die Zeit ist wirklich so schnell vorbei gegangen. Vielen lieben Dank dafür und das wirklich nette Gespräch! Wir drücken dir natürlich für die nächsten Runden die Daumen und hoffen, noch viel mehr von dir zu lesen! 

 

Mehr über Marcel Riepegerste erfahrt ihr hier:

Skoutz – Lesetipp:

Seher 001 – Ein Kurz-Thriller von Marcel Riepegerste 

John lebt seit Jahren zurückgezogen in einem einsamen Landhaus. Im Kalten Krieg hat er als Waffe für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet. Als „Seher 001“ im Projekt Stargate war es unter anderem seine Aufgabe, durch Fernwahrnehmung vermisste Personen aufzuspüren. Seit vielen Jahren hat er mit niemandem mehr darüber gesprochen, bis eines Tages ein verzweifelter Mann an seine Tür klopft und ihn anfleht, ihm zu helfen. Seine Tochter Amy sei vor zwei Jahren entführt worden und er seine letzte Hoffnung. John lässt sich schließlich auf die Suche nach der Wahrheit ein, ohne jedoch zu ahnen, in welche dunklen Geheimnisse er dabei hineingezogen wird.

Skoutz meint: Ein klassisch aufgebauter Thriller, atmosphärisch dicht, mit genau der richtigen Dosis Rätseln, Mystery und Bangen für einen gelungenen Lese/Hör-Abend. 

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Raum 211 - Marcel Riebegerste - Skoutz-BuchfieberkurveHinweis:
Mit seinem beklemmenden Thriller Raum 211, über ein aus dem Ruder gelaufenes Experiment hat Marcel Riepegerste die Midlist Crime des Skoutz-Awards 2022 erreicht. Wir haben in diesem Zusammenhang das Buch ausführlich besprochen (weiterlesen). Und natürlich hoffen wir, mit diesem Interview das Interesse am Autor, seinen Büchern und auch Skoutz geweckt zu haben.

Wenn ihr wollt, könnt ihr Marcels Bücher (und alle anderen natürlich auch) bei der Skoutz-Buchsuche mit einer Buchfieberkurve bewerten. 5 Klicks als 5 Sterne, die einen zuverlässigen ersten Eindruck erlauben und allen weiterhelfen.

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